Romano H. Zölss (* 1940 in Wienmajstor Romano Zölss (kroatisch), abgerufen am 1. Oktober 2019 als Roman H. Zölss; † 10. Dezember 2016) war ein österreichischer Orgel- und Tamburicabauer.
Leben Romano H. Zölss wurde im Jahre 1940 in Wien geboren. Nach den Luftangriffen auf Wien während des Zweiten Weltkrieges floh er mit seinen Eltern zuerst auf einen Bauernhof nach Oberösterreich, ehe sich die Familie wieder in Wien niederließ.Romano Zölss je 75 ljet star (kroatisch), abgerufen am 1. Oktober 2019 1957 maturierte er am Gymnasium Stubenbastei im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt.Absolventen/Absolventinnen des Gymnasiums Stubenbastei, abgerufen am 1. Oktober 2019 Danach begann er ein Studium der Elektrotechnik, das er nach vier Semestern abbrach.
Nachdem er verschiedene Berufe ausgeübt hatte, entschied sich Zölss Ende der 1960er Jahre Orgelbaumeister zu werden. Nach dem Erhalt des Meisterbriefes zog er ins Burgenland und gründete 1971 in Frankenau, seit ebendiesem Jahr ein Ortsteil von Frankenau-Unterpullendorf, eine Orgelwerkstatt. Bereits ab der Anfangszeit wurden bei ihm regelmäßig Orgelrestaurierungen in Auftrag gegeben. So restaurierte er unter anderem im Jahre 1973 die aus dem Jahre 1757 stammende Orgel der Pfarrkirche Wimpassing an der Leitha und die aus etwa 1780 stammende Orgel in der Pfarrkirche Hornstein, die er auch 2000 ein weiteres Mal restaurierte. in der OrgelDatenBank von Karl Schütz, abgerufen am 1. Oktober 2019 Neben der Reparatur und dem Bau von Orgeln beschäftigte er sich vor allem in der Anfangszeit auch mit anderen Instrumenten wie dem Spinett, dem Zink oder diversen Arten von Flöten.
1977 restaurierte er unter anderem die von Johann Rath aus Ödenburg im Jahre 1762 errichtete Orgel in der Basilika Maria Loretto im Burgenland. Im Jahre 1990 führte Zölss Restaurierungsarbeiten an der aus dem 18. Jahrhundert stammenden Orgel der Pfarrkirche Breitenbrunn durch. Ein Jahrzehnt später restaurierte er auch die von Jacob Deutschmann im Jahre 1819 errichtete Orgel in der Pfarrkirche Winden am See. Ebenfalls im Jahr 2000 schuf er – nach eigener Aussage – nach einjähriger Recherche die erste im Burgenland gebaute Tamburica, die am 1. März 2000 erstmals gespielt wurde.Meister Romano Zölss, abgerufen am 1. Oktober 2019 Seine Recherchen führten ihn durch Österreich und nach Kroatien, wo er an diversen Ausbildungsstätten und von verschiedenen Meistern lernte. Danach trat er vermehrt auch als Tamburicabauer in Erscheinung, wobei er angab für den Bau eines Instrumentes etwa einen Monat zu benötigen.Tamburicaverkauf, abgerufen am 1. Oktober 2019
Weitere Orgeln, an denen Zölss Restaurierungs- oder Reparaturarbeiten durchgeführt hat, sind die Orgeln der Filialkirche Rumpersdorf (1972),Orgeln im Bezirk Oberwart – Eine Bestandsaufnahme (2000), abgerufen am 1. Oktober 2019 der Gustav-Adolf-Kirche in Wien-Mariahilf (ab 1976),Festschrift anlässlich der Weihe der restaurierten Carl-Hesse-Orgel, abgerufen am 1. Oktober 2019 der Pfarrkirche Deutsch Schützen (1976), der Burgkapelle der Burg Schlaining in Stadtschlaining (1981),, abgerufen am 1. Oktober 2019 der Pfarrkirche Münsteuer (1990/91), der Katholischen Pfarrkirche Großpetersdorf (1992), der Filialkirche St. Johann am Kirchberg (1992),PRINCIPAL Nr. 15, abgerufen am 1. Oktober 2019 der Katholischen Pfarrkirche Stadtschlaining (1993), der Evangelischen Pfarrkirche Unterschützen (1993), der Filialkirche hl. Nikolaus in Torren (1994),Laurentius Rosenegger Promptus Aritmeticus in Monte Turano, nec non Mechanicus, et Organiarius hoc valde destructum Organum â Fundamentis Restauravit Anno 1760. Aetatis mea 52 Annorum. In: Romano H. Zölss: Bericht über unsere Restaurierarbeiten am Orgel-Positiv in der röm-kath. Filialkirche St. Nikolaus zu Torren, Gem. Golling, Slbg., Frankenau (Burgenland) 1994, S. 5. Zitiert nach: Roman Schmeißner: Orgelbau in Salzburger Wallfahrtskirchen, S. 25 und 322. der Katholischen Pfarrkirche Bernstein im Burgenland (1997), der Katholischen Pfarrkirche Gasen (1998),Orgeln in Südostösterreich, abgerufen am 1. Oktober 2019Historische Orgeln im oberen Feistritztal, abgerufen am 1. Oktober 2019PRINCIPAL Nr. 6, abgerufen am 1. Oktober 2019 oder der Filialkirche St. Lorenzen am Autersberg (2011).
In den Jahren 1973/1974 wurde Zölss betreffend der Restaurierung der Orgel in der Asperner Martinskirche kontaktiert, jedoch aufgrund eines überhöhten Preises beim Kostenvoranschlag nicht mit der Restaurierung beauftragt.Geschichte des Orgelbaus in St. Martin-Aspern – Die Asperner Orgel im 20. Jahrhundert, abgerufen am 1. Oktober 2019
Zölss war mehrfach an Symposien beteiligt; unter anderem im Jahre 2003, als er in Großwarasdorf über Die Tamburizza aus der Sicht des Musikinstrumentenbauers sprach.Ursula Hemetek/Gerhard Winkler (Hg.): Musik der burgenländischen Kroaten / Muzika Gradišcanskih Hrvatov. Referate des internationalen Workshop-Symposions, Großwarasdorf 7.–9. November 2003 (= Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland, 110). Amt der Burgenländischen Landesregierung – Landesmuseum, Eisenstadt 2004. Abgerufen am 1. Oktober 2019
Im Jahre 1988 gründete der ebenfalls in Frankenau ansässige Josef Weidlinger den Chor-Tamburica-Frankenau (Zbor-Tamburica-Frakanava) unter dem Namen Mišani zbor Frakanava. Zölss war eines der frühen Mitglieder dieses Vereins und übernahm in den 1990er Jahren auch dessen Leitung als Dirigent.Chor-Tamburica-Frankenau – GESCHICHTE DES VEREINES, abgerufen am 1. Oktober 2019 Die Leitung gab er im Laufe der Jahre einige Mal ab, kehrte aber immer wieder an die Spitze des Musikvereins zurück.
Zu seinen Freunden zählte unter anderem der Schriftsteller, Hörspielautor, Lyriker, Maler und Übersetzer aus dem Tschechischen Jan Rys (1931–1986).Briefe an einen toten Freund, abgerufen am 1. Oktober 2019
Ab etwa 1998 bis kurz vor seinem Tod spielte Zölss in der Weltmusik-Gruppierung farstejstu, benannt nach einem jiddischen Lied, wo er vor allem auf dem Kontrabass spielte.FARSTEJSTU auf kaernoel.at, abgerufen am 1. Oktober 2019 Der Gruppe gehörte auch der aus dem Burgenland stammende Keramiker Peter Alten an. Einst gehörte er auch zu den frühen Mitgliedern der Camerata Pannonica, einem internationalen Kammerorchester, das sich als das erste burgenländische Ensemble für Renaissancemusik versteht und deren Initiator er war.Orgelbauer Romano Zölss gestorben, abgerufen am 1. Oktober 2019 Des Weiteren war aktives und leitendes Mitglied verschiedener Musikvereine.
Im Jahre 2003 trat Zölss in den Ruhestand. Am 10. Dezember 2016 starb der fließend Burgenlandkroatisch sprechende Zölss nach langer schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren. Neben Burgenlandkroatisch und seiner Muttersprache Deutsch beherrschte er unter anderem auch Italienisch, Französisch, Russisch, sowie Kroatisch und hatte Jiddisch-Grundkenntnisse. Auch Ulrich Aschermann arbeitete als Orgelbauer von 1988 bis 1991 bei Romano Zölss.
Restaurierungen (Auswahl) Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen 1972 Deutsch Schützen-Eisenberg Pfarrkirche Deutsch Schützen zentriert|160x160px I/P 12 Restaurierung der Orgel von Franz Ullmann aus 1853. 1977 Wimpassing an der Leitha Pfarrkirche Wimpassing an der Leitha I/P 8 Restaurierung der Orgel aus 1757.https://www.martinus.at/institution/5048/orgeln/artikel/article/5330.html 1977 Loretto (Burgenland) Basilika Maria Loretto im Burgenland I/P 10 Restaurierung der Orgel von Johann Rath aus 1761. 1979 Wien Gustav-Adolf-Kirche zentriert|160x160px II/P 29+3 Restaurierung der Orgel von Carl Hesse aus 1848. 1982 Obritz Pfarrkirche Obritz I/P 10 Restaurierung der Orgel von Josef Loyp aus 1849. 1985 Purbach am Neusiedlersee Pfarrkirche Purbach am Neusiedler See I/P 10 Restaurierung der Orgel von Johann Rath aus 1766. 1986 Unterfrauenhaid Pfarr- und Wallfahrtskirche Unterfrauenhaid zentriert|160x160px I/P 8 Restaurierung der Orgel von Philipp König aus 1839. 1990 Breitenbrunn am Neusiedler See Pfarrkirche Breitenbrunn I/P 9 Restaurierung der Orgel aus 1790. 1990/91 Reichersberg Pfarrkirche Münsteuer zentriert|160x160px I/P 8 Restaurierung der Orgel von Johann Christoph Egedacher aus 1712. 1993 Unterschützen Evangelische Pfarrkirche Unterschützen zentriert|160x160px I/P 11 Restaurierung der Orgel von Friedrich Werner aus 1870. 1993 Stadtschlaining Katholische Pfarrkirche Stadtschlaining zentriert|160x160px I/P 9 Restaurierung der Orgel von Johann Jakob Jetter aus 1777. 1994 Maria Lankowitz Filialkirche St. Johann am Kirchberg zentriert|160x160px I/P 9 Restaurierung 1994 Torren Filialkirche hl. Nikolaus in Torren zentriert|160x160px I 5 Restaurierung des Orgelpositivs von Leopold Rotenburger vor 1627. 1997 Bernstein (Burgenland) Katholische Pfarrkirche Bernstein (Burgenland) zentriert|160x160px I/P 7 Restaurierung der Orgel von Sandor Peppert aus 1912, erweitert 1930 von Johann M. Kauffmann.
Weblinks U 76. godini preminuo Romano Zölss iz Frakanave – Eine österreichisch-kroatische Koproduktion des ORF über Zölss und sein Werk (kroatisch) Umro je Romano Zölss auf volksgruppen.orf.at (kroatisch) Organ index: Romano H. Zölss
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