WandaVision ist eine US-amerikanische Fernsehserie über die von Elizabeth Olsen und Paul Bettany verkörperten titelgebenden Hauptfiguren Wanda Maximoff und Vision. Es ist die erste von den Marvel Studios produzierte Serie innerhalb des Marvel Cinematic Universe (MCU) und der Auftakt der sogenannten Phase Vier. Im Zentrum der zum Teil als Sitcom angelegten Serie steht das neue Leben der beiden Hauptfiguren nach den Ereignissen aus Avengers: Endgame. Wanda erschafft mit ihren magischen Fähigkeiten im fiktiven US-amerikanischen Vorort Westview eine für sie vermeintlich perfekte Welt, in der sie Visions Tod und ihre Trauer darüber verarbeiten kann.
Die Serie orientiert sich nicht nur inhaltlich stark an klassischen US-amerikanischen Sitcoms, sondern übernahm neben typischen stilistischen Mitteln zum Teil auch ältere Produktionstechniken für die Dreharbeiten. Regisseur aller neun Folgen war Matt Shakman, Jac Schaeffer die Hauptautorin. Die Erstveröffentlichung erfolgte vom 15. Januar bis zum 5. März 2021 auf Disney+.
WandaVision wurde ein Publikumserfolg und war durch hohe Zugriffszahlen die im Veröffentlichungszeitraum weltweit meistgesehene Fernsehserie. Auch von Kritikern bekam die Serie überwiegend positive Rezensionen und wurde vor allem für ihren experimentellen Charakter, die schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller und den Mystery-Aspekt gelobt. Zu den zahlreichen Auszeichnungen der Serie zählen unter anderem 23 Emmy-Nominierungen, von denen WandaVision drei gewann.
Handlung Nachdem im Zuge des sogenannten „Blip“ die Hälfte der Menschheit durch die Avengers auf die Erde zurückgeholt worden ist, muss Wanda Maximoff feststellen, dass ihre große Liebe Vision weiterhin tot ist. Daraufhin sucht sie die in New Jersey gelegene Kleinstadt Westview auf, wo beide einst zusammen alt werden wollten. Innerhalb der Stadtgrenzen erschafft Wanda mithilfe ihrer magischen Kräfte nicht nur eine ganz eigene Realität, sondern aus dem in ihr lebenden Teil des Gedankensteins auch einen neuen Vision. So möchte sie ihre Trauer und Schuld verarbeiten, aber auch verdrängen, da die als Sitcom-Episoden angelegte Scheinwelt fortan zur Realität für das frisch verheiratete Paar wird.
Außerhalb von Westview wird die paramilitärische Organisation S.W.O.R.D. rund um Director Tyler Hayward auf die Kleinstadt aufmerksam und nennt sie „Maximoff-Anomalie“, nachdem die innerhalb der Stadtgrenzen aufgenommenen Sitcom-Episoden zu empfangen gewesen sind. Daraufhin versuchen die S.W.O.R.D.-Agentin Monica Rambeau, der FBI-Agent Jimmy Woo und die Astrophysikerin Dr. Darcy Lewis unaufhörlich, in die Anomalie vorzudringen und Kontakt zu den Einwohnern der Stadt herzustellen, die alle unter der Gedankenkontrolle von Wanda stehen. Diese Versuche und weitere Unstimmigkeiten führen schließlich dazu, dass Vision zunehmend misstrauischer wird und die ihm gezeigte Realität zu hinterfragen beginnt. Schließlich wird er über die Situation sowie seine eigene Vorgeschichte aufgeklärt und entscheidet sich, zu seiner stark gezeichneten Ehefrau zu halten.
Gleichzeitig gibt sich innerhalb von Westview Wandas neugierige Nachbarin Agnes als Hexe Agatha Harkness zu erkennen. Ihr Ziel ist es, von Wanda zu erfahren, wie sie ihre magischen Kräfte erhielt, einsetzt und kontrolliert. Es kommt zum Kampf zwischen beiden, aus dem Wanda siegreich hervorgeht. Trotzdem erkennt sie das Leid, das sie bei den von ihr kontrollierten Einwohnern Westviews verursacht hat. So entschließt sich Wanda schweren Herzens, Vision sowie ihre innerhalb der Anomalie geborenen und an ebendiese gebundenen Kinder aufzugeben, um die restlichen Einwohner von der Gefangenschaft zu erlösen. Im Anschluss zieht sie sich in eine Bergregion zurück, wo sie mit einem Zauberbuch von Agatha ihre Kräfte trainiert.
Produktion Entstehungsgeschichte
Anfang 2018 bat der damalige Disney-Chef Bob Iger den Produzenten Kevin Feige um die Entwicklung von Serien für den geplanten hauseigenen Streamingdienst Disney+; eine der ersten Ideen war WandaVision. Zunächst wurde Creative Director Brian Chapek mit der Entwicklung betraut, ehe Executive Producer Mary Livanos im Sommer 2018 eine konkrete Geschichte erarbeitete. Im September desselben Jahres berichteten erstmals Medien über die von den Marvel Studios produzierte Serie mit einem Umfang von sechs bis acht Episoden. Zu diesem Zeitpunkt wurde allerdings nur von einer Serie über die von Elizabeth Olsen verkörperte Wanda Maximoff alias Scarlet Witch gesprochen. Im Januar 2019 wurde Jac Schaeffer als Hauptautorin und Executive Producer engagiert, nachdem andere Autoren den Sitcom-Aspekt der Serie hatten streichen wollen und daher von Marvel abgelehnt worden waren. Gleichzeitig wurde bekannt, dass neben Wanda auch der von Paul Bettany gespielte Vision im Vordergrund des Projektes stehen werde.
Im April 2019 hieß es, die Serie werde den Titel „WandaVision“ tragen und im zweiten Jahr des Streamingdienstes erscheinen. Der zunächst nur mit gemischter Zustimmung aufgenommene, eher ungewöhnliche Serienname wurde vom Film BlacKkKlansman inspiriert, für dessen Titel auch zwei Wörter miteinander fusioniert wurden. Auf der San Diego Comic-Con 2019 wurde das Logo enthüllt und verkündet, dass WandaVision auf verschiedenen Comics basieren, zeitlich nach Avengers: Endgame spielen, Szenen aus den 1950er Jahren enthalten und einen direkten Einfluss auf den Film Doctor Strange in the Multiverse of Madness haben werde. Ebenso wurde die Besetzung von Teyonah Parris als erwachsene Monica Rambeau verkündet. Diese Figur war im Film Captain Marvel, der im Jahr 1995 spielt, von den Kinderdarstellerinnen Azari und Akira Akbar verkörpert worden.
Auf der D23 Expo im August 2019 wurde die Rückkehr von Kat Dennings und Randall Park in ihren Rollen als Darcy Lewis und Agent Jimmy Woo bekannt. Kathryn Hahn wurde als neugierige Nachbarin Agnes angekündigt, die sich im Laufe der Serie als die aus den Comics bekannte Hexe Agatha Harkness zu erkennen gibt. Auf der Ausstellung wurde zudem Matt Shakman als Regisseur aller Folgen von WandaVision bestätigt. Er nannte die Serie einen „Liebesbrief an die Geschichte des Fernsehens“, während Schaeffer sie als „lustig, mysteriös und voller Action“ charakterisierte.WandaVision – Production Brief (PDF), abgerufen am 12. März 2021. Olsen beschrieb den Ton von WandaVision als eine Art „50er-Jahre-Sitcom“, die sich im Laufe der Folgen zum bekannten Marvel-Stil entwickle. Später ergänzte sie, der Zuschauer werde über ihre Figur erfahren, woher diese ihre Kräfte habe, warum sie auch als Scarlet Witch bekannt sei und wie diese Identität im Kontrast zu Wanda Maximoff stehe.
Im Juni 2020 wurde die Verpflichtung von Evan Peters für eine Schlüsselrolle bekannt. Er ist innerhalb der Serie WandaVision als Pietro Maximoff alias Quicksilver zu sehen. Andere Versionen dieser Figur wurden von Peters bereits in vier Filmen der X-Men-Reihe gespielt und im MCU zuvor durch Aaron Taylor-Johnson verkörpert. Mit der Veröffentlichung des Trailers wurde die Beteiligung von Debra Jo Rupp und Fred Melamed bekannt. Bis zum Serienstart wurden zudem die Besetzungen von Asif Ali, Jolene Purdy und Emma Caulfield öffentlich. Ebenso wurde mit Benedict Cumberbatch ein Vertrag über einen Auftritt in WandaVision abgeschlossen; seine Figur Doctor Strange wurde letztlich allerdings aus der Serie gestrichen.
Schreibprozess mini|Hauptautorin Jac Schaeffer (2011)
Die Grundidee zur Serie kam von Produzent Kevin Feige, der seine eigene Liebe zum Fernsehen in WandaVision widerspiegeln wollte. Im Kontext von Wandas Trauer und Verlusten nach den Ereignissen aus Avengers: Endgame sollten Sitcoms wie eine Komfortzone für sie wirken. Der Entwicklung der Serie lag die intensive Auseinandersetzung mit verschiedenen Sitcoms aus dem 20. Jahrhundert zugrunde. Darsteller und Filmstab sahen sich Folgen an, lasen Bücher zu den jeweiligen Serien und sprachen wann immer möglich mit Beteiligten von ebendiesen. Schaeffer fiel es insbesondere schwer, das richtige Verhältnis zwischen den von Feige erdachten Sitcom- und MCU-Anteilen der Handlung zu finden, da ihr ursprünglicher Pitch auch das Versprechen an Marvel enthielt, der eher intimen Serie ein großes Finale zu liefern. Um eine gewisse Kontinuität innerhalb der Filmreihe zu wahren und die generellen Spielregeln des Multiversums zu vereinbaren, arbeiteten Schaeffer, Regisseur Matt Shakman und Produzentin Mary Livanos eng mit den Verantwortlichen für Loki, What If…?, Spider-Man: No Way Home und Doctor Strange in the Multiverse of Madness zusammen.
Nachdem Schaeffer eine vollständige Geschichte entwickelt hatte, engagierte sie weitere fernseherfahrene Drehbuchautoren. Diese sollten die Handlung auf einzelne Folgen aufteilen und alle Erzählebenen, stilistischen Mittel und Formate zu einer schlüssigen und flüssigen Geschichte zusammenzuführen. Der so zusammengestellte achtköpfige Writers’ Room bestand zur Hälfte aus Frauen; ebenso waren People of Color vertreten. Schaffer begründete dies damit, dass eine Geschichte besser werde, je mehr Perspektiven man während der Entwicklung habe. Jeder der Autoren hatte während der Arbeit an den Drehbüchern zusätzlich sein eigenes Spezialgebiet. So war Bobak Esfarjani für das Worldbuilding, Cliffhanger und die Mythologie der Serie zuständig; Megan McDonnell überwachte wissenschaftliche Themen und Mackenzie Dohr verantwortete die Sitcom-Aspekte, komödiantische Elemente sowie Charakterentwicklungen. Peter Cameron richtete sich zum einen auf Jimmy Woo aus und fügte WandaVision zum anderen einen finsteren Ton hinzu; Laura Donney war Ansprechperson für Themen der Trauer und Chuck Hayward trug Popkultur-Referenzen sowie die Musikauswahl zur Serie bei. Olsen äußerte sich über die Arbeit der verschiedenen Autoren, dass sie sich und ihre Figur zum ersten Mal vollends verstanden fühlte. So werde erstmals auch Wandas humorvolle Seite gezeigt sowie ihr Umgang mit Alltagssituationen. Für Schaeffer war es dabei besonders wichtig, auch die liebenswürdigen Seiten der Figur darzustellen.
Als Vorlage für WandaVision dienten unter anderem die Comicreihen Vision and the Scarlet Witch (1982), The Vision and the Scarlet Witch (1985), Astonishing X-Men (2004), Avengers Disassembled (2004), House of M (2005) sowie The Vision (2015) und die Vision-Quest-Storyline aus West Coast Avengers Vol. 2 (1989). Inspirationen aus dem Serienbereich umfassten unter anderem klassischen Familiensitcoms wie The Dick Van Dyke Show, I Love Lucy, Bezaubernde Jeannie, Verliebt in eine Hexe, Drei Mädchen und drei Jungen, Familienbande und Mutter ist die Allerbeste, aber auch modernere Vertreter wie Modern Family, Malcolm mittendrin und The Office. Ebenso war der Film Thor: Tag der Entscheidung ein kreativer Einfluss. Von der Miniserie Escape at Dannemora wurde die Idee übernommen, der Geschichte kurz vor dem Finale eine dramatische Wendung zu geben, was schließlich zur achten Folge Was bisher geschah führte. Die so erzeugte nichtlineare Erzählweise sollte WandaVision wie ein Mysterium wirken lassen, das sich mit jeder Folge weiter lüftet. Um dem beteiligten Filmstab die Orientierung zu erleichtern, wurden die Drehbücher so formatiert, dass auf den ersten Blick der jeweilige Handlungsort und -zeitraum ersichtlich war.
Ursprünglich waren insgesamt zehn Folgen für WandaVision vorgesehen. Um einen besseren Erzählrhythmus zu erzeugen, wurden jedoch mehrere Handlungsstränge miteinander vereint und die Serie so auf neun Episoden reduziert. Noch während der Dreharbeiten wurden die jeweiligen Drehbücher umgeschrieben, was laut Regisseur Shakman für Fernsehserien typisch sei. Insbesondere das Finale wurde aufgrund erschwerter Produktionsbedingungen im Rahmen der COVID-19-Pandemie abgeändert und deutlich dialoglastiger und psychologischer als ursprünglich vorgesehen.