Die 13-cm-KanoneD.V.E.Nr.201, Anlage 1 zum "Exerzier-Reglement für die Fußartillerie", Berlin 1911, S. 100 ff (manchmal heute auch 13,5-cm-Kanone 09 genannt) war ein Geschütz der Fußartillerie des Deutschen Heeres, das im Ersten Weltkrieg zum Einsatz kam.

Geschichte Das Geschütz wurde als Ersatz für die lange 15-cm-Kanone aus dem Jahr 1892 als Rohrrücklaufgeschütz im Jahr 1907 entwickelt und schließlich im Jahr 1909 im Heer eingeführt. Um die Forderung zu erfüllen, das Geschütz in zwei Lasten im Pferdezug transportierbar zu machen und gleichzeitig eine Schussweite von 15 km und mehr zu erzielen, musste man vom 15-cm-Kaliber abweichen. Das Geschütz war ursprünglich als „Bombardementsgeschütz“ gegen die Betonvorlagen zum Unterschießen sichtbarer Panzerziele vorgesehen. Beschafft wurden zunächst 8 Batterien zu 4 Geschützen Reichsarchiv, Kriegsrüstung S.250 f, Anlagen-Bd.S.400, 430.

Bei Mobilmachung im August 1914 waren 16 weitere Geschütze bestellt worden, die ab Ende 1915 ausgeliefert wurden. Insgesamt wurden 202 Geschütze von 1915 bis etwa 1917 von Krupp gefertigtKosar, mittl. Feldgeschütze S.81, dann begannen die Nachfolgemodelle von Krupp und Rheinmetall, die 15-cm-Kanone 16, die 13-cm-Kanone abzulösen. Indessen waren im Oktober 1918 noch 41 Batterien (zu meist 3, selten 2 Geschützen) mit der 13-cm-Kanone ausgerüstet, davon hatten 9 Kraftzug, 32 Batterien waren weiterhin bespanntFranz Nikolaus Kaiser (Bearb.), Ehrenbuch der deutschen schweren Artillerie Bd. 1 Anl.3.

Der Friedensvertrag von Versailles verbot Deutschland den Besitz schwerer Geschütze. Die bei Weltkriegsende in Deutschland noch vorhandenen Geschütze wurden daher alle verschrottet.

Technische Details

Als Verschluss diente ein horizontaler Krupp’scher Leitwellverschluss, Granate und Treibladung waren getrennt. Die hydraulische Rücklaufbremse hatte einen Bremsweg von maximal 1,42 m, bei der Lafette handelte es sich um eine einteilige Kastenholm-Lafette. Das Geschütz schoss unter Benutzung von Radgürteln und war auch im Gelände gut fahrbar.

Einsatz

Das Geschütz war bei Kriegsausbruch 1914 Ausstattung des II. und III. Btl./ResFußAR 7 (und damit Fußartillerie-Reserve der Festung Köln) und des I. u.II.Btl./ResFußAR 10 (und damit Fußartillerie-Reserve der Festung Straßburg), jedes Bataillon zu 2 Batterien zu 4 Geschützen, leichter Munitionskolonne und Parkkompagnie, also: 4 Btl. à 2 Batt. à 4 Geschütze = 32 Geschütze Franz Nikolaus Kaiser (Bearb.), Ehrenbuch der deutschen schweren Artillerie, Berlin 1931 Bd. 1 Anl.1. Die Batterie zu vier Geschützen umfasste bei Kriegsbeginn 21 sechsspännige Fahrzeuge (4 Rohrwagen, 4 Lafetten, 4 Gürtelwagen, 8 Munitions- und ein Vorratswagen), 4 vierspännige Fahrzeuge (1 Beobachtungs-, 2 Futter- und 1 Schmiedewagen) 2 zweispännige Fahrzeuge (1 Pack-, 1 Lebensmittelwagen) insgesamt 23 Reit- und 154 schwere Zugpferde zusammen 7 Offiziere und 279 Unteroffiziere und MannschaftenD.V.E.219 Mob.Plan Anhang D.V., Berlin 1913.

Im Jahr 1916 halbierte man die Batterien, sodass sie jetzt nur noch zwei Geschütze besaßen. Da die Feuerwirkung einer derartigen Batterie aber als zu schwach empfunden wurde, gab man den Batterien ab etwa 1917 jeweils ein drittes Geschütz; eine derartige Batterie zu 3 Geschützen umfasste 8 Offiziere, 197 Unteroffiziere und Mannschaften, 23 Reit- und 104 schwere Zugpferde, 13 sechsspännige, 3 vierspännige und 3 zweispännige FahrzeugeSt.N.FußA Berlin 1917 S.20.

Im September 1914 kamen Teile des ResFußAR 10 in den Vogesenkämpfen zum Einsatz, hier erlebte das Geschütz seine FeuertaufeReichsarchivwerk, 5. Bd. S.595 Fn.4. II./ und III./ResFußAR 7 wurden bei der Belagerung von Antwerpen erstmals eingesetzt, das II. Btl. hatte seine Feuerstellung östlich Beersel und konnte gegen die Forts Koningshoyckt, Lierre und Kessel wirken, das III. Bataillon südlich Hombeek mit Wirkungsmöglichkeit auf die Forts Waelhem und BreendonckSchlachten des Weltkrieges in Einzeldarstellungen, Bd.3: Antwerpen 1914, Skizze 2.

Das Geschütz kam auch am italienischen Kriegsschauplatz zum Einsatz.

Kriegsbeute Am 29. September 1918 war die New Zealand Division bei den Kämpfen am Canal du Nord eingesetzt. Teile des „Wellington Regiment“ erbeuteten die Kanone mit der Nr. 4, die nach Kriegsende als Beute nach Neuseeland geschickt wurde. Zur Ehre der Soldaten aus dieser Stadt wurde im Jahre 1920 die Kanone Wellington übergeben. Als eines der wenigen noch existierenden Exemplare steht sie heute im Botanischen Garten Wellington.

1921 wurden der Insel Guernsey vier dieser Geschütze als Anteil an der Kriegsbeute der Alliierten überlassen. Hier befanden sie sich am Victoria Tower in Saint Peter Port, bis 1938 zwei von ihnen wegen des schlechten Zustandes verschrottet wurden. Die beiden anderen hat man 1940 in der Erde vergraben, um sie der Deutschen Wehrmacht nicht in die Hände fallen zu lassen. Danach in Vergessenheit geraten, wurden sie 1978 wiederentdeckt und stehen seither auf ihrem alten Platz.http://www.greatwarci.net/memorabilia/pdf/guns.pdf

Zudem existieren trotz der Seltenheit des Geschützes noch weitere Exemplare: Eins in einer Außenstelle des Australian War Memorial in Mitchell/ACT, eins in Easton/PA im Upper Hacket Park auf Rohrwagen und eins im ugandischen Entebbe im Muzinga Park.https://www.passioncompassion1418.com/english_plateforme.htmlhttps://www.passioncompassion1418.com/Canons/Eng_AfficheCanonGET.php?IdCanonAffiche=861

Literatur Reichsarchiv (Hrsg.): Der Weltkrieg 1914-1918, Reihe: „Kriegsrüstung und Kriegswirtschaft“ Bd.1 nebst Anlagen-Band, Berlin 1930 Reichsarchiv (Hrsg.): Der Weltkrieg 1914-1918, 5. Bd. Berlin 1929 Reichsarchiv (Hrsg.): Schlachten des Weltkrieges in Einzeldarstellungen, Bd.3: Antwerpen 1914, bearb. v. GenLt. Erich von Tschischwitz, Oldenburg/Berlin 1925 Franz Nikolaus Kaiser (Bearb.), Ehrenbuch der deutschen schweren Artillerie Bd. 1, Berlin 1931 D.V.E.Nr.201, Anlage 1 zum „Exerzier-Reglement für die Fußartillerie“, Berlin 1911 D.V.E.219: Mobilmachungsplan für das Deutsche Heer vom 9. Okt.1913 (Mob.Pl.), Berlin 1913 Stärkenachweisungen der Fußartillerie-Formationen (St.N.FußA) zu Nr.1296/17 geh.A5 (A.V.Bl. 1917 S.351), Berlin 1917 Kosar, Franz: Taschenbuch der Artillerie Bd.2: „Mittlere Feldgeschütze“, München 1973, ISBN 3-469-00432-3 Ian Hogg: Twentieth-Century Artillery. New York: Barnes & Noble Books, 2000, ISBN 0-7607-1994-2 Herbert Jäger: German Artillery of World War One. Ramsbury, Marlborough, Wiltshire: Crowood Press, 2001, ISBN 1-86126-403-8

Weblinks Images of the gun in Wellington Wolfgang Fleischer: German artillery: 1914–1918, ISBN 978-1-4738-2398-3. S. 58

Einzelnachweise

Kategorie:Geschütz Kaliber 100 mm bis 200 mm Kategorie:Feldkanone (Deutsches Kaiserreich)