Die Knickerbocker-Bande ist der Titel einer Kinderkrimi-Buchserie von Thomas Brezina, die erstmals 1990 erschien und seitdem unregelmäßig fortgesetzt wird. Die Bücher wurden in 19 Sprachen übersetzt und in mehreren Ländern veröffentlicht.
Entstehung
Ursprung
Als dem damals im Radio sowie im Fernsehen als Regisseur eines Kinderprogramms arbeitenden Thomas Brezina vom Neuen Breitschopf-Verlag angeboten wird, eine Kinderbuchreihe zu konzipieren und zu schreiben, reagiert dieser erst zurückhaltend und unentschlossen. Schließlich entwickelt er die Idee einer Bande bestehend aus vier Kindern, die gemeinsam Kriminalfälle lösen. Die Motivation dazu schöpft er aus seiner eigenen Kindheit: er will jene Abenteuer schreiben, die er als Krimi-begeistertes Kind damals selber gerne erlebt hätte. Ursprünglich geplant war eine Serie von neun Büchern mit einem zusätzlichen zehnten Band, und zwar sollte jedes davon an einem Schauplatz in einem anderen Bundesland Österreichs spielen. Brezina legte dem Verlag vorerst nur eine aus wenige Zeilen bestehende Beschreibung der Bandenmitglieder und die Liste der angedachten Buchtitel vor – der Verlag war davon allerdings bereits mehr als begeistert und bot Brezina direkt einen Vertrag für die Serie an, noch bevor dieser mit dem Schreiben überhaupt begonnen hatte. Dieses Vertrauen sollte sich bezahlt machen. Der sofortige massive Erfolg der Bücher führte schnell dazu, dass die Serie erweitert wurde. Das erste tatsächlich geschriebene Buch war übrigens „Lindwurmspuk vor Mitternacht“, welches später als Band 3 erscheinen sollte.
Der Name Knickerbocker
Der Name der Bande kommt von alpenländischen Lederhosen, die in Kniebundhosen-Länge auch als Knickerbocker bezeichnet werden. Im ersten Abenteuer der Knickerbocker-Bande (Rätsel um das Schneemonster) wird die Herkunft dieses ungewöhnlichen Namens erklärt: Die Mitglieder der Bande, die sich zu dieser Zeit noch nicht kennen, gewinnen einen Lederhosen-Designwettbewerb, wollen aber die entworfenen Knickerbockerhosen auf der Preisverleihung nicht vorführen, da die Designs teilweise sehr peinlich sind. Sie werden von dem sehr rundlichen und unfreundlichen Werbechef jedoch dazu gezwungen. Als Gewinner des Wettbewerbs dürfen sich die vier wünschen, was sie wollen. Aus Rache wünschen sie sich, dass der Werbechef fünf Minuten lang auf der Bühne schuhplattelt. Daraufhin nennt er sie „elende Knickerbocker-Bande“ – ein Name, den die vier behalten wollen.Thomas Brezina: Die Knickerbockerbande: Rätsel um das Schneemonster. 6. Auflage 1991. Breitschopf Verlag. S. 29–31. Thomas Brezina überlegte damals auch andere Namen wie „Karottenbande“ für die Serie, es sollte auf jeden Fall etwas Besonderes und Ausgefallenes sein. Angeblich ist ihm unter der Dusche der endgültige Name eingefallen, während er sich an die britische Eisspezialität Knickerbocker Glory zurückerinnerte, die er als Jugendlicher in den Sprachferien in Großbritannien entdeckt und geliebt hatte. Dem Autor fiel auf, dass der Begriff Knickerbocker einerseits sehr österreichisch geprägt, gleichzeitig aber auch international äußerst gängig war und auf verschiedenste Art und Weise gebraucht wurde (z. B.: The Knickerbocker Hotel in New York City). Das Wort fühlte sich für Brezina durch seinen ungewöhnlichen Klang und den internationalen Wiedererkennungswert sofort richtig an: der Bandenname war gefunden.
Inhalt
Die Mitglieder der Knickerbocker-Bande
Die Bande besteht aus vier Mitgliedern, Axel Klingmeier, Lieselotte „Lilo“ Schroll, Dominik Kascha und Paula „Poppi“ Monowitsch. Sie alle wohnen in Österreich: Axel Klingmeier kommt aus Linz, Lilo Schroll aus Kitzbühel, Dominik Kascha aus Wien und Poppi Monowitsch aus Graz, ab Folge 10 wohnen sie allerdings alle in Wien. Zusammen lösen sie zahlreiche (vor allem für eine Gruppe Kinder mehr oder weniger irreal bzw. unrealistisch erscheinende) Abenteuer.
Wie viele fiktive Kinderbanden haben auch die vier Knickerbocker einige für sie typische Eigenschaften. So zum Beispiel ist Lieselotte die Anführerin der Bande (nicht umsonst wird sie das „Superhirn“ – wenn jemand mit ihr zankt auch „Frau Superschlau“ – genannt). Dominik, dessen Hobby Theaterspielen (vorwiegend Shakespeare) ist, nennt sich Hamlets Vater und ist Kinderkomparse am Burgtheater. Seine Eltern sind Schauspieler. Er ist das wandelnde Lexikon des Teams und redet sehr kompliziert, worüber sich die anderen Mitglieder der Bande immer lustig machen. Er trägt eine Brille. Axel ist der kleinste und der sportlichste der Vier. Seine Sportlichkeit kommt den Knickerbockern bei abenteuerlichen Verfolgungsjagden oder Kletterpartien zugute, obwohl er wegen seiner Körpergröße oft gehänselt wird. Sein Markenzeichen ist eine Kappe mit dem Buchstaben „A“, er hat mehrere davon, das bekannteste Stück ist rot mit einem weißen „A“. Poppi liebt Tiere und besitzt einen Minizoo sowie einen Hund, dem in den Büchern ab und zu eine wichtige Rolle zukommt. Sie ist die jüngste im Team.
Ein Motto der Knickerbocker ist es, dass Freunde durch dick und dünn zusammenhalten sollten – als zu Beginn der 1990er Jahre besonderer Aspekt kam von Anfang an auch Mädchen bei der Lösung der Fälle eine entscheidende Rolle zu. Ein anderer Leitsatz ist, dass ein echter Knickerbocker nie aufgeben sollte: „Ein echter Knickerbocker lässt niemals locker“.
Ein Aspekt der Bandendynamik und somit der Buchinhalte, zu dessen Änderung Thomas Brezina von Experten aus der Buchbranche aus marktstrategischen Gründen vor Erscheinung der ersten Bücher angeraten wurde, ist die Tatsache, dass der Autor sich für ein Mädchen als Bandenoberhaupt entschieden hatte. Brezina allerdings blieb unbeirrt überzeugt von dieser Entscheidung.
Die Handlung der Geschichten
Die Detektivarbeit führt die Knickerbocker in der Welt herum, sei es in die Niederlande, in die Schweiz, die Azoren, die USA, nach Frankreich, Deutschland oder auch nach Indonesien und China. Einige Abenteuer spielen in Österreich.
Die Knickerbocker lösen ihre Fälle immer gemeinsam, wobei innerhalb eines Abenteuers Alleingänge nicht auszuschließen sind. Bei ihren Abenteuern werden sie den Übeltätern ein ums andere Mal lästig, was zur Folge hat, dass die vier Detektive oftmals in die Falle gelockt werden. Es gibt auch oft Verfolgungsjagden und es scheinen anfangs endlos viele zwielichtige Personen in den Fall verwickelt. Nicht selten treten auch Gegenstände der Superlative auf, die „Schreckensschokolade“ (explosive Schokolade) oder der „Millionenstorch“.
Die meisten Knickerbocker-Abenteuer beginnen zwar mit übersinnlichen Vorgängen (etwa Geistern, Werwölfen, Zombies, Magie etc.), haben aber alle eine realistische Auflösung.
Bandenlogo
Das originale Logo der Knickerbockerbande ist ein weiß umrandeter, orangefarbener Kreis, auf dem ein grünes „K“ und drei gelbe „Bretter“ mit der Aufschrift „Die Knickerbocker-Bande“ liegen. Dieses Zeichen ist auf der Titelseite jeder deutschsprachigen Ausgabe zu finden, auch die Übersetzungen versuchen sich daran zu halten; ebenso erscheint es auf den VHS-Kassetten der Fernsehverfilmung einiger Bände sowie im Intro der einzelnen Episoden selbst und auf den Tonbandkassetten bzw. Audio-CDs der Hörspielreihe.
Für die seit Anfang 2015 erscheinende Neuauflage ausgewählter Bände im Ravensburger Buchverlag wurde das Logo erstmals komplett überarbeitet. Das neue Logo zeigt den knallroten Schriftzug wieder auf drei Zeilen verteilt; der Anfangsbuchstabe K des Wortes „Knickerbocker“ erstreckt sich übergroß über die Höhe der drei Zeilen und greift somit das charakteristische grüne K des originalen Logos auf. Auch ist der Schriftzug wieder mit einem runden Element unterlegt – diesmal ein metallisch silbergrau glänzender Kreis, der mit einem dunkelblauen Ring aus abblätternder Farbe umrandet ist und sich in Richtung des Schriftzugs erweitert. Für spätere Ravensburger-Editionen wurde allerdings wieder das ursprüngliche Logo verwendet.
Verlage
Die Serie startete 1990 beim Neuen Breitschopf-Verlag. Die Illustrationen wurden damals von Atelier Bauch-Kiesel angefertigt. Seit 2000 erscheinen die Bücher beim Ravensburger Verlag. Anfangs wurden die Bände mit den Originalillustrationen, aber in neuem Format, mit neuen Titelseiten verlegt, bis die Knickerbocker 2005 eine Verjüngung erlebten. Der neue Illustrator ist Jan Birck. Die alten Bände wurden im neuen Outfit aufgelegt und auch neue Geschichten erschienen bis 2009 – im Durchschnitt zwei bis drei Bücher im Jahr. Einige Bände erschienen auch als Taschenbuch beim Omnibus-Verlag bzw. beim Ravensburger Verlag. Seit dem 67. Fall erschien kein weiterer Band der Reihe. Im Juni 2014 ließ Brezina jedoch auf seiner Homepage verlauten, dass er zwei neue Bände geschrieben habe, die ab Frühjahr 2015 erscheinen sollen.: „Anfang 2015 sollte es so weit sein.“ Es blieb jedoch bei zwei neuen Bänden, bei den restlichen Titeln der neuen Reihe handelte es sich um Neuauflagen älterer Abenteuer. Seit 2019 erscheinen wieder einzelne neue Bände.
Titelliste
Original-Reihe 1. Rätsel um das Schneemonster 2. Ein UFO namens Amadeus 3. Lindwurmspuk vor Mitternacht 4. Wenn die Turmuhr 13 schlägt 5. Bodenseepiraten auf der Spur 6. Das Phantom der Schule 7. Die Tonne mit dem Totenkopf 8. Wo ist der Millionenstorch? 9. Treffpunkt Schauermühle 10. Der Fluch des schwarzen Ritters 11. Die Nacht der Weißwurst-Vampire 12. Schokolade des Schreckens 13. Der Ruf des Grusel-Kuckucks 14. Jagd auf den Hafenhai 15. Das Zombie-Schwert des Sultans 16. SOS vom Geisterschiff 17. Die Rache der roten Mumie 18. Kolumbus und die Killerkarpfen 19. Die Gruft des Baron Pizza 20. Insel der Ungeheuer 21. Frankensteins Wolkenkratzer 22. Der tätowierte Elefant 23. Die Drachen-Dschunke 24. Der weiße Gorilla 25. Der grüne Glöckner 26. Im Dschungel verschollen 27. Im Tal der Donnerechsen 28. Titanic, bitte melden! 29. Der eiskalte Troll 30. Im Reich des Geisterzaren 31. Der Bumerang des Bösen 32. Kennwort Giftkralle 33. Das Riff der Teufelsrochen 34. Das Geheimnis der gelben Kapuzen 35. Der Geisterreiter 36. Im Wald der Werwölfe 37. Die giftgelbe Geige 38. Das Haus der Höllensalamander 39. Das Biest im Moor 40. Die Maske mit den glühenden Augen 41. Die Hand aus der Tiefe 42. 13 blaue Katzen 43. Die rote Mumie kehrt zurück 44. Die Höhle der Säbelzahntiger 45. Der Mann ohne Gesicht 46. Hinter der verbotenen Tür 47. Das Phantom der Schule spukt weiter 48. Der unsichtbare Spieler 49. Es kam aus dem Eis 50. Der Schrei der goldenen Schlange 51. Der Schatz der letzten Drachen 52. Das Wesen aus der Teufelsschlucht 53. Das Diamantengesicht 54. Das Gold des Grafen Drakul 55. Der Taucher mit den Schlangenaugen 56. Das Geheimnis des Herrn Halloween 57. Das Internat der Geister 58. Der Computer-Dämon 59. Der Turm des Hexers 60. Das Amulett des Superstars 61. Wenn der Geisterhund heult 62. Das Mädchen aus der Pyramide 63. Spuk im Stadion (Der Fall mit dem 5. Mitglied der Knickerbockerbande) 64. Im Bann des Geisterpiraten 65. Die Monstermaske der Lagune 66. Der Meister der Dunkelheit 67. Der Spinnenmagier
Reihe ab 2015 1: Rätsel um das Schneemonster (2015) 2: U-Bahn ins Geisterreich (2015) 3: Der Panther im Nebelwald (2015) 4: Im Wald der Werwölfe (2015) 5: Die Rache der roten Mumie (2015) 6: Das Haus der Höllensalamander (2015) 7: Dreizehn blaue Katzen (2015) 8: Im Dschungel verschollen (2015) 9: Die Monstermaske der Lagune (2016) 10: Der Schatz der letzten Drachen (2016) 11: Im Geisterhaus des Goldwäschers (2016) 12: Jagd auf den Hafenhai (2017)
Knickerbocker4immer 1. Alte Geister ruhen unsanft (2017) 2. Schatten der Zukunft (2018) 3. Der Tote in der Hochzeitstorte (2020)
Sonderpublikationen Jagd auf den 100 Milliarden Dollar Schatz (Zum 10jährigen Serienjubiläum) Wenn der Eismensch erwacht (Knickerbocker 2000) Wettlauf nach Atlantis (Knickerbocker 2000)