Hans Josephsohn (* 20. Mai 1920 im damaligen Königsberg; † 20. August 2012 in Zürich) war ein Schweizer Bildhauer.
Leben Hans Josephsohn wuchs in einem jüdisch-liberalen Elternhaus in Königsberg auf und besuchte dort bis 1937 die Grundschule und das Gymnasium. Anschliessend studierte er mit einem Stipendium für Kunst in Florenz. Aufgrund der antisemitischen Politik Italiens und Deutschlands musste er 1938 in die Schweiz fliehen. Während des Kriegs war Josephson im Schweizer Arbeitslager Gordola interniert.Zitat im Dokumentarfilm: Josephsohn – Stein des Anstosses von Jürg Hassler, 1977 Die Eltern Georg und Hedwig Josephson, wurden 1942 im Rahmen der Shoa ins Ghetto Riga deportiert und durch das NS-Regime ermordet. In Zürich wurde Josephsohn Schüler des Schweizer Bildhauers Otto Müller. 1943 bezog er ein eigenes Atelier und zeigte ab 1964 seine Werke in Einzelausstellungen. Im gleichen Jahr wurde Josephsohn Schweizer Bürger. 1954 bis 1967 war er verheiratet mit Mirjam Abeles, einer Tochter des Philosophen Ernst Bloch.
1992 wurde dem Künstler in Giornico im Kanton Tessin ein eigenes Museum, La Congiunta, gewidmet. In dem von Peter Märkli entworfenen Museum sind seither rund dreissig seiner Plastiken ausgestellt. Josephsohns Werk wurde Ende der 1990er Jahre einem breiteren Publikum bekannt, seit etwa 2000 wird es zunehmend auch international als entscheidender Beitrag zur bildenden Kunst betrachtet. Josephsohn erhielt 1985 die Ehrengabe des Zürcher Regierungsrates und 2003 den Kunstpreis der Stadt Zürich. Gleichzeitig wurde das «Kesselhaus Josephsohn» in St. Gallen mit einer ständig wechselnden Dauerausstellung seiner Werke eröffnet.Biografische Notiz zu Josephsohn auf der Website des Kesselhaus Josephsohn.
Werk Über mehr als 60 Jahre hinweg war die menschliche Figur Josephsohns primäres künstlerisches Thema. Seine Arbeiten sind sehr allgemeine Darstellungen menschlicher Existenz als körperliche Wesen. Der unmittelbare Bezug zum direkten Gegenüber bleibt dabei immer erhalten. Eine Besonderheit bildet die Werkgruppe der Flachreliefs, welche die Figur(en) in interpretierten Kriegsszenen zeigen. Diese Reliefs sind während des Koreakriegs entstanden, als die Welt 1950 vor der Gefahr eines erneuten Weltkriegs stand.https://www.kesselhaus-josephsohn.ch/De/Work/3823/1020_6_6
Josephsohns plastisches Gestalten erfolgte meistens mit Gips. Im weichen Zustand konnte er ihn modellieren, im festen Zustand wieder behauen. Diese Arbeitsprozesse sind an der Oberfläche seiner Skulpturen erkennbar. Die Strukturen sind davon geprägt, wie er mit dem Spachtel oder auch von Hand breiigen Gips auftrug, stellenweise mit dem Beil wieder roh behaute oder auch mit Gipsbrocken ergänzte. In seinem Atelier entstanden Gipsmodelle, in der Kunstgiesserei Felix Lehner wurden sie abgeformt und im Wachsausschmelzverfahren als Messing-Güsse umgesetzt.Zum Werk von Josephsohn auf der Website des Kesselhaus Josephsohn
Der Künstler lebte und arbeitete in Zürich. Sein Nachlass wird vom «Kesselhaus Josephsohn», St. Gallen, verwaltet.
Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen
2023: Aux Losanges, Tschiertschen; Window Gallery Max Hetzler Berlin 2022: Galerie Max Hetzler, London; Galerie Max Hetzler, Berlin 2020: Galerie Max Hetzler, Berlin; MASI (Museo d'arte della Svizzera italiana), Lugano; Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen, Hans Josephsohn – Schauen ist das Wichtigste 2019: ICA Milano 2018: Museum Folkwang, Essen, Hans Josephsohn – Existenzielle Plastik 2017: Kloster Schönthal, Langenbruck 2015: Galerie Hauser & Wirth, Zürich; Hans Josephsohn. Halbfigur, Liegende, Relief in der Skulptur, Kunstparterre, München 2014: Drei grosse Halbfiguren, Kunstmuseum St. Gallen; Hans Josephsohn »Die Sache muss leben«, Ernst-Barlach-Haus, Hamburg; Galerie Hauser & Wirth, New York 2013: Modern Art Oxford; Yorkshire Sculpture Park, Wakefield 2008: Josephsohn Bildhauer, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main 2005: Hans Josephsohn – Reliefs und Zeichnungen, Diözesanmuseum Kolumba, Köln 2004: Im Dialog: Halbfiguren und Reliefs, Evangelische Stadtkirche Darmstadt 2003: Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg 2002: Stedelijk Museum, Amsterdam 2001: Haus der Kunst der Stadt Brünn (Brno, CSSR) 1997: Helmhaus, Zürich 1985: Stiftung Landis & Gyr, Zug 1981: Aargauer Kunsthaus, Aarau 1975: Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen 1969: Galerie Daniel Keel, Zürich 1964: Helmhaus, Zürich
Gruppenausstellungen 2023: Galerie Karma International, Zürich, Figuration Program; Skarstedt Gallery, New York, Faces and Figures 2022: Lustwarande – Platform for Contemporary Sculpture, Tilburg, Godhead – Idols in times of crisis 2021: MASI (Museo d'arte della Svizzera italiana), Lugano, Albert Oehlen – Grosse Bilder von mir mit kleinen Bildern von anderen; Aargauer Kunsthaus, Aarau, Schweizer Skulptur seit 1945 2020: Kunstmuseum St. Gallen, Cambio; Galerie da Mihi, Bern, Willi Müller – Hans Josephsohn; Biennale Gherdëina, Ortisei, –a breath? a name? – the ways of worldmaking 2019: Parco archeologico del Colosseo, Rom, Kronos e Kairos 2018: GAMeC – Galleria d'Arte Moderna e Contemporanea, Bergamo, Black Hole – Art and Materiality from Informal to Invisible; Mostra di scultura all'aperto, Vira Gambarogno 2017: Hauser & Wirth Somerset, Bruton, «Josephsohn – Peter Märkli. A Conjunction»; Kunstmuseum St. Gallen (Lokremise), «Body Doubles» 2016: Kunstmuseum Luzern, «Katinka Bock, Hans Josephsohn, Fabian Marti – Warum ich mich in eine Nachtigall verwandelt habe»; Abbaye de Montmajour, Arles, «La Règle Et L’Intuition» 2015: ARTZUID – International Sculpture Route, Amsterdam; Galerie Laurent Godin, Paris, «Substance»; Maccarone Gallery, New York, «All back in the skull together» 2014: Schweizerisches Architekturmuseum, Basel, «Spatial Positions 8: Kooperationen. Diener&Diener in Zusammenarbeit mit Martin Steinmann und Josef Felix Müller / Peter Märkli und Josephsohn» 2013: Biennale Venedig, «Il Palazzo Enciclopedico» 2012: Regent’s Park, London, «Frieze Art Fair Sculpture Park 2012»; Architekturbiennale Venedig, «Common Ground»; Art and the City: Ein Festival für Kunst im öffentlichen Raum, Zürich-West 2009: Parasol Unit Fondation for Contemporary Art, London, «Visible Invisible – Against the Security of the Real» 2007: Palais de Tokyo, Paris, «The third Mind» 2003: Mostra Internazionale di Scultura all’Aperto, Vira Gambarogno, Schweiz, «G 2003» Quelle:Gruppenausstellungen von Josephsohn auf der Website des Kesselhaus Josephsohn.
Werke im öffentlichen Raum (Auswahl) Berlin: Neue Nationalgalerie, Halbfigur, 1990 (installiert 2010) Zürich: Kunsthaus (Durchgang zur Bibliothek), Relief, 1950 Zürich: Krematorium Nordheim, zwei Relief Zürich-Wollishofen: Studentenwohnheim, Große Liegende, 1964 Zürich (Gebäude IFW der ETH Zürich): Relief, 1975 Zürich: Friedhof Sihlfeld, Relief Zürich: Bleicherweg 21, Relief Zürich: Haus zum Rechberg, Liegende, 2004 (installiert 2014) Zürich-Oerlikon: Schulhaus im Birch, Drei große Liegende, 1995/1995/1997 (installiert 2004) Chur: Große Liegende, 2005 (installiert 2008) Chur: Relief, 1970 (installiert 2008) Langenbruck: Kloster Schönthal, Halbfigur, 1988/1989 (installiert 2007) St. Gallen: Universität St. Gallen, ohne Titel, 1962 (installiert 2017) Quelle:Werkschau zu Josephsohn
Galerie
Film Jürg Hassler: Josephsohn – Stein des Anstosses. Dokumentarfilm. 1977/2017. Matthias Kälin, Laurin Merz: Josephsohn Bildhauer. Dokumentarfilm. 2007.Josephsohn Bildhauer Marcus Spichtig: Hans Josephsohn – Im Haus der Plastik. Dokumentarfilm. 2007. Peter Münger: Hans Josephsohn. Dokumentarfilm. 1997
Literatur
Claudia Keller und Bärbel Küster (Hrsg.): Gestundete Zeit. 100 Jahre Hans Josephsohn. Scheidegger & Spiess, Zürich 2021, ISBN 978-3-85881-687-0.
Weblinks
La Congiunta Guido Magnaguagno: Der aufrechte Gang. Nachruf auf Hans Josephsohn. In: Neue Zürcher Zeitung, 23. August 2012, abgerufen am 9. Oktober 2017. Reduktion aufs Wesentliche. Der Schweizer Bildhauer Hans Josephsohn In: Schweizer Radio, 27. September 2020 Begegnung mit Hans Josephsohn Galerie Max Hetzler, Hans Josephsohn Kesselhaus Josephsohn, St. Gallen
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Zürich) Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Deutscher Emigrant in der Schweiz Kategorie:Schweizer Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1920 Kategorie:Gestorben 2012 Kategorie:Mann Kategorie:Person (Königsberg, Preußen)