Das Zeitz-Weißenfelser Braunkohlerevier ist ein Bestandteil der mitteldeutschen Montanregion. Es liegt zwischen Zeitz und Weißenfels im Südosten von Sachsen-Anhalt.

Abgrenzung

Das Zeitz-Weißenfelser Braunkohlerevier wird reliefiert durch die Flussauen der Saale und Weißen Elster. Es ist überwiegend bereits dem Lösshügelland mit Hangneigung sowie stärker eingetieften Flusstälern zuzuordnen.Wolfram Pflug: Braunkohlentagebau und Rekultivierung. Springer-Verlag, 2013, S. 772. Das Revier bildet den Südwestrand des Weißelsterbeckens und wird begrenzt im:

Osten von der Weißen Elster Süden von einer Linie Zeitz – Kretzschau – Trebnitz – Teuchern Westen der Linie Teuchern – Nessa – Granschütz Norden von den Orten Taucha – Muschwitz – WerbenLage Zeitz-Weißenfelser Braunkohlerevier Bergbau-Museum Deuben, abgerufen am 8. September 2019.

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zählten der etwas größere nördliche Teil des Reviers zum Landkreis Weißenfels und der südliche zum Landkreis Zeitz. Beide Landkreise gehörten zur preußischen Provinz Sachsen und ab 1947 zum neu gegründeten Land Sachsen-Anhalt. Ab 1950 erfolgten mehrere Kreisreformen in der DDR: Das Revier lag nun im Bezirk Halle, größtenteils im neu gegründeten Kreis Hohenmölsen sowie im Kreis Zeitz und peripher im Kreis Weißenfels. Bis zum Jahr 1946 war für das Zeitz-Weißenfelser Braunkohlerevier das Bergamt Zeitz zuständig, das danach die Behördenbezeichnung Technische Bergbauinspektion Zeitz erhielt. Im Jahr 1960 erfolgte die Umbenennung in Bergbehörde Zeitz, die der neu gebildeten Obersten Bergbehörde der DDR in Leipzig unterstand. Der Sitz der Bergbehörde Zeitz wurde 1961 nach Borna verlegt und existierte bis 1990.Bergbehörde Zeitz Landesarchiv Sachsen-Anhalt, abgerufen am 8. September 2019.

Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung sowie der Wiederherstellung des Landes Sachsen-Anhalt und nach mehreren Kreisgebietsreformen liegt das Revier heute vollständig im Burgenlandkreis. Östlich grenzt es unmittelbar an das Meuselwitz-Altenburger Braunkohlerevier und nordöstlich direkt an das Bornaer Revier. Im Norden schließt sich das Zeitz-Weißenfelser Braunkohlerevier dem Halleschen Revier und dem Geiseltal an.Kurt Pietzsch: Die Braunkohlen Deutschlands. Gebrüder Borntraeger, 1925, S. 288.Mitteldeutsches Braunkohlenrevier, Wandlungen und Perspektiven, Heft 18, Zeitz/Weißenfels, S. 13. LMBV, abgerufen am 10. September 2019. Die Betriebsaufsicht über den Braunkohlen-Gewinnungs-Bergbau sowie den Braunkohlen-Sanierungsbergbau obliegt heute ohne Zwischeninstanz dem Landesamt für Geologie und Bergwesen mit Sitz in Halle (Saale).

Geschichte Die bitumenreiche Braunkohle im Raum Zeitz-Weißenfels entstand im Eozän vor etwa 40 bis 56 Millionen Jahren. Sie wird gedeutet als Randfazies eines Braunkohlemoores mit primär harzreicher Flora, oder als Relikt eines Trockenwaldes mit einer stark zersetzten Pflanzensubstanz, oder als nachträgliche Anreicherung der Bitumina durch spätere Zersetzung der Humusstoffe in der Kohle unter dem geringmächtigen Deckgebirge. Die Lagerstätte war von einem zwölf bis 20 Meter mächtigen und relativ gleichmäßigen Hauptflöz geprägt. Die Abraumdecke betrug oft nur wenige Meter. Gestört durch eiszeitliche Einwirkungen, traten an einigen Stellen die Braunkohlevorkommen fast zu Tage. Deshalb begann der oberflächliche Braunkohleabbau wahrscheinlich schon sehr lange vor dem Jahr 1000.Otfried Wagenbreth: Geschichte der Geologie in Deutschland. Springer-Verlag, 2014, S. 209.Richard Hunger: Biostratonomie und Palaeobotanik der Blätterkohlenvorkommen des eozänen Humodils des Zeitz-Weißenfelser Reviers. Dissertation, Halle, 1939. In: Braunkohlenarchiv. 51/1939, S. 33–69.

Erste dokumentierte Hinweise über den Abbau und die Nutzung von Braunkohle im Raum Zeitz-Weißenfels reichen zurück bis ins 15. Jahrhundert. Im Jahr 1485 verlieh das Bistum Merseburg das Privileg zum „Abbau im Kohleberg“ bei Holleben und grenzte darin einzelne Reviere ab. Die Existenz des Bergamtes Zeitz ist seit 1743 belegt, wobei schriftliche Dokumente über die Reviergrenzen und Regeln des Braunkohleabbaus im Raum Zeitz-Weißenfels bis ins Jahr 1546 zurückreichen.Bergamt Kamsdorf Landesarchiv Sachsen-Anhalt, abgerufen am 16. September 2019. Mitte des 16. Jahrhunderts fasste Georgius Agricola (* 1494; † 1555) nach zahlreichen Reisen durch mitteldeutsche und böhmische Bergbaureviere das gesamte mineralogische und geologische Wissen der damaligen Zeit in seinem Hauptwerk De re metallica zusammen. Agricola gilt als Begründer der modernen Geologie und Bergbaukunde. Sein Grab befindet sich im Zeitzer Dom.

Ab dem Jahr 1743 lag das Zeitz-Weißenfelser Braunkohlerevier im Gültigkeitsbereich der kursächsischen Bergordnung. Zu dieser Zeit waren bereits große Teile der Region abgeholzt. Um Brennmaterial zum Heizen und zum Kochen zu gewinnen, begannen die Bauern der Umgebung mit ersten größeren Ausgrabungen der „braunen Steine“. Dies geschah zumeist dort, wo der Rohstoff dicht unter der Oberfläche lag, beispielsweise in den Bachtälern der Rippach, Nessa oder Grunau. Diese kleinen sogenannten Bauerngruben förderten nur wenig Kohle und wurden meist nach kurzer Zeit wieder aufgegeben. Erfahrene Bergleute waren rar, benutzt wurden einfache technische Hilfsmittel, wie Hacke, Schaufel und Handhaspel.

Die gewerbliche Nutzung der Braunkohle begann mit der Verwendung als Brennstoff in Salinen. Für eine gezielte Förderung war allerdings zunächst eine Untersuchung der Lagerstätten und möglicher Methoden zum Abbau der Kohle erforderlich. Der sächsische Kurfürst Friedrich August III. beauftragte deshalb im Jahr 1791 Abraham Gottlob Werner, die Kohlenvorkommen in der Provinz zu suchen, zu vermessen und zu kartieren, aber auch Eigentumsfragen zu klären sowie Konzepte für Abbau und Wasserhaltung zu entwickeln. Zur Bestandsaufnahme setzte Werner mehrere Studenten der Bergakademie Freiberg ein, unter ihnen Georg Philipp Friedrich von Hardenberg, bekannt als Novalis.

An einigen Orten im Zeitz-Weißenfelser Braunkohlerevier, wie Granschütz, Webau, Teuchern, Grana und Aue bei Zeitz, entdeckten die kurfürstlichen Geologen Pyropissit-Vorkommen, eine besonders bitumenreiche Kohle mit 30 bis 70 Prozent Teergehalt. Der 1811 veröffentlichte Hauptbericht über die sächsischen Kohlelagerstätten findet noch heute zu Vergleichszwecken Beachtung. Das kursächsische Bergrecht galt bis zum Jahr 1918 und besagte, dass der Eigentümer eines Flurstückes automatisch die Nutzungsrechte für die darunter liegenden Bodenschätze besaß. Im restlichen Preußen, zu dem ab 1815 die Provinz Sachsen gehörte, waren die Bodenschätze Eigentum des Staates.Georg-Agricola-Gesellschaft (Hrsg.): Von Georgius Agricola zum mitteldeutschen Braunkohlenbergbau. Aspekte der Montangeschichte. Georg-Agricola-Gesellschaft, Zeitz, 2006, S. 79.Mitteldeutsches Braunkohlenrevier, Wandlungen und Perspektiven, Heft 18, Zeitz/Weißenfels, S. 13. LMBV, abgerufen am 10. September 2019.

19. Jahrhundert Das kursächsische Nutzungsrecht kam Unternehmern wie Carl Adolph Riebeck sehr entgegen, die früh den Wert der teerreichen Kohle erkannten und zu Beginn des 19. Jahrhunderts großflächig Land in der Region erwarben. Zunächst erfolgte die Förderung im Tiefbau mittels Stollen, die an Talhängen bis ins Flöz vorangetrieben wurden, wie zum Beispiel bei Runthal, Köpsen und Wählitz. Infolge eines Konzentrationsprozesses schlossen sich beginnend ab dem Jahr 1850 viele kleine Bergwerksgruben zu finanzstarken Aktiengesellschaften zusammen. Dazu zählten im Zeitz-Weißenfelser Braunkohlerevier maßgeblich die:

A. Riebeck’sche Montanwerke AG (Halle/Saale) Werschen-Weißenfelser Braunkohlen AG (Weißenfels, ab 1897 Halle/Saale) Waldauer Braunkohlen-Industrie AG (Zeitz) Sächsisch-Thüringische AG (Halle) Naumburger Braunkohlen AG (Naumburg) Prehlitzer Braunkohlen AG (Meuselwitz) Rehmsdorfer Mineralöl- und Paraffinfabrik (Rehmsdorf) Streckauer Braunkohlenwerke Boeters & Co (Weißenfels)

Mit der Kapitalkraft dieser Gesellschaften wurden der Bau von Schwelereien, die maschinelle Nasspresssteinproduktion und die Errichtung von Brikettfabriken möglich. In diese Zeit fiel die Inbetriebnahme der ersten industriellen Weiterverarbeitungsanlagen für Braunkohle, wie die Schwelerei Anna-Antonie bei Deuben (1857–1931) oder die Berlin-Wildschützer Paraffin- und Mineralölfabrik (1857–1884). Aufgrund des hohen Bitumengehalts der aufweisenden Kohle entstanden in der Folgezeit zahlreiche Veredlungsbetriebe zur Gewinnung von Paraffinen, Mineralölen, Teer und Teerprodukten. Damit wurde das Zeitz-Weißenfelser Braunkohlerevier zur „Wiege der deutschen Carbochemie“ und zu einem Pyrolysezentrum.Dirk Hackenholz: Die elektrochemischen Werke in Bitterfeld, 1914-1945. Ein Standort der IG-Farbenindustrie AG. LIT Verlag Münster, 2004, S. 46.Mitteldeutsches Braunkohlenrevier, Wandlungen und Perspektiven, Heft 18, Zeitz/Weißenfels, S. 13. LMBV, abgerufen am 10. September 2019.

Ihren Anfang nahm die Paraffinerzeugung im Jahr 1854 bei der Sächsisch-Thüringischen AG in Gerstewitz. Große Fabriken zur Umwandlung von Braunkohle in Teer und Paraffin errichteten kurz danach die A. Riebeck’sche Montanwerke AG in Webau sowie die Werschen-Weißenfelser Braunkohlen AG in Köpsen.Dirk Hackenholz: Die elektrochemischen Werke in Bitterfeld, 1914-1945. Ein Standort der IG-Farbenindustrie AG. LIT Verlag Münster, 2004, S. 46. Neben Paraffinkerzen wurde ab 1855 im Raum Zeitz-Weißenfels der erste Asphalt aus Braunkohlenteer hergestellt. Gleichfalls entfaltete sich die Braunkohle aus dem Zeitz-Weißenfelser-Revier als Basis für Schmieröle, Lampenöle, Gas- oder Grudekoks. Deutschlandweit beruhte die Teer- und Kerzenproduktion ab 1865 überwiegend auf Braunkohleparaffin. Allein in Webau zogen um diese Zeit bereits 32 Kerzenziehmaschinen monatlich 20.000 Kilogramm Paraffinkerzen.Klaus-Peter Meinicke, Klaus Krug, Uwe Gert Müller: Industrie- und Umweltgeschichte der Region Sachsen-Anhalt. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 2003, S. 23 ff.

Parallel stieg in der Region die Zahl der Zuckerfabriken rasant an, wodurch die Provinz Sachsen zur „Zuckerprovinz“ wurde. Der enorme Brennstoffbedarf dieser Fabriken, aber auch von Ziegeleien, Brennereien und anderen Betrieben, hatte wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Braunkohlenindustrie. Die erste Dampfmaschine installierte im Revier Carl Adolph Riebeck im Jahr 1865 in seiner Grube 397 in Reußen bei Theißen. Aufgrund der hohen Nachfrage entstand im Raum Zeitz-Weißenfels ein Maschinenbausektor für Bagger, Loren, Förderanlagen und Spezialfahrzeuge für die Montanindustrie. Ab den 1870er-Jahren entwickelte sich die Zeitzer Eisengießerei und Maschinenbau AG (ZEMAG) deutschlandweit zum führenden Lieferanten von Ausrüstung für Brikettfabriken, insbesondere von Kohlemühlen, Kohletrocknern und Brikettpressen.Mitteldeutsches Braunkohlenrevier, Wandlungen und Perspektiven, Heft 18, Zeitz/Weißenfels, S. 13. LMBV, abgerufen am 20. September 2019.

Im Jahr 1884 erfolgte die Gründung des Weißenfels-Zeitzer Bergwerksvereins, der die Arbeitgeberinteressen von elf im Revier ansässigen Montangesellschaften mit insgesamt 41 Braunkohlegruben, sieben Brikettfabriken, 26 Nasspressen, 24 Schwelereien, sieben Mineralölfabriken vertrat.DEBRIV (Hrsg.): 50 Jahre Mitteldeutscher Braunkohlen-Bergbau. Festschrift zum 50jährigen Bestehen des Deutschen Braunkohlen-Industrie-Vereins e. V. Halle (Saale), 1885–1935. Verlag von Wilhelm Knapp, Halle (Saale), 1935. 1889 wurde die Brikettfabrik Herrmannschacht gegründet, die bis 1959 arbeitete und heute noch als Industriedenkmal erhalten ist. Sie gilt zugleich als die älteste, erhaltene Brikettfabrik der Welt.

20. Jahrhundert mini|Tagebau Profen (2006) mini|Für den Braunkohleabbau devastiertes Dorf Deumen (1998)