mini|hochkant|Basidsch-Einheit bei der Parade der heiligen Verteidigungswoche 2011 Basidsch, mit vollem Namen Sāzemān-e Basidsch-e Mostazʿafin (), international auch Basij, ist eine von der Islamischen Republik Iran geschaffene Miliz, die sich aus Freiwilligen rekrutiert, die Regierung unterstützt und von dieser zur Kontrolle der iranischen Gesellschaft eingesetzt wird.Golkar: Organization of the Oppressed or Organization for Oppressing. 2012, S. 455. Ein Angehöriger dieser Miliz wird als Basidschi bezeichnet (deutscher Plural: Basidschis).

Am 26. November 1979 durch einen Erlass von Ruhollah Chomeini gegründet, ist die Basidsch-Miliz organisatorisch eine Abteilung der Islamischen Revolutionsgarde. Im Ersten Golfkrieg gegen den Irak (1980–1988) fanden zehntausende Basidschis in teils jugendlichem Alter bei Menschenwelle-Angriffen und als menschliche Minenräumer auf dem Schlachtfeld den Tod. Nach dem Ende des Krieges erhielt die Miliz den Auftrag, das Prinzip des Gebieten des Rechten und Verbieten des Verwerflichen umzusetzen. Damit wurde sie zu einem entscheidenden Bestandteil der Strategie des iranischen Regimes zur Schaffung einer „frommen Gesellschaft“.Golkar: Politics of Piety: The Basij and Moral Control of Iranian Society. 2011, S. 207. Seither hilft die Basidsch-Miliz der Führung des Landes dabei, die politische Kontrolle aufrechtzuerhalten, indem sie Iraner indoktriniert, die Gesellschaft überwacht und Dissidenten unterdrückt. Sie wird auch genutzt, um eine strenge Kontrolle über Seminarstudenten (ṭollāb) auszuüben und dissidente Geistliche zum Schweigen zu bringen.Golkar: Clerical militia and securitization of seminary schools in Iran. 2017, S. 215.

Zielsetzung Das Ziel der Basidsch-Miliz ist die Abwehr interner und externer Gefahren für die Islamische Republik Iran.Golkar: The Rule of the Basij in Iranian Politics. 2015, S. 117. Zunächst war sie zur Verteidigung der innenpolitischen Sicherheit gegründet worden, sie sollte aus Milizionären bestehen und eine bewaffnete Streitkraft für das Regime darstellen. Im Nahen Osten gibt es in einer Reihe Länder neben einem nationalen Militär zur Abwehr äußerer Bedrohungen eine ideologische Armee zur Verteidigung des Regierungssystems vor inneren Gefahren.Noori: Rethinking the Legacies of the Iran-Iraq War. Veterans, the Basij, and Social Resistance in Iran. 2012, S. 130. Mit Ausbruch des Ersten Golfkriegs wurde sie dann neu darauf ausgerichtet, der äußeren Gefahr für das Land zu begegnen.Noori: Rethinking the Legacies of the Iran-Iraq War. Veterans, the Basij, and Social Resistance in Iran. 2012, S. 129–130.Ostovar: Iran’s Basij. Membership in a Militant Islamist Organization. In: Middle East Journal. Band 67, Nr. 3, 2013, S. 347–348.

Nach dem Krieg wandte sie sich wieder der Abwehr interner Gefahren für das Regime zu. Zu diesem Zweck ist sie heute mit allen Teilen der Zivilgesellschaft verbunden und dient häufig dazu, diese im Sinne des Regimes zu steuern.Golkar: Captive Society. The Basij Militia and Social Control in Iran. 2015, S. 193. In einem Artikel, der 1995 in dem Forschungsjournal der Basidsch-Organisation veröffentlicht wurde, wird die „kulturelle Invasion“ (tahāǧom-e farhangī) des Westens als das eigentliche Problem präsentiert, mit dem sich die Organisation auseinanderzusetzen habe. Der Autor des Artikels, Mohammad Hosayn Jamshidi, identifizierte Liberalismus, Humanismus, Rationalismus, Szientismus, Säkularismus, Materialismus, Naturalismus, Individualismus und Utilitarismus als diejenigen Ideologien und Prinzipien, die den Islam in Iran bedrohen und denen sich die Basidsch-Organisation entgegenzustellen habe.Ostovar: Vanguard of the Imam. Religion, Politics and Iran’s Revolutionary Guards. 2016, S. 154.

Ein Artikel, der 2020 zum 41. Jahrestag der Basidsch-Organisation auf der Website der staatlichen IRIB-Nachrichtenagentur veröffentlicht wurde, nannte folgende Punkte als Ziele der Organisation: Erfüllung des Auftrags von Ruhollah Chomeini zur Bildung von Keimzellen der Hezbollah, Schaffung der notwendigen Verteidigungsfähigkeiten und -ausrüstungen bei den Volksangehörigen, um das Land zu verteidigen, Schaffung der notwendigen Kampffähigkeiten bei Kräften, die in der Lage sind, an klassischen und großen Operationen teilzunehmen, Schaffung der notwendigen Fähigkeiten bei den Volksangehörigen, um bei Katastrophen und unvorhergesehenen Ereignissen rechtzeitig helfen zu können, Unterstützung der Regierung in Bauangelegenheiten.5 Āḏar: Sālrūz-e taškīl-e Basīǧ-e mostażʿafīn. IRIB News Agency, 5. Ādhar 1399 (= 27. November 2020).

Rolle während des Ersten Golfkriegs Während des Ersten Golfkriegs diente die Basidsch-Miliz aufgrund ihrer nur begrenzt für den Kampf geeigneten Mitglieder als informelle Hilfstruppe der Revolutionsgarden.Katzman: The Pasdaran. Institutionalization of Revolutionary Armed Force. 1993, S. 396.Ahram: Proxy warriors. The Rise and Fall of State-Sponsored Militias. 2011, S. 116. Ihre Bedeutung gerade in den ersten Jahren des Krieges war hoch, da ihre schnelle Mobilisierung und ihr kurzes Training eine baldige Verfügbarkeit auf dem Schlachtfeld bedeuteten. Aus diesem Umstand ergaben sich auch ihre hohen Opferzahlen und ihr heutiger Symbolismus.Noori: Rethinking the Legacies of the Iran-Iraq War. Veterans, the Basij, and Social Resistance in Iran. 2012, S. 129.

Rekrutierung und Training mini|Basidsch-Kindersoldaten in den 1980er Jahren Während die Revolutionsgarde sowohl Wehrpflichtige als auch Freiwillige aufnahm, war die Basidsch eine Freiwilligenorganisation, die die Mehrheit ihrer Mitglieder aus Menschen rekrutierte, die zu jung oder zum Teil auch zu alt waren, um in der Revolutionsgarde oder den regulären Streitkräften zu dienen.Ostovar: Vanguard of the Imam. Religion, Politics and Iran’s Revolutionary Guards. 2016, S. 85–86. Jungen wurden im Alter von zwölf Jahren dazu ermuntert, sich den Basidsch anzuschließen.Razoux: The Iran-Iraq War. 2015, S. 345. Die Basidsch rekrutierte aber nicht nur Schüler, sondern jegliche Freiwillige, die die Kriterien der Revolutionsgarden nicht erfüllten, also beispielsweise auch Analphabeten und Rentner. Die Dienstzeit betrug drei Monate. Iranische Geistliche, die als Propagandisten arbeiteten, leiteten die Rekrutierungsbemühungen der Revolutionsgarde und der Basidsch.

Freiwillige erhielten zwei Wochen lang eine militärische Grundausbildung und wurden dann für ein oder zwei Monate an die Front geschickt. Ab 1985 wurde die Ausbildungszeit auf drei Wochen verlängert, um die Überlebenschancen der Rekruten zu erhöhen. An der Front wurden sie von einem Imam betreut und religiös weitergebildet.Razoux: The Iran-Iraq War. 2015, S. 346.

Als Unterorganisation für weibliche Mitglieder gründete die Basidsch 1981 die „Hilfsmobilisierung der Schwestern“ (Moʿāwanat-e basīǧ-e ḫāharān). Zu Beginn des Krieges nahmen die weiblichen Basidsch nur eine unterstützende Rolle ein, indem sie Veteranen und den Hinterbliebenen von Märtyrern halfen, Kriegsgefangene versorgten und als Krankenschwestern dienten. Als im Laufe des Krieges die Zahl männlicher Rekruten zurückging, wurden aber auch Frauen, die der Basidsch angehörten, militärisch ausgebildet.Golkar: The Feminization of Control. Female Militia and Social Order in Iran. 2013, S. 19.

Einsatz auf dem Schlachtfeld Basidschis kamen erstmals gezielt 1982 bei der iranischen Gegenoffensive zum Einsatz.Ali Sadrzadeh: Der Pasdar. In: Anja Malankowski (Hrsg.): Iran-Irak, bis die Gottlosen vernichtet sind. Rowohlt-Taschenbuchverlag, Reinbek 1987, S. 155. Basidsch-Freiwillige gehörten zu den Hauptteilnehmern an Massenangriffen der Infanterie. Bei Bodenangriffen rückten Basidsch-Truppen zusammen mit Revolutionsgarden durch das irakische Marschland überstürzt auf gut befestigte irakische Verteidigungsanlagen vor.Ostovar: Vanguard of the Imam. Religion, Politics and Iran’s Revolutionary Guards. 2016, S. 83. Nach Angaben der iranischen Führung wuchsen die Basidsch-Einheiten bis 1986 auf drei Millionen Freiwillige an, von denen rund 600.000 an der Front stationiert waren.Ostovar: Vanguard of the Imam. Religion, Politics and Iran’s Revolutionary Guards. 2016, S. 85.

mini|Iranischer Kindersoldat im Ersten Golfkrieg Die Basidsch waren berüchtigt dafür, Kindersoldaten, meist Jungen im Alter zwischen zwölf und sechzehn Jahren, auch als Fronttruppen bei Menschenwelle-Angriffen einzusetzen. Bei diesen Operationen dienten sie als Kanonenfutter und mussten unmittelbar in das feindliche Feuer stürmen, meist mit nur wenigen oder gar keinen eigenen Waffen ausgestattet. Die Menschenwelle-Kampftaktik wurde erstmals am 30. September 1982 am Frontabschnitt bei Mandali eingesetzt.Economist. 16. Oktober 1982. Bei der erfolglosen Operation Khaybar 1984, deren Ziel die Eroberung der strategischen Autobahn von Basra nach Bagdad war, starteten Zehntausende Basidschis, unterstützt von Bataillonen der Revolutionsgarde, nacheinander Angriffe mit Menschenwellen in den irakischen Hawizeh-Sümpfen. Um die 20.000 Kämpfer kamen dabei ums Leben. Bei der ein Jahr später gestarteten Operation Badr, die das gleiche Ziel hatte und ebenfalls erfolglos war, fielen noch einmal zahlreiche Kämpfer aus den Reihen der Basidsch.Ostovar: Vanguard of the Imam. Religion, Politics and Iran’s Revolutionary Guards. 2016, S. 89.

Taktiken wie diese begrenzten die Zusammenarbeit zwischen Basidsch und Revolutionsgarden auf der einen und der regulären Armee auf der anderen Seite, da letztere solche Ansätze verabscheute.Katzman: The Pasdaran. Institutionalization of Revolutionary Armed Force. 1993, S. 396–397.

Die Aufgabe der Kindersoldaten bestand auch darin, vor den regulären Truppen und Panzern als eine Art lebender Minenräumer über das Kampfgebiet zu gehen.Sepehr Sepahrom: Mit fünfzehn in die Minen. In: Walter M. Weiss (Hrsg.): Iran. Wieser Verlag, Klagenfurt, 2003, ISBN 3-85129-407-6, S. 90. Hans-Peter Drögemüller beschreibt arbeitslose Jugendliche aus der Provinz, meist ohne Waffen, mit einer weißen oder roten Stirnbinde mit der Aufschrift Allahu Akbar, die über die Minenfelder gegen die Stellungen der Iraker anrannten.Hans-Peter Drögemüller: Iranisches Tagebuch. 5 Jahre Revolution. Libertäre Assoziation, Hamburg, 1983, ISBN 3-922611-51-6, S. 301. Bahman Nirumand zitiert eine Ausgabe der Zeitung Ettelā'āt aus dem Jahre 1984:

An die Basidschis wurden Stirnbänder mit religiösen Anrufungen verteiltOstovar: Vanguard of the Imam. Religion, Politics and Iran’s Revolutionary Guards. 2016, S. 86. sowie Plastikschlüssel, die die Pforte zum Paradies aufschließen sollten. Eine halbe Million Plastikschlüssel wurden dafür aus Taiwan importiert. Die Schlüssel, die als Halsketten getragen wurden, sollten die Verbindung zwischen den Jungen, ihrer Tätigkeit an der Front und der göttlichen Belohnung, die sie erwartete, symbolisieren. Den Eltern derjenigen Kinder, die als sogenannte „Märtyrer“ starben, wurden Prämien versprochen.

Politische Rolle Die Basidsch-Miliz und die Jungen und jungen Männer, die sich freiwillig gemeldet hatten, um in ihren Reihen zu kämpfen, wurden während des Krieges zum Mittelpunkt der auf Menschenpotential ausgerichteten Strategie der Revolutionsgarde.Ostovar: Vanguard of the Imam. Religion, Politics and Iran’s Revolutionary Guards. 2016, S. 80. Nachdem am 7. November 1982 per Parlamentsbeschluss ein Pasdaran-Ministerium gegründet worden war, wurden die Basidsch zu einem vollwertigen Bestandteil des Ministeriums, das in zehn regionale Kommandos und acht zentrale Verwaltungsabteilungen gegliedert wurde.Razoux: The Iran-Iraq War. 2015, S. 225f. In einem Interview mit Ali Sadrzadeh beschrieb der Pasdar Ahmad seine Sichtweise für den Einsatz militärisch unerfahrener Jugendlicher:

Verluste