mini|Siegelmarke des Reichsmarineamtes
Das Reichsmarineamt war eine Reichsbehörde im Deutschen Kaiserreich, die 1889 aus der Kaiserlichen Admiralität hervorging. Seine Leitung oblag einem Staatssekretär. Es war als Immediatbehörde dem Kaiser direkt unterstellt, unterlag also nicht der Verantwortlichkeit gegenüber dem Parlament mit Ausnahme der Haushaltsbewilligung. Die dem Staatssekretär nachgeordneten Leiter waren Vortragende Räte mit dem Rang der Räte I.–III. Klasse. Ihre Titel waren: Wirklicher Geheimer Admiralitätsrat, Geheimer Admiralitätsrat und Wirklicher Admiralitätsrat. Die Personalangelegenheiten wurden vom Chef des Marinekabinetts erledigt.Großkopff, von Brandenstein: Handbuch für den Verwaltungsdienst. 5. Auflage. Heymanns, Berlin 1912, 1. Band, S. 117 f.
Funktion und Aufgaben Das Reichsmarineamt hatte die Funktion eines Ministeriums für die Kaiserliche Marine. Gemäß der Reichsverfassung von 1871 waren die Bundesstaaten für die Landstreitkräfte und das Reich für die Marine zuständig. Es gab also eine preußische, bayerische, sächsische und württembergische Armee und daneben eine Kaiserliche Marine. Nur diese und die Schutztruppe waren Reichsbehörden.
Die Aufgaben des Reichsmarineamts waren vorwiegend administrativer Art. Ihm waren die Kaiserlichen Werften in Danzig, Kiel und Wilhelmshaven, die Marine-Bildungsanstalten und die Deutsche Seewarte in Hamburg unterstellt. Für Veröffentlichungen wurde seit 1870 das Marineverordnungsblatt benutzt. Im Jahre 1897 wurde die Nachrichtenabteilung des Reichsmarineamtes (Abt. N) eingerichtet. Es diente der Informationsbeschaffung, der Kriegspropaganda und sollte das Interesse für das militärische und zivile Seewesen in der deutschen Öffentlichkeit wecken.FliegerRevue, X, Nr. 44, S. 14 Dem Staatssekretär Alfred von Tirpitz unterstand es direkt. Mit Nutzung dieses Büros sicherte er sich bis 1917 das Nachrichtenmonopol im Reichsmarineamt.
Die operative Führung der Kaiserlichen Marine, die unter dem direkten Oberbefehl des Kaisers stand, oblag dem Oberkommando, später dem Chef der Hochseeflotte, den Stationskommandos und anderen selbständigen Verbänden wie dem Ostasiengeschwader.
Das Reichsmarineamt übernahm 1898 auch die Verwaltung über den Pachthafen Kiautschou – und nicht das ansonsten zuständige Reichskolonialamt. An der Spitze des Schutzgebietes stand als Gouverneur ein Marineoffizier, der direkt dem Staatssekretär verantwortlich war. Während des Ersten Weltkriegs gab das Reichsmarineamt die Verlustliste der Kaiserlichen Marine heraus.
Nach dem Ende des Krieges und der Kaiserlichen Marine wurden die Aufgaben des Reichsmarineamts ab dem 26. März 1919 vorübergehend wieder von der Admiralität, ab 15. September 1920 von der Marineleitung übernommen.
Dienstgebäude mini|Repräsentationsfront des Reichsmarineamts am Landwehrkanal mini|hochkant|Türblatt des Reichsmarineamts Das Reichsmarineamt erhielt in Berlin an der vornehmeren Adresse Leipziger Platz 13 gegenüber dem Herrenhaus ein Dienstgebäude. Es lag an der nordöstlichen Schrägseite des Platzes. Als Voßstraße 24 hatte es einen Hintereingang, der auch Anschrift für das Oberkommando der Marine war.
Ab 1911 baute man einen Kilometer westlich in der Königin-Augusta-Straße (ab 1933: Tirpitzufer, heute Reichpietschufer) am nördlichen Ufer des Landwehrkanals einen großen Neubau („Bendlerblock“), in den ab 1914 Reichsmarineamt und die anderen Dienststellen der Marine in Berlin zogen. 1926/1927 wurde das Gebäude am Leipziger Platz abgerissen zugunsten der Erweiterung des Kaufhauses Wertheim.
Die Türen des Reichsmarineamtes werden im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr bewahrt. Die Reliefs der repräsentativen Türen zeigen maritime Motive wie Signalflaggen, Fernrohr, Anker und Taucher, Nachrichtentechnik und Kampfmittel.
Staatssekretäre + Staatssekretäre des Reichsmarineamtes Name Amtsantritt Ende der Amtszeit Karl Eduard Heusner 1889 1890 Friedrich von Hollmann 1890 1897 Alfred von Tirpitz 1897 1916 Eduard von Capelle 1916 1918 Paul Behncke 1918 1918 Ernst Karl August Klemens Ritter von Mann 1918 1919 Maximilian RoggeMit der Wahrnehmung der Geschäfte betraut. – Gerhard Engel, Bärbel Holtz, Ingo Materna: Gross-Berliner Arbeiter- und Soldatenräte in der Revolution 1818/1919: Dokumente der Vollversammlungen und des Vollzugsrates: vom Ausbruch der Revolution bis zum 1. Reichsrätekongress. Berlin 1993, S. 114, Fn. 11 9. Januar 1919 3. Februar 1919
Gliederung (Auswahl) August 1914
Zentralabteilung (M) Bibliothek Druckschriftverwaltung (D.V.) Allgemeines Marinedepartement (A) Militärische Abteilung (A I) Abteilung für Justiz- und Versorgungsangelegenheiten (A II) Sektion für Mobilmachungsangelegenheiten (A IV) Abteilung für militärische Fragen der Schiffskonstruktion (A V) Seetransportabteilung (A VI S) Werftdepartement (B), vormals Technisches Department Dezernat für Personalien und Betriebsbeamten der Werften (B I) Dezernat für Schiffsausrüstung (B II) Dezernat für Instandhaltung der Schiffe und Schiffbaubetrieb (B III) Dezernat für Instandhaltung der Schiffsmaschinen und Schiffsmaschinenbaubetriebe (B IV) Abteilung für Torpedowesen und Funkentelegraphie (B V) Dezernat für Verwaltung der zum Neubau von Torpedo- und Unterseebooten bestimmten Mittel (B VI) Abteilung für Werftverwaltungsanlegenheiten (B VII) Dezernat für Land- und Wasserbauwerke (B VIII) Dezernat für Minen- und Sperrwesen (B IX) Abteilung für Luftfahrwesen Verwaltungsdepartement (C) Abteilung für Unterkunftsangelegenheiten (U) Abteilung für Verwaltungsangelegenheiten (V) Etatsdepartement (E) Etatsabteilung Pensionsabteilung Kiautschouabteilung (ehemals A III) Medizinalabteilung (G)Zur Medizinalabteilung und zum Justitiariat sind wohl keine Akten in den Archiven erhalten. Nautisches Departement (H) Justitiariat (J) Konstruktionsdepartement (K) Abteilung für Schiffsbauangelegenheiten (K I) Abteilung für Maschinenbauangelegenheiten (K II) Dezernat für Probefahrten und militärische Angelegenheiten (K III) Dezernat für Verwaltung der zu Schiffsneubauten bestimmten Mittel (K IV) Nachrichtenbureau (N) Waffendepartement (W) Abteilung für Artillerie- und Handwaffenkonstruktion (W I) Abteilung für Aufstellung und Behandlung des Artilleriematerials an Bord (W II) Dezernat für Angelegenheiten der Küstenbefestigungen und der Artilleriedepots (W III) Dezernat für Artillerie-Verwaltungsangelegenheiten (W IV) Marine-Attachés
Mitte Oktober 1914
Zentralabteilung (M) Bibliothek Druckschriftverwaltung (D.V.) Allgemeines Marinedepartement (A) Militärische Abteilung (A I) Abteilung für Justiz- und Versorgungsangelegenheiten (A II) Sektion für Mobilmachungsangelegenheiten (A IV) Seetransportabteilung (A VI S) Werftdepartement (B) Abteilung für Torpedowesen und Funkentelegraphie (B V) Dezernat für Minen- und Sperrwesen (B IX) Abteilung für Luftfahrwesen Verwaltungsdepartement (C) Konstruktionsdepartement (K) Etatsdepartement (E) Pensionsabteilung Kiautschouabteilung Medizinalabteilung (G) Nautisches Departement (H) Justitiariat (J) Nachrichtenbureau (N)
Waffendepartement (W) Abteilung für Artillerie- und Handwaffenkonstruktion (W I) Abteilung für Aufstellung und Behandlung des Artilleriematerials an Bord (W II) Dezernat für Angelegenheiten der Küstenbefestigungen und Artilleriedepots (W III) Zentralnachweisbureau Marine-Attachés
Mai 1916
Zentralabteilung (M) Personalangelegenheiten, Organisation und Geschäftsbetrieb des Reichsmarineamts (M I) Hausoffizier (M Ia) Adjutant des Staatssekretärs (M Ib) Allgemeine Angelegenheiten des Reichsmarineamts, Attachéangelegenheiten (M II) Zentralbüro (B.D.) Chiffrierbüro (Ch.B.) Bibliothek Druckschriftenverwaltung (D.V.) Allgemeines Marinedepartement (A) Militärische Abteilung (A I) Abteilung für Justiz- und Versorgungsangelegenheiten (A II) Abteilung für Mobilmachung, militärische Fragen des Seerechts und militärische Nebeninteressen der Marine (A IV) Abteilung für militärische Fragen der Schiffskonstruktion und der Waffenausbildung (A V) Seetransportabteilung (A VI S) Zentralnachweisebureau Fabrikenkommission (A.F.), 1916 umbenannt in Fabrikenabteilung Werftdepartement (B) Dezernat für Personalien der technischen und Betriebsbeamten der Abteilung für Torpedowesen und Werften (B I) Dezernat für Schiffsausrüstung (B II) Funkentelegraphie (B V) Dezernat für Minen und Sperrwesen (B IX) Dezernat für technische Versuche Abteilung für Luftfahrtwesen Verwaltungsdepartement (C) Leiter der Kriegsabnahme und Verteilungsstelle für Marine-Bekleidung Etatsdepartement (E) Etatsabteilung Pensionsabteilung Kiautschouabteilung Medizinalabteilung (G) Nautisches Departement (H) Justitiariat (J) Konstruktionsdepartement (K) Nachrichtenbureau (N)
Waffendepartement (W) Abteilung für Artillerie- und Handwaffenkonstruktion (W I) Abteilung für Aufstellung und Behandlung des Artilleriematerials an Bord (W II) Dezernat für Angelegenheiten der Küstenbefestigungen und Artilleriedepots (W III) Marine-Attachés
Ende des Krieges 1918
Zentralabteilung (M) Bibliothek Druckschriftverwaltung Allgemeines Marinedepartement (A) Militärische Abteilung (A I) Abteilung für Justiz- und Versorgungsangelegenheiten (A II) Abteilung für Mobilmachung, militärische Fragen des Seerechts und militärische Nebeninteressen der Marine (A IV) Abteilung für militärische Fragen der Schiffskonstruktion und der Waffenausbildung (A V) Seetransportabteilung (A VI S) Zentralnachweisebureau Werftdepartement (B) Dezernat für Schiffsausrüstung (B II) Abteilung für Torpedowesen (B V) Dezernat für Personalien der technischen höheren Beamten der Werften Dezernat für Personalien der mittleren und unteren technischen und Betriebsbeamten der Werften Dezernat für technische Versuche und Funkentelegraphie Fabrikenabteilung Industrieabteilung Unterseebootsamt (UA) Abteilung für Unterseebootswesen Abteilung für Luftfahrtwesen Verwaltungsdepartement (C) Leiter der Kriegsabnahme und Verteilungsstelle für Marine-Bekleidung Etatsdepartement (E) Etatsabteilung Pensionsabteilung Kiautschouabteilung Medizinalabteilung (G) Nautisches Departement (H) Justitiariat (J) Konstruktionsdepartement (K) Nachrichtenbureau (N)
Waffendepartement (W) Abteilung für Artillerie- und Handwaffenkonstruktion (W I) Abteilung für Aufstellung und Behandlung des Artilleriematerials an Bord (W II) Dezernat für Angelegenheiten der Küstenbefestigungen und Artilleriedepots (W III) Dezernat für Minen-, Sperr- und Sprengwesen Marine-Attachés
Medizinalabteilung (G) Die Medizinalabteilung (G) hatte zur Aufgabe das Sanitätswesen der Marine zu unterstützen und u. a. das Sanitätsoffizierkorps und die -beamten zu betreuen.
Mit der Aufstellung im Juni 1892 übernahm der Oberstarzt/Generalarzt Carl Wenzel bis Mitte August 1896 die Führung der Medizinalabteilung. Ab 1896 war der Marine-Generalarzt/Generalstabsarzt Hermann Gutschow bis zu seinem Tod im April 1903 Vorstand der Medizinalabteilung. Anschließend war ab April 1904 Generalstabsarzt Paul Schmidt bis zu seiner Verabschiedung im Mai 1916 Abteilungsleiter und wurde durch Generalstabsarzt Walther Uthemann, welcher bis Kriegsende in der Position blieb, ersetzt.
Literatur Walther Hubatsch: Der Admiralstab und die obersten Marinebehörden in Deutschland, 1848–1945. Bernard & Graefe, Frankfurt am Main 1958.
Weblinks
reichskanzlei-3d.de 3D-Animation des Gebäudes in der Voßstraße
Einzelnachweise
Anmerkungen
Marineamt Kategorie:Organisation (Kaiserliche Marine) Kategorie:Leipziger Platz (Berlin) Kategorie:Voßstraße Kategorie:Behördengründung 1889 Kategorie:Aufgelöst 1919