mini|Georg Ritter (Abbildung in: Ludwig Molitor, Georg Ritter : ein Lebensumriß, 1890) Georg Ritter (* 7. Mai 1795 in Zweibrücken; † 1. Januar 1854 ebenda) war ein Zweibrücker Verleger, Druckereibesitzer und Buchhändler. Sein Unternehmen war zur Zeit des Vormärz eine der bedeutendsten und modernsten Druckereien der Pfalz. Als Anhänger der Demokratiebewegung druckte Ritter in Zweibrücken trotz Verbots Zeitschriften und Flugschriften für Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth, die Organisatoren des Hambacher Festes, und ermöglichte es ihnen damit, trotz Pressezensur ihre Botschaft weiter zu verbreiten. Seinen Schwiegersohn Christian Dingler inspirierte er zur Entwicklung einer erfolgreichen Buchdruckerpresse, der sogenannten „Zweibrücker-Presse“.

Leben Kindheit und Jugend Georg Ritter wurde als drittes Kind von Johannes Ritter und dessen erster Ehefrau Juliane Stein geboren. Sein Vater war Bleicher (blanchisseur) von Beruf. Er war im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts aus Nohfelden in der Nähe von St. Wendel nach Zweibrücken gezogen, wo er einen eigenen kleinen Betrieb am Bleicherbach im Contwiger Weg führte. Trotzdem lebte die Familie in ärmlichen Verhältnissen, denn der Betrieb brachte nicht viel ein und Johannes Ritter hatte insgesamt 17 Kinder aus zwei Ehen. Nach dem Abschluss der Grundschule besuchte Georg von 1807 an einige Klassen des Zweibrücker Gymnasiums Bipontinum, das er jedoch ohne Abschluss verließ. Im Anschluss an die Schulausbildung begann er eine Lehre als Buchdrucker bei der Zweibrücker Druckerei Hall & Weinhard, die nach dem Tode des Inhabers Johannes Hall vorerst von dessen Witwe weitergeführt wurde. Bereits 1816/17 gab sie den Betrieb auf und übergab ihn an den Buchdrucker Eberhard Baur, einen Neffen Halls, der gemeinsam mit J. F. Rost aus Pirmasens die Druckerei Rost und Baur, später Baur und Comp., betrieb. Baur beschäftigte auch Georg Ritter weiter und setzte dessen Ausbildung fort.

Selbständigkeit und Heirat Am 27. Februar 1818 verstarb Baur in Folge einer Krankheit. Baurs Witwe gab in der Todesanzeige an, sie werde die Druckerei „mit Hülfe guter Freunde“ weiterführen. Diese Freunde waren Georg Ritter und Baurs Geschäftspartner Rost.

mini|Georg Ritter und seine Frau Friederike Barbara. Gemälde von Karl Hoffmann, 1851. Am 21. Mai 1819 heiratete Ritter die sieben Jahre ältere Friederike Barbara verwitwete Baur, geborene Schmidt (1788–1849), die Witwe seines verstorbenen Ausbilders. Damit wurde Ritter praktisch zum Chef der Druckerei. Auf den Druckerzeugnissen, insbesondere dem Zweibrücker Wochenblatt, wurde bis 1822 noch „Baur und Comp.“ als Verlag angegeben, danach „Ritter und Comp.“. Zwei Jahre nach seiner Heirat, im August 1821, verlegte Ritter seinen Betrieb in die damalige Zweibrücker Pfarrgasse, heute Ritterstraße. Später schied Rost aus dem Betrieb aus und machte sich selbstständig. Ab 1829 führte Ritter das Geschäft unter dem Namen „Rittersche Buchhandlung in Zweibrücken, gegründet 1818“.

Ritters Frau Friederike Barbara brachte vier Töchter und einen Sohn mit in die Ehe. Ritters Stieftochter Friederike Wilhelmine (1810–1885) heiratete später den Zweibrücker Unternehmer Christian Dingler. Seine Stieftochter Caroline Elisabeth vermählte sich 1835 mit dem Schlossermeister Johann Christian Wery, dem Gründer der gleichnamigen Landmaschinenfabrik, die heute noch als Werk von John Deere in Zweibrücken besteht.

Darüber hinaus hatte Ritter mit seiner Frau Friederike Barbara vier leibliche Töchter sowie einen Sohn, der jedoch im Kindesalter starb. Seine älteste Tochter Rosina (1819–1895) wurde die Gattin des Dichters und späteren Friedens- und Landrichters Karl Joseph Schuler (1810–1889), die zweite Tochter Maria Carolina (1821–1881) ehelichte den Kaufmann Wilhelm Wery (* 1811). Ritters dritte Tochter Johanna Friederika (1825–1903) heiratete den Buchdrucker August Kranzbühler (1823–1889), der später zum Nachfolger von Georg Ritter wurde. Die jüngste Tochter Barbara Juliane (1827–1918) unterstützte Ritter in seiner Buchhandlung und beim Betrieb eines Lesezirkels. Nach dem Tod ihres Vaters heiratete sie den Kaufmann Otto Kruse (* 1822).

Vor dem Hambacher Fest Ab 1830 unterstützte Georg Ritter die Initiatoren des Hambacher Festes, vor allem Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth, indem er ihre liberalen Schriften druckte, auch wenn sie offiziell verboten worden waren. Er nahm dabei das Risiko in Kauf, dass seine Druckpressen und Druckerzeugnisse beschlagnahmt werden konnten.

mini|Der Bote aus Westen, Titelseite vom 12. März 1831 Philipp Jakob Siebenpfeiffer kannte Ritter, denn er hatte bereits 1824 sein Episches Gedicht in zwölf Gesängen bei ihm drucken lassen. Ab Herbst 1830 veröffentlichte Siebenpfeiffer unter dem Eindruck der französischen Julirevolution seine kritische Zeitschrift Rheinbayern, deren Erstausgabe zu seiner sofortigen Amtsenthebung als Landcommissär in Homburg führte. Auch diese Zeitschrift wurde bei Ritter gedruckt. 1831 folgte der Bote aus Westen, für den Ritter und Siebenpfeiffer weitere Druckpressen in Oggersheim betrieben, die jedoch durch die Regierung beschlagnahmt wurden. Ritter und Siebenpfeiffer reichten gegen diese Maßnahme Klage gegen die Regierung des Rheinkreises ein, die jedoch vom Zweibrücker Appellationsgericht wegen der „Unzuständigkeit der Gerichte, über Verwaltungsmaßnahmen zu richten“, abgewiesen wurde.

miniatur|Fußzeile der Deutschen Tribüne vom 6. Januar 1832, mit dem Zusatz: „Gedruckt bei G. Ritter in Zweibrücken“ Seit Juli 1831 gab Johann Georg August Wirth in München die freiheitliche Oppositionszeitung Deutsche Tribüne heraus. Ende 1831 verlegte Wirth die Redaktion in den Rheinkreis nach Homburg, wo er die Zeitung ab dem 1. Januar 1832 auf einer eigenen Presse druckte. Das Landkommissariat Homburg genehmigte jedoch die Druckerei nicht, sodass Wirth seine Presse zu Georg Ritter nach Zweibrücken brachte, der die Zeitung ab dem 6. Januar 1832 druckte. Wirth wies in der Ausgabe vom 6. Januar auf das Engagement Ritters hin:

Nach dem endgültigen Verbot der Tribüne wurde sie durch sechs Flugschriften fortgesetzt, die ebenfalls bei Ritter gedruckt wurden. Daneben gab er eine Fülle weiterer liberaler Flugschriften heraus, viele davon für den im Januar 1832 gegründeten Deutschen Vaterlandsverein zur Unterstützung der Freien Presse, kurz Preßverein, der sich für die Einführung der Pressefreiheit engagierte. Teilweise druckte Ritter die Schriften anonym, ohne Angabe des Druckorts und mit falschem Impressum. Diese Aktivitäten brachten ihn in Konflikt mit dem Gesetz, sodass er wegen Verbreitens und Druckens anonymer Schriften zu sechs Tagen sowie wegen Beleidigung der Zollbehörde zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt wurde.

Ritter nahm nachweislich am Hambacher Fest teil, das vom 27. Mai bis zum 1. Juni 1832 stattfand. Im Anschluss wurden viele Teilnehmer und Redner durch das außerordentliche Assisengericht (Geschworenengericht) angeklagt, das in Landau tagte. Ritter gehörte jedoch nicht zu den Angeklagten. Vielmehr erschien in seinem Verlag sogar die komplette Dokumentation des Verfahrens, das am 29. Juli 1833 gegen 27 Redner des Hambacher Festes eröffnet wurde. Ob er diesen Auftrag aus rein kaufmännischen Erwägungen annahm, oder ob er damit auch zur Verbreitung demokratischer Ideen in Deutschland beitragen wollte, ist nicht bekannt. Schließlich enthält die Dokumentation große Teile der beim Hambacher Fest gehaltenen Reden im originalen Wortlaut. Auch wenn er nicht angeklagt wurde, musste Ritter mit einer weiteren Beobachtung durch die Strafverfolgungsbehörden rechnen, denn sein Name befindet sich im 1838 veröffentlichten „Schwarzen Buch“ der Bundeszentralbehörde, einem „Alphabetische(n) Verzeichnis derjenigen Personen, gegen welche nach Akten der Bundeszentralbehörde bezüglich revolutionärer Umtriebe im Untersuchungswege eingeschritten worden ist“.

Die Zeit nach 1832 miniatur|Suchanzeige von „Buchhändler Ritter in Zweybrücken“ mit der Aufforderung an den Buchbindergesellen Friedrich Kaußler aus Landau, sich bei ihm zu melden (veröffentlicht in der Wiener Zeitung vom 26. Oktober 1836) Nach dem Hambacher Fest hielt sich Ritter mit politischen Aktionen in der Öffentlichkeit zurück und konzentrierte sich auf seine Arbeit. Er gab weiterhin regelmäßig das Zweibrücker Wochenblatt heraus. Bis 1837 war das Blatt vor allem im Raum Zweibrücken und Homburg verbreitet, danach weitete er sein Einzugsgebiet auf den Raum Kusel aus. Die Erlöse aus der Zeitung sowie regelmäßige Nachdrucke des seit 1823 in hohen Auflagen bei Ritter produzierten protestantischen Gesangbuchs bildeten die Haupteinkünfte der Druckerei. Diese sicheren Einnahmen ermöglichten ihm die Herstellung aufwändiger Druckwerke, die mit finanziellen Risiken verbunden waren. Dazu gehörten beispielsweise ein historisch-topographischer Dampf-Schiffahrts-Atlas des Rheins von der Quelle bis zur Mündung (1842), ein Atlas über Die Pfalz. Special-Karten der zwölf Land-Commissariats-Bezirke (1840) sowie 24 großformatige, handkolorierte Tafeln mit einheimischen Giftpflanzen (1844).

Die politische Gesinnung Ritters blieb gemäßigt liberal, wie aus seiner Korrespondenz in den 1840er Jahren zu erkennen ist. Sein politisches Engagement beschränkte sich auf die Stadt Zweibrücken, wo er sich als Stadtrat für die Bevölkerung einsetzte und dafür zum Ehrenbürger ernannt wurde. Während der Hungersnot des Jahres 1847, die durch Ernteausfälle aufgrund der Kartoffelfäule ausgelöst wurde, engagierte er sich für notleidende Mitbürger und für die Einrichtung einer „Kraftsuppen-Bereitstellungsanstalt“. Nach der Veröffentlichung eines beleidigenden Artikels gegen einen reichen Gutsbesitzer, bei dem Ritter als Mitglied der „Kommission für Armenpflege“ vergeblich um finanzielle Unterstützung ersucht hatte, wurde er vom Bezirksgericht Zweibrücken zu einer Geldbuße verurteilt, weil er sich weigerte, den Namen des Autors preiszugeben. Trotz der Strafe lobte ihn jedoch das Gericht im Urteil, dass er sich „bei der Armenpflege sehr thätig zeigt“.

mini|Grabstätte von Georg Ritter (1795–1854) und seiner Familie Bis ins Jahr 1849 war Ritter für Druckerei und Buchhandlung allein verantwortlich. Nach dem Tod seiner Frau am 26. Juni 1849 stellte er seinen Schwiegersohn und Nachfolger August Kranzbühler als Geschäftsführer ein und begann damit, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen. Im Oktober verkaufte er seine Buchhandlung an Johann Christian Herbart aus Urnshausen im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach und behielt lediglich den Verlag und Vertrieb des Wochenblatts sowie des Zweibrücker Volkskalenders in seiner eigenen Verantwortung.

Georg Ritter starb am 1. Januar 1854 im Alter von 58 Jahren. Sein Grab befindet sich auf dem Zweibrücker Hauptfriedhof, neben den Gräbern seiner Frau und seiner Stieftochter Elisabetha Baur. Ritters Grabstein trägt keine Inschrift mehr. Die ehemals dort angebrachte Grabplatte befindet sich im Archiv der Zweibrücker Stadtmuseums, nachdem sie entwendet und später auf einem Flohmarkt zufällig wieder aufgefunden wurde.

Rezeption und Nachwirkung

Im Jahr 1890 erschien die Biografie „Georg Ritter : ein Lebensumriß“ als letztes Werk des Zweibrücker Heimatkundlers Ludwig Alois Molitor. Sie wurde von Otto Dingler herausgegeben und mit einem Vorwort versehen, da der Autor am 12. Januar 1890 vor Vollendung des Werks verstorben war. Molitor fokussierte sich darin vor allem auf Ritters allgemeine Würdigung der Drucker- und Verlegertätigkeit, weniger auf eine faktengetreue Lebensbeschreibung. So findet man in seiner Biografie keinen Hinweis auf Ritters politisches Engagement für die Demokratiebewegung. Molitor fasst Ritters Leistungen wie folgt zusammen: