Der Krieg und ich ist eine Kinder- und Jugendserie aus dem Jahr 2019, die den Zweiten Weltkrieg in acht Folgen aus der Sicht von Kindern verschiedener europäischer Länder zeigt. Die europäische Koproduktion lief in Deutschland ab dem 31. August 2019 im Kinderkanal KiKA an, in Polen wurde die Serie unter dem Titel Wojna i ja und auf arte unter dem Titel Les enfants courage ab dem 1. September gezeigt.Wojenna tragedia oczami dziecka. Serial dokumentalny „Wojna i ja“. In: polaneis.pl, 31. August 2019, abgerufen am 7. September 2019 (polnisch). Der internationale Festivaltitel ist Kids of Courage.
Begleitet wird die Serie von umfangreichem Informationsmaterial, das die Sender in ihren Netzauftritten bereitstellen, und einer Wanderausstellung, die in Berlin begann und in verschiedenen europäischen Städten zu sehen sein sollte.
Handlung Die Serie erzählt die Geschichten von Kindern, die in der Zeit des Nationalsozialismus aufwachsen und den Zweiten Weltkrieg miterleben. Es sind Kinder aus Deutschland, Polen, Frankreich, Großbritannien, Norwegen, der Sowjetunion und der Tschechoslowakei. Der zehnjährige Romek aus Polen versucht seine Familie aus dem Ghetto zu retten; Justus aus Deutschland, ein Fünfzehnjähriger, erlebt die Schrecken des Krieges als Kindersoldat an der sogenannten Heimatfront und die dreizehnjährige Sandrine aus Frankreich hilft dabei, jüdische Flüchtlinge aus Deutschland zu verstecken. Die Erzählung beginnt mit Anton aus Deutschland im Jahr 1938 und endet mit der Geschichte von Eva aus der Tschechoslowakei am Ende des Krieges im Frühjahr 1945.
Jede Folge besteht aus mehreren Erzählebenen: In Spielszenen wird die Geschichte eines Kindes im Krieg als „HeldInnenreise“ erzählt. Sie sind von historischen Aufnahmen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs flankiert, zu denen Kinderstimmen Auszüge aus Briefen oder Tagebüchern von Kindern lesen oder die Sprecherin historische Zusammenhänge erklärt. Dazwischen werden Szenen aus einer detailgetreuen Nachbildung der Handlungsorte und der Protagonisten eingeblendet. Sie dienen der emotionalen Entlastung der jungen Zuschauer. In der szenischen Darstellung werden Situationen aufgegriffen und im historischen Kontext gezeigt, die Kinder auch heute kennen. Damit werden die Kinderschicksale für das junge Publikum subjektiv nachvollziehbar und bieten Identifikationspotenzial. Das Archivmaterial wurde mit wissenschaftlicher Begleitung so ausgewählt, dass es für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren angemessen ist.
Folgen
Hintergrund Die Folgen beruhen zum Großteil auf Tagebucheintragungen von Kindern aus verschiedenen europäischen Ländern in der Zeit des Nationalsozialismus. Auf dieser Grundlage entstanden acht Geschichten, an denen beispielhaft verschiedene Aspekte des Zweiten Weltkrieges thematisiert werden.
Produktion Die Serie wurde unter dem Arbeitstitel Der Krieg und ich – Kindheit im Zweiten Weltkrieg von LOOKSfilm, dem SWR, arte, der BBC und dem polnischen Toto Studio produziert. Die polnische Filmagentur Momakin zeichnete als ausführende Produzentin verantwortlich für die in der Serie gezeigte Miniaturwelt.
Die Entwicklung der Serie wurde medienpädagogisch vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) und historisch vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam begleitet. In enger Abstimmung mit einer Studienreihe des IZI wurde eine Erzählweise entwickelt, die Kindern ab acht Jahren den Zweiten Weltkrieg in Europa aus der Perspektive von Kindern verständlich macht, sie nicht überfordert und gleichzeitig historisch stimmig ist.
SWR und KiKA stellen ein umfassendes Begleitprogramm zur Serie in ihren Netzauftritten bereit, in dem beispielsweise Interviews mit Zeitzeuginnen und ZeitzeugenZeitzeug/innen. In: SWR-Kindernetz, abgerufen am 22. Juni 2024. und Unterrichtsmaterial abgerufen werden kann.Sascha Feuchert, Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der Justus-Liebig-Universität Gießen, übernahm die didaktische Fachberatung für das Rahmenprogramm.
Besetzung Die Begleittexte aller Folgen werden in der deutschsprachigen Version von Petra Schmidt-Schaller gesprochen.
Ep. Rolle Schauspieler 1 Anton Juri Gayed Greta Gwendolyn Göbel Vater Florian Lukas Rudi Ludger Bökelmann2 Fritjof Nils Sand Näslund Rikka Emilie Sand Näslund Margit (Mutter) Marianne Sand Ivar (Vater) Harald Näslund Onkel Arne Rune Temte SS-Soldat Thomas Arnold Soldat Müller Mike Hoffmann3 Sandrine Morel Mina Christ Catherine Morel Marie-Lou Sellem Pastor Morel Jean-Luc Bubert Daniel Caspar Langer Deborah Rosalie Neumeister David Finnlay Berger Major Dubois Pascal Lalo Kurier Fabian Stumm4 Calum Ruairidh Harris Paul Callum Hoy Fiona (Mutter) Kathleen MacInnes Ep. Rolle Schauspieler4 Herr Arthur Daibhidh Walker 5 Romek Adam Halajczyk Schlomo Hubert Kolodziej Irena Kaminski Irena Kaminski Izak Krakowski Robert Mika Helena Krakowski Birgit Stauber Henryk (Judenrat) Bohdan Artur Świderski6 Vera Uljana Torkiani Tamara Christina Chorowska Mischa Ilja Bultmann Swetlana Valentinowa Jelena Knyasewa-Schmal Nazar Kunjanew Dimitri Bilov 7 Justus Arved Friese Kurt Anton Petzold Walter Elias Eisold Leutnant Weber Thomas M. Meinhardt Bäuerin Jutta Wachowiak8 Eva Natálie Vágnerová Renata Katerina Coufalová Tomasz Dolinski Mateusz Dopieralski Hertha Kreissner Monika Oschek Bertha De Bruyn Dora Groothof
Rezeption Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) verlieh der Serie das Prädikat „besonders wertvoll“.Der Krieg und ich – Jury-Begründung. In: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW), abgerufen am 2. Oktober 2019. In der Jurybegründung heißt es, die Serie eigne sich „hervorragend für eine erste Begegnung eines kindlichen Publikums mit dem historischen Geschehen, ohne dabei nur einseitig informiert zu werden.“ Es sei der Serie hoch anzurechnen, dass sie auch drastische Momente wie Kriegshandlung, Tod, Deportation oder Konzentrationslager nicht nur andeute. Sie nähre das jugendliche Bildarchiv und steigere die Urteilsfähigkeit.
Kritik Manfred Riepe schreibt im katholischen Filmdienst, die Serie sei eine Gratwanderung, da die Macher einerseits die NS-Zeit kindgerecht vermitteln wollten, ohne zu verharmlosen, andererseits durften sie die Kinder aber nicht traumatisieren.
Das Neue Deutschland urteilt, es „bleibt […] der schale Eindruck zurück, die »Machtergreifung« der Nationalsozialisten werde als Geschichte einer Verführung erzählt, für die es zudem rationale Gründe – Armut, »nationale Demütigung« – gegeben haben soll. Im Zusammenklang mit den übrigen Folgen, die Kinder quer durch Europa »auf der anderen Seite« zeigen, scheint es kurz so, als solle Deutschland in eine gesamteuropäische Opfergeschichte hineinerzählt werden.“
Auch die Süddeutsche Zeitung schreibt, „fast jede der acht Episoden wartet mit einem Wendepunkt auf der die jeweilige Geschichte spannender und vielschichtiger macht. Dass es kaum richtige Drecksäcke in diesen filmischen Miniaturen gibt, ist wohl gleichfalls dem pädagogisch-optimistischen Prinzip der Serie geschuldet. Dadurch entsteht mitunter der Eindruck, dass Adolf Hitler das personifizierte Böse war, während die meisten anderen Deutschen da irgendwie reingeschlittert sind.“
Die Deutsche Film- und Medienbewertung lobte den Film: „Es werden ganz verschiedenen Lebensrealitäten und Konflikte aufgegriffen, immer jedoch konsequent aus der Sicht des Kindes erzählt. Die einzelnen Geschichten basieren dabei auf verschiedenen Tagebuchaufzeichnungen und Erinnerungen echter Menschen. Die Erzählhaltung ist ruhig, die Geschichten in sich geschlossen und stimmig auserzählt. So können auch schon junge Zuschauer der Handlung folgen, was durch die geschickte Verbindung aus Spielszenen, erklärenden Erläuterungen und Archivmaterial unterstützt wird. „Der Krieg und ich“ ist ein spannender, lehrreicher und berührender Einstieg in ein schwieriges Thema.“
Auszeichnungen 2018: Walkiria (Silber) 2018: Goldener Spatz (Erste Episode)"Goldener Spatz" für SWR Drama-Serie "Der Krieg und ich". In: Presseportal, 19. Juni 2018, abgerufen am 1. September 2019. 2019: Der weiße Elefant, Kinder-Medienpreis für die beste TV-Produktion In: Filmfest München 2019, abgerufen am 1. September 2019. 2020: Prix Jeunesse 2020: Deutscher Hörfilmpreis, Kategorie Kinder- und Jugendfilm 2020: Taiwan International Children’s Film Festival, Best TV/Web Program
Nominierungen 2019: International Emmy Kids Award2019 International Emmy® Kids Awards Nominees announced In: International Emmy Awards, abgerufen am 16. Oktober 2019. 2019: BANFF Rockie Awards 2019: Japan Prize 2020: Grimme-Preis
Begleitende Wanderausstellung In der Langen Nacht der Museen am 31. August 2019 eröffnete die Ausstellung Der Krieg und ich – Kriegskinder 1939–1945 auf dem Dorothea-Schlegel-Platz am S-Bahnhof Friedrichstraße. Die Wanderausstellung begleitet die Serie und besteht aus mehreren begehbaren Containern, in denen die Lebenswelten von Kriegskindern in Europa während des Zweiten Weltkrieges für Kinder ab acht Jahren interaktiv vermittelt werden.
Die Themenräume Anton aus Deutschland, 1939 und Sandrine aus Frankreich, 1943 zeigen die Kinderzimmer der Protagonisten aus der ersten und dritten Folge der Serie, deren Geschichten in einem Wechselspiel von Audio-Video-Installationen und der Möglichkeit des Benutzens und Anfassens von Objekten erlebbar gemacht werden. Der Themenraum Vera aus der Sowjetunion, 1942 / Kriegskinder auf der Flucht zeigt in Anlehnung an die sechste Folge die Lebenswelt von Vera und weiteren Kindern auf der Flucht.
In einem weiteren Container werden Hintergrundinformationen und ein Begleitprogramm aus Gesprächen mit Zeitzeuginnen, Lesungen, Buchvorstellungen, Interviews, Filmvorführungen und Vorträgen angeboten.
Bis Ende 2019 befand sich die Wanderausstellung in Berlin. Es war geplant, sie anschließend in weiteren europäischen Städten zu zeigen.
Weblinks
Der Krieg und ich im SWR Kindernetz Der Krieg und ich bei LOOKSfilm Wie Kinder die Sendung Der Krieg und ich verstehen, Rezeptionsstudie von Maya Götz und Andrea Höller (BR, PDF) Begleitmaterial zur Reihe im „Wissenspool“ auf planet schule von WDR und SWR
Einzelnachweise
Kategorie:Kinder- und Jugendfernsehserie Kategorie:Fernsehserie der 2010er Jahre Kategorie:KiKA Kategorie:Fernsehserie (Deutschland) Kategorie:Zweiter Weltkrieg im Film Kategorie:Aufarbeitung des Nationalsozialismus im Film Kategorie:Kindheit und Krieg im Film