mini|Carl Canzlers Unterschrift

Carl Canzler (* 28. August 1858 in Lippstadt; † 19. Januar 1919 in Düren)Grabstein Carl Canzler, Neuer Friedhof Ost-Düren, Ahnenforschergruppe Stadtmuseum Düren, 2024 (abgerufen am 7. März 2026.) war ein deutscher Kupferschmiedemeister, Unternehmer, Erfinder und Pionier der Kupferschweißung. 1890 gründete er die seinen Namen tragende Kupferschmiede, in der später auch Apparate und Druckbehälter gefertigt wurden.

Familie Carl Canzler stammte aus einer evangelischen Familie, deren Vorfahren nachweislich seit dem 15. Jahrhundert in Thüringen als Bauern oder Soldaten tätig waren. Sein Vater Friedrich August (1825–1868) war ein Husaren-Stabstrompeter und später Küster an der Lippstädter Marienkirche. Seine Mutter Josefine Höhne war eine Lehrerin aus Westfalen. Der Großvater väterlicherseits Johann Andreas Canzler war Schultheiß und Gerichtsschöppe in Schafau.Carl Canzler in der Deutschen Biographie, abgerufen am 29. Juli 2022.

Carl Canzler heiratete Margarete geb. Friesdorf (* 8. Oktober 1865; † 21. Juni 1958)Foto der Grabplatte, Neuer Friedhof Düren-Ost, Ahnenforschergruppe Stadtmuseum Düren, 2024, abgerufen am 16. März 2026.. Ihr Vater, Heinrich Friesdorf, war ein Bauer in Herrig und stammte aus einer rheinischen Bauernfamilie. Aus dieser Ehe ging, als einziges Kind, Sohn Heinrich Canzler Senior (* 23. September 1888 in Grevenbroich † 1981 Nideggen) hervor. Aus Heinrichs Ehe mit Henriette (Henny) geb. Spieske (* 25. Dezember 1892 † 20. November 1960) gingen fünf Kinder hervor: Carl-August (* 31. August 1923 † 23. Januar 1993); Margret (* 6. März 1925 † 26. November 1990); Heinrich Canzler Junior (* 23. September 1926 † 16. Dezember 2020) Heinrich Canzler Junior, Traueranzeige auf der Gedenkseite der Aachener Zeitung , abgerufen am 7. März 2026.; Georg (* 28. Januar 1928 † 5. Mai 2003); Freya (* 26. Januar 1930 † 10. Dezember 1945).Familiengrabstätte Canzler, Neuer Friedhof Düren-Ost, Ahnenforschergruppe Stadtmuseum Düren, 2024 (abgerufen am 10. März 2026.) Margret, Heinrich und Georg wurden später Gesellschafter des väterlichen Unternehmens. Die Söhne Heinrich und Georg absolvierten ein Maschinenbaustudium an der Technischen Hochschule Aachen und waren ab Mitte der 1950er Jahre im Unternehmen tätig.Aufgeführt im Personenverzeichnis der Universitätsbibliothek Mannheim, abgerufen am 7. März 2026.Persönliches Interview zwischen dem Geschichts- und Heimatverein Herrschaft Merode e. V. und George F. Canzler nach dem von ihm am 27. Februar 2026 im Stadtmuseum Düren gehaltenen Vortrag Dürener Industriegeschichte: Carl Canzler Düren/Rhld. – Von einer Kupferschmiede zum internationalen „hidden champion“ des chemischen Apparatebaus. Im Laufe seines Berufslebens erhielt Heinrich Canzler Senior diverse Ehren und Auszeichnungen. 1951: Ehrensenator der Technische Hochschule Karlsruhe.Erwähnung auf der Homepage des Karlsruher Institut für Technologie / Ehrensenatorinnen und Ehrensenatoren, abgerufen am 16. März 2026.Wikipedia-Artikel Liste der Ehrensenatoren des Karlsruher Instituts für Technologie, abgerufen am 16. März 2026. 1958: Ehrendoktor der RWTH Aachen.Dr.-Ing. E. h. Heinrich Canzler, Ehrendoktor der Technischen Hochschule Aachen, Personal- und Vorlesungsverzeichnis für das Sommersemester 1974, Seite 9 abgerufen am 16. März 2026. 1958: DECHEMA-Medaille.Wikipedia-Artikel, DECHEMA-Medaille, abgerufen am 7. März 2026. 1959: Ehrenmitglied der GVT – Forschungs-Gesellschaft-Verfahrenstechnik e.V. 1964: Ehrenmitglied der DECHEMAEhrenmitglied der DECHEMA , abgerufen am 16. März 2026. 1964: Ehrenmitglied des Deutschen Verbandes der Schweißtechnik (DVS).

Familiengrabstätte Carl Canzler Auf dem Neuer Friedhof Düren-Ost befindet sich die Grabstätte der Familie Canzler. Entworfen wurde diese vom langjährigen Konstruktionsleiter der Firma Canzler, Heinrich Bock. Sie besteht aus einem rechteckigen, auf seiner Längsseite senkrecht aufgestellten, aus Granit bestehenden Grabstein. Auf diesem befinden sich sechs, aus Bronze gegossene, Tafeln. Die Gräber befinden sich davor, in der mit Bodendecker bepflanzten Fläche. Die sechs Grabsteintafeln wurden bewusst einheitlich konstruiert, von Größe und Aussehen alle gleich: In Erinnerung an Carl Canzler und seine Frau Margarete, an ihren Sohn Heinrich Senior, dessen Frau Henny und an ihre Kinder Carl-August und Freya. Ihre Tochter Margret ist mit ihrem Mann, Werner Trummer, auf dem Friedhof in Nideggen begraben. Die Tafeln zeigen jeweils den Namen, bei den Frauen auch deren Geburtsnamen, und das jeweilige Geburts- und Sterbedatum. Bei Carl Canzler steht der Zusatz „Kupferschmiedemeister“, bei Heinrich Canzler Senior „DR ING E H DIPL ING“ (in Erinnerung an seine Ehrendoktorwürde), bei Heinrich Canzler Junior und bei seinem Bruder Georg Canzler „DIPL ING“.Grabanlage der Familie Canzler, Neuer Friedhof Düren-Ost, Ahnenforschergruppe Stadtmuseum Düren, 2024 (abgerufen am 15. März 2026.) Aufgrund von Platzmangel auf dem Granitgrabstein wurde mit dem Tod von Georg Canzler seine Tafel in die Bepflanzung vor dem Stein eingelassen. In Folge die von Barbara Canzler (geb. Casper) und die ihres Ehemannes, Heinrich Canzler Junior.Persönliches Interview zwischen dem Geschichts- und Heimatverein Herrschaft Merode e. V. und George F. Canzler im März 2026

Leben und Wirken Ausbildung und praktische Erfahrungen Carl Canzlers beruflicher Erfolg gründet zum einen auf seinem familiären, charakterlichen Erbe […] „Vom mitteldeutschen Vater hatte er die Unternehmungslust, die Freude am Aufbauen, von der westfälischen Mutter die Zähigkeit im Festhalten und Durchhalten“.Bildunterschrift seines Porträts, abgebildet in diesem Wikipedia-Artikel oder auf S. 6, Canzler Chronik zum 50. Firmenjubiläum. Im Archiv des Geschichts- und Heimatvereins Herrschaft Merode e. V. Zum anderen erhielt er während seiner vierjährigen Lehre beim Kupferschmiedemeister D. Stoffregen in Lippstadt alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Tätigkeit als Apparatebauer. Im April 1877 bestand er gemäß den Regeln der Zunft die Gesellenprüfung.Abdruck des Lehrbriefs von Carl Canzler in der Chronik zum 50. Unternehmensjubiläum 1890–1940 Von der Kupferschmiede zum Großapparatebau, S. 7. (im online-Forum des Geschichts- und Heimatvereins Herrschaft Merode e. V., abgerufen am 17. Juni 2022) Seinerzeit gab es, bedingt durch die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in Lippstadt beginnende Industrialisierung, neben einem größeren Eisen verarbeitenden Werk zwei chemische Fabriken, mehrere Brauereien und fünf Spritbrennereien. Dadurch erlernte Carl Canzler nicht nur die handwerklichen Grundlagen der Kupferschmiederei, sondern er erfuhr durch die Nähe zur Gärungsindustrie auch die physikalisch-chemischen Grundoperationen der Destillation, der Rektifikation, der Extraktion und des Verdampfers. […] „Dies ließ in der Vorstellungswelt des jungen Canzlers die grundlegenden Zusammenhänge zwischen der Gärungstechnik und dem Apparatebau klar werden, was ihm schließlich den Einstieg zu Kunden der chemischen Industrie ermöglichte“.Canzler Chronik zum 50. Unternehmensjubiläum, S. 5 (Exemplar im Archiv des Geschichts- und Heimatvereins Herrschaft Merode e. V., online im Internet Archive, abgerufen am 4. September 2022)

Die Wanderjahre führten ihn nach Hamburg und Bremen. Dort war er mit Ausbesserungsarbeiten am Schnelldampfer „Elbe“ beschäftigt, damals einem der modernsten Schiffe des Norddeutschen Lloyds (NDL), das unterhalb der Wasserlinie mit Kupferblechen beschlagen war.Chronik zum 50. Unternehmensjubiläum „1890–1940 Von der Kupferschmiede zum Großapparatebau“, S. 7. […] „Neue Arbeitsmethoden lernte er hier kennen […] und die Maßstäbe der wachsenden Großindustrie. Aber der rechte Boden, um seßhaft zu werden, war hier für Carl Canzler nicht. Den fand er erst in dem kleinen Elsdorf […] da gab es Brauereien und Brennereien und die 1881 gegründete und bald durch die Einführung des Würfelzuckers berühmt gewordene Zuckerfabrik Pfeiffer & Langen. Das war etwas nach dem Geschmack des künftigen Apparatebauers. In dem kleinen Ort war es billig leben; da konnte man vom Verdienst nicht nur die Mutter unterstützen, sondern auch noch das Geld für ein Studium zusammensparen.“Chronik zum 50. Unternehmensjubiläum, S. 7 (online im Internet Archive, abgerufen am 4. September 2022) Im Wintersemester 1884/1885 begann er ein Studium in der Maschinenbauklasse am Technikum Buxtehude. […] „Dann arbeitete er wieder in Elsdorf in der Zuckerfabrik und zwischendurch in der Grevenbroicher Maschinenfabrik, die vor allem Apparate und Maschinen für die Zuckerindustrie baute.Maschinenfabrik Grevenbroich online auf Landtechnik-historisch.de, abgerufen am 18. Juni 2022Zuckertechnik für den Weltmarkt. Die Geschichte der Maschinenfabrik Grevenbroich. 1. Teil (online auf YouTube, abgerufen am 18. Juni 2022)Zuckertechnik für den Weltmarkt. Die Geschichte der Maschinenfabrik Grevenbroich. 2. Teil (online auf YouTube, abgerufen am 18. Juni 2022) Das Studium hatte seine konstruktive Begabung durchbrechen lassen. […] Überall schätzte man ihn als tüchtigen, ideenreichen Mitarbeiter. Für sein Ansehen spricht, dass er 1888 zum Delegierten für den Bezirk Köln zum Kongress der Kupferschmiede Deutschlands in Berlin gewählt wurde und teilnahm. Nach Ablegung der Meisterprüfung zog er – obwohl inzwischen verheiratet – noch einmal hinaus, um als Werkführer in der Kupferwarenfabrik von Richard Schubert in Chemnitz die letzten praktischen Erfahrungen vor dem großen Schritt in die Selbständigkeit zu sammeln“.Chronik zum 50. Unternehmensjubiläum, S. 7 (online im Internet Archive, abgerufen am 4. September 2022)

Selbstständigkeit und erste unternehmerische Erfolge Unterstützt von seiner Ehefrau, eröffnete er 1890 eine eigene Kupferschmiede in Elsdorf. Von Beginn an führten Carl und Margarete fünf grundlegende Geschäftsprinzipien ein, die sie später, als ihr Sohn Heinrich ins Unternehmen eintrat, an ihn weitergaben: 1. "Zuerst kommt die Ehre, dann kommt das Geld"; 2. "Spezialisierung mit ständiger Verbesserung"; 3. "Reinvestition der Gewinne"; 4. "Keine Kredite"; 5. Gut ausgebildete, qualifizierte Mitarbeiter".Persönliches Gespräch zwischen Heinrich Canzler (Junior) und seinem Sohn George, Niederschrift in der bislang unveröffentlichten Familienchronik Roots - Die Wurzel der Familie Canzler und ihrer Kupferschmiede. Interview mit dem Geschichts- und Heimatverein Herrschaft Merode e. V. nach dem von George F. Canzler am 27. Februar 2026 im Stadtmuseum Düren gehaltenen Vortrag Dürener Industriegeschichte: Carl Canzler Düren/Rhld. – Von einer Kupferschmiede zum internationalen „hidden champion“ des chemischen Apparatebaus. Am 1. März 1894 ging er mit der Schmiede nach Düren, wo er an der Neuen Jülicher Straße eine Werkstatt mietete.Chronik zum 50. Unternehmensjubiläum, S. 8, mit Abbildung des von Canzler verfassten Schriftstücks Durch diesen Umzug zählte Carl Canzler aus Sicht der Dürener Industrie zu den tatendurstigen, aus dem Westfälischen stammenden Einwanderern.Bernd Hahne: Ein Industriegebiet. In: Spuren, Magazin der Dürener Geschichtswerkstatt e. V., Nr. 20 (September 2013), Seite 12–14 (Abschnitt „Westfälische Einwanderer“). (online), abgerufen am 25. Februar 2024 Für die in Düren und Umgebung ansässigen Brennereien, Brauereien und Zuckerfabriken baute er Kupferkessel, Behälter, Rohrleitungen und Dunstabzüge aus Kupferblech. Für die Papier- und Textilmaschinenfabriken kupferne Walzenüberzüge und Formstücke für die Papierstoffleitungen. Um den Fachkräftenachwuchs sicherzustellen, wurden in der betriebsintern Lehrwerkstatt Kupferschmiedelehrlinge ausgebildet. Aufgabe der Gesellenprüfung war es, aus Kupferblech ein Behältnis zu treiben.Glanzvolles Gesellenstück Aus der Lehrwerkstatt Carl Canzler. Inventar Stadtmuseum Düren. Abgerufen am 20. Mai 2022.