mini|350x350px|Gletscherschmelze und Volumenverlust am Grossen Aletschgletscher – links 1979, mittig 2002, rechts 2025 Die Folgen der globalen Erwärmung in der Schweiz zählen zu den regionalen Auswirkungen der Erderwärmung auf die Gesellschaft, die Gesundheit, die Natur und in technischen Belangen, die sich durch das Ansteigen der Durchschnittstemperaturen bemerkbar machen. Als Hauptursache der klimatischen Veränderungen des Landes in den letzten 50 bis 100 Jahren wird mit Stand 2018 die globale Erwärmung als wahrscheinlich betrachtet. Am Uno-Klimagipfel 2019 wies der Schweizer Bundespräsident Ueli Maurer darauf hin, dass die Schweiz als Land mit Hochgebirge in besonderem Masse von der Erderwärmung betroffen sei.

Die Auswirkungen des Klimawandels können positiv oder negativ sein. Für die meisten Regionen gilt jedoch, dass die negativen Effekte die positiven Auswirkungen – wie etwa der reduzierte Heizbedarf im Winter – deutlich überwiegen. Am 4. November 2025 wurden die vierten und neusten Schweizer Klimaszenarien (Klima CH2025) veröffentlicht.

Rückblick mini|250x250px|alt=|Beobachtete Veränderungen (National Centre for Climate Services NCCS 2018) mini|In der Schweiz hat die Erdoberflächentemperatur mehr zugenommen als in Europa oder global (aus: ProClim 2026, Brennpunkt Klima Schweiz) mini|Mittlere Jahrestemperaturen in der Schweiz von 1750 bis August 2013 als gleitende 12-Monatsmittel. Die 10-jahres Mittelwerte sind Rot eingezeichnet. Temperaturen werden in der Schweiz seit 1864 verlässlich und regelmässig erfasst. Stand 2018 war die Schweiz im weltweiten Vergleich überdurchschnittlich stark von der Temperaturzunahme betroffen: während die Erwärmung im globalen Durchschnitt im Vergleich zum Referenzjahr 1864 0,9 Grad Celsius war, nahm die bodennahe Lufttemperatur in der Schweiz in den letzten 150 Jahren um etwa 2 Grad Celsius zu., National Centre for Climate Services, Schweizerische Eidgenossenschaft Die Zunahme beschleunigte sich seit den 1980er Jahren. Vor allem der Sommer (Juni–August) legte stark zu und überschritt 2019, im Vergleich zur vorindustriellen Zeit von 1871 bis 1900, als erste Jahreszeit die 3-Grad-Marke. 2025 lag die Sommererwärmung bereits bei gut 3,5 Grad Celsius. Diese Zunahme kann aufgrund ihres Ausmasses nicht alleine durch natürliche Schwankungen erklärt werden. Sie betrifft alle Regionen der Schweiz und ist trotz jährlicher Temperaturschwankungen eindeutig: Die zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Temperaturmessung fallen in das 21. Jahrhundert.

Der beobachtete Temperaturanstieg wirkt sich auf die Umwelt aus. Daher haben sowohl die dokumentierten Veränderungen im Wasserkreislauf (z. B. Anstieg der Durchschnittstemperatur in Schweizer Wasserläufen) als auch die Gletscherschmelze mindestens eine anthropogene Komponente.

Starkniederschläge sind intensiver und häufiger als zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Hitzeperioden wurden häufiger und länger. Dagegen haben Tage mit Schneefall abgenommen, seit 1970 auf 800 m Höhe um rund 50 Prozent, auf 2000 m um rund 20 Prozent. In der Folge schmolz seit 1850 etwa 60 Prozent des Gletschervolumens ab. Bergstürze durch den Rückgang des Permafrosts müssen aufwändig präventiv verbaut werdenPontresina: Pionierin im Umgang mit Permafrost, Gemeindeportrait der Zeitschrift des Schweizerischen Gemeindeverbandes Heft 9/2015, S. 41 oder führen ein Einzelfällen selbst nach der Erstellung von Schutzbauten zur Evakuation.Schweizer Klimaflüchtlinge: Wie die bröckelnden Berge die Menschen aus den Alpentälern vertreiben, NZZ, 29. Juni 2024 Beim grossen Bergsturz von Blatten im Mai 2025 konnte das Dorf vor dessen Zerstörung frühzeitig evakuiert werden. Auch die Jahreszeiten verändern sich. Die Vegetationsperiode hat sich seit 1960 um zwei bis vier Wochen verlängert. Verschiedene Pflanzen, beispielsweise die Sommerlinde, blühen immer zeitiger.

Bei den Niederschlagssummen im Sommer, beim Hochnebel und bei Föhn und Windgeschwindigkeiten konnten in der Schweiz bis Sommer 2024 keine eindeutigen Veränderungen erkannt werden.Beobachtete Klimaentwicklung in der Schweiz, National Centre for Climate Services

Klimaszenarien für das Jahr 2060 und darüber hinaus ohne Klimaschutz Die Schweizerische Eidgenossenschaft hat 2018 eine Serie von Klimaszenarien für die Klimaentwicklung der Schweiz mit und ohne Klimaschutz erstellt. Es wurden Simulationen (Klimaszenarien CH2018) mit insgesamt 21 Computermodellen von verschiedenen europäischen Forschungsinstitutionen betrieben. Diese umfassende Analyse erlaubt es, die gegebenen Unsicherheiten solcher Klimaszenarien besser abschätzen zu können.

Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte die vom Menschen verursachte Erwärmung im Vergleich zu heute etwa dreimal grösser sein in einem Szenario ohne Abmilderung als in einem Szenario mit starker AbmilderungTechnical Report Seite 7 und Trockenperioden könnten anstatt ein- bis zweimal in zehn Jahren jedes zweite Jahr vorkommen.Trockene Sommer, National Centre for Climate Services

Der Zeitraum von 1981 bis 2010 zählt nachfolgend als Norm des Schweizer Klimas und somit als Ausgangspunkt der hier gemachten Simulationen. Angaben über zukünftige Veränderungen werden somit immer mit diesen 30 Jahren verglichen. Dies mit dem Wissen, dass sich das Klima bereits jetzt verändert hat.

In den Klimaszenarien werden Mittelwerte von den Klimaverhältnissen von drei Jahrzehnten verglichen, welche sich wie folgt gruppieren:

Jahr 2035 bedeutet «Nahe Zukunft»: 2020–2049 Jahr 2060 bedeutet «Mitte des Jahrhunderts»: 2045–2074 Jahr 2085 bedeutet «Ende des Jahrhunderts»: 2070–2099

Trockene Sommer mini|Trockenheitsindikator SPI3 (ein standardisierter Niederschlagsindex) für verschiedene Zukunftsperioden unter dem Szenario "Kein Klimaschutz" (RCP8.3 des IPCC) in der Nordostschweiz. mini|Erwartete Änderung der längsten Sommertrockenperiode bis ins Jahr 2060 ohne Klimaschutzmassnahmen. Die Trockensommer 2003, 2015, 2018 und 2022 werden in Zukunft einem durchschnittlich zu erwartendem Sommer entsprechen. Während mittlere Temperaturen mit Hilfe von Klimamodellen recht zuverlässig simuliert werden können, sind Voraussagen beim Niederschlag schwieriger. Dies hängt mit der grossen Vielfalt der Mechanismen zusammen, welche den Wasserhaushalt in der Atmosphäre bestimmen. Trotz dieser Unsicherheit zeigen die Klimasimulationen einen deutlichen langfristigen Trend der Niederschlagsabnahme. In den Sommermonaten ist in Zukunft mit einem spürbaren Rückgang des Niederschlags zu rechnen. Zwar wird an einem durchschnittlichen Regentag im Sommer ähnlich viel Niederschlag fallen wie bisher, es gibt jedoch mehr regenfreie Tage. Zudem fällt nicht nur seltener Regen, aufgrund der höheren Temperaturen verdunstet auch mehr Feuchtigkeit. Die Böden werden also trockener, selbst wenn der Niederschlag nicht abnehmen sollte. Generell sind Gebiete im Westen und Süden stärker vom möglichen Niederschlagsrückgang betroffen als solche im Osten. Von der zunehmenden Sommertrockenheit ist neben der Energieproduktion und der Wasserwirtschaft auch die Landwirtschaft betroffen. So wird zur Bewässerung von Feldern seit 2023 Wasser aus der Limmat über ein Rohrleitungssystem ins Furttal gepumpt. Weitere solche Projekte sind in Planung, u. a. im Seeland mit Wasser aus der Broye und dem Zihlkanal und in der Broye-Region mit Wasser aus dem Neuenburgersee. Schädlinge wie der Borkenkäfer können sich bei Trockenheit schneller vermehren, was etwa im Falle des Waldes zur massenhaften Zwangsnutzung des Käferholzes führt.Trockenes Wetter – mehr Borkenkäfer-Befall. In: schweizerbauer.ch, 7. März 2023, abgerufen am 8. März 2023.

Heftige Niederschläge mini|Stärkster Eintagsniederschlag des Jahres für die Stadt Zürich. Im Vergleich zu 2018 hat die Niederschlagsmenge von einzelnen Starkniederschlägen in der Schweiz seit 1901 um 12 Prozent zugenommen. Trotz abnehmender Niederschlagssummen werden also Einzelereignisse stärker. Da Luft pro Grad Celsius der Erwärmung etwa 6 bis 7 Prozent mehr Wasser aufnehmen kann, ist die Intensivierung der Niederschläge physikalisch gut erklärbar. Starkniederschläge werden in Zukunft wahrscheinlich merklich häufiger und intensiver auftreten als wir es heute erleben. Dies betrifft alle Jahreszeiten, aber besonders den Winter. Bei ungebremstem Klimawandel ist bis Mitte dieses Jahrhunderts zu erwarten, dass die stärksten Eintagesniederschläge im Winter um weitere rund 10 Prozent heftiger ausfallen. Bis Ende des Jahrhunderts beträgt die erwartete Zunahme 20 Prozent.

Auch sehr seltene Niederschlagsereignisse, wie sie etwa einmal in 100 Jahren eintraten, verstärken sich. Die Veränderung beträgt Mitte Jahrhundert 10 bis 20 Prozent, gegen Ende Jahrhundert etwa 20 Prozent. Die meisten Modelle prognostizieren für die Alpen eine Intensivierung der schweren Ereignisse im Herbst. mini|Trends der Eintagsniederschläge in der Schweiz. Die grössere Intensität von Starkniederschlägen kann erhebliche Kostenfolgen nach sich ziehen. Starkregen kann beispielsweise Erdrutsche und Überschwemmungen verursachen und so grosse Schäden anrichten, wie etwa beim Alpenhochwasser 2005 oder bei den zahlreichen Unwettern im Sommer 2024. Daher müssen Infrastrukturen wie Hochwasserschutzbauten und Kanalisationen ausreichend dimensioniert sein. Das Schadenspotenzial der Niederschlagsextreme ist in Zukunft jedoch nicht allein wegen der höheren Niederschlagsmengen grösser. Der Anstieg der Schneefallgrenze erhöht insbesondere im Winter den Anteil des flüssigen Niederschlags und beschleunigt so den Abfluss.

Dank ergriffener Schutzmassnahmen sei in der Schweiz bis ins Jahr 2024 das Schadensrisiko nicht grösser geworden. Dank dieser Massnahmen gab es sogar Orte, in denen die Gefahr kleiner geworden sei, berichtete der Tages-Anzeiger Anfang Juli 2024.«Das Schadenrisiko ist nicht grösser geworden», Tages-Anzeiger, 6. Juli 2024

Die Schäden durch Oberflächenwasser dürften laut dem Hydrologen Zischg weiterhin zunehmen; 2021 verursachte Wasser, das im Gegensatz zu über die Ufer tretenden Flüssen noch gar nie in ein Gewässer gelangte, zwei Drittel der Schäden und die Hälfte der Schadenssumme. Im Gegensatz zu grossen Hochwassern wie 2005, welche auch in Zukunft nicht öfter aufträten, handle es sich bei Oberflächenwasser-Ereignissen um lokale Ereignisse, deren Häufigkeit zunehme. Die einzelnen Gebäudeschäden seien zwar weniger gross, die Summe insgesamt führe aber zu grossen Schäden. So seien 60 Prozent der Häuser durch Oberflächenabfluss gefährdet und zwar nicht in Alpentälern, wo das Wasser in Bäche gelangt und abgeführt wird, sondern im versiegelten Siedlungsraum im Mittelland.Wir sind noch nicht beim Maximum, Tages-Anzeiger, 3. Juli 2024, S. 16

In der Schweiz lancierten Fachleute im Jahr 2022 die Initiative Schwammstadt, um für die Themen Oberflächenwasser und Versiegelung im Bereiche der Siedlungsentwicklung zu sensibilisieren und um für die Verbreitung der Information zu sorgen.Städte von Morgen: Die Schwammstadt als Antwortm Bundesamt für Umwelt BAFU, 2022

Extreme werden stärker Die zunehmende, aus dem Mittelmeerraum bekannte, Sommertrockenheit wird auch die Schweiz zunehmend betreffen. Simultan wird eine Zunahme von Stark- und Extremniederschlägen aus dem nördlichen Europa die Schweiz beeinflussen.

Eine Häufung von Extremniederschlägen an einem bestimmten Ort ist statistisch nicht leicht auszumachen. Die stärksten gemessenen Eintagesniederschläge jedes Jahres schwanken beträchtlich, und die höchsten Niederschlagsspitzen treten selten auf. Im schweizweiten Mittel tritt der Trend zu stärkeren Niederschlagsereignissen jedoch deutlich zutage. Von 173 Messstationen zeigen 158 eine Zunahme und davon 53 eine deutliche Zunahme. Dagegen wurde nirgends eine deutliche Abnahme der Niederschlagsintensität verzeichnet.

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