Sophia Lösche (* 17. Februar 1990 in Amberg in der Oberpfalz; † nach dem 14. Juni 2018) ist ein deutsches Mordopfer. Ihre Ermordung durch den aus Marokko stammenden Lkw-Fahrer Boujemaa Lamrabat, bei dem sie als Tramperin mitgefahren war, erlangte internationale Aufmerksamkeit.

Leben Sophia Lösche wurde in Amberg als Tochter des evangelischen Pfarrers Johannes Lösche und Maria-Elisabeth Lösche geboren und wuchs in Pommelsbrunn auf. Sie ist die Schwester der Museumspädagogin Katharina Lösche und des Kulturmanagers und Bündnis 90/Die Grünen-Politikers Andreas Lösche. Gemeinsam mit ihren Eltern zog sie 2004 wieder nach Amberg.Heinrich Bedford-Strohm: Traueransprache für Sophia L., veröffentlicht von Alexander Unger auf Onetz am 1. August 2018, abgerufen am 30. September 2019. Dort legte sie am Max-Reger-Gymnasium im Jahr 2010 das Abitur ab und zog nach Bamberg, um Germanistik zu studieren. Nach dem Bachelorabschluss 2015 nahm sie in Leipzig den Masterstudiengang Germanistik auf und lebte dort bis zuletzt.

Seit ihrer frühen Jugend engagierte sie sich gegen Rechtsextremismus. So setzte sie sich als Schülersprecherin des Max-Reger-Gymnasiums unter anderem für die Teilnahme am Programm „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ein.Andrea Mußemann: Trauerfeier für Sophia: „Sie fehlt uns so sehr“ auf Onetz am 1. August 2018, abgerufen am 30. September 2019. An der Universität Bamberg engagierte sie sich in der Studierendenvertretung, in der sie von 2011 bis 2015 unter anderem Referentin für Soziales und für Hochschulpolitik des universitätsweiten Fachschaftenrats und studentische Vertreterin im Senat der Universität war. Sophia Lösche setzte sich hierbei für emanzipatorische Bildungspolitik und gegen soziale Barrieren wie Studiengebühren oder Zulassungsbeschränkungen ein.Universität Bamberg: Nachruf auf Sophia Lösche vom 29. Juni 2018 auf Facebook, abgerufen am 30. September 2019.

Im Februar 2014 kandidierte sie für die SPD für den Bamberger Stadtrat auf Listenplatz 8. Sie forderte neben einer stärkeren Förderung nicht-kommerzieller Kultur durch aktive Kulturförderung und die Abschaffung der Sperrstunde unter anderem die Schaffung von günstigerem sozialem Wohnraum.Wahlprüfsteine des Studentischen Konvent der Universität Bamberg zur Kommunalwahl 2014, abgerufen am 30. September 2019. Von 2013 bis 2015 war sie im Vorstand des Fördervereins der Studierendenvertretung AstA Bamberg e.V. für Finanzen zuständig.Jahresbericht des AstA Bamberg e. V. 2015.

In den Jahren 2016 bis 2018 reiste sie mehrmals nach Lesbos, um dort in der Gruppe No Border Kitchen Geflüchtete zu unterstützen.Dagmar Willamson: Ambergerin erzählt über Erfahrungen auf Lesbos Geheime Küche im Strip-Club auf Onetz am 29. März 2018, abgerufen am 30. September 2019.

Tötungsdelikt Sophia Lösche wurde am 14. Juni 2018 beim Trampen von dem Lkw-Fahrer Boujemaa Lamrabat mitgenommen und kam nicht am Zielort an. Am 21. Juni wurde ihre Leiche in Nordspanien gefunden. Lamrabat wurde am 19. Juni 2018 in Südspanien verhaftet und am 18. September 2019 wegen Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vom Landgericht Bayreuth zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Der Täter Boujemaa Lamrabat (* 1977) war zum Zeitpunkt der Tat ein verheirateter Familienvater mit drei Töchtern und einem Sohn. Seine Kindheit und Jugend waren von familiärer Vernachlässigung und geringer Bildung geprägt. Trotzdem schaffte er es mit seiner Arbeit als Fernfahrer, in einem für marokkanische Verhältnisse sehr guten Job in die Mittelschicht aufzusteigen. Seine Ehe schilderte er als zerrüttet und gab seiner Frau die Schuld daran. Wie Lamrabat später selbst angab, geriet er leicht in Rage. So hatte er seiner Frau in einem Streit mit einem Messer in die Brust gestochen. Der Vorfall wurde nie angezeigt und als „Haushaltsunfall“ zu den Akten gelegt. Im Frühsommer 2018 erhielt er den Auftrag, für die Spedition Benntrans an verschiedenen Stationen in Süd- und Mitteleuropa Maschinenzubehör einzuladen und nach Marokko zu transportieren.

Tatverlauf Am 14. Juni 2018 wollte die zu diesem Zeitpunkt in Leipzig lebende Sophia Lösche zum Geburtstag ihres Vaters in ihre Heimatstadt Amberg trampen. Sie fuhr mit der S-Bahn nach Schkeuditz, um an der Autobahnraststätte Schkeuditz Reisende anzusprechen, die sie mitnehmen könnten.Hans Holzhaider: Wer weiß, in Süddeutsche Zeitung vom 19. September 2019, S. 3. Gegen 17:55 Uhr sprach Lamrabat sie an, nachdem er sie zuvor aus seinem Lkw beobachtet hatte. Nachdem er zunächst in die am Rastplatz befindliche Tankstelle gegangen war, kam er wenige Minuten später erneut auf Sophia Lösche zu. Nach einem kurzen Gespräch stieg sie schließlich in seinen Lkw, der um 18:16 Uhr losfuhr.Karin Truscheit: Sophia L. war allgegenwärtig in FAZ vom 18. September 2019, abgerufen am 30. September 2019

Am Vortag hatte Lamrabat in seinem Lkw sitzend mehrere Fotos von zwei Frauen angefertigt, die eine öffentliche Toilette aufsuchten. Weniger als zwei Stunden bevor er am 14. Juni Sophia Lösche ansprach, hatte er mit seinem Handy im Lkw Fotos von seinem erigierten Glied gemacht. Während der Fahrt fotografierte er heimlich Sophia Lösche.Christine Ascherl: Mordprozess Sophia Lösche: Technik entlarvt Fernfahrer auf Onetz am 14. August 2019, abgerufen am 30. September 2019.

Um 19:44 Uhr schrieb Sophia Lösche über einen Messenger-Dienst von ihrem Handy aus eine Nachricht an eine Freundin und einen Freund mit dem Inhalt, dass sie „gerade mit Bob, einem marokkanischen Trucker, von Leipzig nach Nürnberg“ trampe, gefolgt von vier geschockten Smileys.Fabian Huber: Tod einer Tramperin, in Augsburger Allgemeine 16.08.2019, S. 3. Um 19:47 hielt der Lkw am Autohof Berg/Bad Steben, wo die beiden an der Tankstelle einen Kaffee tranken und Boujemaa Lamrabat die Toilette aufsuchte.

Um 21:03 Uhr hielt der Lkw für über zwei Stunden am Rastplatz Sperbes an der A 9 in Oberfranken, nur wenige Kilometer vor dem angepeilten Ziel Lamrabats, einer Logistikfirma in Lauf an der Pegnitz.

Rekonstruktion des Landgerichts Nach Auffassung des Landgerichtes Bayreuth geschah der Halt am Rastplatz Sperbes „mit Sicherheit“ nicht auf Veranlassung Sophia Lösches. Nach Überzeugung des Gerichtes sah Lamrabat hier die letzte Chance, einen sexuellen Annäherungsversuch zu unternehmen. Sophia Lösche habe diesen Übergriff „klar und deutlich“ zurückgewiesen. Der hiervon „massiv“ gekränkte Lamrabat griff daraufhin zu einem 40 cm langen Radmutternschlüssel aus Eisen und schlug Lösche damit mehrmals auf den Kopf. Diesen Angriff hätte Lösche überlebt.Christine Ascherl: Sophia Lösche: erst bewusstlos, dann tot auf Onetz am 31. Juli 2019, abgerufen am 30. September 2019. Laut eigenen Angaben verließ Lamrabat daraufhin den Lkw und überlegte, was er tun solle. Nach Auffassung des Gerichts beschloss er in dieser Zeit, Lösche zu töten, „damit sie keine Probleme mehr machen könnte“. Laut Urteilsbegründung des Landgerichtes kehrte er nach 10 bis 20 Minuten zurück zum Lkw und öffnete die Fahrertür. Nachdem er gesehen haben will, dass sich Sophia Lösche noch bewegte, griff er abermals zum Radmutternschlüssel und schlug auf der Treppe stehend erneut auf den Kopf der am Boden Liegenden ein.Christine Ascherl: Urteil im Mordprozess Sophia Lösche: Lebenslang für Boujemaa L., auf Onetz am 18. September 2019, abgerufen am 30. September 2019.Isolde Stöcker-Gietl: Mord an Tramperin: Sophias Lachen bleibt in Mittelbayerische Zeitung vom 18. September 2019, abgerufen am 30. September 2019. Anschließend habe er mit der Kleidung des Opfers den Boden vom Blut gereinigt und die Füße und Arme des Opfers mit Kabelbindern fixiert, um die Leiche im Inneren des Lkw besser verstauen zu können.Kristina Sandig: Mordprozess Sophia Lösche: Todeszeitpunkt bleibt unklar auf Onetz am 16. August 2019, abgerufen am 30. September 2019. Gegen 0:30 Uhr erreichte Lamrabat seinen Zielort, eine Logistikfirma in Lauf, und belud dort wie vereinbart den Lkw.

Lamrabat sei dann über 72 Stunden bis kurz vor Vitoria-Gasteiz im Baskenland gefahren. Dort legte er am 18. Juni gegen 5 Uhr morgens die Leiche in der Nähe einer Tankstelle bei Avarrena ab.Fritz Winter: 1700 Kilometer mit der Leiche im Laster? in Mittelbayerische Zeitung vom 23. Juni 2018, abgerufen am 30. September 2019. Er fuhr zunächst weiter, kehrte jedoch wenige Minuten später wieder zurück zur Ablegestelle, überschüttete die Leiche mit Benzin und setzte sie in Brand, um Spuren zu verwischen. Anschließend setzte er die Fahrt fort.

Am Mittag des 18. Juni erreichte die private Suchtruppe, die sich seit Sophia Lösches Verschwinden am Donnerstag aus Freunden und Verwandten zusammengefunden hatte, die Spedition des Lkw-Fahrers in Tanger telefonisch. Diese stellte den Kontakt zu Lamrabat her. Der teilte den Freundinnen daraufhin telefonisch mit, er habe die Vermisste wie vereinbart an einer Autobahnausfahrt kurz vor Lauf aussteigen lassen.Christine Ascherl: Sophia Lösche: Die verzweifelte Suche der Freunde und Familie auf Onetz am 30. Juli 2019, abgerufen am 30. September 2019.

Am 19. Juni wurde Lamrabat in der Nähe von Carboneros festgenommen.Ulrich Wolf, Sven Heitkamp und Martin Dahms: Sophias letzte Reise in Sächsische Zeitung vom 22. Juni 2018, abgerufen am 30. September 2019. Zuvor war sein Lkw in Flammen aufgegangen, nur wenige Kilometer bevor er einen Kollegen treffen sollte, um Zugmaschinen zu tauschen.Sophia-Prozess: Brandursache des Lkw nicht eindeutig zu klären auf BR.de vom 14. August 2019, abgerufen am 30. September 2019. Auch wenn es das Gericht für wahrscheinlich hält, konnte letztendlich nicht nachgewiesen werden, dass der Lkw-Brand vorsätzlich ausgelöst wurde.

Am 21. Juni wurde schließlich Sophia Lösches Leiche am Ablageort von Mitarbeitern der nahegelegenen Tankstelle gefunden.Per Hinrichs: „Gott schütze meine Frau“, schrieb der mutmaßliche Mörder auf Welt.de vom 24. Juli 2019, abgerufen am 30. September 2019.

Rekonstruktion der Nebenklage Auch die Nebenklage betrachtet das Zurwehrsetzen gegen einen sexuellen Übergriff als Auslöser für den ersten Angriff in Sperbes als erwiesen. Wie er in seinem Schlussplädoyer als Nebenkläger ausführlich erklärte, hält es Sophia Lösches Bruder, Andreas Lösche, allerdings für wahrscheinlich, dass Boujemaa Lamrabat nach dem ersten Angriff zunächst das noch lebende Opfer fesselte und in der Zeit zwischen dem 16. und 17. Juni erst in Frankreich tötete.Christina Ascherl: Fall Sophia: Staatsanwältin und Familie fordern lebenslänglich auf Onetz am 10. September 2019, abgerufen am 30. September 2019. Dort stand er wegen des Sonntagsfahrverbots für Lkws knapp 24 Stunden auf dem Rastplatz „Aire Claude-Bonnier“.Bayreuth/Amberg: Fortsetzung im Prozess Sophia Lösche auf Oberpfalz TV vom 16. August 2019, abgerufen am 30. September 2019.

Für einen späteren Todeszeitpunkt in Frankreich spräche zum einen das Gutachten der spanischen Gerichtsmedizin. Das spanische Obduktionsgutachten datierte den Todeszeitpunkt auf den 16. oder 17. Juni. Im Gegensatz zum spanischen Gutachten datierte der deutsche Gerichtsmediziner Seidl in seinem knapp zwei Monate nach dem spanischen Obduktionsbericht angefertigten Gutachten den Todeszeitpunkt auf der Grundlage der Spuren auf den 14. Juni.Marianne Sperb: Fall Sophia: Ein Tod in vielen Details in Mittelbayerische Zeitung vom 16. August 2019, abgerufen am 30. September 2019. Weiterhin ging er im Gegensatz zu seinen spanischen Kollegen davon aus, dass die Fesselung erst nach dem Eintreten des Todes erfolgt sei. Die spanischen Gutachterinnen sagten zwar vor Gericht aus, dass theoretisch auch ein Todeszeitpunkt am 14. Juni möglich wäre, allerdings nur falls der Leichnam gut isoliert und bei ständiger Kühlung transportiert wurde. Die Folien, in denen die Leiche gefunden wurde, kaufte Lamrabat allerdings nachweislich erst in Frankreich.Fabian Huber: Sophias Reise in den Tod in Südkurier vom 16. August 2019, abgerufen am 1. Oktober 2019.