mini|Doberaner Münster mini|Südfassade vom Doberaner Münster – wesentliches Beispiel für norddeutsche Backsteingotik mini|Chorgewölbe von um 1300
Das Doberaner Münster war bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts die Kirche des Zisterzienser-Klosters Doberan. Es ist heute die Kirche der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Bad Doberan in der Propstei Rostock im Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche).
Das Münster gehört zu den bedeutenden hochgotischen Backsteinbauten im Ostseeraum entlang der Europäischen Route der Backsteingotik. Es birgt eine geschlossene mittelalterliche Ausstattung, wozu der Hochaltar (um 1300), der monumentale Lettner-Kreuzaltar (um 1370), das Chor- und Konversen-Gestühl (ab 1280), die Schränke für den Kelch (um 1300), für die Kredenz (um 1300), der Marienleuchter, Glasmalereien sowie zahlreiche fürstliche und zwei königliche Grablegen gehören.
Geschichte Das Münster als Klosterkirche mini|hochkant|Teil der romanischen Vorgängerkirche mit ehemaliger Konversenpforte und Kreuzbogenfries Nachdem Fürst Pribislaw 1164 den christlichen Glauben angenommen hatte, genehmigte er dem ersten Schweriner Bischof Berno die Gründung eines Klosters. Diese erfolgte durch einen Konvent von Zisterziensermönchen aus dem Kloster Amelungsborn im Weserbergland in Althof, heute ein Ortsteil im Südosten von Bad Doberan. 1171 wurde das Kloster bezogen und erhielt dank großzügiger Schenkungen bald erheblichen Grundbesitz. Es war das erste mecklenburgische Kloster. Nach dem Tod Pribislaws im Jahr 1178 wurde das Kloster 1179 in den gewaltsamen Thronfolgeauseinandersetzungen zerstört. Dabei starben 78 Menschen. In Althof, heute ein Ortsteil von Bad Doberan, stehen noch Reste der alten Klosterscheune. Die Neuansiedlung erfolgte 1186 in Doberan.
Im Jahr 1232 stand auf dem Gelände des Klosters ein kleinerer Vorgängerbau, der im 13. Jahrhundert durch ein neues Münster ersetzt wurde. Um 1280 begann der Bau, wobei erhaltene Teile der romanischen Kirche in den neuen Baukörper einbezogen wurden. Um 1296 waren der Rohbau und das Dachwerk des gesamten gotischen Münsters fertiggestellt, 1301 die erste Bronzeglocke unter Abt Johann von Elbing geweiht. Neun Jahre später war die Erstausstattung des Chorraumes fertig, der Hochaltar bereits um 1300. Am 3. Juni 1368 wurde durch den Schweriner Bischof Friedrich II. mit seinem Weihbischof Goswinus Grope die Klosterkirche geweiht.Friedrich Lisch: Urkunden zur Geschichte der Kirche zu Doberan. In: Mecklenburgische Jahrbücher. Band 9, 1844, S. 297–299. Das Münster war die wichtigste landesfürstliche Grablege im Mittelalter, was seine besondere politische Bedeutung unterstrich.
Vollendung des Rohbaues um 1296 1296 waren der Rohbau und das Dachwerk des gotischen Münsters fertiggestellt. Nach neuester dendrochronologischer Untersuchung wurde der Dachstuhl bereits 1296 aus frisch verbautem Eichenholz fertiggestellt. Der Rohbau wurde damit in einer enorm kurzen Bauzeit von ca. 15 Jahren vollendet.
Ein charakteristisches Merkmal der Kirche sind die Kreuzrippengewölbe, die denn Abschluss des Rohbaus bildeten. Schrittweise unterstützt durch Lehrgerüste wurden die Gurtrippen, dann die Kreuzrippen und der Schlussstein eingebaut. Ohne unterstützende Gerüste wurden nun die Gewölbekappen eingemauert und mit einem Gussmörtel verfestigt. Auf dem Dach zierte ein etwa 20 Meter hoher Dachreiter die Kirche, in dem bereits eine im Jahre 1301 gegossene Bronzeglocke unter Abt Johann von Elbing aufgehängt und geweiht wurde. Neun Jahre später war die Erstausstattung des Chorraumes fertig, der Hochaltar bereits um 1300. Der Ostchor wurde vermutlich behelfsmäßig eingedeckt und ab 1310 genutzt, abgeteilt durch eine Trennwand.
Parallel zum Baufortschritt begann man mit dem Abriss der romanischen Kirche. Das alte Material wurde zum Verfüllen der Pfeiler und Wände verwendet, da die einmal geweihten Steine zu profanen Zwecken nicht verwendet werden durften. Vielfältige Finanzierungsquellen ermöglichten den raschen Baufortgang. Die zum Kloster gehörenden landwirtschaftlichen Flächen wurden bereits im 14. Jahrhundert nicht mehr durch die Laienbrüder in Eigenwirtschaft bestellt, sondern das Land wurde verpachtet. Pächter waren entweder Landlose oder ehemals freie Bauern. Die in Klosterdörfern angesiedelten freien Bauern wurden in feudale Abhängigkeit geführt.
Das Kloster gewährte ihnen Schutzherrschaft bei Kriegen, Heeresfolgepflicht sowie sonstigen Nöten und der damit verbundenen Verschuldung. Der freie Bauer übergab seinen Boden gegen Zins und Dienste und bekam diesen und ein weiteres Stück Land als Lehen zurück. Die Zisterzienserklöster wurden immer mehr zu feudalen Zentren, die eine bedeutende wirtschaftliche und politische Macht darstellten. Weitere Einnahmequellen waren geschickte Finanzoperationen und Grundstücksgeschäfte sowie reiche Stiftungen, Donationen und Ablasserträge kirchlichen Ursprungs.
Säkularisation mini|Zwischenwand des Ostflügels der Klausur, frühes 13. Jahrhundert mini|hochkant|Renaissancegrabplatte des ersten lutherischen Pfarrers Hermann Kruse († 1599) Das Kloster besaß bis zur Reformation umfangreichen Grundbesitz. Durch die Abgeschiedenheit und Bedeutungslosigkeit Bad Doberans von der Auflösung des Klosters im Jahre 1552 bis in das 19. Jahrhundert gingen die Erneuerungsphasen der Renaissance, des Barock und des Rokoko am Doberaner Münster weitestgehend vorbei. Heute birgt es trotz Verlusten über die Jahrhunderte die vollständigste Originalausstattung (85 %) aller Zisterzienserklosterkirchen.
Im beginnenden 16. Jahrhundert gab es bedeutende Reformversuche und die neue Lehre der Reformation sowie die Lehren Martin Luthers fanden zunehmend auch Anhänger in Mecklenburg. Die bedeutendsten Anhänger der neuen Lehre waren die beiden mecklenburgischen Herzöge Heinrich V. und Albrecht VII. Gleichzeitig gab es politische Rivalitäten zwischen den beiden Brüdern. Beide Herzöge waren erst angetan von der Reformation. Doch Albrecht VII. und seine Frau Anna von Brandenburg wandten sich bald wieder dem Katholizismus zu, während sich sein Bruder Heinrich V. zum neuen Glauben bekannte und im Jahr 1526 dem Torgauer Bund beitrat, als Opposition zu den katholischen Reichsständen. In seinem Landesteil führte er die Reformation ein. Der offene Konflikt zwischen den Brüdern führte am 7. Mai 1520 zu einer Teilung Mecklenburgs (Neubrandenburger Hausvertrag) in die Teile Schwerin und Güstrow. In den geteilten Gebieten kam es dann zu gegenläufigen Entwicklungen.
Nach dem Tod Albrechts VII. 1547 konnte Heinrich V. mit seinem Neffen Johann Albrecht I. im Güstrower Landesteil am 20. Juli 1549 auf dem Landtag in Sternberg die Ablehnung des Augsburger Interims durchsetzen und das Luthertum zur Landeskirche erheben. Es gab von da an ein gemeinsames Glaubensbekenntnis. Das Kloster Doberan fiel nun in den Herrschaftsbereich Schwerins, welches Heinrich V. unterstand. Dieser berief 1521 Joachim Slüter als Reformator für Mecklenburg an die Universität Rostock. Durch Slüter bestand ein enger Kontakt nach Wittenberg. Slüter war es auch, der die Reformation in Mecklenburg weiter vorantrieb.
1535 war der größte Teil des Landes lutherisch. In einer 1535 durchgeführten Visitation im Schweriner Teil wurde auch das Doberaner Kloster besucht. Das Doberaner Kloster stand noch unter dem Schutz des Herzogs, der an sich die Reformation forcierte. Die Herzöge hielten sich jedoch aus politischen Gründen zurück. So kam es, dass Mecklenburg erst relativ spät zum neuen Glauben übertrat. Dies geschah 1549 auf dem Landtag an der Sagsdorfer Brücke bei Sternberg. Die Reformation verlangte eine neue Organisation. Aus der allgemeinen Kirche wurde die Landeskirche geformt. Superintendenturen wurden eingerichtet. Die letzten Katholiken behandelte man im Allgemeinen schonend.
Bei einer 1552 durch Johann Albrecht I. initiierten Generalvisitation wurde eine revidierte Kirchenordnung publiziert. Diese neue Ordnung regelte die Säkularisation der Landesklöster und die Einverleibung ihrer Besitzstände in das landesherrliche Domanium, was bisher aufgeschoben wurde. Damit endete die klösterliche Ära im Doberaner Kloster, welches erst 1530 durch Kaiser Karl V. eine Bestätigung seiner Privilegien erhalten hatte. Am 7. März 1552 kam es zu einem Vergleich zwischen dem amtierenden Abt Nikolaus Peperkorn und dem Herzog. Der Abt bestätigte dem Herzog, dass er das Kloster und die Besitztümer „ganns freywiligk, ungezwungenn unnd ungedrungenn“ übergeben habe. Vermutlich kam es nach der ersten Visitation von 1535 zu einem deutlich sichtbaren Niedergang des Doberaner Klosters, das seine geistliche Vormachtstellung schon 1419 an die gerade gegründete Universität Rostock abgeben musste. Es ist in einem Schreiben von Abt Nikolaus Peperkorn an den Herzog Johann Albrecht I. überliefert, dass er um Hilfe durch den Herzog bat. Er schreibt weiter, weil „yck unde myne myth Conventsbrodere unde personen olde swacke begadete luden weren“, die nicht mehr das Kloster und die Besitztümer in gewohnter Weise bewirtschaften können. Zum Erhalt des Konventes veräußerte der Abt bereits Ausstattungsstücke und Pferde. In einer Urkunde über die Verfassung des Klosters durch den Abt heißt es auch, dass sich der derzeitige Herzog Johann Albrecht I. „syck dysses klosters und dersulwigen underdanen onde thogehorygen guderen gnedychlych tho undernehmen unde de myth ieren amptluden fürder tho bestellen“.
Es kommt zur Unterzeichnung einer Abdankungsurkunde durch den Abt, in der ihn der Herzog mit einer jährlichen Leibrente von 100 Thalern abgefunden hat. Der Abt mit seinen noch lebenden Mitbrüdern zog sich in das Tochterkloster Pelplin zurück. In Doberan wurde ein herzogliches Amt eingerichtet und das Kloster und dessen Besitz durch den herzoglichen Hauptmann Jürgen Rathenow in Besitz genommen; im Münster wurden Reliquien entfernt und es kam zu Zerstörungen der Klosteranlage. Das nach der Auflösung in herzoglichen Besitz gefallene Gelände des Klosters Doberan war in seiner Planung nur noch als Steinbruch nutzbar.
Herzog Ulrich von Mecklenburg konnte diesem Prozess Einhalt gebieten und verhindern, dass nach dem ersten Abbruch von Teilen der Klausurgebäudes auch noch die Klosterkirche Stein für Stein abgetragen wurde. Der Grund für seine Bemühungen lag darin, das Münster als Grablege des Fürstenhauses zu erhalten. Bald danach begann auf Veranlassung der Herzogin Elisabeth, der Gemahlin des Herzogs Ulrich, eine Sanierung des Münsters. Nach ihrem Tod hieß es am 23. November 1586 bei David Chytraeus:
Nachdem der letzte Doberaner Abt, Nikolaus Peperkorn, 1564 in Pelplin verstorben war, wurde im selben Jahr in Doberan der erste evangelische Prediger Hermann Kruse eingesetzt. Damit wurde das Münster letztlich als Doberaner Pfarrkirche gesichert.
Das altehrwürdige Münster, mit der langen Tradition als Familiengrablege des Mecklenburger Herrscherhauses, hatte ausgedient. Johann Albrecht wollte neu beginnen; der Dom von Schwerin sollte nach seinen Vorstellungen als lutherische Familiengrablege an Bedeutung gewinnen. Bereits seinen Onkel Heinrich V. ließ er trotz eines anderslautenden testamentarischen Willens in Schwerin bestatten. Das Verhältnis zu seiner Mutter Anna von Brandenburg war durch ständige religiöse Konflikte bestimmt, und auch hier setzte er sich nach ihrem Tod über ihre Wünsche hinweg. So wurde die katholische Herzogin ebenfalls in Schwerin zu Grabe getragen.