Die 6. Gardearmee () war ein Großverband der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg, der 1943 in der Schlacht bei Kursk, 1944 bei der Operation Bagration am Mittelabschnitt (Belarus) der Ostfront und zu Kriegsende im Baltikum eingesetzt wurde.

Geschichte 1943 Infolge der Offensive der Roten Armee im Winter 1942/43 wurden die Linien der sowjetischen Front im Mittelabschnitt erheblich nach Westen erweitert. Ende April 1943 waren die Truppen der Woronesch-Front bereit, die Offensive fortzuführen. Die 6. Gardearmee entstand aus der Umbenennung der alten Formationen der 21. Armee zu Garde-Divisionen und wurde am 22. April 1943 nach der Richtlinie der Stawka vom 16. April bei der Woronesch-Front aktiviert. Generalleutnant Iwan Tschistjakow verblieb an der Spitze der Armeeführung.

Die neue Gardearmee umfasste das 22. und 23. Garde-Schützenkorps, welche die 51., 52., 67., 71., 89. und 90. Garde-Schützendivision zugeordnet wurde.

Die Verteidigungslinie der 6. Gardearmee im Raum nördlich Belgorod erreichte 64 km an Breite und 35–40 km in der Tiefe. Die Haupt-Verteidigungslinie wurden in Erwartung des deutschen Gegenangriffes drei stark befestigte Verteidigungspositionen geschaffen. Der deutsche Generalstab entwickelte für das Unternehmen Zitadelle einen Angriffsplan, bei dem die deutsche 9. Armee Kursk aus dem Norden und die 4. Panzerarmee (gegenüber der 6. Gardearmee) von Süden her auf Obojan den Frontbogen von Kursk spalten sollten.

Auf Befehl des Befehlshabers der Woronesch-Front, Armeegeneral Nikolai F. Watutin wurde die 6. Gardearmee durch zwei Panzerbrigaden, drei separate Panzerregimenter, zehn Panzerabwehr-Artillerie-Regimenter, Mörser-Einheiten verstärkt. Besonderes Augenmerk wurde auf die Organisation der Panzerabwehr gelegt, die in Bataillonseinheiten, einschließlich Artillerie-, Panzer- und Selbstfahrlafetten organisiert wurde. Gleichzeitig mit dem Aufbau der Verteidigung wurde ein intensives Kampftraining der Truppen durchgeführt, welches auf speziell ausgestatteten Trainingsfeldern durchgeführt wurde, die sich nur sechs bis sieben Kilometer hinter der Frontlinie befanden.

Kursker-, Belgoroder und Neweler Operation Anfang Juli wurde dem Befehlshaber der Zentral- und der Woronesch-Front durch den Stawka-Geheimdienst mitgeteilt, das die deutsche Offensive gegen den Kursker Bogen zwischen am 3. und 6. Juli zu erwarten wäre. Das 22. und 23. Garde-Schützenkorps wurde in Alarmbereitschaft versetzt, die 89. Garde-Schützen-Division blieb dem Armeekommandanten als Reserve direkt unterstellt.

Armeegliederung am 1. Juli 1943 22. Garde-Schützenkorps unter Generalmajor N. B. Ibjanski mit 61., 71. und 90. Garde-Schützendivision 23. Garde-Schützenkorps unter Generalmajor P. P. Wachramejew mit 51. und 52. Garde- und 375. Schützen-Division, Reserve: 89. Garde-Schützendivision 27. Kanonenartillerie-Brigade 96. Panzerbrigade 230. und 245. separates Panzerregiment

Bis zum 3. Juli wurde von der 6. Gardearmee zuverlässig festgestellt, dass im Raum nordwestlich von Belgorod das deutsche XXXXVIII. Panzerkorps mit der 3. und 11. Panzerdivision sowie die 167. Infanterie-Division gegenüber den sowjetischen Stellungen eingesetzt waren. Zusätzlich war dahinter das II. SS-Panzerkorps mit den Divisionen - Das Reich, Adolf Hitler und Totenkopf festgestellt worden. Am 4. Juli um 16:00 Uhr belegten 75 Bomber in Begleitung von 27 Jägern die Front des 22. Garde-Schützenkorps im Raum Tomarowka mit starken Bombenabwürfen. Innerhalb von 10 Minuten wurden ungefähr 2.500 Bomben auf einer 1 km langen Front abgeworfen, die von der 67. Garde-Division besetzt war. Am 5. Juli 1943 begann die deutsche Offensive, nach heftigen Kämpfen gelang es etwa 6–7 km tief in die sowjetischen Stellungen nach Norden einzudringen. Am 9. Juli konnte die 6. Garde-Armee mit Hilfe der nach vorne gezogene Formationen der 1. Panzerarmee (Katukow) die Dörferlinie Schepelewka, Beresowka, Kalinowka bis Iljinski halten. Am Morgen des 10. Juli wiederholten die Deutschen ihre Angriffe, nach heftigen Kämpfen gegen die 90. Garde-Schützen-Division und Teilen des 6. Panzerkorps (Generalleutnant A. L. Getman) gelang es den deutschen Truppen weitere 1,5 km voranzukommen. Der Versuch in Richtung Kruglik durchzubrechen, schlug aber fehl. Die 52. Garde-Schützen-Division und die Panzereinheiten des Generals Katukow schlugen alle Angriffe ab, die versuchten den Fluss Psel zu überschreiten. Die Fortsetzung der deutschen Offensive auf Obojan begann zu stocken. Am 12. Juli verlegten die deutschen Truppen den Hauptschlag weiter östlich auf Prochorowka, wo die sowjetische 5. Garde-Panzerarmee als Verstärkung herangezogen wurde und schwere Verluste erlitt. An diesem Tag starteten die Truppen der 5. Gardearmee südwestlich von Prochorowka einen wirksamen Flankenangriff gegen die rechte Flanke des deutschen Stoßkeiles. Die folgenden Versuche, am 13., 14. und 15. Juli in verschiedenen Front-Abschnitten der 6. Garde-Armee einzubrechen, blieben erfolglos. Am Abend des 15. Juli mussten die deutschen Truppen wegen der Auswirkungen der sowjetischen Orjoler Operation in Verteidigung übergehen. Am Morgen des 19. Juli starteten die Truppen der 6. Gardearmee einen Gegenangriff auf den bereits zurückgehenden Gegner. Zwei Tage lang tobten heftige Kämpfe, am 23. Juli erreichten die sowjetischen Truppen jene Linie, welche sie vor der deutschen Offensive besetzt hatten.

In der Hauptangriffrichtung der folgenden Belgorod-Charkower Operation wurden von der 6. Gardearmee pro Kilometer Front bis zu 220 Geschütze und 70 Panzer konzentriert. Die im Süden des Kursker Frontvorsprungs operierenden Streitkräfte standen im Raum westlich von Butowo bis Tririchnoje und sollten über Tomarowka und Borisowka den Durchbruch auf Achtyrka erzwingen. Am 3. August um 8.00 Uhr griffen sowjetische Truppen nach drei Stunden Artillerievorbereitung und Luftangriffen den Feind an. Im ersten Treffen der 6. Gardearmee operierten die 67. und 71. Garde-Schützen-Division (22. Garde-Schützenkorps) und die 51. und 52. Gardedivision (23. Gardekorps) dahinter im zweiten Treffen folgten die 90. Garde- und die 309. Schützen-Division. Knapp drei Stunden nach Beginn des Angriffs durchbrachen die Stoßgruppen der 5. und 6. Gardearmee die feindlichen Verteidigungsanlagen und große Panzerformationen strömten in die entstandene 15 Kilometer breite Frontlücke. Am Abend des 3. August wurden Teile der ersten Staffel durch das zweite Treffen ersetzt. Am 4. und 5. August folgten hartnäckige Kämpfe um den befestigten Ort Tomarowka, der zusammen mit Einheiten der 5. Gardearmee am Morgen des 6. August vollständig befreit wurde. Einheiten der 51. Garde-Schützen-Division eroberten in Zusammenarbeit mit Einheiten der 1. Panzerarmee das Dorf Moschcheni. Am 6. August überwältigte die Übermacht der sowjetischen 6. und 5. Gardearmee, der 27. Feld- und 1. Panzerarmee die deutsche Verteidigung im Abschnitt Borisowka. Am 18. August startete ein deutscher Gegenangriff der bereits am 20. August zwei sowjetische Panzerkorps und große Teile der 6. Garde- und 27. Armee vorübergehend abschnitt. Die unzureichenden infanteristischen Kräfte der Deutschen schafften es nicht, diesen Kessel völlig abzuriegeln, weshalb große Teile der sowjetischen Verbände ausbrechen und sich zurückziehen konnten. Bis 28. August konzentrierten die 6. Garde- zusammen mit Einheiten der 1. Panzerarmee für einen Gegenstoß bis zu 400 Panzer westlich und südlich von Bogoduchow. Bei der Verfolgung rückten die sowjetischen Truppen bis Ende August etwa 80 km tief vor und eroberten Bogoduchow zurück. Die Armee besetzte Parchomowka, Ljubimowka und Kachalowka, drei Schützendivisionen die einen Gegenangriff aus der Region Achtyrka führten, umzingelten deutsche Truppen im Raum Bogoduchow, Kotelwa, Kolontajew und Achtyrka und stießen weiter in Richtung Poltawa vor.

Ende September wurde die 6. Gardearmee in die Reserve des Hauptquartiers des Oberkommandos versetzt und dann nach Nordwesten in das Gebiet der Region Toropez verlegt. Nach dem Marsch in die Region Newel besetzten die Armeetruppen eine Verteidigungslinie nordwestlich der Stadt. Rechts verteidigten die Truppen des 22. Armee, linker Nachbar war die 3. Stoßarmee. Für die Truppen der 6. Garde-Armee wurde eine Offensive im Raum nördlich von Newel vorbereitet. Nordwestlich von Newel befand sich ein 15 bis 20 km breiter Korridor, der durch sowjetisches Artillerie- und Mörserfeuer kontrolliert wurde. Am 15. Oktober 1943 wurde die 6. Gardearmee Teil der Baltischen Front und bestand aus folgenden Formationen: 23. Garde-Schützenkorps unter Generalmajor B. W. Koltschigin 97. Schützenkorps unter Generalleutnant J. D. Tschanyschew 96. Schützenkorps unter Generalmajor M. M. Busarow 98. Schützenkorps unter Generalleutnant G. I. Anisimow Schützen-Divisionen: 281., 207., 32., 81., 56., 122. und 218

Am 24. Dezember 1943 rückten die Truppen der 1. Baltischen Front, welche die Offensive südlich von Newel führten, 80 Kilometer vor. Gorodok wurde vom Osten her erreicht, sowie die Eisenbahnstrecke Witebsk - Polozk unterbrochen. Die 6. Gardearmee versuchte die feindliche Verteidigung nordwestlich von Newel zu durchbrechen und die Offensive über Nowosokolniki in nordwestlicher Richtung auszubauen.

1944 Armeegliederung am 1. Januar 1944 23. Garde-Schützenkorps, Generalmajor Nikolai Tarelowitsch Tawartkiladse (51., 67. und 71. Garde-Schützendivision) 96. Schützenkorps, Generalmajor Bogdan Konstantinowitsch Koltschigin (185. und 200. Schützendivision) 97. Schützenkorps, Generalleutnant Juri Wladimirowitsch Nowoselski (165., 282. und 379. Schützendivision) 98. Schützenkorps, Generalmajor Nikolai Petrowitsch Jakunin (52. Garde- und 150. Schützendivision) 20. und 27. Artillerie-Durchbruchs-Division 38. Garde-Panzerbrigade 3., 27. und 30. Garde-Panzerregiment 32., 38., und 65. separates Panzerregiment

Am Morgen des 1. Januar 1944 gingen die Truppen des 96. Schützenkorps nach der Artillerie-Vorbereitung in die Offensive, am rechten Flügel begannen gleichzeitig Angriffe des 97. und 98. Schützenkorps. Die Stoßgruppe der Armee bestand aus 1014 Geschützen und Mörsern, auf dem 5,5 km breiten Hauptangriffs-Abschnitt betrug die Dichte der Artillerie 184 Geschütze pro Kilometer Front. Die Hauptrolle beim Durchbruch wurde der Artilleriedivision unter Generalleutnant G. A. Makarow zugewiesen. Die 282. und 379. Schützen-Division erreichten die Linie Grischino – Koschemjakino – Zarechje. Der für den Morgen des 2. Januar geplante Angriff des 23. Garde-Schützenkorps wurde abgebrochen, weil befürchtet wurde, dass die angreifenden Einheiten bei Tageslicht sofort schwere Verluste erleiden würden. Der nächste Angriff sollte in der Nacht des 3. Januar beginnen. Das Kommando des 23. Garde-Schützenkorps führte die Hauptkräfte der 52. Gardedivision (Oberst N. K. Smirnow) in die Schlacht ein, welche in einem Nachtangriff über das Eis des Karatai-Sees die deutschen Stellungen am Nordufer umgehen sollte. Um 17 Uhr nach 30 Minuten Artillerievorbereitung erreichte die 51. Garde-Schützen-Division (Generalmajor S. W. Tschernikow) den Maly Iwan-See, bis 23 Uhr waren die Regimenter am Nordufer des Maly Iwan und am nordöstlichen Ufer des Bolschoi Iwan verschanzt. Der Vormarsch der direkt über dem Eis des Karatai-Sees vorging, eroberte das Dorf Lobatschewo. Nach viertägigem Kampf rückte die 6. Gardearmee im Norden und Nordwesten etwa 10 und 30 km tief vor, als Ergebnis wurde der Eisenbahnknotenpunkt Newel befreit und die Eisenbahnlinie nach Welikije Luki erreicht.