Thioaceton ist eine organische Verbindung und gehört zur Stoffklasse der Thioketone, welche Derivate von Ketonen darstellen. Thioaceton zeichnet sich durch einen unangenehm durchdringenden Geruch aus.E. Fromm, E. Baumann: Ueber Thioderivate der Ketone. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. Volume 22, Ausgabe 1, 1889, S. 1035–1045, doi: 10.1002/cber.188902201224.

Vorkommen Schwefelverbindungen begründen häufig in der Natur vorkommende, charakteristische Gerüche, wie z. B. die Gerüche von Zwiebeln oder Knoblauch. Virtanen, A.I.(1962): Organische Schwefelverbindungen in Gemüse- und Futterpflanzen, Angewandte Chemie, 74(11), 374–382. doi: 10.1002/ange.19620741103 Thioaceton hingegen wurde bisher nicht in der Natur beobachtet.

Synthese Gewöhnlicherweise wird Thioaceton 2 durch das Cracken des Trimers 1 gewonnen, wie es bereits von Ettinghausen formulierte. Mayer et al.(1964): Aliphatische Thioketone, Angewandte Chemie, 76 (4), 157-167. doi:10.1002/ange.19640760402

zentriert|rahmenlos|hochkant=2.0|Synthese von Thioaceton durch Cracken des Trimers

Das Trimer kann entweder aus der Pyrolyse von Allylisopropylsulfid oder durch die Behandlung von Aceton mit Schwefelwasserstoff in Anwesenheit einer Lewissäure bei niedrigen Temperaturen gewonnen werden. Bailey, W.J. & Chu, H.(1965): Synthesis of polythioacetone, ACS Polymer Preprints, 6, 145–155. Böhme, H. et al.(1942): Zur Kenntnis der dimeren Thioketone, Berichte der Deutschen Chemischen Gesellschaft, 75B (7), 900–909. doi:10.1002/cber.19420750722 Außerdem kann Thioaceton aus 2-Prop-2-inyl-sulfanylpropan, Martinez, G. et al.(1983): Gas-phase thermolysis of sulfur compounds. Part VI. Allyl propargyl and isopropyl propargyl sulfides, In: Phosphorus and Sulfur and the Related Elements. 17, 47-55. doi: 10.1080/03086648308077523 durch die Zersetzung von alkylsubstituierten (2-Chlorethyl)sulfinylnitroharnstoffen oder durch das Erhitzen von Acetonmercapol synthetisiert werden.

Eigenschaften mini|160px|Prototrope Tautomerie am Beispiel des Thioketons Thioaceton Bisher konnte Thioaceton als orange oder braune, sehr flüchtige Flüssigkeit isoliert werden. Roland Mayer untersuchte Thioketone und stellte fest, dass es sich häufig um rot erscheinende Flüssigkeiten handelt. Dies begründet er mit einer prototropen Tautomerie.

Thioaceton ist nicht in Wasser, dafür jedoch gut in Ether, Benzol oder Ethanol löslich. Aus der Schmelze bildet es beim Erstarren lang gestreckte, durchsichtige Tafeln.

Die Handhabung von Thioaceton wird durch seinen intensiven, unangenehmen Geruch erschwert. Baumann und Fromm charakterisieren den Geruch des Thioacetons in Bezug auf die Untersuchung desselben folgendermaßen:

Um die Intensität des Geruches zu verdeutlichen, beschreiben die Autoren den Versuch, Thioaceton aus 100 Gramm Aceton herzustellen. Der Versuch fand in Freiburg statt. Dabei:

Darum wird Thioaceton häufig als der stinkendste Stoff der Welt beschrieben.

Generell weisen Thioketone die Tendenz auf, leicht zu polymerisieren (Thioaceton bei über −20 °C). Trithioaceton, das cyclische Trimer des Thioacetons, ist stabiler und wird darum bevorzugt gebildet. Kroto, H.W. et al.(1974): The photoelectron and microwave spectra of the unstable species Thioaldehyde, CH3CHS, and Thioacetone (CH3)2CS, Chemical Physics Letters, 29 (2), 265-269. doi: 10.1016/0009-2614(74)85029-3 Burnop, V.C.E. & Latham, K.G.(1967): Polythioacetone, Polymer, 8, 589-607. doi: 10.1016/0032-3861(67)90069-9 Lipscomp, R.D. & Sharkey, W.H.(1970): Characterization and polymerization of thioacetone, Journal of Polymer Science Part A: Polymer Chemistry, 8 (8), 2187–2196. doi: 10.1002/pol.1970.150080826 Dennoch wurden bereits lineare Polymere des Thioacetons synthetisiert. Darüber hinaus können aus Thioaceton viele heterocyclische Verbindungen synthetisiert werden. Lown, J.W & Koganty, R.R.(1986): Formation of Novel 1,2-Oxathietanes from 2-Chloroethyl Sulfoxide Precursos and Their Rections in Solution, Including Formal [σ2s+σ2a] Cycloreversions and Rearrangements, Journal of the American Chemical Society, 108 (13), 3811–3818. doi: 10.1021/ja00273a042

Literatur Kracher, R. et al. (2007): Lexikon der Chemie. 3. Band (Perf bis Zy), Jokers edition. Heidelberg: Spektrum Verlag. S. 342. ISBN 978-3-8274-1909-5.

Weblinks Youtube-Video: Making the stinkiest chemical known to man (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Thiocarbonylverbindung