mini|Tradition seit 1248: Die Bauhütte neben dem Domchor (Foto: 2019)

Die Dombauhütte Köln führt mit rund 100 Handwerkern fortlaufend Renovierungsarbeiten am Kölner Dom durch und hält das Gebäude dadurch instand; sie setzt damit die Tradition der mittelalterlichen Dombauhütte fort.dombau-koeln.de - Info. Sie wird vom Dombaumeister geleitet und ist heute als Teil der Dombauverwaltung dem Metropolitan-Domkapitel unterstellt. Die Hütte, die ursprünglich Mitte des 13. Jahrhunderts gegründet wurde, um den Dom zu errichten, gehörte im Mittelalter zu den angesehensten gotischen Bauhütten in Europa.Johann Josef Böker: Michael von Savoyen und der Fassadenriss des Kölner Domes. Köln 2018, ISBN 978-3-412-50098-6, S. 109f. Heute ist die Kölner Dombauhütte die größte Deutschlands und eine der größten in Europa.

Geschichte mini|Außerordentliche Qualität: der Fassadenplan aus dem Jahre 1370

Die mittelalterliche Geschichte der Kölner Dombauhütte muss im Wesentlichen aus archäologischen Quellen und der Bauforschung erschlossen werden. 1794 lösten die französischen Revolutionstruppen die Bauhütte auf und transportierten alle schriftlichen Dokumente ab, die seitdem verschollen sind. Nur wenige Pläne – wie der Fassadenriss F von 1370 – konnten im 19. Jahrhundert wieder aufgefunden werden.Koelner Dom.de: Geschichte der Kölner Dombauhütte.

Qualitätsstandard Die Dombauhütte wurde 1248 vom ersten Dombaumeister Gerhard eingerichtet. Wahrscheinlich wurden dazu Steinmetzen versammelt, die ihre Erfahrungen beim Bau der zahlreichen romanischen Kirchen im Kölner Raum gesammelt hatten. Jedenfalls setzte die Kölner Hütte die romanischen Baumethoden auch bei der Errichtung des gotischen Domes fort und griff dazu nicht auf die moderneren Erfahrungen der nordfranzösischen Hütten zurück.Arnold Wolff: Die vollkommene Kathedrale. In: Dombau und Theologie im mittelalterlichen Köln. (= Studien zum Kölner Dom. Band 6). Köln 1998, ISBN 3-922442-27-7, S. 43f.

Die Kölner Hütte entwickelte in den ersten 100 Jahren einen hohen Qualitätsstandard. Der 1370 von Baumeister Michael von Savoyen entworfene Riss F der Westfassade zeigt beispielsweise eine „außerordentliche graphische Qualität“ und einen detaillierten Ausarbeitungsgrad, der auf einer langen Tradition gotischer Planzeichnungen beruht. Er gehört damit „zweifelsfrei zu den grossartigsten Architekturzeichnungen, die das Mittelalter hinterlassen hat“.Johann Josef Böker: Michael von Savoyen und der Fassadenriss des Kölner Domes. Köln 2018, S. 115.

Organisation Die Bauhütte bestand im Mittelalter aus rund 100 Personen. Sie gehörte damit in einer Zeit, in der die typische Unternehmensorganisation am handwerklichen Meisterbetrieb ausgerichtet war, zu den Großunternehmen. Die Dombaumeister (magister operis), die diesen Großbetrieb als freie Vereinigung von Steinmetzen, Zimmerleuten und Schmieden organisieren mussten, galten daher als die Spitzenverdiener im Handwerk. Dazu arbeiteten sie eng zusammen mit dem Baudirektor (rector fabricae), einem Geistlichen, der die Baumaßnahme für den kirchlichen Bauherrn koordinierte und auch für die Verwaltung der Finanzen zuständig war. Wir dürfen heute annehmen, dass dem Dombaumeister ein bis zwei Meisterknechte, die sogenannte Parliere, zur Seite standen. Zusammen organisierten sie die Handwerker für das aufgehende Mauerwerk und diejenigen, die an den Fundamenten arbeiteten.

Am aufgehenden Mauerwerk waren wahrscheinlich 2 bis 4 Bildhauer, 20 bis 24 Steinmetzen, und 6 bis 8 Versetzer tätig. Zusätzlich werden 3 bis 5 Zimmerleute auf der Baustelle gearbeitet haben. Für die Fundamente waren 10 bis 15 Fundamentmaurer tätig. Die Bauhütte wird etwa 4 bis 7 Lehrlinge beschäftigt haben. Hinzu kamen die Handwerker, die sich mit dem Ausbau beschäftigten wie u. a. Maler, Vergolder und Glaser.stadtgeschichten-stadtfuehrungen.koeln: Kölner Dom - Gigant aus Stein Die Zahlen sind nicht urkundlich belegt, aber ergeben sich aus dem heutigen Erfahrungsbereich der Dombauhütten in Köln, Straßburg und Regensburg

Die Bauhütte war auch für die Beschaffung des Baumaterials verantwortlich. Im Trachyt-Steinbruch am Drachenfels werden etwa 3 bis 4 Steinbrecher und 3 Rohbossierer gearbeitet haben. Im Basalt-Steinbruch werden 4 bis 6 Steinbrecher die Fundamentquader gebrochen haben. Um den Transport zu organisieren, waren drei bis vier Schiffe im Einsatz, um die 40 bis 50 Steine mit einem Volumen von rund 9,7 Kubikmeter täglich vom Steinbruch im Drachenfels nach Köln zu bringen. Dazu werden 2 bis 4 Schiffleute und 3 bis 4 Transportmitarbeiter tätig gewesen sein. Zum Transport des Basalts werden weitere 3 bis 8 Schiffleute und 4 bis 5 Transportmitarbeiter benötigt worden sein.stadtgeschichten-stadtfuehrungen.koeln: Kölner Dom - Gigant aus Stein Die Zahlen sind nicht urkundlich belegt, aber ergeben sich aus dem heutigen Erfahrungsbereich der Dombauhütten in Köln, Straßburg und Regensburg

Um die Baustelle zu unterhalten, musste das Domkapitel die notwendigen Geldmittel aufbringen. Nach der Finanzierungsurkunde vom 13. April 1248 sollten alle Gaben, die außerhalb der Messe am Petrusaltar niedergelegt wurden, für den Dombau verwendet werden. Zusätzlich wurden auch Kollekten und Spenden gesammelt, die mit einem Ablassversprechen verbunden waren. Beispielsweise verlieh Erzbischof Wigbold von Holte (1297–1304) allen denjenigen einen 14-tägigen Ablass, die in ihrem Testament die Domkasse bedachten. Mit den Jahren wurde es in Köln üblich, aus jedem Nachlass mindestens einen Silbergroschen dem Dombau zu spenden. Im frühen 14. Jahrhundert wurde die Finanzierung auf eine gesichertere Basis gestellt, als die Petrusbruderschaft mit dem Ziel gebildet wurde, den Dombau zu fördern.stadtgeschichten-stadtfuehrungen.koeln: Kölner Dom - Gigant aus Stein

Ansehen Das Ansehen der Kölner Bauhütte lässt sich auch daran ablesen, dass mehrere bekannte Kölner Werkmeister zu Baumeistern großer Bauvorhaben berufen wurden. Den älteren Heinrich Parler hatte es aus Köln fortgezogen, um den Ostchor des Augsburger Domes zu bauen, der in seiner ursprünglichen Konzeption als Nachbildung des Kölner Chores geplant war. Peter Parler wechselte von Köln, wo er vermutlich sein Meisterstück ablieferte, 1356 als Dombaumeister zum Prager Veitsdom. Sein Neffe, der jüngere Heinrich Parler, arbeitete bis 1378 an der Kölner Dombauhütte und reiste 1387 von Köln nach Ulm, um dort die Stelle als Münsterbaumeister zu übernehmen. Auch der Werkmeister für den Mailänder Dom wurde 1391 in Köln gesucht. 1419 wurde Johannes Hültz, der in Köln zumindest die Rolle eine Paliers eingenommen hatte, nach Straßburg berufen und baute dort einen Masswerkhelm, der sich erkennbar an der (damals noch nicht realisierten) Kölner Planung orientierte. Auf dem Regensburger Hüttentag 1459 wurde dem Kölner Dombaumeister Konrad Kuyn die Dominanz der Hütte für den nordwestdeutschen Raum bestätigt. Der Baumeister selbst wurde in diesen Jahren an den Mailänder Dom berufen. Auch der Regensburger Dombaumeister Andreas Engel und sein Bruder Hans hatten in der Kölner Bauhütte gelernt. Meister Johannes von Köln hatte ab 1442 die Möglichkeit, an der Kathedrale von Burgos Maßwerkhelme zu errichten, denen die (damals weiterhin nicht realisierten) Planungen in Köln als Vorbild dienten.Johann Josef Böker: Michael von Savoyen und der Fassadenriss des Kölner Domes. Köln 2018, S. 100ff.

Die Bauhütte bestand fort, auch nachdem um 1560 der Weiterbau des Domes eingestellt wurde, um laufende Reparaturen am Gebäude durchzuführen. Erst 1794 löste sie sich aufgrund des Einmarsches der Franzosen auf;planet-wissen.de: die Dombauhuette. in den folgen Jahrzehnten stellten sich große Schäden am Gebäude ein.Arnold Wolff: Die Gefährdung des Doms und die Arbeit der Dombauhütte. In: Arnold Wolff, Toni Diederich: Das Kölner Dom Lese- und Bilderbuch. Köln 1990, S. 80.

Bauhütte in preußischer Zeit Um den weiteren Verfall der Kirche zu verhindern, richtete Friedrich Adolf Ahlert 1823 die Bauhütte als Preußischen Staatsbetrieb wieder ein, die sich allerdings in die Tradition des mittelalterlichen Bauhandwerks stellte. Ahlert sicherte die Substanz des Domchores und erneuerte vier Strebewerke, deren Ausführung allerdings als weniger gelungen kritisiert wurde.

Während der Vollendung des Dombaus von 1842 bis 1880 wurde die Hütte unter Leitung der Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner und Richard Voigtel deutlich vergrößert. Sie erreichte eine Mitarbeiterzahl von zunächst 180 und dann sogar über 500 Handwerkern. Vor allem Baumeister Voigtel setzte zudem moderne Produktionsmethoden ein, um den Dombau zu beschleunigen und schaffte beispielsweise 1869 eine Dampfmaschine an, um die fertigen Werksteine auf die Türme zu heben.Arnold Wolff: Die Vollendung des Domes im 19. Jahrhundert. In: Arnold Wolff, Toni Diederich: Das Kölner Dom Lese- und Bilderbuch. Köln 1990, S. 50.

Nach 1880 wurde die Bauhütte zunächst zu einer kleinen Reparaturtruppe verkleinert. Als aber 1906 eine Engelsfigur vom Dom fiel, wurde die Notwendigkeit erkannt, kontinuierliche Restaurierungen vorzunehmen, und Dombaumeister Bernhard Hertel erhöhte die Belegschaft der Bauhütte bis 1926 wieder auf 70 Mitarbeiter. Seit 1948 untersteht die Hütte dem Domkapitel.

Schöpferische Denkmalpflege Nach den Schäden durch den Zweiten Weltkrieg wurde der Kölner Dom von Dombaumeister Willy Weyres nach den Grundsätzen der Schöpferischen Denkmalpflege wiederhergestellt. Dieser Begriff wurde schon 1929 geprägt. Danach soll das Denkmal nicht nur bewahrt, sondern auch als Ganzes verständlich gemacht – und dabei sogar zum Besseren verändert werden.Siegrid Brandt: Schöpferische Denkmalpflege? Anmerkungen zu einem Schimpfwort. In: Kunsttexte.de 1/2003. (edoc.hu-berlin.de) Beispielsweise ließ Weyres (Dombaumeister 1944 bis 1972) den Steinmetzen große Freiheiten, freiplastische Werke innerhalb der originalen Umrisse nach eigenen Entwürfen originell zu gestalten. Um 1980 beendete Dombaumeister Arnold Wolff diese Phase gestalterischer Neuerungen und verlangte, auch die bestehenden neugotischen Formen und nicht nur die des Mittelalters möglichst originalgetreu zu kopieren.Moritz Küpper: Dauerbaustelle Kölner Dom – seit über 100 Jahren keinen Tag gerüstfrei. Auf: deutschlandfunkkultur.de

mini|links|Neo-gotische Blattwerke: 35 Kapitelle der Kölner Domplombe (2004/05) mini|Krabben zu Hüttenmännchen: Moderne Bilderfindungen am Strebewerk auf der Nordseite mini|links|Musizierende Engel: Schöpferische Denkmalpflege am Südfenster des Langhauses (1954) mini|Papst am Dom: Figur am Baldachin im Tympanon des Hauptportals, die Papst Franziskus darstellt

Der gestalterischen Freiheit zwischen den 1950er und den 1970er Jahren verdankt der Dom allerdings eine größere Anzahl origineller Bilderfindungen. Der Figurenschmuck des im Zweiten Weltkrieg besonders stark beschädigten, auch Dreikönigenportal genannten Nordportals in der Westfassade wurde in moderner Form wiederhergestellt. Die vier äußeren Figuren, die Abel, Jafet, Hiob und die Königin von Saba darstellen, sowie die Köpfe der meistern anderen Figuren (Gestalten des Alten Bundes und die Heiligen Drei Könige) wurden von Elisabeth Baumeister-Bühler zwischen 1958 und 1960 neu geschaffen. Die Engel auf dem Wimperg gestalteten Klaus Iserlohn und Erlefried Hoppe in den Jahren 1956 bis 1958.Arnold Wolff: Der Dom zu Köln. bearbeitet und ergänzt von Barbara Schock-Werner. Köln 2015, ISBN 978-3-7743-0658-5, S. 14. An einem südlichen Strebepfeiler des Langhauses erfanden die Bildhauer Ewald Bell und Gerhard Stoll 1954 musizierende Engel, wo im Original nur Laubwerk den Bogenlauf des Fensters schmückte.Arnold Wolff: Der Dom zu Köln. bearbeitet und ergänzt von Barbara Schock-Werner. Köln 2015, S. 52.