mini|Die Nachtwache, Ausschnitt des Schildes mit den Namen der 16 zahlenden Auftraggeber (Kontrast digital verstärkt) Die Biografien der Schützen auf Rembrandt van Rijns Gemälde „Die Nachtwache“ sind die Lebensbilder der namentlich bekannten Mitglieder des Bezirks II der Amsterdamer Musketiere, die von Rembrandt van Rijn auf seinem Gemälde Die Nachtwache porträtiert wurden. Die Aufstellung beschreibt die identifizierten Personen in der Reihenfolge ihrer Darstellung auf dem Gemälde von links nach rechts, ohne Rücksicht auf die militärischen Ränge und die alphabetische Ordnung der Namen.
Jan Brughman mini|links|Jan Brughman Jan Brughman wurde am 6. Juli 1614 in der Amsterdamer Oude Kerk getauft. Er war der Sohn des Tuchhändlers Jan Pietersz. Brughman (1582–1622) und seiner Ehefrau Marritje Adriaens Hardebol (1582–ca. 1639). Die Familie gehörte zu den reichsten des Stadtbezirks. Der Großvater Pieter Jansz. hatte 1591 vom Großvater Walling Schellingwous dessen Haus am Nieuwe Brugsteeg 135 gekauft, dort einen Tuchhandel eingerichtet und als Firmenzeichen ein grünes Tuch vor das Haus gehängt. In der Folgezeit wurde er Pieter Jansz. Groenlaken genannt. Anfang des 17. Jahrhunderts kam der möglicherweise vom Brugsteeg abgeleitete alternative Name Brughman in Gebrauch. Der Vater nannte sich weiter Jan Pietersz. Groenlaken und hängte nach der Übernahme des Tuchhandels seines Schwiegervaters am Nieuwendijk 197 das Zeichen zweier grüner Laken (Twee Groene Lakenen) vor das Haus. Er bekleidete mehrere Ämter, so war er 1609, 1613, 1618 und 1619 Inspektor für Maße und Gewichte der Tuchhändlerzunft und von 1620 bis 1622 einer der Vorsteher des Oudezijds Huiszittenhuis an der Prinsengracht. Die seit Anfang des 15. Jahrhunderts von der Stadtverwaltung eingerichteten und zeitweise von der Kirche unterhaltenen Huiszittenhäuser dienten der Unterstützung jener Armen, die nicht obdachlos waren (Huiszitter). Sie wurden von Gremien aus mehreren Vorstehern geleitet und leisteten die Unterstützung von Bedürftigen mit Lebensmitteln und Torf als Hausbrand. Von 1620 bis 1621 war bereits Jan Pietersz. Brughman Leutnant der Schützenkompanie, der zwanzig Jahre später sein Sohn angehörte.S. A. C. Dudok van Heel: Frans Banninck Cocq's Troop in Rembrandt's "Night Watch": The Identification of the Guardsmen. In: The Rijksmuseum Bulletin 2009, Band 57, Nr. 1, S. 42–87, , hier S. 64–65.
Auch Jan Brughman wurde Tuchhändler und übernahm nach dem Tod der Mutter den elterlichen Tuchhandel. Er heiratete am 3. März 1637 in der Nieuwe Kerk Cecilia Boelen (1618–1650). Das Paar hatte sechs Kinder, von denen fünf sehr früh starben, und lebte am Damrak 64, hinter dem Elternhaus am Nieuwendijk 197. Mit dem Erbe seiner Eltern konnte Jan Brughman 1640 ein Landhaus in Beverwijk kaufen, das Brughman nach dem Tod seiner Ehefrau und dem Rückzug aus dem Geschäft seit 1650 bewohnte. Jan Brughman starb am 1. September 1652 in Beverwijk. Catharina Brughman (1611–1677), eine Schwester Jan Brughmans, und ihr Ehemann Tieleman Roosterman (1597–1672) wurden 1634 durch Frans Hals porträtiert. Die Mitglieder des Rembrandt Research Project stellten 1989 im dritten Band ihres Corpus of Rembrandt Paintings eine Ähnlichkeit von Jan Brughmans nicht mehr vorhandener Abbildung auf der Nachtwache (also nach einer der Kopien) mit dem von Rembrandt 1639 oder 1640 gemalten Porträt eines Mannes mit einem Hut in den Händen fest. Da der dort abgebildete Mann etwa vierzig Jahre alt ist, kann es sich nicht um den deutlich jüngeren Jan Brughman handeln.Stichting Foundation Rembrandt Research Project (Hrsg.): A Corpus of Rembrandt Paintings. III. 1635–1642. Martinus Nijhoff, Dordrecht, Boston, London 1989, ISBN 978-94-010-6852-9, Kapitel A 130 Portrait of a man holding a hat, S. 305–311 und Kapitel A 146 The ‚Night watch‘, or Officers and men of the company of Captain Frans Banning Cocq and Lieutenant Willem van Ruytenburgh, S. 430–485. Ein Cousin Jan Brughmans war nach 1625 in der heutigen Jodenbreestraat, neben dem Museum Het Rembrandthuis, der Vermieter von Hendrick van Uylenburgh, dem Kunsthändler und Geschäftspartner Rembrandts und Onkel von dessen Ehefrau Saskia van Uylenburgh.
Jacob Dircksz. de Roy mini|links|Jacob Dircksz. de Roy Jacob Dircksz. de Roy wurde am 13. Juni 1601 in Amsterdam geboren. Seine Eltern waren der protestantische Bierimporteur Dirck Jacobsz. (1574–1601) und dessen katholische Ehefrau Mary Thomasdr (1579–1601). Nachdem beide Eltern an der Pest gestorben waren, wurde Jacob von Verwandten seiner Mutter katholisch erzogen. Er heiratete am 18. Januar 1626 Maria Jan Bontendr. (1602–1667), die Tochter des alteingesessenen und angesehenen Tuchhändlers Jan Gerritsz. Bont (1565–1627). Das Paar hatte sechs Kinder, von denen zwei früh starben, und lebte am Nieuwendijk 196. Jacob Dircksz. de Roy stieg in den Tuchhandel seines Schwiegervaters ein, dessen Vater zwischen 1572 und 1591 viele Male Vorsteher der Tuchmacherzunft war. Jan Gerritsz. Bont war Begründer der zunächst verdeckt arbeitenden katholischen Armenfürsorge. Als gläubiger Katholik und Tuchhändler übte Jacob Dircksz. de Roy eine Reihe von Ämtern aus. Er war von 1628 bis 1654 als Nachfolger seines Schwiegervaters Gouverneur der römisch-katholischen Fürsorgestelle für arme Alte. 1639, 1642, 1645, 1648, 1650, 1655 und 1656 war de Roy Inspektor für Maße und Gewichte. 1640, 1643, 1646, 1647, 1649, 1654, 1657 und 1658 wurde er zum Vorsteher der Tuchmacherzunft gewählt. Jacob Dircksz. de Roy nahm am kulturellen Leben Amsterdams regen Anteil. 1641/42 und 1651/52 war er Gouverneur der Schouwburg van Van Campen, des ersten Theatergebäudes in Amsterdam an der Keizersgracht 384. Dessen Leitung war überwiegend katholisch, de Roy arbeitete dabei mit dem Maler Claes Cornelisz. Moeyaert (1591–1655) und dem Dichter und Schriftsteller Jan Vos zusammen. Jacob Dircksz. de Roy wurde am 6. März 1659 in der Nieuwe Kerk begraben.S. A. C. Dudok van Heel: Frans Banninck Cocq's Troop, S. 62.S. A. C. Dudok van Heel: Jan Vos (1610 – 1667). In: Jaarboek Amstelodamum 1980, Band 72, S. 23–43, .
Sergeant Reijnier Jansz. Engelen mini|links|Reijnier Jansz. Engelen Reijnier Jansz. Engelen wurde am 19. Januar 1588 in der Nieuwe Kerk getauft. Er war der Sohn des Tuchhändlers Jan Engelsz. (1557–1621) und seiner Ehefrau Aeltje Reijers (* 1557). Der Vater wurde zwischen 1607 und 1619 sechsmal zum Inspektor für Maße und Gewichte ernannt, 1615 und 1618 wurde er Vorsteher der Tuchmacherzunft. Reinier heiratete am 27. April 1624 Willemken Wijnants (1603–nach 1651) und lebte mit ihr in einem Haus auf dem Nieuwendijk. Ihre einzige Tochter heiratete einen Kanoniker in Utrecht. Von Reijnier Jansz. Engelen ist nicht viel bekannt. Anders als sein Vater erreichte er kein höheres Amt in der Tuchmacherzunft. 1624 wurde er wegen des Verkaufs nicht zugelassener Tuchwaren mit einer Geldstrafe belegt. Das verhinderte möglicherweise seinen Aufstieg in der Zunft. Er wurde nach Rombout Kemp, aber vor 1640, zum Sergeant in der Kompanie der Musketenschützen des Bezirks II befördert, wahrscheinlich aufgrund seines Dienstalters. Nicht lange, nachdem er auf der Nachtwache dargestellt wurde, zog er an den Londense Kaai auf dem Singel, der im Bezirk III lag. Damit musste er im zweiten Bezirk als Sergeant ersetzt werden. Reijnier Jansz. Engelen wurde am 24. April 1651 in der Nieuwe Kerk begraben.S. A. C. Dudok van Heel: Frans Banninck Cocq's Troop, S. 56.
Jan Pietersz. Bronckhorst mini|links|Jan Pietersz. Bronckhorst Jan Pietersz. Bronckhorst wurde 1587 in Husum geboren. Am 13. Mai 1614 heiratete er in der Nieuwe Kerk Aeltje Huybrechts (1575–1655), die Witwe des Tuchscherers und Tuchmachers Jan Simonsz. Schouten. Die Ehe blieb kinderlos, Aeltje Huybrechts brachte aber aus ihrer früheren Ehe Kinder mit. Deren Vormund war nach dem Tod des Vaters der Schütze Jan Brughman. Jan Brughmans Großvater Pieter Jansz. Groenlaken war Aeltjes Onkel und ihr Trauzeuge bei der ersten Eheschließung. Auch Jan Pietersz. Bronckhorst war als Tuchscherer, Tuchmacher und Tuchhändler tätig. Das Ehepaar lebte am Nieuwezijds Voorburgwal 94. Jan Pietersz. Bronckhorst starb nach dem 17. August 1666 in Maarssen. Er wurde dadurch bekannt, dass er nach dem Bankrott Rembrandts vor Gericht bezeugte, dass er mit fünfzehn weiteren Schützen des Bezirks II insgesamt 1600 Gulden für ihre Porträts auf der Nachtwache bezahlt hatte.S. A. C. Dudok van Heel: Frans Banninck Cocq's Troop, S. 61.Nr. 205. Erklärung über das an Rembrandt für die Nachtwache bezahlte Honorar. In: Cornelis Hofstede de Groot (Hrsg.): Die Urkunden über Rembrandt (1575–1721). Den Haag, Martinus Nijhoff 1906, S. 253–254, .
Herman Jacobsz. Wormskerck mini|Herman Jacobsz. Wormskerck Herman Jacobsz. Wormskerck wurde 1590 in Deventer geboren. Am 2. August 1624 heiratete er in der Laurenskerk in Alkmaar Judith Steenhuysen (1587–1666), die Tochter einer Alkmaarer Patrizierfamilie. Das Paar hatte einen Sohn und lebte am Nieuwendijk 201. Herman Jacobsz. Wormskerck war ein Tuchhändler und wurde 1628 Vorsteher der Tuchmacherzunft. 1630 wurde er Diakon in seiner Gemeinde der reformierten Kirche, 1642, 1645 und 1649 bekleidete er das Amt eines Gemeindeältesten. Wormskerck war als Tuchhändler außerordentlich erfolgreich und übergab seinen Tuchhandel und einen Kredit von 60.000 Gulden als Startkapital an einen Neffen seiner Ehefrau. Der führte das Geschäft gemeinsam mit Rombout Kemp, damals Sergeant der Schützenkompanie und Vorsteher der Tuchmacherzunft. Im Januar 1642 kaufte der Privatier Wormskerck ein Haus an der Herengracht 166, in das er mit seiner Familie zog. Er starb am 9. Januar 1653 und wurde am 15. Januar in der Nieuwe Kerk begraben. Der tiefgläubige Wormskerck hinterließ mehrere Stiftungen an religiöse Einrichtungen und eine Studienstiftung für Geistliche, die junge Männer aus gutem Hause aus Deventer oder Amsterdam unterstützte. Wormskerck und seine Ehefrau hinterließen ein Vermögen von mehr als 370.000 Gulden.S. A. C. Dudok van Heel: Frans Banninck Cocq's Troop, S. 61–62.Johan E. Elias: Het Fonds Wormskerck. In: Jaarboek Amstelodamum 1944, Band 40, S. 138–161, .
Elbert Willemsz. Swedenrijck mini|links|Elbert Willemsz. Swedenrijck Elbert Willemsz. Swedenrijck oder Elbert Willem Louwerijszsz. wurde 1589 im Haus seines Großvaters Albert Ghijsbertsz. am Nieuwendijk 196 als Sohn des aus Antwerpen stammenden Kaufmanns und Fischhändlers Guilliam Louwerijsz. (1561–1629) und seiner Ehefrau Truitje Elberts (* 1564) geboren. Er wurde katholisch getauft, seine ab 1591 geborenen Geschwister hingegen als Protestanten. Auch Elbert Willemsz. wurde Kaufmann und Fischhändler. Er heiratete am 5. April 1626 in der Nieuwe Kerk Elisabeth Lenaerts (1607–1667), das Ehepaar lebte am Nieuwendijk. Elbert Willemsz. wurde am 4. November 1644 in der Zuiderkerk begraben und hinterließ seinen Kindern ein Geschäft im Wert von 90.000 Gulden. Erst nach seinem Tod taucht er erstmals mit dem Namen Elbert Willemsz. Swedenrijck in den Akten auf. Sein sehr wohlhabender Sohn Guilliam Swedenrijck (1633–1691) baute 1672 in der Gouden Bocht, an der Herengracht 462, ein großzügiges Stadthaus, das bis heute als Sweedenrijk besteht.S. A. C. Dudok van Heel: Frans Banninck Cocq's Troop, S. 58–59.
Jan Aertsz. van der Heede mini|Jan Aertsz. van der Heede