mini|Der Tag von Potsdam, Hindenburg, Blomberg, Hitler, Die alten militärischen und neue nationalsozialistische Machteliten gehen ein Bündnis ein mini|In Reih und Glied aufgestellte Königstiger mit Henschel-Turm im Jahr 1944. In der Zeit des Nationalsozialismus diente der Vierjahresplan ab 1936 dazu, militärisch-industrielle Geräte der Schwerindustrie in Massenproduktion herstellen zu können.

Der deutsche Militarismus als bedeutende geistige und gesellschaftsdurchdringende Strömung entwickelte sich mit dem Aufkommen Stehender Heere im 18. Jahrhundert. Der numerischen Zunahme bewaffneter Strukturen im Heiligen Römischen Reich stand eine Ausweitung militärischer Lebensformen bis weit in den zivilen Gesellschaftssektor gegenüber. Eine eigene Rechtsprechung, Wehrpflicht, aber auch die Abkapselung der Militärangehörigen von der Zivilgesellschaft mit dem Aufkommen von Kasernen seit dem Ende des 18. Jahrhunderts verstärkten diesen Prozess. Mehrere Dutzend deutsche Staaten verfügten um 1800 über eigene Heereskräfte. Neben der großen Armee Preußens wiesen dabei Bayern, Sachsen, Württemberg, die beiden hessischen Staaten (Kurhessische Armee, Hessen-darmstädtische Armee), Hannover, Baden und Münster mittlere Armeegrößen von bis zu 35.000 Mann auf. Auch das Kaisertum Österreich prägte den deutschen Militarismus bis zum Deutschen Krieg 1866 maßgeblich mit.

Das 19. Jahrhundert sah die Verbindung von Militarismus und Nationalismus. Starke reaktionäre und rechts-konservativ geprägte Kräfte bestimmten den Charakter der dominanten preußischen Armee. Die Armee wurde zur „Schule der Nation“. Als solche durchliefen Millionen junger deutscher Männer als Wehrpflichtige und Reservisten in der Institution Armee einen mehr- oder langjährigen Sozialisationsprozess. Als gesellschaftlich angesehene Schicht trugen sie zu einer stark angepassten, uniformistischen und hierarchisch orientierten Gesellschaft bei. Es bildeten sich im deutschsprachigen Raum paramilitärische Strukturen mit Massencharakter. Im 20. Jahrhundert durchschritt der deutsche Militarismus seinen Höhepunkt mit den beiden Weltkriegen, denen seit 1945 und bis heute andauernd starke anti-militärische und pazifistische, nonkonformistische und „bunte“ Zivilbewegungen (1968er) in der Gesellschaft folgten.

Nach 1945 galt Deutschlands Entwicklung und militaristische Ausprägung in der internationalen Meinung als einmalig und in dieser Form besonders negativ (Sonderwegsthese). Die Schwerpunktsetzung und Fokussierung „der“ Deutschen auf ihr Militär, verbunden mit einem starken staatszentrierten Glauben seiner Bürger galten als Ursachen und Wegbereiter des Faschismus.

Begriffliche Definition Der Begriff Deutscher Militarismus enthält zwei eigenständige Erklärungsstränge: 1. der Militarismus im engeren Sinn, der den bestimmenden Einfluss von Militärs auf das zivilgesellschaftliche Leben voraussetzt. Das Deutsche Kaiserreich, die Weimarer Republik und das Dritte Reich waren diesbezüglich militaristische Staaten. 2. die begrifflich weiter zu sehende Militarisierung, nach denen zivilgesellschaftliche Systeme und Mitglieder anfangen, sich nach militärischen Prinzipien zu organisieren und militärische Formen imitieren. Dies vollzog sich so in der DDR. Auch der altpreußische Staat trug Züge eines militarisierten Staates.

Sowohl 1. als auch 2. traten in der deutschen Geschichte zusammen als auch alleine auf.

Geschichte Die Wurzeln des deutschen Militarismus großen Stils werden im Preußen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts und der anschließenden Gründung des Deutschen Kaiserreichs unter preußischer Führung gesehen. Wie allgemein die Bedeutung des Heeres für die Deutschen nach dem französischen Krieg 1870/71 war, unterstreicht der deutschsprachige Nobelpreisträger Canetti: „Bürger, Bauern, Arbeiter, Gelehrte, Katholiken, Protestanten, Bayern, Preußen, alle sahen in der Armee das Sinnbild der Nation.“Elias Canetti: Masse und Macht, Abschnitt: „Das Deutschland von Versailles.“ Fischer TB, Frankfurt am Main 1982, S. 198.

Die Militärmonarchie Brandenburg-Preußen mini|80px|Pickelhaube (Symbol des preußischen Militarismus) mini|Richard Knötel: Friedrich Wilhelm I. im Lustgarten beim inspizieren des Potsdamer Infanterieregiments Lange Kerls

Seit 1648 durften deutsche Territorialfürsten dauerhaft eigene Heereskräfte unterhalten. Der Zeitentrend ging zu einem Ausbau der Militärstrukturen und damit zur Errichtung dauerhafter Armeen in Europa, während bis dahin nur im Bedarfsfall Söldnerheere geworben wurden. Während der Regierungszeit des „Großen Kurfürsten“ in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erhöhte der Kurfürst von Brandenburg-Preußen Friedrich Wilhelm die Größe der preußischen Armee auf bis zu 30.000 Mann in Kriegszeiten, entmachtete die Obristen, wodurch die wilde Soldateska langfristig diszipliniert wurde und ihre bis dahin üblichen gewalttätigen Übergriffe auf Zivilisten strukturell abnahmen. Die Schaffung einer starken brandenburgischen Armee ist insbesondere vor dem Hintergrund der schweren Verwüstungen durch die Schweden in Brandenburg während des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) und – noch gravierender – während des Schwedisch-Brandenburgischen Kriegs (1674–1679) zu sehen. Eine straffe Militärverwaltung, die vom Kriegskommissariat überwacht wurde, begann sich zu entwickeln. Um seine Macht sowohl im Inland als auch im Ausland zu stärken, begann der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. in Preußen 1713 mit Militärreformen und Schwerpunktsetzung auf alles Militärische. Die Formen des gesellschaftlichen Lebens begannen sich zu dieser Zeit in Preußen auf das Militärische auszurichten. Die Armee wurde zu einer Art Selbstzweck des Staates. Demnach war in der informellen Bedeutungshierarchie zunächst der Staat dafür da, die Armee zu unterhalten und erst dann die Armee dazu da, den Staat zu schützen. Die jährlichen Militärausgaben beliefen sich auf 73 % des gesamten preußischen Jahresbudgets.vgl. Michael Mann: The Sources of Social Power. 1986, S. 488. Seit dieser Zeit hatten militärische Würdenträger am preußischen Hof einen höheren Rang inne als Zivile Amtsträger. Dies führte bereits in zeitgenössischen Analysen zu Bewertungen, die Preußen als Militärmonarchie klassifizierten, der feudale Fürstenstaat sich also primär auf den Militärstand gründete. Zum Zeitpunkt seines Todes im Jahr 1740 war die preußische Armee zu einer stehenden Armee von 83.000 Mann herangewachsen,Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648–1947. 2019, S. 36. einer der größten in Europa, zu einer Zeit, als die gesamte preußische Bevölkerung 2,5 Millionen Menschen umfasste. Der preußische Militärschriftsteller Georg Heinrich von Berenhorst schrieb später im Nachhinein, „Die preußische Monarchie bleibt immer – nicht ein Land, das eine Armee, sondern eine Armee, die ein Land hat, in welchem sie gleichsam nur einquartirt steht.“Aus dem Nachlasse von Georg Heinrich von Berenhorst. Herausgegeben von Eduard von Bülow. Erste Abteilung 1845. Verlag von Aue in Dessau, S. 187 books.google. Rezension in Literaturblatt (Beilage zum Morgenblatt für gebildete Stände) No. 48 vom 7. Juli 1846, S. 191 rechts oben books.google. (ein oft fälschlicherweise Voltaire und Mirabeau zugeschriebenes Zitat).

Trotz der Militarisierung des öffentlichen Lebens in Preußen gab es im 18. Jahrhundert nicht die gleiche Militärbegeisterung wie später im Wilhelminismus. Der Soldatenstand war weiterhin verrufen und verhasst, das Ansehen der Militärs insgesamt niedrig. Die Lasten durch die Einquartierung wurde durch die Zivilbevölkerung als drückend empfunden. Die Exzesse um die teilweise gewaltsamen Werbungen sorgten bis zur Einführung des Enrollierungssystems dafür, dass junge Männer aus Preußen flüchteten und desertierten.

Von den 1740er bis in die 1760er Jahre nutzte Friedrich der Große in einer langen Reihe von Angriffskriegen die beeindruckenden Streitkräfte des Landes, die von seinen Vorgängern aufgebaut worden waren, die Preußen effektiv von einer kleinen zu einer großen Macht in Europa erhoben. Die Armee behielt auch nach 1763 die höchste staatliche Priorität um das Hauptziel, den Erhalt und die Sicherung des Staates nach innen und außen zu gewährleisten. Preußen befand sich weiter im „Dauerstress kontinuierlicher Überanstrengung“ für die Armee, zulasten der Ausbildung der zivilgesellschaftlichen Kräfte.Wolfgang Neugebauer: Handbuch der preußischen Geschichte. Band III, Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und große Themen der Geschichte Preußens, Walter de Gruyter, Berlin / New York 1992, S. 354.

Die anderen bedeutenden deutschen Staaten gingen bewusst andere Wege. Das Kurfürstentum Sachsen hatte nach 1763 jeglichen ambitionierten außenpolitischen Kurs aufgegeben und erkannte für sich die Begrenztheit seiner militärischen Mittel und Potenziale ein. Stattdessen fokussierte es sich auf weiche kultur-wirtschaftliche Machtmittel und beschränkte den Einfluss der Militärs auf ein bestimmtes Maß. Ebenso verfuhren vom Prinzip her die anderen deutschen Mittelstaaten, die alle keine Aussicht mehr auf einen Großmachtstatus besaßen.

Normierung, Sozialdisziplinierung im 18. Jahrhundert Im Zuge der frühneuzeitlichen gesellschaftlichen Entwicklung kam zu Beginn des 18. Jahrhunderts neue gesellschaftliche Impulse zum Tragen, die, vom entstehenden frühneuzeitlichen Staat angestoßen, bewirkten, dass neue Institutionen geformt wurden und sich die Gesellschaft als Ganzes begann zu differenzieren. Insbesondere die Armee wurde das wichtigste und größte Instrument des sich formierenden und tief in die Gesellschaft hineingreifenden Fürstenstaates.

Die von der Armee ausgehende einheitliche Uniformierung, Linientaktik mit gleichgetakteten Marschieren größerer Menschenmassen, Disziplinvorgaben, Befehlsgebungstrukturen und Hierarchien wurden zu bedeutenden neuen kollektivgesellschaftlichen Kompetenzen, die es top-down getragen ermöglichten, zunehmend komplexere Strukturen und Organisationen zu errichten.

Der Militarismus trat neben den sich ebenso ausbreitenden Bürokratismus, Fiskalismus und Etatismus als bedeutende Kraft in diesem Differenzierungsprozess hinzu. Er war in dieser Entwicklungsphase gesellschaftlich eine fortschrittlich wirkende Kraft und hemmte die Gewaltanwendung in der Bevölkerung und bewirkte stattdessen ein geordnetes und zielgerichtetes Zusammenwirken vieler Individuen mit persönlich divergierenden Interessen auf ein einheitliches und übergeordnetes Ziel hin, ohne Rücksicht auf den Einzelnen.Stefan Kroll, Kersten Krüger: Militär und ländliche Gesellschaft in der frühen Neuzeit, Herrschaft und soziale Systeme in der Frühen Neuzeit, Band 1, LIT Verlag, Hamburg 2000, S. 335.

Volksheer statt Söldnerheer