Michael Rudolf Wening (* 4. Februar 1893 in Landquart; † 23. Juli 1970 in Zürich) war ein Schweizer Bildhauer, Maler, Zeichner und Hofbildhauer des Königs von Siam.
Biografie Rudolf Wening war der Sohn eines Ingenieurs bei der Bierbrauerei Haldengut. Er wuchs mit zwei Schwestern und einem Bruder in Winterthur auf. Nach Primar- und Sekundarschule besuchte er die Kantonsschule in Pruntrut. Von 1908 bis 1911 war er an der Kunstabteilung des Technikums Winterthur. Von 1911 bis 1913 war er Schüler von Richard Kissling. Anschliessend studierte er von 1913 bis 1914 an der Kunstakademie in Florenz. Rudolf Wening war ein Gründungsmitglied der 1916 gegründeten Künstlergruppe Winterthur, der er bis 1945 angehörte.
Während des Aktivdienstes in der Schweiz zeichnete er in seiner Freizeit Kameraden, Vorgesetzte und bekannte Persönlichkeiten, wobei seine Kreidezeichnungen grossen Anklang fanden.Rudolf Wening, Winterthur, Ulrich Wille (Kreidezeichnung). In: Karl Matter: Zu den Bildnisskizzen von Rudolf Wening. Die Schweiz. 19. Jg., Nr. 1, Januar 1915, S. 567.
1919 reiste Rudolf Wening zu seinem Bruder, der als Manager eine Kautschukplantage führte, nach Sumatra. Von 1922 bis 1923 hielt er sich in Singapur auf. In dieser Zeit studierte er die verschiedenen Ethnien und fertigte Porträts wie auch Tierstudien an, die sich noch heute im Familienbesitz befinden. Nach Sumatra zurückgekehrt, nahm er an einem Wettbewerb des Königshauses teil, bei dem die Kontakte zustande kamen, die anschliessend zu einer Anstellung als Hofbildhauer bei König Vajiravudh und später bei Prinz Damrong führten. Diese Position hatte er bis 1929 inne. Rudolf Wening schuf aus Marmor, Bronze und Silber zahlreiche Büsten der königlichen Familie, zu der viele Frauen, Nebenfrauen, Prinzessinnen und Prinzen zählten, und porträtierte unzählige Mitglieder der königlichen Familie. Seine Plastiken, Mosaike und Fresken sind teilweise im Besitz des Nationalmuseums Bangkok.alternativtext=Michael Rudolf Wening (1893–1970) Grabskulptur, Friedhof am Hörnli, Riehen|mini|Grabskulptur, Friedhof am Hörnli in Riehen
Mit der königlichen Unterstützung unternahm Rudolf Wening ausgedehnte Studienreisen ins Innere des Landes in teilweise noch wenig erforschte Urwaldgegenden und machte Menschen- und Tierstudien, die er in seine Gemälde- und Bildhauerarbeiten einfliessen liess.
Seine weitreichenden Kenntnisse Südostasiens und langjährige Vertrautheit mit der Tierwelt prägten Rudolf Wenings Schaffen. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz übernahm er das Atelier seines ehemaligen Lehrers Richard Kissling im Zürcher Seefeld. In den darauffolgenden Jahren schuf er zahlreiche Tierplastiken, Skulpturen, Zeichnungen, Gemälde, Grabmäler sowie Büsten von Erwachsenen und Kindern.
1933 heiratete er Ursula Schmid (1909–2002), die in Zürich-Wollishofen aufgewachsen war. Sie wurden Eltern von vier Kindern und erwarben 1938 ein Grundstück am Zürichberg neben dem Zoo Zürich.Brunnen am Eingang zum Zoologischen Garten von Rudolf Wening, 1935. In: Claude Lichtenstein: Die Dreissigerjahre in Zürich: Kulturkampf und «Landigeist». Schweizer Kunst. Nr. 1, 1999 (100 Jahre Schweizer Kunst). doi:10.5169/seals-623779#126, S. 80. Rudolf Wening richtete seine zwei Ateliers direkt neben dem Wohnhaus ein.
Mit seiner Ehefrau unternahm er zahlreiche Forschungsreisen nach Thailand, Sri Lanka, Indien, Borneo und Afrika. mini|Wenings Grab auf dem Friedhof Fluntern. Mit ihm sind seine Frau und der Sohn Hans Rudolf Wening (1936–1994) bestattet. Als Tierfreund war Rudolf Wening zeitlebens mit dem Zoo Zürich verbunden. Von 1930 bis 1958 war er Mitglied des Zoovorstandes, und 1929 war er der Initiator für die Anschaffung der Elefantenkuh Mandjullah und ihres Bullenkalbs Chang.Mandjullah und Chang, 1929. In: Stufen einer Zooentwicklung. Zoo Zürich, 21. Februar 2018. Die Tiere wurden kurz vor der Eröffnung des zoologischen Gartens bei der Tierhandlung von John Hagenbeck erworben.
Zu Rudolf Wenings bekanntesten Werken zählen die Zebragruppe in der Bäckeranlage Zürich,Einweihung der Zebragruppe in der Bäckeranlage. In: Die Berner Woche. 33. Jg., Nr. 12, 20. März 1943, S. 323. das Denkmal für den Flugpionier Walter Mittelholzer in Kloten oder der Sumatra-Tiger auf dem Brunnen beim Haupteingang des Zürcher Zoos. Viele seiner Werke schmücken Schweizer Schulhaus- und Grünanlagen oder sind in Form von Grabdenkmälern, u. a. auf dem Friedhof Enzenbühl und Friedhof Fluntern in Zürich und dem Basler Friedhof am Hörnli, zu sehen.
Sein Engagement und die Mitgliedschaft im Vorstand des Zoos Zürich ermöglichten Rudolf Wening seit den frühen Anfangsjahren des zoologischen Gartens die Mitwirkung an bedeutsamen Projekten, beispielsweise bei Bauten und der Erweiterung des Tierbestands. Ab 1957 war er Mitglied im Verwaltungsrat der Museum-Rietberg-Gesellschaft und als Experte für asiatische Kunst tätig.
Nebst seiner Tätigkeit als Bildhauer arbeitete Rudolf Wening auch als angesehener Fotograf, Buchautor, Zeichner und Illustrator von Kinderbüchern von Olga Meyer, Gestalter von Plakaten für den Zoo Zürich sowie als Referent im Fachbereich Siam und Angkor. Rudolf Wening war mit Walter Bosshard befreundet und arbeitete für sein Buch Wunderland Siam mit August Fridolin Somm und Michael Wolgensinger zusammen.Thailand / photographs by Michael Wolgensinger; text by Rudolf Wening and A. F. Somm. Smithsonian.
Zum Nachlass von Rudolf Wening zählt neben öffentlichen und privaten Kunstobjekten auch eine grosse Anzahl an Originalmodellen.
Ausstellungen 1931: Nationale Kunstausstellung, Genf 1932: Weihnachtsausstellung, Kunstmuseum Winterthur 1932: Zürcher Bildnisse, Kunsthaus Zürich 1936: Nationale Kunstausstellung, Kunstmuseum Bern 1939: Schweizerische Landesausstellung, Zürich 1943: G.S.A.M.A Ausstellung, Kunsthaus Zürich 1948: G.S.M.B.A Ausstellung, Kunsthaus Zürich 2007: Exlibris-Künstlerinnen und -Künstler des 18. und 20. Jahrhunderts, Zentralbibliothek Zürich
Werke (Auswahl) Skulpturen Die Liste ist nach dem Jahr der Errichtung/Einweihung chronologisch geordnet. Sämtliche aufgeführte Skulpturen befinden sich in der Schweiz.
Bezeichnung Bild Standort Errichtung Einweihung Weitere Informationen Sumatra-Tiger 150px Zürich, Zoo 1935 Brunnenskulptur Rehkitz 150px Winterthur, Schulhaus Lindberg 1935 Adler 150px Luzern, Verkehrshaus der Schweiz (bis 2019 beim Flughafen Zürich)Martin Liebrich: Dübendorf – Kloten – Luzern: Die Geschichte des Mittelholzer-Denkmals. In: Tages-Anzeiger. 10. Januar 2022, abgerufen am 1. August 2026. 1942 Denkmal für Walter Mittelholzer Dreibärenbrunnen 150px Zürich, im Quartier Fluntern, am Schulhaus 1942 Zebragruppe 150px Zürich, Bäckeranlage 1942 Gemskitz 150px Winterthur, Schulhaus Guggenbühl 1950 Delphin-Brunnen 150px Winterthur, Delphinplatz 1956 Reiher Romanshorn, Seepark 1957 XX 150px XX, xx xx XX --->
Publikationen (Auswahl) Mein Tiger. Atlantis Verlag, 1929 mit August Fridolin Somm: Wunderland Siam (Fotos: Michael Wolgensinger). Silva Verlag, Zürich 1959. Angkor. Die vergessene Tempelstadt im Urwald. Silva Verlag, Zürich 1965, ISBN 978-3-8357-1055-9.
Literatur Olga Meyer: Im Weiherhaus. Eine Froschgeschichte. Mit Illustrationen von Rudolf Wening. Rascher, Zürich 1930. Olga Meyer: Allein daheim. Geschichte in Anlehnung an Familie Wening. Sauerländer, Aarau 1972, ISBN 978-3-7941-0156-6. Othmar Röthlin, Kurt Müller: Zoo Zürich. Chronik eines Tiergartens. NZZ, Zürich 2000, ISBN 978-3-85823-754-5.
Weblinks
Rudolf Wening, Kunstobjekte
Rudolf Wening in Artnet Rudolf Wening im Museum für Gestaltung Zürich Rudolf Wening in Swisscovery Rudolf Wening in der Schweizerischen Nationalbibliothek Rudolf Wening in E-Periodica Rudolf Wening in der Edition Winterthur
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Schweiz) Kategorie:Bildender Künstler (Schweiz) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1893 Kategorie:Gestorben 1970 Kategorie:Mann Kategorie:Person (Landquart GR)