mini|Luftbild des Domplatzes und seiner Umgebung Der Domplatz in Regensburg liegt nahezu im Zentrum der Altstadt. Der Platz gliedert sich in mehrere Einzelplätze und geht im Norden unmittelbar über in den Krauterer-Markt. Die beiden hohen Domtürme sind von vielen Orten der Stadt zu erkennen und bieten eine gute Orientierungshilfe in den verwinkelten Gassen der Altstadt. Neben dem Dom hat auch die zentrale Lage dem Platz seit jeher eine hohe Bedeutung verliehen als Ort für kirchliche Veranstaltungen und Prozessionen, als beliebter Marktplatz, als touristischer Treffpunkt oder als Versammlungsplatz bei politischen und kulturellen Veranstaltungen. Im 20. Jahrhundert gewann der Domplatz Bedeutung als Zentrum des Nahverkehrs durch die Straßenbahn von Regensburg und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gerne als Auto-Parkplatz genutzt. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts ist diese Nutzung zunehmend umstritten und wird seit 2018 nach und nach zurückgedrängt.

Aufteilung und Entstehung, Lage und Umgebung Der Domplatz besteht genau genommen aus drei miteinander verbundenen, unterschiedlich großen und zu unterschiedlichen Zeiten entstandenen Plätzen. Es ist üblich, zwei dieser Plätze als unterschiedlich große Domplätze zu bezeichnen. Der kleinere dieser Domplätze liegt vor der imponierenden Westfassade des Regensburger Doms und ist mit den zwei Türmen des Doms im Hintergrund ein beliebter Anziehungs- und Treffpunkt für Touristen. Der viel größere, südliche, im Osten von einem Schwibbogen begrenzte Domplatz wird von der Südfassade des Regensburger Doms, von der östlich benachbarten ehemaligen Dompfarrkirche St. Ulrich und seit 2010 wieder vom Reiterstandbild Ludwigs I. geprägt. In seiner heutigen Breite ist der große südliche Domplatz erst kurz vor 1900 entstanden, nachdem auf seiner Südseite einige historische Gebäude abgebrochen und die Neubauten deutlich weiter nach Süden versetzt worden waren. Als Folge dieser Abbruch- und Neubau Maßnahmen entstand der dritte der Domplätze, der auch als südöstlicher Teil des großen südlichen Domplatzes angesehen werden kann. Er trägt aber den eigenen Namen Albrecht-Altdorfer-Platz, nachdem dort 1982 zum 500-jährigen Jubiläum der Geburt von Albrecht Altdorfer der vom Bildhauer Fritz Koenig geschaffene Brunnen errichtet wurde. mini|Albrecht-Altdorfer-Platzmit Brunnen (2013)(hinten Herzogshof)

Südlicher Domplatz mit Albrecht-Altdorfer-Platz mini|Blick auf südlichen Domplatz von Osten durch den Schwibbogen (2011)

Der große südliche Domplatz bietet mit Treppenstufen an der Südfassade des Regensburger Doms bei sonnigem Wetter beliebte Aufenthaltsorte. In seiner heutigen Breite von ca. 30 m ist der Platz erst am Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Bis dahin gab es nur die etwas aufgeweitete Domstraße von ca. 15 m Breite, die auf der dem Dom gegenüber liegenden Seite mit großen Gebäuden eng bebaut war. Diese Gebäude wurden im Zuge der sogenannten Freilegung des Domes am Ende des 19. Jahrhunderts abgebrochen, um – wie es hieß – eine bessere Sicht auf den Dom und die damals neuen Domtürme zu ermöglichen. Diese Abbrüche schafften Platz für südlich zurück versetzte große Neubauten, deren später mehrfach umgestaltete Nachfolgebauten noch heute die Südseite des Domplatzes beherrschen.

Der große südliche Domplatz mit einer Länge von ca. 150 m wird im Westen von der Residenzstraße begrenzt, die den Domplatz nach Süden mit dem Neupfarrplatz verbindet. Die Residenzstraße hat ihren Namen von dem Gebäude am Eck zum Domplatz erhalten, das um 1800 durch einen kompletten Umbau der alten Dompropstei entstanden war. In Regensburg war es üblich, lange an alten Straßennamen festzuhalten. Dementsprechend heißt es noch im Adressbuch von 1868: Residenz- oder Judengasse, denn diese Gasse führte zum Nordtor (Heutor) des einstigen Judenviertels auf dem Neupfarrplatz, das 1519 zerstört wurde. Das neu entstandene Palais im Stil des Klassizismus galt damals als das modernste Palais in Regensburg und wurde 1803 als würdig empfunden, dem neuen geistlichen Landesherren Carl Theodor von Dalberg als Residenz zu dienen. Von der Mitte des südlichen Domplatzes weiter nach Süden führt die Pfauengasse ins Einkaufsviertel und endet dort, wo Kassiansplatz und Schwarze-Bären-Straße aufeinander treffen. Vom südöstlichen Domplatz, dort wo das Areal des Albrecht-Altdorfer-Platzes beginnt, ermöglicht ein schmaler Gebäude-Durchgang den Weg nach Süden, wo sich hinter dem Gebäude der sehr versteckte Platz Am Frauenbergl befindet. Von dort führt die Salzburger Gasse weiter nach Süden ins Einkaufsviertel. Der Name der Salzburger Gasse erinnert an die ungefähr hier endende ehemalige mittelalterliche Bebauung der Domstraße mit dem Salzburger Hof der eines der Gebäude war, die um 1900 abgebrochen wurden.

Im Osten endet der südliche Domplatz mit einem recht engen Schwibbogen, der den Römerturm mit dem südlich benachbarten Restgebäude des Herzogshofs verbindet.Teile des Herzogshofes wurden ebenfalls um 1900, weitere Teile dann 1936 abgebrochen. Der Durchgang unter dem Schwibbogen führt auf den Alten Kornmarkt mini|links|Adlerbrunnen (2011) mini|Dom-Westfassade und westlicher Domplatz (2011) mini|Krauterer-Markt (1910) mit Straßenbahn mini|links|Krauterermarkt Nr. 1

Westlicher Domplatz und Krauterermarkt Der viel kleinere westliche Domplatz vor der Westfassade des Doms ist mit einer Länge von ca. 30 m nahezu quadratisch und wird nördlich von den Mauern der Stiftskirche St. Johann begrenzt. Bis ins 19. Jahrhundert blieb die Hoheit über diesen schmalen nördlichen Platzbereich – genannt Petersplatz – zwischen Stiftskirche und Dom heftig umstritten zwischen Domkapitel und Stadtrat. Das führte dazu, dass die Stadt entlang der Südfassade der Stiftskirche den Anbau von bis zu 14 budenähnlichen Kramläden erlaubte, die trotz des heftigen Widerstands vom Domkapitel bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Bestand hatten.

Im Straßenbereich ist der westliche Domplatz eng verbunden mit einem weiteren platzähnlichen Bereich, der als Krauterermarkt bezeichnet wird. Die Bezeichnung war schon im 14. Jahrhundert gebräuchlich, weil hier vor dem Bischofshof und vor der Stiftskirche St. Johann von den Bauern das im Osten der Stadt angebaute Gemüse und auch Sauerkraut angeboten wurden. Der früher stark abschüssige Bereich des Krauterermarkts wurde 1907 durch die Anlage einer Terrasse gestuft. Hier steht auch der für Regensburg typische Adlerbrunnen mit Renaissancedekor von 1566 und einem Ziergitter von 1592. Das Achteckbecken steht auf einem gestuften Sockel und zeigt das Reichs- und das Stadtwappen. Die mittige Säule trägt eine vergoldete Kugel, auf der ein Bronzeadler sitzt. Der Krauterermarkt ist neben dem Bischofshof auf der Westseite auch auf der Ostseite umgeben von repräsentativen Gebäuden aus verschiedenen Epochen. Dazu gehören das barocke Anwesen Krauterermarkt Nr. 1 mit charakteristischem Runderker samt Zwiebelkuppel, das Anwesen Nr. 2 der sog. Hohe Laden, ehemals Haus zum Lindwurm, eine im Kern mittelalterliche dreigeschossige Dreiflügelanlage mit romanischen Kellern, die leider im 17. und 20. Jhd. mehrfach und verlustreich umgebaut wurde. Nach Norden abgeschlossen wird der Krauterermarkt durch das Haus der seit 1644 bestehenden Adler-Apotheke, das 1888 vom fürstlichen Baurat Max Schultze mit einem Renaissancebau von 1593 vereinigt wurde. Vom Krauterermarkt nach Westen führen die beiden schmalen Gassen Watmarkt und Kramgasse direkt in das sogenannte Gängeviertel der Altstadt. Vom Krauterermarkt nach Norden kreuzt man die Goliathstraße und die Straße Unter den Schwibbögen und erreicht über die Weiße-Hahnen-Gasse die nahe gelegene Historische Wurstkuchl und den Salzstadel (Welterbezentrum) am Ufer der Donau und auch die Steinerne Brücke.

Frühe und ehemalige Bebauung (1885) des südlichen Domplatzes vor 1900 mini|300px|Ehemalige Gebäude südlicher Domplatz (1885) 2: Römerturm, 3: Götzhaus=Salzburger Hof ohne Nr. links von 3: Herzogshof (sehr schmal) 4: Dompfarrhof, Gasthaus, 5: Königliche Post

Ehemaliger Herzogshof Der ursprüngliche und heute nur teilweise erhaltene Herzogshof war das Gebäude, das am weitesten östlich dem Dom gegenüber lag. Er grenzte damit an den östlich benachbarten Alten Kornmarkt und war auf dem Domplatz dem Salzburger Hof unmittelbar östlich benachbart. Vom ursprünglichen Herzogshof blieb nach den im Folgenden beschriebenen Abbruchmaßnahmen von 1936 nur ein schmaler östlicher Bauteil erhalten, dessen mehrfach umgestaltete Schaufassade heute dem östlich benachbarten Alten Kornmarkt zugewandt ist. Die nach den Abbruchmaßnahmen neu gestaltete Rückseite des Restgebäudes bildet heute den östlichen Abschluss des Albrecht-Altdorfer-Platzes bzw. des Domplatzes.

Ehemaliger Salzburger Hof Als im 10. Jahrhundert das Pfalzareal auf dem heutigen Alten Kornmarkt aufgelöst wurde und einzelne Pfalzgebäude von Kaiser Otto II. verschenkt wurden, erhielt 976 der Erzbischof von Salzburg ein im Nordwesten des damaligen Alten Kornmarkts gelegenes Gebäude als Absteigequartier, den sogenannten Salzburger Hof. Seine Lage entspricht ungefähr dem südöstlichen Areal des heutigen Albrecht-Altdorfer Platzes auf dem südlichen Domplatz, war jedoch weit gegen den Dom vorgerückt. Das Erscheinungsbild des Salzburger Hofs, der im 12. Jahrhundert großzügig ausgebaut wurde, lässt sich aus alten Zeichnungen entnehmen. Da der Bauunterhalt hohe Kosten verursachte, wurde das Gebäude meist an Regensburger Ratsfamilien verpachtet. 1807, kurz vor Übernahme der Stadt durch das Königreich Bayern, wurde der inzwischen weitgehend verfallene ehemalige Salzburger Hof für 4800 Gulden an einen Regensburger Großkaufmann verkauft. Der verkaufte das Gebäude 1811 an den Regensburger Kleinhändler Götz, der dort eine Färberei einrichtete.Zum Gebäude gehörte auch ein hoher romanischer Haus-Turm am Nordosteck des Salzburger Hofs, direkt gegenüber vom 1859 noch existierenden Turm der Kirche St. Ulrich. Fundamente des Turmes wurden 2010 nachgewiesen. 1893 wurde der Salzburger Hof vom Regensburger Domfreiheitsverein auf Abbruch aufgekauft. Der auf Initiative von Bürgermeister Oscar von Stobäus gegründete Verein hatte die Absicht, „eine freie Ansicht der Südseite des Doms zu schaffen insbesondere mittels Erwerbes und Beseitigung von Gebäuden“. Mit dem geplanten Abbruch des romanischen Salzburger Hofes waren Pläne zum Abbruch weiterer westlich benachbarter Gebäude verbunden. Neu gebaut werden sollte ein königlich bayerisches Postamt, das im Vergleich zur alten Bebauung deutlich nach Süden versetzt werden sollte, um einen größeren Abstand zum Dom zu schaffen und damit einen besseren Blick auf die neuen Domtürme zu ermöglichen.

Ehemaliger Dompfarrhof, Gasthaus Westlich vom Salzburger Hof lag auf einem schmalen Areal zwischen Salzburger Hof und dem Gebäude der Alten Post der Dompfarrhof, der für das Jahr 1296 nachweisbar ist und aus romanischer Zeit stammte. Der Pfarrhof besaß eine Kapelle, deren Fundamente im Mai 2010 anlässlich der Wiederaufstellung des Reiterstandbildes von König Ludwig I. im Untergrund aufgefunden wurden. Dabei wurde festgestellt, dass das heutige Reiterdenkmal exakt am Ort der Hauskapelle des ehemaligen Pfarrhofs steht. 1820 wurde der Pfarrhof zu einem Gasthof umgebaut und 1892 abgebrochen, anlässlich des geplanten Neubaus des königlich bayerischen Postamtes. Erhalten blieb vom Dompfarrhof im Museum nur ein auf 1190 datierter romanischer Rundbogen des Portals mit Schlingbanddekor.

Ehemalige Alte Post, Königliche Post