mini|alternativtext=|Streckenarbeiter – darunter auch einfache Arbeiter, die manchmal gandy dancer genannt wurden – waren für die Instandhaltung von bestimmten Gleisstrecken zuständig. Ein Mann hält eine Brechstange, während andere mit Schienenzangen das Gleis richten. Foto von 1917In den Vereinigten Staaten war gandy dancer früher eine umgangssprachliche Bezeichnung für Streckenarbeiter, die Gleise verlegt und gewartet haben, bevor diese Aufgabe von Maschinen übernommen wurde. Offiziell wurden diese Streckenarbeiter „section hands“ genannt. In Großbritannien lautet das Pendant zu gandy dancer im Falle von Bauarbeitern von Bahnstrecken „navvy“ (von dem englischen Wort für Seefahrer „navigator“). Diese Hilfsarbeiter waren zunächst für den Bau von Kanälen und Binnenwasserstraßen zuständig. Die Streckenwärter, deren Aufgabe die Instandhaltung und Wartung von Gleisstrecken war, wurden in Großbritannien „platelayer“ genannt. Im Südwesten der Vereinigten Staaten und Mexiko wurden diese mexikanischen und mexikanisch-amerikanischen Streckenarbeiter umgangssprachlich „traqueros“ genannt, eine Bezeichnung, die sich von dem spanglishen Wort für Gleis ableitet.

mini|Foto einer Streckenarbeitergruppe, Lake Erie & Western Railroad, Rawson, Ohio, 1920In den Vereinigten Staaten handelte es sich bei Streckenarbeitern oft um kürzlich eingetroffene Einwanderer und ethnische Minderheiten, die trotz schlechter Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen sowie schwerer körperlicher Arbeit um diese sicheren Arbeitsplätze wetteiferten. Im Westen der Vereinigten Staaten waren es die Chinesen, mexikanischen Amerikaner und Indianer, im Mittleren Westen waren es die Iren und im Nordosten die Italiener und Osteuropäer, die als Gandy-Tänzer arbeiteten. Zwar sangen alle gandy dancer Lieder über die Eisenbahn während der Arbeit, aber die auf spezifische Tätigkeiten bezogenen Arbeitsgesänge wurden wohl aufgrund ihrer langen Tradition, Arbeit durch Gesang zu koordinieren, nur von den afroamerikanischen Gandy-Tänzern aus den Südstaaten gesungen.

Es gibt verschiedene Theorien über die Herkunft des Begriffs, die meisten beziehen sich jedoch auf die „tanzenden“ Bewegung, die die Streckenarbeiter bei der Arbeit mit einer speziell angefertigten 1,52 m langen Brechstange ausführten. Diese Brechstange wurde auch „Gandy“ genannt und wurde als eine Art Hebel verwendet, um die Gleise zu richten.Etymonline.com

Etymologie mini|Eine "hellwache Gruppe" von Streckenarbeitern. Auf dem Foto sind Werkzeuge, wie es scheint die sogenannten Heel Claw Bars, zu sehen, die zum Herausziehen der Nägel genutzt wurden. Der Titel und die Beschreibung des Bildes bezieht sich auf Gewerkschaftsmitgliedschaft. Das Bild wurde 1921 im Gewerkschaftsmagazin Brotherhood of Maintenance of Way Employees Journal veröffentlicht. Der Ursprung des Begriffs ist unklar. Ein Großteil der ersten Streckenarbeiter im Norden waren Iren.PBS, American Experience, People & Events: Workers of the Central Pacific Railroad. PBS.org, abgerufen am 23. November 2010. Daher ist es möglich, dass der Begriff von einem irischen oder gälischen Ausdruck abgeleitet wurde.

Andere Theorien besagen, dass der Begriff Gandy-Tänzer sich als Beschreibung der Bewegung der Streckenarbeiter selbst entwickelt haben könnte. Diese Bewegung war das permanente „Tanzen“, zum Beispiel wenn sie gleichzeitig mit ihren Werkzeugen ausholten, um die Gleise auszurichten und der Takt dabei oft durch Gesänge vorgegeben wurde; oder wenn sie die Gleise trugen; oder vielleicht sogar wegen des Watschelns wie Ganter (englisch: gander), wenn sie auf den Bahnschwellen rannten.Railway track and structures. Band 65, Simmons-Boardman Publishing Corporation, 1969, S. 35.William Safire: What's the good word? Times Books, 1982, S. 180.

Die meisten Forscher sind jedoch auf den Schaufelhersteller „Gandy Shovel Company“ gestoßen, manchmal auch „Gandy Manufacturing Company“ oder „Gandy Tool Company“ genannt, der in Chicago existiert haben und die Werkzeuge, die den Gandy-Tänzern ihren Namen gegeben haben, hergestellt haben soll.Alan A. Jackson: The Railway Dictionary. 4. Auflage. Sutton Publishing, Stroud 2006, ISBN 0-7509-4218-5. Einige Quellen listen sogar die Waren auf, die von der Firma hergestellt wurden, z. B. „Stampferplatten, Kuhfüße, Pickel und Schaufeln“.Freeman H. Hubbard: Railroad avenue: great stories and legends of American railroading. Whittlesey House, 1945, S. 344.Hobo Terminology. Angelfire.com, abgerufen am 23. November 2010. Andere bezweifeln jedoch die Existenz eines solchen Unternehmens. Der Geschichtsverein Chicago Historical Society wurde schon so häufig nach Informationen über dieses Unternehmen gefragt, dass er sagte, es sei „wie eine Legende“, doch auch der Verein konnte bisher keine Aufzeichnungen über ein Unternehmen mit dem Namen Gandy finden.Maggie Holtzberg: The Making of the Film, A diary account of the making of Gandy Dancers. , abgerufen am 23. November 2010.„the existence of a Gandy Manufacturing Company ... has not been substantiated“ Dictionary.com Unabridged Based on the Random House Dictionary, © Random House, 2010 Dictionary.reference.com, abgerufen am 23. November 2010.

Geschichte Obwohl Schienen durch Holzschwellen und die Bettung in ihrer Position gehalten wurden, verschoben sie sich, aufgrund der auf die Schienen einwirkenden Zentripetalkraft und der auf sie einwirkenden Schwingungen, dennoch jedes Mal ein kleines bisschen, wenn ein Zug durch eine Kurve fuhr. Die Schienen mussten deshalb regelmäßig von Streckenarbeitern instand gesetzt werden, da stark verschobene Schienen im schlimmsten Fall zu einer Entgleisung führen konnten.

Für jeden Stoß würde ein Arbeiter seine Brechstange, den sog. Gandy, anheben und in den Schotter treiben, um einen Hebelpunkt zu haben. Dann würde er sich mit seinem vollen Körpergewicht gegen die Stange werfen (wobei er das „Huh“ Geräusch machte, welches in die nachstehenden Liedtexte eingebaut wurde), wodurch die Stange das Gleis zur Innenseite der Kurve drücken würde. mini|Streckenarbeiter transportieren eine Bahnschwelle mit Hilfe von Schwellenzangen, Foto aus dem Jahr 1916. Dieser Arbeitsschritt wird im volkskundlichen Abschnitt in der Alabama Enzyklopädie wie folgt erklärt:

„Jeder Arbeiter trug eine Richtstange, eine gerade Brechstange mit spitzem Ende, bei sich. Das dickere, untere Ende hatte einen rechteckigen Schaft (um an das Gleis zu passen) und war wie ein Spitzmeißel geformt (um in den Schotter unter dem Gleis stoßen zu können); das leichtere, obere Ende war abgerundet, damit die Arbeiter die Stange besser festhalten konnten. Beim Richten der Gleise stand jeder der Arbeiter vor einer der Schienen und stieß das meißelförmige Ende schräg nach unten in den Schotter darunter. Dann würden alle Arbeiter einen Schritt auf die Gleise zu machen und das jeweilige Gleis, inklusive Schienen, Bahnschwellen usw., mit ihren Brechstangen nach oben über und durch den Schotter hebeln.“Encyclopediaofalabama.org

Die Streckenarbeiter mussten in regelmäßigen Abständen auch die Schienen aufhebeln, um die abgesenkten Stellen auszugleichen. Seite an Seite hoben sie mit einer vierkantigen Hacke die Schienen an und schoben Schotter unter die Bahnschwellen. Sogar bei Mannschaften, die aus acht, zehn oder mehr Arbeitern bestanden, war erst nach vielen Wiederholungen dieses Vorgangs beim Verschieben der Schienen ein Fortschritt erkennbar.

Zur Instandhaltung der Gleise verwendeten Gandy-Tänzer neben Brechstangen auch spezielle Vorschlaghämmer, auch Spike Mauls genannt, um Nägel einzuschlagen, Schaufeln oder Schottergabeln, um Gleisschotter zu verteilen,John Lundeen: The advance guide. Bände 28-29, United Brotherhood of Maintenance of Way Employees and Railway Shop Laborers, 1919, S. 88. große Zangen (sog. Rail Dogs), um die Schienen zu tragen, und Schotter-Stampfer oder Hacken, um den Schotter gleichmäßig zu verteilen.George P. Reynolds, Susan W. Walker: Foxfire 10: railroad lore, boardinghouses, Depression-era Appalachia, chair making, whirligigs, snakes canes, and gourd art. Random House, 1993, S. 31.E. T. Howson; American Railway Engineering Association: Maintenance of way cyclopedia: a reference book covering definitions, descriptions, illustrations, and methods of use of the materials, equipment, and devices employed in the maintenance of the tracks, bridges, buildings, water stations, signals, and other fixed properties of railways. Simmons-Boardman Publishing, 1921, S. 20–21, 30–31, 141, 147–148, 609, 708. Die gleichen Mannschaften führten auch andere Aufgaben zur Instandhaltung der Schienen aus, wie zum Beispiel das Entfernen von Unkraut, das Abladen von Schwellen und Schienen und das Austauschen von abgenutzten Gleisen und morschen Schwellen. Die Arbeit war extrem hart und der Lohn niedrig, aber es war eine der wenigen Beschäftigungen, die den Schwarzen aus den Südstaaten der USA sowie neu zugezogenen Einwanderern zu der damaligen Zeit zur Verfügung stand. Schwarze, die als Streckenarbeiter angestellt waren, genossen bei ihresgleichen ein hohes Ansehen. Der Text eines Blues-Liedes lautet: „wenn du heiratest, heirate einen Streckenarbeiter, denn dann darfst du dich jeden Sonntag über Geldsegen freuen“.The African-American Railroad Experience | KPBS.org

Wirtschaftliche Umstände von Streckenarbeitern

In einem Artikel für Harper’s Magazine über die Industriearbeiter der Welt (IWW. Industrial Workers of the World) erklärte Robert W. Bruere im Jahr 1918 die wirtschaftlichen Umstände, die Gandy-Tänzer und andere Wanderarbeiter manchmal dazu drangen, dieser Organisation beizutreten:Der Bereichsleiter einer großen Eisenbahnlinie der USA erläuterte mir vor Kurzem seine Rolle, die er nur widerwillig annahm bei der Schaffung der sozial desintegrierten Bedingungen, aus denen die Wanderarbeiter und die rebellische Propaganda des IWW hervorgegangen sind. „Die Männer im Osten", sagte er, „die Männer, die ihr Geld in unsere Straße investiert haben, messen die Effizienz unserer Verwaltung anhand der Geldrendite, am Nettogewinn und an den Dividenden. Viele unserer Aktionäre haben nie das Land gesehen, auf dem unsere Straße gebaut wurde. Sie bekommen ihren Eindruck über das Land und die Menschen nicht durch den Kontakt mit den Männern, sondern durch den unpersönlichen Ticker. Sie beurteilen uns anhand der Börsennotierung und Bilanz. Das Ende vom Lied ist, dass wir die Kosten so weit kürzen müssen wie das Haar eines Knastbruders. Beispiele dafür wären die Pflege von Strecken, zum Beispiel die Instandhaltung von Gleisen und Straßenbetten. Dies sollte eigentlich über die meiste Zeit des Jahres andauern. Um die Kosten jedoch gering zu halten, haben wir alles auf vier Monate verkürzt. Es ist unmöglich, die Anzahl an Männern mit den Fähigkeiten und Kenntnissen zu finden, die wir für diesen viermonatigen Job brauchen. Deshalb veröffentlichen wir Anzeigen, die in etwa so aussehen:Männer gesucht! Hohe Löhne! Dauerbeschäftigung!