mini|Frauentormauer, Spittlertorturm (links) und Turm „Rotes N“, 2009 Die Stadtmauer ist eines der bedeutenden Kunst- und Baudenkmäler der Stadt Nürnberg. Im Norden ist die weitläufige Burganlage vollständig in die Befestigung integriert.
In seiner langen Geschichte wurde Nürnberg nur einmal mit militärischen Mitteln eingenommen: In der Schlacht um Nürnberg im April 1945 von der 7. US-Armee mit gewaltiger Übermacht. Dass dies vorher nie geschehen war, ist nicht zuletzt auf die im Mittelalter als unüberwindlich geltende Stadtbefestigung, die eine Länge von rund fünf Kilometern aufweist, zurückzuführen.
Die vorletzte Stadtmauer
mini|hochkant|Weißer Turm, 2005 Die ersten Befestigungen werden bereits für das 11. Jahrhundert angenommen. Im 13. Jahrhundert waren die Stadtteile beiderseits der Pegnitz, die Sebalder und die Lorenzer Siedlung, jeweils für sich befestigt.
Nach heutigen Ortsbezeichnungen verlief die Mauer in St. Sebald: von der Burg zum Maxtor, Sieben Zeilen, Webersplatz, Landauersches Zwölfbrüderhaus, Inneres Laufer Tor, Laufer Schlagturm, weiter entlang der Grübelstraße zum Sand, parallel der Pegnitz durch die Neue Gasse, Hans-Sachs-Gasse, Plobenhofstraße, An den Fleischbänken, Wasserturm, westlicher Maxplatz, inneres Neutor, und über Tiergärtnertor wieder zur Burg. Der Verlauf der vorletzten Stadtbefestigungen ist dort in einer gestrichelten Linie dargestellt. Davon ist auf der Sebalder Seite neben der Burg und dem Tiergärtnertor im Norden besonders der Laufer Schlagturm im Osten und der Wasserturm im Westen erhalten geblieben. mini|hochkant|Laufer Schlagturm mit Resten der ehemaligen Stadtmauer
Für die Befestigung der Lorenzer Stadthälfte wird folgender Verlauf angenommen: Unterer Bergauerplatz, ehemaliges Katharinentürlein, Peter-Vischer-Straße, heutige Stadtsparkasse, inneres Frauentor (heute Mauthalle), Kornmarkt, Frauengasse, Spittlertor, Weißer Turm, Karl-Grillenberger-Straße und Unschlitthaus. Auf der Lorenzer Seite steht davon noch der Weiße Turm mit seiner Toranlage im Westen der Lorenzer Altstadt.
Reste des alten Stadtgrabens sind an der Grübelstraße (Herrenschießgraben), Peter-Vischer-Straße (Katharinen- und Tiergraben) und Mühlgasse (Klettengraben) erhalten geblieben.
Erst 1320–1325 wurden beide Teile über den Fluss hinweg durch Mauern zusammengeführt: Im Westen wurde die Pegnitz vom Unschlitthaus bis zum Weinstadel überbrückt. Von dort aus führte die Mauer weiter zur bisherigen Sebalder Stadtbefestigung. Im Osten entstand die Verbindungsmauer von der Neuen Gasse über die Vordere Insel Schütt bis zum Unteren Bergauerplatz auf Höhe der heutigen Heubrücke, an der ein Wehrgang den südlichen Pegnitzarm überbrückte.
Im Westen stehen davon noch der Henkerturm und der Wasserturm sowie der überbrückende Wehrgang, im Osten der Schuldturm auf der Insel Schütt und ein kleinerer Turm, das sogenannte Fraueneisen, auch Weiberschuldturm genannt.
Die letzte Stadtmauer
Die letzte Stadtumwallung wurde 1400 geschlossen, war fünf Kilometer lang und bildete im Stadtgrundriss ein schiefes Parallelogramm. An ihren vier Eckpunkten wurden vier massive Tortürme errichtet.
mini|links|Fronveste mit dem Schlayerturm, 2010 Die Stadtumwallung war gegliedert in die eigentliche Stadtmauer (auch Hohe Mauer genannt), den davor gelegenen, ebenerdigen und 15 Meter breiten Zwinger, die aus dem Graben aufragende Zwingermauer und den Trockengraben. Insgesamt können etwa 130 Graben- und Mauertürme nachgewiesen werden. Der um 1430 als Reaktion auf die Hussitenkriege ausgehobene Graben war durchschnittlich 12 Meter tief und bis zu 20 Meter breit, aber nie mit Wasser gefüllt. 1452 war der Bau des Grabens abgeschlossen. Der Kosten- und Arbeitsaufwand für die Errichtung war immens. Im Jahr 1430 sollen zeitweise etwa 800 Mann am Ausbau der Mauer und des Grabens gearbeitet haben. Allein die Arbeit an der Stützgrabenmauer nahm 26 Jahre in Anspruch. Bei der etwa einstündigen Umrundung des Mauerrings bekommt man noch heute eine gute Vorstellung, welche Massen an Erdreich ausgehoben und wie viele Sandsteine aus den umliegenden Steinbrüchen herbeigeschafft werden mussten.
Den Zugang zur Stadt ermöglichten sieben Tore: die fünf Haupttore mit dem alten Tiergärtnertor und die vier neuen Tortürme (Laufer Tor, Frauentor, Spittlertor und Neutor) sowie zwei Fußgängerdurchgänge (Hallertürlein am Nordufer der Pegnitz im Westen und Wöhrder Türlein im Osten). Hinzu kam das zur Burg führende Vestnertor. Dort, wo die Pegnitz die Stadt verlässt, wurde sie imposant von der Fronveste von 1489/94 überspannt; im Osten sicherte der Tratzenzwinger mit den drei Türmen den Flusseintritt.
Einleitung des Fischbachs mini|J.A. Böner Wasserturm mit Einleitung des Fischbachs um 1700 Eine Besonderheit bildete die Einleitung des Fischbachs, der mittels eines Holzstegs über den Frauentorgraben hinweg in das Stadtgebiet geleitet wurde.zu den Details siehe: und dessen Bedeutung im berühmten Baumeisterbuch des Endres Tuchers aus dem 15. Jhd. erwähnt wurde. zu den Aufgaben eines StadtbaumeistersEndres Tuchers Baumeisterbuch der Stadt Nürnberg (1464–1475). Mit einer Einleitung und sachlichen Anmerkungen von Friedrich von Weech, hrsg. durch Matthias Lexer. Litterarischer Verein, Stuttgart 1862 (= Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart, 64) [Nachdruck Amsterdam 1968]. Am Graben in der Nähe des Sterntors befindet sich heute ein Hinweis auf den einstigen Einfluss des Fischbaches in die Altstadt am Fundament eines im Zweiten Weltkrieg verschwundenen Grabenturms.Hinweistafel beim Turmrest am Frauentorgraben bei: NÜRNBERGinfo abgerufen am 19. Juli 2024. Im Turm wurde das sogenannte Blausternwerk errichtet, das die Wasserkraft des Fischbachs für die Wasserversorgung der Stadt nutzte.
Benennung der Türme mini|hochkant|Maxtormauer, Turm „Schwarzes H“, 2010 Die Türme der Stadtmauer wurden 1540 umlaufend mit einer Kombination von Farben und Buchstaben benanntKarte bei Epoche: Gotik : Letzte Stadtbefestigung 1346-1452 baukunst.de, bekannt als siebenfarbiges Alphabet: Der schwarze Abschnitt beginnt im Norden bei der Burg (Luginsland Schwarz A) und reicht bis zur Insel Schütt im Osten (Turm Schwarz Z). Dort beginnt der blaue Abschnitt mit Blau A und reicht bis Blau X im Süden an der Frauentormauer, wo er mit Rot A in den roten Abschnitt übergeht, der bis Rot Z an der Spittlertormauer im Westen führt, von Grün A fortgesetzt wird und mit Grün O wieder an der Burg endet. Diese alten Bezeichnungen sind noch heute an den Türmen zu sehen.
Erweiterungen mini|hochkant|Neutorturm, 2010 Schon vor 1500 wurde damit begonnen, die Befestigung umzubauen und die Zwinger in Kanonenstellungen umzugestalten: Bei der sogenannten Remparierung wurde entweder die Zwingermauer in der Höhe reduziert und der Zwinger aufgeschüttet oder die Zwingermauer mit einer vorgestellten Mauer mit Kanonenstellplätzen verstärkt. Zusätzlich wurden alte Zwingertürme umgebaut oder abgerissen sowie neue Türme und Basteien errichtet. Die Umgestaltung begann beim Ein- und Austritt der Pegnitz und endete bei der Mauer nördlich des Frauentors.
1527 wurde im Nordosten der Küblerzwinger (auch Dürerbastei genannt) und im Südwesten der Tucherzwinger (heute Fürther Tor), jeweils als Rundbastei, errichtet; 1538–45 wurden die Burgbasteien (Vestnertor-, Große und Untere Bastei) im Norden und Westen der Burg erbaut.
1556–64 wurden die vier Tortürme durch den Stadtbaumeister Georg Unger rund ummanteltSteinerner Lobgesang vom 15. November 1697 In Nürnberger Nachrichten vom 15. November 2017 Fotomontage von W. Kriegbaum (Hochbauamt Nürnberg) und erhielten ihr heutiges, beeindruckendes Erscheinungsbild: der Laufertorturm (Laufer Tor im Nordosten), der Frauentorturm (Frauentor im Südosten), der Spittlertorturm (Spittlertor im Südwesten) und der Neutorturm (Neutor im Nordwesten). Unger nahm sich offenbar die Rundtürme des Mailänder Castello Sforzesco zum Vorbild, die Bartolomeo Gadio um 1450 errichtet hatte.siehe Castello Sforzesco - Das Mailänder Schloss -Türme (bei Tourismusinformationen zu Mailand - Hotel- und Reiseführer) Die nun kreisrunden Türme erreichten durch die Verstärkung einen Durchmesser von bis zu 17 Metern. Durch ihre veränderte äußere Form boten sie den Geschossen von Kanonen eine geringere Angriffsfläche. Zusätzlich wurde eine Artillerieplattform unter dem Dach errichtet, die mit 16 Kanonen bestückt werden konnte. Sie konnten aus einer Höhe von acht Stockwerken weit in das Umland feuern und Angreifer von der Stadt fernhalten.
Das Zeughaus von Nürnberg wurde 1588/89 von Hans Dietmair errichtet. Das Erweiterungsgebäude der Verteidungsanlagen ist im Stadtkern beim Kornmarkt an der Pfannenschmiedsgasse 24. 1954–1955 wurde das zerstörte Gebäude wieder aufgebaut.Zeughaus von Nürnberg: Wiederaufbau 1954–1955, eingesehen am 29. November 2024.Zeughaus von Nürnberg: Pfannenschmiedgasse 24, eingesehen am 29. November 2024.
1611–14 wurde südlich des Laufer Tores die Zwingermauer erneuert und die Wöhrdertor-Bastei errichtet, die 1871 abgerissen wurde.
Danach wurde die Stadtmauer kaum mehr dem Stand der Verteidigungstechnik angepasst. Auf den Plänen des Zeichners und Steinmetzes Hans Bien (Bien-Karte) kann man den Zustand der Mauer in der Zeit um 1628/32 gut erkennen.
Ergänzungen im Dreißigjährigen Krieg mini|links|Lager und Befestigungen des schwedischen Königs Gustav Adolf II, August 1632. Kupferstich von Matthäus Merian dem Älteren. Danckaerts Historis 1642. Während des Dreißigjährigen Kriegs ließ Gustav Adolf vor der Schlacht an der Alten Veste bei Nürnberg im Sommer 1632 wegen seiner zahlenmäßigen Heeresunterlegenheit die Reichsstadt neu befestigen. Unter Leitung schwedischer und fränkischer Kriegs- und Fortifikationsingenieure u. a. der schwedische Ingenieur und Kriegsbaumeister Frans de Traytorrens (1590–1660), Generalquartiermeister Olao Johanne Gotho und der Nürnberger Zeugmeister Johann Carl entstand die Zirkumvalliationslinie mit Laufgräben, aus Stein, Erde und Sand aufgeschütteten Schutzwällen und den aufwändig gestalteten Sternschanzen.
Nürnberg war so auch mit seinen damaligen Vororten weit vor der Stadtmauer von Schanzen wie der Bärenschanze in Gostenhof und den Schwedenschanzen in Wöhrd geschützt. Von Lichtenhof aus liefen die Schanzen und Laufgräben gegen Gostenhof, von da bis an die Pegnitz bei St. Johannis, dann hinter der Burg mit dem der Bastei am Vestnertor bis zum Maxfeld und weiter gegen Wöhrd, wo sie sich mit denen von St. Peter und Lichtenhof vereinigten. Drei schöne starke Bollwerke wurden zwischen dem Spittler- und Frauentor angelegt, zwei vor dem Frauentor; bedeutende Schanzen wurden errichtet, je eine vor Steinbühl auf der Straße nach Schweinau, hinter Steinbühl in der Richtung gegen das Lager, bei St. Wolfgang am Wald an der Straße nach Röthenbach, bei Gleishammer an der Altdorfer Straße und andere mehr. Von Wöhrd aus lief ein Laufgraben gegen den Rechenberg zu, auf dem vier Bollwerke errichtet waren. Alle diese Redouten und Schanzen, die Stadtmauern, runden Türme und Basteien, die Bastionen am Ein- und Ausfluss der Pegnitz, das Ravelin und Hornwerk zwischen dem Frauen- und Spittlertor waren mit großen und kleinen Geschützen besetzt, deren Zahl über 300 betrug.
Die Befestigungsarbeiten, die Verpflegung der Schanzer (zeitweise waren es bis zu 840 Arbeiter) und der Unterhalt der Verteidigungslinie belasteten die Finanzen der Stadt. Die Arbeiten an der ins Umland vorgeschobenen Fortifikation geschahen durch ungemessene Schanzdienste der Nürnberger Bürger und bezahlte Spezialisten aus den Niederlanden und dem böhmischen Teil des Erzgebirges.
Anpassungen an die moderne Zeit Die längere Periode ökonomischer Stagnation bis zur Industrialisierung im 19. Jahrhundert wirkte, wie bei der Gebäudesubstanz Alt-Nürnbergs, musealisierend. 1824 wurde vor der Fronveste der von dem Mechaniker Conrad Georg Kuppler konstruierte Kettensteg errichtet, 1930 wurden massive Stützen hinzugefügt, die ganze Brücke wurde 2010 renoviert.