Diese Liste von Attentaten auf Exilkroaten (1945–1992), ist eine Dokumentation von Attentaten auf Personen der kroatischen Emigration, die meist politisch und/oder publizistisch und teils militant gegen das von 1945 bis 1992 existierende kommunistische bzw. sozialistische Jugoslawien tätig waren. Die Attentate werden daher mutmaßlich oder bewiesen Auftragsmördern des jugoslawischen Sicherheitsapparats, d. h. größtenteils der Geheimpolizei UDB bzw. SDB, zugerechnet. Die jugoslawischen Behörden sahen in den Opfern meist Angehörige von Organisationen der sogenannten „kroatischen feindlichen Emigration“ (, kurz HNE). Vom serbischen Geheimdienst BIA wird jede Verbindung des jugoslawischen Geheimdienstes mit den zahlreichen Liquidationskommandos und eine direkte Befehlsgabe durch Tito bis heute bestritten und eine Einsicht in die Akten verweigert. Hierdurch ist eine weitergehende Aufklärung nicht möglich; auch zu Auftragstötungen von Personen die für serbische und andere Exilorganisationen tätig waren (vgl. Liste der gegen das sozialistische Jugoslawien gerichteten Exilorganisationen).
Attentate Morde Die vom Parlament der Republik Kroatien eingesetzte Staatliche Kommission zur Identifizierung der Kriegs- und Nachkriegsopfer zählt in ihrer 1999 erstellten Liste der „Nachkriegsopfer des Staatsterrorismus der SFRJ im Ausland“ 68 Morde. 2008 verwies ein Sachverständiger im Mordfall Đureković auf Angaben, nach denen von 1945 bis 1989 insgesamt 67 politische Morde an Kroaten verübt worden seien. 22 davon in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1970 bis 1989, für die vermutlich der jugoslawische Sicherheitsapparat verantwortlich sei. In erster Linie ging es den jugoslawischen Staatssicherheitsdiensten um die Ausschaltung von Terroristen.Valentina Perušina: Hrvatska politička emigracija – sigurnosna prijetnja socijalističkoj Jugoslaviji, in: Polemos 22 (2019), S. 13–37.
Opfer Geburtsdatum Attentatsdatum Sterbedatum Ort Verdächtiger/Täter Bemerkungen um 1917 Bleiburg, Österreich Krpan, ein ehemaliges Mitglied der Ustascha, der am Hof Pistotnig in Bleiburg beschäftigt war, wurde während der Erntearbeit Opfer eines jugoslawischen Tötungskommandos. Der 28-jährige wird von zwei mit Maschinenpistolen bewaffneten jugoslawischen Soldaten erschossen. Bestattet wird er auf dem Pfarrfriedhof in Einersdorf/Nonča vas bei Bleiburg. Triest, Italien Das Opfer war katholischer Aktivist, Mitstreiter von Ivan Merz (1896–1928) und Gründer und Führer der katholischen Laienorganisation Križari („Die Kreuzritter“). Er wurde in der Via Scipio Slataper in Triest auf Veranlassung des jugoslawischen Geheimdienstes von Gino Benčić ermordet. Zitat: “The motives for the murder have not yet been fully clarified but information so far to hand would indicate that the deed was organized by OZNa.” Die sterblichen Überreste von Protulipac wurden 1994 auf den Mirogoj-Friedhof umgebettet. Klagenfurt, Österreich Buenos Aires, Argentinien Das dreijährige Opfer starb bei einem Bombenattentat auf ein kroatisches Vereinsheim an den Folgen der Verletzungen, die es durch einen Splitter am Kopf erlitt. Nachdem der Sprengsatz gegen 22 Uhr platziert wurde, flüchteten zwei unbekannte Personen mit einem Pkw, der während der Tatausführung in einer Nebenstraße auf sie wartete. Auch der achtzigjährige David Martinez kam dabei ums Leben. Zudem wurden siebzehn bis 20 weitere Personen, meist zwischen neun und 33 Jahren, verletzt. Kanada Stuttgart-Weilimdorf Das Opfer war Gastwirt der Gaststätte „Juliška“ in der Silberburgstraße in Stuttgart und Mitglied der Kroatischen Revolutionären Bruderschaft. Auf einem Feldweg etwa 100 m von der Bundesstraße 295 wurde es mit fünf Schüssen ermordet. Der Täter entkam mit der Mittäterin Brunhilde Coblenz (* 1931, Deckname Doris Andres) nach Jugoslawien. Ein Auslieferungsgesuch der deutschen Behörden an Jugoslawien wurde abgelehnt, mit der Begründung Coblenz habe die jugoslawische Staatsbürgerschaft angenommen. Der Täter Cvitanović verstarb 1983 oder 1984 im Alter von 56 Jahren in Split. Die Mittäterin kehrte am 10. Dezember 1983 aus Jugoslawien nach Deutschland zurück und wurde noch am Flughafen Stuttgart verhaftet. Im Oktober 1984 begann der Prozess gegen Coblenz und am 28. Januar 1985 wurde sie wegen Beihilfe zum Mord vom Landgericht Stuttgart zu neun Jahren Haft verurteilt, da sie dem Mörder bei der Tat als „Lockvogel“ gedient hatte. Friedrichshafen, West-Deutschland bei Aachen Das Opfer wurde im Alter von 38 Jahren zusammen mit Petar Tominac erschossen. Der Täter entkam in sein Heimatdorf Sasina bei Sanski Most (Bosnien) und wurde später wegen eines weiteren Mordes verhaftet und verurteilt. bei Aachen Das Opfer wurde im Alter von 28 Jahren zusammen mit Mile Jelić erschossen. Der Täter entkam in sein Heimatdorf Sasina bei Sanski Most (Bosnien) und wurde später wegen eines weiteren Mordes verhaftet und verurteilt. West-Deutschland West-Deutschland Hutzdorf, West-Deutschland Das Opfer war Mitglied der Kroatischen Befreiungsbewegung (HOP). Ursas Leiche wurde am 30. September 1968 aus der Fulda geborgen. Huchenfeld (Pforzheim), West-Deutschland München, West-Deutschland München, West-Deutschland München, West-Deutschland Triest, Italien Triest, Italien Paris, Frankreich Die massakrierte Leiche des Opfers wurde am 6. April 1968 auf einer Müllkippe in der Nähe von Paris gefunden. Australien München, West-Deutschland Das Opfer war Gastwirt und wurde vor seiner Gaststätte von einer Bombe zerrissen, die in einer Plastiktüte versteckt war. München, West-Deutschland Kulenović wurde in seiner Wohnung erschlagen. Der Täter flüchtete nach Jugoslawien. Das Auslieferungsgesuch der deutschen Behörden wurde von den jugoslawischen Behörde mit der Begründung abgelehnt, es handele sich „um einen politischen Anschlag“. Carcaixent, Spanien Schweden West-Berlin, West-Deutschland Buenos Aires, Argentinien Das Opfer war Mitglied der Ustascha und Funktionär des Unabhängigen Staates Kroatien sowie Publizist und Autor von Schriften, unter anderem über das sogenannte Massaker von Bleiburg. Vereinigtes Königreich West-Deutschland Wiesloch, West-Deutschland Das Opfer war laut Vermerk des Bundeskriminalamts (BKA) ein „maßgeblicher Führer“ der Kroatischen Revolutionären Bruderschaft. Senić hatte sich unter dem Namen „Hermann Schick“ in der Wieslocher Pension Klosterschänke angemeldet. Er wurde im Fremdenzimmer Nr. 8 im Schlaf überrascht und mit zwei Genickschüssen getötet. Die Polizei entdeckte eine Pistole der Marke Astra, Kaliber 7,65 Millimeter, sowie drei Reisepässe mit verschiedenen Namen. Laut BKA handelte es sich offenbar „um einen bedeutenden politischen Mord“. West-Berlin, West-Deutschland San Donà di Piave, Italien (mutmaßlich) Das Opfer lebte in Stuttgart und wurde mit seiner Familie während eines Urlaubs erschossen. Eine halbe Stunde vor den Schüssen wurde Vinko Sindičić im Auto der Familie gesehen. Der zuständige Chef der Kriminalpolizei von Venedig wies die jugoslawischen Behörden darauf hin, die eine Vernehmung verweigerten. San Donà di Piave, Italien (mutmaßlich) Geborene Bahorić. Siehe Bemerkungen bei Stjepan Ševo. San Donà di Piave, Italien (mutmaßlich) Siehe Bemerkungen bei Stjepan Ševo. Kornwestheim, West-Deutschland Neuss, Deutschland Am 15. März 1975 wurde die Leiche des Mato Jozak von einem Kapitän eines rheinaufwärts fahrenden Schiffes entdeckt, da sie sich im Ankergeschirr verfangen hatte. In Höhe des Kilometers 710 am Rheinufer bei Köln-Worringen wurde die Leiche geborgen. Hände und Füße waren gefesselt und der Schädel wies einen Schusskanal auf. Nach Ermittlungen der Polizei wurde Jozak am 27. November 1974 in der Gaststätte „Industrieschranke“ in Neuss zuletzt lebend gesehen. Dringend tatverdächtig sind der Gastwirt Ejub Dizdarević und dessen Freund Kajić. In seinem Abschlussbericht äußert der Oberstaatsanwalt, dass der Verdacht naheliegt, dass die Täter Kontakt zu staatlichen jugoslawischen Stellen hatten und Jozak aufgrund seiner politischen Einstellung und Tätigkeit getötet wurde. Jozak wurde 1940 bei Travnik geboren und emigrierte 1967 nach Australien, wo er die australische Staatsangehörigkeit erwarb. 1973 ging er nach Europa und lebte dann in Düsseldorf. Er verteilte Flugblätter kroatischer Emigrantenvereinigungen und versuchte andere von deren politischen Einstellungen zu überzeugen. Der mutmaßliche Täter Ejub Dizdarević floh am 22. Dezember 1974 nach Jugoslawien und ließ sich in Bihać nieder, wo ihn der Geheimdienst mit der Position des Direktors des Restaurants „Sunce“ am Fluss Una belohnt haben soll. Dizdarević wurde in Bihać als Mitarbeiter der UDBA unter dem Pseudonym Luna registriert. Stuttgart, Deutschland Das Opfer war 1962 an dem Anschlag auf die jugoslawische Mission in Bonn-Mehlem beteiligt. Vučić wurde beim Verlassen seiner Wohnung mit drei Schüssen niedergestreckt und erlag fünf Tage später seinen schweren Verletzungen. West-Deutschland Österreich Belgien Dänemark West-Deutschland Falkenberg, Schweden (mutmaßlich) Das Opfer war Funktionär der Kroatischen Volkswiderstands (HNO). Nizza, Frankreich Das Opfer hatte 1957 politisches Asyl in Frankreich erhalten und war bis 1974 leitender Funktionär der Vereinigten Kroaten in Frankreich. Er starb am Steuer seines Wagens, als ein Sprengkörper explodierte. Saarbrücken, West-Deutschland bei Vereeniging, Südafrika Paris, Frankreich Vereinigte Staaten West-Deutschland und Branko BradvicDie Leiche des 30-jährigen wurde gegen 7:05 Uhr in einem Wald bei Kerpen, an der Autobahn Köln – Aachen, von einem Frühsportler gefunden. Er wurde durch zwei Schüsse in Kopf und Herz getötet. Die Polizei vermutet einen politischen Mord und gibt den Fall an den Generalbundesanwalt ab. Miloš wurde in Grude in der Herzegowina geboren. 1964 verlässt er Jugoslawien, geht 1968 zur französischen Fremdenlegion und wird in Afrika eingesetzt. Miloš soll Mitglied der Kroatischen Revolutionären Bruderschaft gewesen sein. 1972 beteiligte er sich an einem Anschlag auf das jugoslawische Konsulat in Stuttgart, wofür er eine mehrjährige Haftstrafe absitzt. Er war mit Bruno Bušić vertraut und stand in Exilkreisen unter Verdacht ihn ermordet zu haben. Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Kanada Kanada Frankfurt am Main, West-Deutschland mini|Miličevićs Grabstein auf dem Hauptfriedhof (Frankfurt am Main). Das Opfer war ein Gründer der Vereinigten Kroaten Deutschlands (UHNj). Miličević wurde am Frankfurter Mainufer im eigenen Auto mit drei Schüssen getötet. Die Tatwaffe stammte aus Ungarn (Prüfung durch das Beschussamt in Budapest) und ging vermutlich von dort nach Jugoslawien. West-Deutschland München, West-Deutschland Kostić wurde auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz als Lagermeister mit drei Schüssen aus einer Pistole mit Schalldämpfer getötet. Er verstarb auf dem Weg ins Krankenhaus und hinterließ eine Ehefrau und zwei minderjährige Töchter. Sein Grab befindet sich auf dem Münchener Waldfriedhof. Kostić war ehemals aktiv im Kroatischen Nationalkomitee (HNO). Frankreich West-Deutschland West-Deutschland West-Deutschland Zürich, Schweiz Das 30-jährige Opfer wurde an seinem Arbeitsplatz, dem Hotel Kindli, erschossen. Die sterblichen Überreste wurden 1999 auf dem Dietiker Friedhof Guggenbühl exhumiert und auf Kosten des kroatischen Generalkonsulats nach Kroatien überführt. West-Deutschland München, West-Deutschland Zagajski war von Beruf Goldschmied und führendes Mitglied des Hrvatski revolucionarni pokret (Kroatische Revolutionäre Bewegung), kurz HRP. Das Opfer wurde im Fasangarten erschlagen aufgefunden. West-Deutschland West-Deutschland Wolfratshausen, West-Deutschland Mit einem Nachschlüssel gelangten vermutlich drei nicht eindeutig identifizierte Attentäter unbemerkt in die Garage an der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen, wo sie Đureković auflauerten und mit sechs Pistolenschüssen in Rücken und Arme sowie einem Beilhieb in den Kopf töteten. West-Deutschland Vereinigte Staaten Kanada Sohn des Stjepan Đureković. West-Deutschland
Mordversuche