mini|hochkant=1.2|Kathedrale Unserer Lieben Frau (Sitten) Das Bistum Sitten (, ) ist eine Diözese der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz und umfasst den grössten Teil des Kantons Wallis, mit Ausnahme der Pfarreien Finhaut, Vernayaz, Salvan und Saint-Maurice/Mex, die zur Territorialabtei Saint-Maurice gehören, sowie der Pfarrei Saint-Gingolph, die zum Bistum Annecy gehört. Zusätzlich umfasst das Territorium des Bistums den waadtländischen Bezirk Aigle, mit Ausnahme der Pfarrei Villeneuve, die zum Bistum Lausanne, Genf und Freiburg gehört.
Sitz des Bischofs und des Domkapitels heute ist die Kathedrale Unserer Lieben Frau ( oder ) in Sitten. Oberhirte des traditionsreichen Bistums mit grossem Einfluss auf die Geschichte des Kantons Wallis war von 1995 bis zum Juli 2014 Bischof Norbert Brunner. Seither ist Jean-Marie Lovey CRB Bischof von Sitten.
Geschichte
mini|Das Wappen von Riedmatten als Bischofswappen, für Hildebrand Riedmatten r. 1565–1604. mini|Wappen des modernen Bistums Sitten (zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, nach den Attributen des hl. Theodul in der Heraldik des 16. Jh.) Das Bistum besteht seit dem 4. Jahrhundert, zunächst in Octodurus (Martigny), dem Hauptort der römischen Provinz Alpes Poeninae. Der erste belegte Bischof ist Theodor (auch: Theodul), gestorben um 393–400. Um 585, unter Bischof Heliodorus, wurde der Bischofssitz nach Sitten verlegt. Grund dafür waren entweder der Langobardeneinfall von 573/4 oder aber Rivalitäten mit der 515 gegründeten Abtei Saint-Maurice. Mit dem Sieg Karls des Grossen über die Langobarden kam das Wallis nach 774 zum Frankenreich.
Seit 999 waren die Bischöfe von Sitten im Rang eines Fürstbischofs. Die weltliche Herrschaft über das Wallis wurde von Rudolph III von Burgund an Bischof Hugo (r. 993/8–1017) verliehen, 1032 kam das Wallis mit dem Königreich Burgund (Arelat) zum Heiligen Römischen Reich. Spätestens seit dem 11. Jahrhundert prägten die Fürstbischöfe auch eigene Münzen. Seit dieser Zeit verfolgten die Bischöfe teilweise eine Expansionspolitik, die zu Konflikten mit den Gebietsansprüchen der Abtei Saint-Maurice im Unterwallis führte. Ebenfalls widersetzte sich der Walliser Kleinadel den Herrschaftsansprüchen der Bischöfe. Dieser Widerstand kristallisierte sich in der Bildung der „Zehnden“ genannten Kommunen im Oberwallis, die sich schliesslich im 16. Jahrhundert zur Republik der Sieben Zehnden zusammenschlossen, woraus schliesslich der moderne Kanton Wallis entstehen sollte. Im Raronhandel von 1415–1420 wurde erstmals die Alte Eidgenossenschaft militärisch in diesen Konflikt verwickelt.
Matthäus Schiner (regierte 1499–1522), ab 1511 Kardinal, war eine einflussreiche Figur in der Zeit der Italienkriege und der Eidgenossenschaft am Vorabend der Reformation.
Im 15. und 16. Jahrhundert war das Schloss Uff der Flüe, auch Auf der Flüe in Naters zeitweise Residenz des Bischofs und als Wohnstätte namensgebend.
Das Bistum verbündete sich mit den katholischen Orten der Eidgenossenschaft und die Reformation konnte im Wallis keinen Fuss fassen. Im 17. Jahrhundert flammte der Konflikt mit der Zehndenrepublik neu auf, und ab 1630 verzichteten die Bischöfe weitgehend auf ihre Ansprüche der weltlichen Herrschaft.
Nach der Französischen Revolution und mit dem Ende des Heiligen Römischen Reichs verloren die Bischöfe auch ihren Titel als Fürstbischöfe. Mit dem Beitritt zur restaurierten Eidgenossenschaft 1815 erhielt der Bischof von Sitten einen Sitz im Kantonsparlament mit vier Stimmen.Staatsverfassung vom 12. Mai 1815, Art. 19. Nach der Niederlage im Sonderbundskrieg kam eine radikale Regierung an die Macht und der Bischof und die Klöster wurden weitgehend enteignet. Unter der moderateren Kantonsregierung von 1856 wurden Verhandlungen mit Bischof Peter Joseph von Preux (1843–1875) geführt, und 1880 wurden die nach dem Sonderbundskrieg konfiszierten Ländereien weitgehend retourniert.
Dekanate, Seelsorgeregionen und Pfarreien Das Bistum Sitten zählt insgesamt 10 Dekanate, 36 Seelsorgeregionen und 157 Pfarreien. Die Dekanate sind die folgenden (in alphabetischer Reihenfolge):
Dekanat Aigle Dekanat Ardon Dekanat Brig Ernen Dekanat Leuk Raron Dekanat Martinach Dekanat Monthey Dekanat Siders Dekanat Sitten Dekanat Vex Dekanat Visp
Diözesankalender Im Bistum Sitten wird der Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet um die folgenden Eigenfeiern ergänzt (dahinter jeweils der Rang und die liturgische Farbe).
Abkürzungen: H = Hochfest, F = Fest, G = Gebotener Gedenktag, g = Nichtgebotener Gedenktag, GK = Generalkalender, RK = Regionalkalender
27. April: Petrus Canisius – G (RK: g) – weiss 2. Mai: Sigismund – g – rot. Der Gedenktag des hl. Athanasius des Grossen (GK: G) ist im Bistum Sitten ein nichtgebotener Gedenktag. 8. Mai: Maria, Mittlerin aller Gnaden – G – weiss 15. Juni: Bernhard von Aosta – G – weiss; Archidiakon, Gründer des Hospizes auf dem Grossen Sankt Bernhard (1081) 16. August: Theodor von Sitten – H – weiss; Patron des Bistums Sitten 30. August: Guarinus von Sitten – G – weiss 22. September: Mauritius und Gefährten – H (RK: g) – rot; Patrone des Wallis 25. September: Nikolaus von Flüe – H (RK: g) – weiss; Landespatron der Schweiz 30. September: Ursus und Victor von Solothurn – g – rot. Der Gedenktag des hl. Hieronymus (GK: G) ist im Bistum Sitten ein nichtgebotener Gedenktag. 13. Oktober: Jahrestag der Weihe der Kathedrale von Sitten – in der Kathedrale H, im übrigen Bistum F – weiss 16. Oktober: Gallus – G (RK: g) – weiss 5. November: Alle Heiligen des Bistums – G – weiss 25. November: Katharina von Alexandrien – G (GK: g) – rot; zweite Patronin des Wallis (4. Jahrhundert)
Persönlichkeiten Alfons Tscherrig CSsR (1903–1982), Apostolischer Vikar von Reyes André Perraudin MAfr (1914–2003), Erzbischof von Kabgayi Heinrich Karlen CMM (1922–2012), Erzbischof von Bulawayo Paul Grichting (1923–2003), Gardekaplan der Schweizergarde Henri Kardinal Schwery (1932–2021), Bischof von Sitten Josef Zimmermann (1939–2018), Domherr und Generalvikar im Bistum Sitten Norbert Brunner (* 1942), emeritierter Bischof von Sitten Peter Stephan Zurbriggen (1943–2022), Apostolischer Nuntius in Österreich Peter Bürcher (* 1945), emeritierter Bischof von Reykjavík Emil Paul Kardinal Tscherrig (1947–2026), Apostolischer Nuntius in Italien
Siehe auch Liste der Bischöfe von Sitten Liste der Weihbischöfe in Sitten Liste der Bischofsvikare des Bistums Sitten Schweizer Bischofskonferenz Römisch-katholische Kirche in der Schweiz Liste der römisch-katholischen Diözesen
Weblinks
Einzelnachweise
Sitten Kategorie:Religion (Sitten) Kategorie:Organisation (Sitten) Sitten