mini|Volker Lechtenbrink (2008) Volker Lechtenbrink (* 18. August 1944 in Cranz, Ostpreußen; † 22. November 2021 in Hamburg) war ein deutscher Schauspieler, Synchronsprecher, Regisseur, Intendant sowie Liedtexter und Sänger. Er wurde 1959 durch den Antikriegsfilm Die Brücke bekannt.
Neben zahlreichen Rollen in Fernsehserien und -filmen (darunter Alle meine Tiere, Derrick und Tatort) spielte Lechtenbrink regelmäßig an renommierten Theaterbühnen. Von 1995 bis 1997 war er Intendant der Bad Hersfelder Festspiele sowie von 2004 bis 2006 des Ernst-Deutsch-Theaters in Hamburg, wo er auch Regie führte.
Ab den 70er-Jahren arbeitete er auch als Sänger. Obwohl er oft dem Schlager zugeordnet wurde, basierten seine Stücke häufig auf deutschen Adaptionen von Country-Songs oder Chansons, die er vorwiegend im Sprechgesang vortrug.
Leben und Karriere Lechtenbrinks Familie stammte aus Bremen. Sein Vater war Angestellter bei der Deutschen ShellVolker Lechtenbrink: Gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf!: Mein Leben, Hoffmann und Campe 2010, S. 104. Online auf Google Books. und während des Zweiten Weltkriegs nach Cranz in Ostpreußen versetzt worden, wo Volker Lechtenbrink 1944 geboren wurde. Er wuchs sieben Jahre lang in BremenVolker Lechtenbrink in 3nach9 und dann in Hamburg auf, wo er die Gelehrtenschule des Johanneums besuchte.
Bereits als Kind war er Hörspielsprecher und übernahm unter anderem 1955 in der Vertonung von Astrid Lindgrens Klassiker Mio, mein Mio die Hauptrolle. Als 14-Jähriger spielte er in dem international beachteten Film Die Brücke (1959, Regie Bernhard Wicki) mit. Von 1962 bis 1963 verkörperte er in der Fernsehserie Alle meine Tiere an der Seite von Gustav Knuth und Tilly Lauenstein deren Sohn Ulli.
Er besuchte nach der Mittleren Reife eine Schauspielschule in Hamburg und hatte danach Engagements an Theatern. Lechtenbrink war von 1995 bis 1997 Intendant der Bad Hersfelder Festspiele und von August 2004 bis Juli 2006 am Hamburger Ernst-Deutsch-Theater, wo er auch als Regisseur tätig war. Ab November 2006 stand er dort zum ersten Mal gemeinsam mit seiner jüngsten Tochter Sophie in dem Stück Dr. med. Hiob Praetorius von Curt Goetz auf der Bühne.
Zwischenzeitlich trat er in zahlreichen Fernsehfilmen und -serien auf, unter anderem in Der Kommissar, Der eiserne Gustav, Ein Fall für zwei, Derrick, Die Männer vom K3, Großstadtrevier, Glückliche Reise, Der Alte, Siska, Tatort und SOKO Leipzig.
In der ZDF-Fernsehserie M.E.T.R.O. – Ein Team auf Leben und Tod spielte er an der Seite von Ursula Karven und Michael Roll den Chefarzt einer Hamburger Tropenklinik. Auch Verfilmungen der beliebten Rosamunde-Pilcher- und Inga-Lindström-Reihe gehörten zu seinem Repertoire als Schauspieler. Als Synchronsprecher lieh Lechtenbrink Kris Kristofferson, Avery Brooks, Dennis Quaid und vielen anderen seine markante Stimme.
1976 nahm er seine erste Langspielplatte als Sänger auf. Der Titelsong Der Macher (Coverversion des Titels The Taker von Kris Kristofferson) wurde zu einem Erfolg. Weitere Lieder folgten, zu denen er meist selbst die Texte schrieb. Auch für andere Künstler, zum Beispiel Peter Maffay, war er als Texter tätig. Ebenso schrieb er den Text für den deutschen Beitrag Rücksicht zum Eurovision Song Contest 1983, mit dem die Brüder Hoffmann & Hoffmann den 5. Platz unter 20 Teilnehmern erreichten. Obwohl Lechtenbrink in Radio- und Fernsehformaten oft dem Schlagerbereich zugeordnet wurde, zeichneten sich seine Titel vor allem durch Einflüsse aus Country-Musik, Chanson und Deutschrock aus. Seine Veröffentlichungen basierten häufig auf deutschen Adaptionen US-amerikanischer Country-Stars wie Kris Kristofferson, Johnny Cash oder Kenny Rogers, wobei er meist narrative Texte im Sprechgesang vortrug.
1979 bekam er beim Saarländischen Rundfunk eine eigene Fernsehshow mit dem Titel Live: Volker Lechtenbrink. Anfang der 1980er Jahre war er als Sänger und Sprecher in einem Werbespot für Malzkaffee (Caro, ich mag dich) zu hören, für den sein Lied Ich mag umgeschrieben wurde. In der Folge Irgendwann … der Krimiserie Ein Fall für zwei spielte Lechtenbrink 1987 eine Hauptrolle und komponierte auch den gleichnamigen Song für die Folge.Ein Fall für zwei – Irgendwann … In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 24. November 2021. In: drombuschs.de. Abgerufen am 10. September 2014. Lechtenbrink stand letztmals im Herbst 2018 für den im Januar 2020 ausgestrahlten ARD-Fernsehfilm Viele Kühe und ein schwarzes Schaf in der Rolle eines pensionierten Lehrers vor der Kamera.
Privatleben mini|Gedenkplakette für Volker Lechtenbrink im Ruhewald am Prökelmoor auf dem Friedhof Ohlsdorf
Lechtenbrink war im September 1983 in einen Auffahrunfall mit mehreren Autos auf der A 7 mit Todesfolge verwickelt und wurde wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Er wurde im März 1985 freigesprochen. Lechtenbrink war ab 2015 in fünfter Ehe mit einer Heilpraktikerin verheiratet und wohnte in Hamburg.
Aus früheren Beziehungen stammen ein Sohn und zwei Töchter, darunter die Schauspielerin Sophie Lechtenbrink und eine mit seiner Schauspielkollegin Anja Topf. Er war von 1997 bis 2009 mit der Schauspielerin und Regisseurin Jeannette Arndt verheiratet.
Volker Lechtenbrink starb im November 2021 im Alter von 77 Jahren in Hamburg nach einem langen Krebsleiden. Seine Urne wurde im Ruhewald am Prökelmoor auf dem Friedhof Hamburg-Ohlsdorf bestattet.siehe auch Liste der Grabstätten bekannter Persönlichkeiten auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf: Planquadrat AH 44, Ruhewald am Prökelmoor, (Stein Nr. 13/Birke).
Auszeichnungen 2007 wurde Lechtenbrink für Die Brücke als „Bester Interpret“ mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet. 2010 erhielt er für seine Darstellung in Frost/Nixon in den Hamburger Kammerspielen den Rolf-Mares-Preis. 2011 wurde er zum Ehren-Schleusenwärter in Hamburg gewählt.Volker Lechtenbrink ist neuer Ehren-Alster-Schleusenwärter, abendblatt.de, 8. April 2011 2014 wurde er mit der Biermann-Ratjen-Medaille der Stadt Hamburg ausgezeichnet. Bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte im August 2021 wurde Lechtenbrink der mit 15.000 Euro dotierte Gustaf-Gründgens-Preis verliehen.
Filmografie (Auswahl) Als Schauspieler
Als Regisseur 1976: Charleys Tante (fürs Fernsehen) 1979: Zwei Mann um einen Herd (Fernsehserie), mehrere Folgen 1983: Geschichten aus der Heimat (Fernsehreihe), mehrere Folgen
Als Sprecher 1987: Vom Seenotkreuzer zum Straßenkreuzer, der Transport der Theodor Heuss von der Nordsee in das Deutsche Museum München 2005: David Kaye als Megatron in Transformers: Cybertron 2007–2014: Land im Gezeitenstrom 2007: Das zweite Königreich 2008: Michael Ballhaus – Eine Reise durch mein Leben 2010: Das Sandmännchen – Abenteuer im Traumland 2011–2012; 2016: Der kleine Prinz, Animationsserie 2011: Das atomare Vermächtnis der Nordmeerflotte, ARD Radiofeature 2013: Unsere Mütter, unsere Väter 2015: Land zwischen Belt und Bodden: Von den Förden zur Trave 2016: Land zwischen Belt und Boden: Die Ostseeküste von Wismar bis Hiddensee 2018: Land zwischen Oder und Newa: Von Riga bis St. Petersburg 2019: Peter Alexander – der Große! 2019: Land zwischen den Meeren: Dänemarks Nordseeküste 2019: Als der Norden im Schnee versank 2019: Der letzte Faust 2020: Land zwischen den Meeren: Von Skagen nach Flensburg 2021: Land zwischen den Strömen: Von der Elbe bis zur Ems
Diskografie
Alben 1976: Der Macher 1977: Volker Lechtenbrink Nr. 2 1977: Alltagsgeschichten 1978: Meine Tür steht immer offen 1979: Der Spieler 1980: Leben so wie ich es mag 1981: Schon möglich 1982: Herz & Schnauze 1982: Wer spielt mit mir 1983: Lebe heute 1984: Zurückgelehnt 1987: Ich kann gewinnen 1989: Herzschlag
Singles 1964: Geh zu dem andern / Bist du heute abend auch allein 1964: Legionär (Bist du schon mal durch tiefen Sand gelaufen) / Ein trauriger Sonntag 1975: Der Macher / Der Engelszungenteufel 1976: Junge, laß die Flasche steh’n / Volker und das Kind 1977: Harry Lehmann / Ein Stück Holz 1977: Erst drüben die Dame / Wir beide suchen die Sonne 1977: Du siehst zu gut aus / Ich bin pleite 1977: Hitch-Hike-Baby (Kleine Rasthaus-Lady) / Der Sänger 1978: Der Spieler / Die Geschichte vom Indianer Irah Hayes 1980: Leben so wie ich es mag / Wir sind zusammen und allein 1980: Dame und Clown / Ich kann nicht zurück 1980: Ein Indianer kennt keinen Schmerz / Zugbekanntschaft 1981: Ich mag / Rufen Sie 883 1982: Bei dir müßt’ ich aus Eis sein / Ich liebe dich 1982: Ich glaube Oma, du sitzt auf ’ner Wolke / Im Namen des Volkes 1983: Der Paul tritt ab / Ich mag Fußball 1983: Lebe heute / Ohne Dich 1984: Was können wir denn dafür tun? / Schlafe, mein Papa 1984: Annonce / Ein paar Jahre mehr 1985: Der Stuntman / Liebling, was machst Du für Sachen 1987: Irgendwann 1987: Ich kann gewinnen / Warum fängst du denn nicht an? 1988: Schweige / Vorsicht Zerbrechlich 1989: Wenn die Nacht kommt / Ich bin vernarrt 1989: Ich drück’ beide Augen zu / Verwirrt
Hörbücher (Auswahl) 2003: Lauras Vermächtnis (von Wolfgang Seehaber), 3 Audio-CDs, ISBN 3-937250-08-5. 2005: Die Silberne Brücke (von Hertha Vogel-Voll), 4 Audio-CDs, ISBN 3-9809174-4-4. 2006: Perry Rhodan: Sternenozean (Hörspielserie, erschienen bei Lübbe Audio), Rolle: Perry Rhodan 2006: Die Brücke (von Manfred Gregor), 5 Audio-CDs + 1 DVD mit dem Film aus dem Jahr 1959, ISBN 3-9523087-3-0. 2008: Dreifach (von Ken Follett), 6 Audio-CDs, ISBN 978-3-7857-3381-3. 2009: 2012: Das Ende aller Zeiten (von Brian D’Amato), 8 Audio-CDs, ISBN 978-3-7857-3810-8. 2010: Gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf!, 2 Audio-CDs, ISBN 978-3-455-30684-2. 2012: Die Nacht des Zorns (von Fred Vargas), 6 Audio-CDs, ISBN 978-3-7857-4700-1.
Werk Volker Lechtenbrink: Gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf!: Mein Leben, Hoffmann und Campe 2010, ISBN 978-3-455-50144-5.
Quellen
Weblinks
Interview mit Lechtenbrink bei Missverstehen Sie mich richtig! mit Gregor Gysi
Einzelnachweise
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