Als Premiummarke bezeichnet man im Handel eine Handels- oder Herstellermarke oder Produktgruppe, die sich durch ihre Produktqualität, ihre preisliche Gestaltung und mit der Marktstellung von den Massenprodukten des jeweiligen Herstellers und/oder den Produkten anderer Massenhersteller unterscheidet.
Spezifische Werbemaßnahmen fördern dabei die Imagebildung und Markentreue mit dem Ziel einer Beeinflussung der Kaufentscheidung potentieller Kunden.
Definition Der Begriff wird nicht einheitlich definiert. Oft soll mit dem Begriff eine Marke als besonders wertvoll gekennzeichnet werden, um so mit den zugehörigen Produkten einen höheren Preis am Markt erzielen zu können als die Mitbewerber. Das Preispremium, die positive Preisdifferenz zum Wettbewerb, stellt dabei ein wesentliches Merkmal dar. Es kann sich zum einen auf die positive Preisdifferenz zum Durchschnittspreis im Gesamtmarkt beziehen oder zum anderen auf den Durchschnittspreis in einzelnen Bereichen eines Marktes.
Philip Maloney, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Bremen, definiert den Begriff wie folgt:Philip Maloney, Absatzmittlergerichtetes, identitätsbasiertes Markenmanagement. Deutscher Universitäts-Verlag | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-8350-0938-7, S. 56.
Arnd Joachim Garth, Professor an der Mediadesign Hochschule in Berlin, kritisiert den Begriff als subjektiv und berechnend:
Autobranche
Laut Ferdinand Dudenhöffer, ehemaliger Professor an der Universität Duisburg-Essen und Experte für Themen der Automobilindustrie, wird der Begriff in der Autobranche nicht einheitlich verwendet. Für Premiummarken in der Autobranche legt Dudenhöffer einen erzielbaren Preisaufschlag von mindestens 20 % gegenüber den Volumenherstellern zugrunde.
Für das Jahr 2013 listet Dudenhöffer entsprechend ihrer Absatzzahlen die Marken BMW, Audi, Mercedes-Benz, Lexus, Volvo, Land Rover, Mini, Cadillac, Acura, Porsche, Infiniti, Smart, Lincoln, Jaguar, Maserati, Bentley und Ferrari. Für das gleiche Jahr nennt Dudenhöffer außerdem mit weltweit unter 5.000 Verkäufen die Kleinserienhersteller Aston Martin, Artega, Bugatti, Fisker, Lamborghini, Morgan, Koenigsegg, Lotus, Rolls-Royce, Spyker, Tesla und Wiesmann. Traditionsreiche Marken wie Alfa Romeo, Citroën, Lancia oder Saab waren in den letzten Jahren nicht mehr im Segment der Premiummarken vertreten, da deren Fahrzeuge preislich näher bei den Volumenherstellern lagen oder die Marken vom Markt verschwanden. Mit DS Automobiles hat auch der Konzern Stellantis eine Premiummarke, wie auch die Hyundai Motor Group mit Genesis.
Andere Branchen Der Begriff findet auch in anderen Branchen Anwendung, so zum Beispiel für Miele im Bereich der HaushaltstechnikRobert Obermaier: Handbuch Industrie 4.0 und Digitale Transformation: Betriebswirtschaftliche, technische und rechtliche Herausforderungen, Springer, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-24576-4, Seite 179 oder C. F. Martin & Co. beim Instrumentenbau.
Auf dem deutschen Markt für Bier werden Marken als Premiumbiere positioniert gegenüber anderen Biermarken, die als Konsumbiere, Fabrikbiere und Billigbiere bezeichnet werden. Folgende Merkmale kennzeichnen Premium-Biere: bundesweiter Vertrieb, bundesweite Werbung, Markenpflege über die gehobene Gastronomie, hoher Preis.Kurt Gayer: Das deutsche Bierlexikon. mvg, Landsberg am Lech 1984, ISBN 3-478-05722-1, S. 95.
Literatur Jens Diehlmann, Joachim Häcker Automobilmanagement. 2. Auflage, R. Oldenbourg Verlag, München 2012, ISBN 978-3-486-70433-4 Ferdinand Dudenhöffer Deutsche Autobauer dominieren Premiumgeschäft (PDF), GAK: Gummi, Fasern, Kunststoffe; Fachmagazin für die Polymerindustrie, Jahrgang 67 (2014), Heft 4, S. 200–202, Era Nadel (Hrsg.): Dokumentation Premium: Trends, Konzepte, Strategien, Aufsatzsammlung. Verlagsgruppe Deutscher Fachverlag, Markt-Info-Service, Frankfurt am Main 1990 (ohne ISBN)
Siehe auch Zweitmarke
Einzelnachweise
Kategorie:Betriebswirtschaftslehre Kategorie:Preispolitik Kategorie:Produktpolitik