Die Kirche Santi Vincenzo e Anastasio ist eine römisch-katholische Kirche in Ascoli Piceno. Sie befindet sich an der Piazza Ventidio Basso, den Dreh- und Angelpunkt der mittelalterlichen Handelstätigkeit. Sie wurde nach den architektonischen Vorgaben der örtlichen romanischen Kirchen erbaut und später im 14. Jahrhundert mit gotischen Merkmalen ergänzt. Sie gilt als eines der ältesten und künstlerisch bedeutendsten religiösen Gebäude der Stadt und ist von „großer Bedeutung für die christliche Archäologie“A. Rodilossi Ascoli Piceno città d’arte S. 143. Sie ist den Heiligen Vinzenz von Valencia und Anastasius der PerserLe Trame del romanico – Tesori medievali nella Città del travertino, S. 125 gewidmet und gehört zur territorialen Zuständigkeit der Pfarrkirche San Pietro Martire.

Ihre architektonischen Merkmale unterscheiden sie von jedem anderen Sakralbau in Ascoli, denn die charakteristische quadratische Gestaltung der Fassade entspricht dem Stil der Kathedrale von Assisi, der Kirche San Pietro di Spoleto und der Kirche Santa Giusta fuori le mura von Bazzano.

Sie wird seit 1902 in der Liste italienischer Nationaldenkmale angeführt. mini|Hauptportal mini|Kleiner Löwe rechts an der Basis des Bogens mini|Kleiner Löwe links an der Basis des Bogens mini|Portal-Lünette mit der ältesten Inschrift mini|Stein mit Inschrift von 1389

Geschichte Das genaue Baujahr kann wegen fehlender dokumentarischer Quellen nicht bestimmt werden. Antonio Salvi erwähnt, dass „die ältesten historischen und künstlerischen Ereignisse fast völlig unbekannt“ seien.A. Salvi Due epigrafi medievali nella chiesa dei Santi Vincenzo e Anastasio in Ascoli Piceno S. 3 In ihrer jetzigen Form ist die Kirche das Ergebnis von Arbeiten, Restaurierungen und architektonischen Ergänzungen, die im Laufe von mindestens sechshundert Jahren entstanden sind und im Jahr 1389 abgeschlossen wurden. Einige Gelehrte meinen, dass bereits im 4.–6. Jahrhundert ein niederes, halbunterirdisches Oratorium, das von Christen für die Taufe errichtet worden sei, bestanden habe. Cesare Mariotti definiert es „sehr niedrig“ „aus dem 9. Jahrhundert“ und Enrico Cesari vermutet, dass es „vielleicht sogar aus dem 8.“E. Cesari La Chiesa dei Santi Vincenzo e Anastasio di Ascoli Piceno S. 14 sein könnte. Aus dieser Zeit stammen die Umbauten an der Krypta, der eine kleine und „bescheidene Kirche“ hinzugefügt wurde. Später kamen hinzu: die Apsis, der Glockenturm, das Portal mit der Skulpturengruppe und den Seitenschiffen. In seinen Memorie Ascolane schreibt Niccolò Marcucci, dass im 13. Jahrhundert, im Jahr 1275: „Die Pfarrkirche Sant’Anastasio war ein Kollegiatstift, in der Prior D. Nicola di Nicola zusammen mit anderen Priestern, zwar D. Bonaventura di Tomaso, D. Pietro di Gualtiero di Ugone und D. Matteo di Angelo usw. als Kleriker für Cabalisco di Giovanni dienten“N. Marcucci Memorie Ascolane S. 232

Im Jahre 1288 werden „Bonaventura magistri Thome clerico“ mit „Prior Nicolao Nicole“ der Kirche Santi Vincenzo e Anastasio als Teilnehmer der Inventur von Vermögenswerten des „Iorgutii (Georgutii) Simonicti de Monte Passillo“ erwähnt.A. Salvi. Iscrizioni medievali ascolane S. 140, Notiz 272

Der Domherr Pietro Capponi beschreibt die Person Bernard I., der 1036 von Papst Benedikt IX. zum zweiten Fürstbischof von Ascoli ernannt wurde, und berichtet, dass „im selben Jahr die Kirche SS. Vincenzo ed Anastasio in der Stadt erweitert und die Fassade gemacht wurde, wie die Inschrift zeigt, die das Tympanon der Tür mit gotischen Figuren umgibt“.P. Capponi Memorie storiche della Chiesa Ascolana e dei Vescovi che la governarono S. 42

Antonio De Santis zählt sie zu den 15 Pfarren, die im Kataster Ascolis aus dem 14. Jahrhundert eingetragen sind. In den Karten wird sie unter dem Namen „Ecclesia S. Anastaxi“ erwähnt. Damals wurde die mit dem Namen „Santa Maria di Poggio da Capo“ bezeichnete Pfarrkirche angebaut. Obwohl die letztgenannte Kirche in den Dokumenten als „Sanctae Mariae de Podio Brietae“ oder „Santa Maria di Poggio di Bretta“ erwähnt wurde, zeigt der Autor auf, dass es sich nicht um das Dorf Poggio di Bretta handeln könne, da die Pfarrkirche dem Heiligen Johannes dem Täufer gewidmet ist, während die von Poggio da Capo nach der Himmelfahrt benannt ist. Der letztgenannte Historiker glaubt, dass die Kirche Santi Vincenzo e Anastasio auf dem früheren Bau eines heidnischen Tempels errichtet worden seiA. De Santis Titel=Ascoli nel Trecento Vol. II (1350–1400), S. 262. Später erlebte die Kirche eine Zeit des „Verfalls“ und der „Aufhebung“ und die als Oratorium gebaute Krypta wurde zu einer Begräbnisstätte.

Sebastiano Andreantonelli, der zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert lebte, schrieb im Liber Vnicus Asculanae Ecclesiae oder Libro V della Storia di Ascoli die Benennung mit der Widmung an die Heiligen Anastasio und SilvestroS. Andrantonelli, Historiae Asculanae, S. 210. „Tertia Ecclesia SS. Anastasij, & Siluestri, antiquitus item Collegiata, habet priorem, & duos Clericatus. Plures in ea feruantur SS. Reliquae; fuitque ibidem Laicorum Confraternitas vulgo, seu societas, nomine Disciplinae Domini Nostri Iesu Christi.“. Die von diesem Historiker zugewiesene Zuschreibung an den Heiligen Silvester könnte einen Hinweis auf den Heiligen darstellen, dem die unterirdische Krypta gewidmet istS. Andreantonelli, Storia di Ascoli Übersetzung von P. B. Castelli und A. Cettoli, Notiz 46, S. 373.. Sie gilt als dritte Kirche von Ascoli, Hüter vieler Reliquien, einem alten Kollegiatstift unter der Leitung eines Priors und zweier GeistlichenS. Andreantonelli, Storia di Ascoli Übersetzung von P. B. Castelli und A. Cettoli, S. 281, in der es eine Bruderschaft der Regeln unseres Herrn Jesus Christus gab.S. Andreantonelli, Storia di Ascoli Übersetzung von P. B. Castelli und A. Cettoli, S. 282

Im Jahr 1576, so berichtet Giuseppe Fabiani, waren die Wände der Kirche nicht verputzt. Venanzo Perfetti di Camerino, der Prior der Kirche, beauftragte den Meister Giovanni Angelo di Marco di Bonera mit der Ausführung von Verputzarbeiten an den Wänden und vereinbarte einen „Lohn von 4,5 Bolognini für jeden Schritt“. Die Arbeit des Meisters bestand aus „diligentem scalcinare, implastare seu intondicare e deinde dealbare ac dare pezzam post intondicationem factam“. Fabiani überlegt, ob er etwas abkratzen soll und ist der Meinung, dass dieser Eingriff die damals vorhandenen Wandfresken hätte zerstören können.G. Fabiani, Ascoli nel Cinquecento, Vol. II, S. 186–187

Ab 1856 wurde die Kirche wegen der unsicheren statischen Bedingungen aufgelassen und für den Gottesdienst gesperrt. Im Jahre 1897 beschloss das Bezirksamt für Denkmalpflege, unter der Leitung des Architekten Giuseppe Sacconi, dringende Erhaltungsmaßnahmen anzuordnen um einen gesamten Verfall des Gebäudes zu vermeidenE. Cesari, La Chiesa dei Santi Vincenzo e Anastasio di Ascoli Piceno, S. 4. Die Leitung der Arbeiten wurde dem Ingenieur Enrico Cesari aus Ascoli übertragen, der die Wiederherstellung des Daches, den Abriss der bröckelnden Decken, die Entfernung der Knochen der Verstorbenen aus der Krypta und schließlich das Auffangen von Quellwasser, das die Überschwemmung der unterirdischen Räume verursachte, verfolgte.

Die mangelnden Dokumente zur Kirchengeschichte ermöglichen nur die zeitliche Rekonstruktion der Ereignisse im Zusammenhang mit dem Studium zweier Inschriften.

Inschriften

Die älteste Inschrift Der Text der ältesten Inschrift befindet sich in der Archivolte der Lünette des Hauptportals und verläuft auf zwei parallelen Bändern, die von drei konzentrischen Linien umgeben sindA. Salvi, Iscrizioni medievali ascolane, S. 140. Sie besteht hauptsächlich aus gotischen MajuskelGiambattista Carducci definiert den Stil der Inschrift als „Halblateinische Schrift“. G. Carducci, Su le memorie e i monumenti di Ascoli nel Piceno, S. 149 und zeichnet sich durch zahlreiche ornamentale Merkmale ausA. Salvi, Due epigrafi medievali della Chiesa dei Santi Vincenzo e Anastasio in Ascoli Piceno, S. 5.

Die Buchstaben haben eine Höhe zwischen 2,5 und 4 cm. Die 5 Strophen des Werkes sind mit 4 achtzackigen Sternen unterbrochen, die in Quadrate von 11,5 × 10,5 cm eingelassen sind und den Text in einem unterschiedlichen, aber symmetrischen Abstand markieren. Die Schrift zeigt einige Unregelmäßigkeiten, und obwohl sie in derselben Werkstatt gearbeitet wurde, wurde sie wahrscheinlich von verschiedenen Personen gemeißelt, vielleicht fünf, eine für jeden Vers.A. Salvi, Due epigrafi medievali nella chiesa dei Santi Vincenzo e Anastasio in Ascoli Piceno, S. 4 Die Inschrift bezieht sich auf die Schaffung eines „novum opus“, d. h. ein „neues Werk“, das von Prior Bonaventura in Auftrag gegeben wurde, setzt sich mit einer Anrufung der Jungfrau Maria und der Heiligen Vincent und Anastasius fort und endet mit einem Gebet.

Aus der Lektüre erfahren wir, dass der Urheber des „novum opus“ der Prior Bonaventura war, von dem „es nicht möglich war, andere Informationen zu finden, so dass die Inschrift im Moment die einzige QuelleAntonio Salvi bezieht sich auf das Jahr 1980, also das Jahr der Veröffentlichung seiner Monographie Due iscrizioni medievali nella Chiesa dei Santi Vincenzo e Anastasio di Ascoli Piceno, die in der Bibliographie zitiert wird. über diese Person und ihr Werk bleibt“.A. Salvi Due iscrizioni medievali nella Chiesa adei Santi Vincenzo e Anastasio di Ascoli Piceno S. 8 Der Text:G. Carducci, Su le memorie e i monumenti di Ascoli nel Piceno, S. 149

Die Datierung in dieser Inschrift wurde von Wissenschaftlern verschieden interpretiert, weil in der italienischen Übersetzung des Verses: „Milleno ac triceno sexto percurrente anno“ einige in der Lemma „triceno“ die Bedeutung von dreißig erkennen, während Antonio Salvi schreibt, dass diese von vielen AutorenA. De Santis, Ascoli nel Trecento – Vol. II (1350–1400), S. 261C. Mariotti, Ascoli Piceno, S. 47 angenommene Version „korrekt 1036 anzeigen sollte“A. Salvi, Iscrizioni medievali ascolane, S. 142, behauptet aber, dass im Mittelalter ein recht häufiger Austausch der Buchstaben „i“ und „e“ in der Schrift vorgekommen ist. Aus dieser Beobachtung schlussfolgert er, dass „triceno“ als grammatikalische „Inkonsistenz“ zu betrachten ist und als „treceno“ für dreihundert gelesen werden sollteA. Salvi, Due epigrafi medievali nella chiesa dei Santi Vincenzo e Anastasio in ascoli Piceno, S. 6. Er fügt hinzu, dass dieses Jahr der Datierung eher der Analyse der grafischen Formen der SchriftzeichenA. Salvi, Due epigrafi medievali nella Chiesa dei Santi Vincenzo e Anastasio di Ascoli Piceno, op. cit., pag. 3, Nota 1., der in der Gestaltung verwendeten Abkürzungen, der Form, in der einige Wörter geschrieben werden, und dem Baustil des Sakralbaus zu entsprechen scheint.

Der Text lautet:A. Salvi, Due epigrafi medievali nella Chiesa dei Santi Vincenzo e Anastasio in Ascoli Piceno, S. 4–5

Die Inschrift von 1389 Die zweite Inschrift in chronologischer Reihenfolge stammt aus dem Jahr 1389G. Carducci, Su le memorie e i monumenti di Ascoli nel Piceno, S. 146, ist in Latein auf einem Travertinblock eingraviert, der in der Außenwand des rechten Ganges sichtbar ist und sich auf der linken Seite des Südportales befindet. Die Steinunterlage hat eine quadratische Form mit den Maßen 43 × 43 cm und eine Abplatzung an der Unterseite, die bei Verwendung der ca. 3,5 cm großen gotischen vertikalen GroßbuchstabenA. Salvi, iscrizioni medievali di Ascoli, S. 143, die Lesbarkeit des gemeißelten Textes nicht beeinträchtigt.A. Salvi, Due epigrafi medievali nella Chiesa dei Santi Vincenzo e Anastasio in Ascoli Piceno, S. 10