Betrieb Betreiber ARTESP Betriebsart Zweirichtungsbetrieb Betriebshöfe 1 Takt in der HVZ 10 min Die Stadtbahn von Baixada Santista (, kurz: VLT da Baixada Santista) ist das Stadtbahnnetz in der Metropolregion Baixada Santista und verbindet die beiden Gemeinden Santos und São Vicente auf der Insel São Vicente.
Die ab April 2015 testweise und abschnittsweise eröffnete Stadtbahn wurde unter Nutzung des Planums einer 11,5 Kilometer langen bisher meterspurigen Eisenbahnstrecke, die bis 1999 von Reise- und bis 2008 noch von Güterzügen genutzt wurde, gebaut. Die Bahnanlagen wurden jedoch regelspurig neugebaut. Das bundesstaatliche Unternehmen EMTU-SP ist für den Betrieb der Stadtbahn verantwortlich, hat diesen jedoch über eine öffentlich-private Partnerschaft an das private Konsortium BR Mobilidade konzessioniert.
Auf der ersten Linie der Stadtbahn, die zwischen São Vicente (Barreiros) und dem Hafen von Santos in Betrieb ist, wurden im Jahr 2024 etwa 8,3 Millionen Passagiere befördert nach 7,4 Millionen im Vorjahr.
Die zweite VLT-Linie verbindet seit Dezember 2025 im Zentrum von Santos die Station Conselheiro Nébias der Linie 1 mit dem historischen Zentrum und Valongo. Die Linie ist 8,0 Kilometer lang und bedient 14 Stationen. Eine dritte Linie wird von der derzeitigen Endstation der Linie 1 Barreiros nach Westen bis Samaritá führen und weitere 7,5 Kilometer und 4 Stationen haben. Darüber hinaus gibt es Pläne für einen Ausbau in die benachbarten Gemeinden Cubatão und Praia Grande.
Liniennetz Seit 2017 besteht das Liniennetz der Stadtbahn Baixada Santista aus einer Linie mit 15 oberirdischen Haltestellen. Die zweite Linie mit 14 Stationen schließt als eingleisige, gegen den Uhrzeigersinn befahrene Ringstrecke an diese Linie an und sollte ursprünglich im ersten Halbjahr 2025 eröffnen, ist jetzt seit Dezember des Jahres unter Verkehr. LinieLinienwegLängeStationen1Barreiros – Mascarenhas de Moraes – São Vicente – Antônio Emmerich – Nossa Senhora das Graças – José Monteiro – Itararé – João Ribeiro – Nossa Senhora de Lourdes – Pinheiro Machado – Bernardino de Campos – Ana Costa – Washington Luís – Conselheiro Nébias – Porto11,5 km152Conselheiro Nébias – Xavier Pinheiro – Universidades I – Mercado – Paquetá – Poupatempo – Mauá – São Bento – Valongo – José Bonifácio – Bittencourt – Campos Salles – Universidades II – Carvalho de Mendonça – Tamandaré – Conselheiro Nébias8,0 km14
Betrieb
Haltestellen mini|Typische Haltestelle der Stadtbahn Baixada Santista: Alle Stationen sind überdacht und besitzen seit 2017 Bahnsteigtüren Die Fahrzeuge der Stadtbahn halten an Stationen mit Mittelbahnsteigen, die komplett überdacht sind und über Zugangssperren zum Betreten und Verlassen verfügen. Alle Haltestellen sind über Rampen barrierefrei erreichbar.
Ab 2017 ließ die EMTU-SP an allen Stationen Bahnsteigtüren, die sich nach Halt eines Triebwagens öffnen, installieren. Die Kosten beliefen sich dafür auf 40 Millionen Real, umgerechnet knapp 12 Millionen Euro. Die Bahnsteigtüren soll nicht nur die Sicherheit für die Fahrgäste erhöhen, sondern auch zu einer besseren Klimatisierung der Haltestellen beitragen, die Nutzung der Stadtbahn durch nicht zahlende Fahrgäste verhindern und die Vermüllung der Gleise verringern.
Fahrplan Die Züge des Stadtbahnsystems fahren täglich zwischen 5:30 und 23:30 Uhr im Zehnminutentakt.
Züge mini|Für das Stadtbahnsystem lieferte das Konsortium aus T'Trans und Vossloh 22 Fahrzeuge des Typs Vossloh Tramlink V4 mini|Innenraum des Fahrzeugtyps Vossloh Tramlink V4 Für das Stadtbahnsystem bestellte der Betreiber 2012 bei Tremvia, einem Konsortium aus TTrans und Vossloh Kiepe, 22 siebenteilige, mehrfachtraktionsfähige Zweirichtungszüge in Niederflurbauweise des Typs Tramlink V4. Die Züge sind 43,7 Meter lang, 2,65 Meter breit und 3,56 Meter hoch und besitzen pro Seite sechs Doppeltüren und eine Einfachtür. Die Fahrzeuge entwickeln eine Dauerleistung von 4 × 105 kW, sie sind für eine Geschwindigkeit von 70 km/h zugelassen.
Die Züge besitzen klassische Stromabnehmer auf dem Dach und beziehen den Fahrstrom größtenteils über Oberleitungen. Für den Betrieb auf einem fahrleitungslosen Abschnitt im Stadtzentrum von Santos sind sie zusätzlich mit Akkumulatoren ausgerüstet. Ein Zug kann bis zu 400 Fahrgäste aufnehmen.
Die Züge wurden komplett bei Stadler Rail Valencia (bis 2015 Vossloh) produziert und per Schiff nach Santos geliefert. Die letzten zwei der 22 bestellten Züge erreichten Santos im März 2018. Alle Wagen sind im Betriebshof Pátio Porto beheimatet. Die Fahrzeuge sind in den Farben weiß, rot und blau lackiert – inspiriert von den Farben der Flagge des Bundesstaates von São Paulo.
Fahrkarten mini|Guthabenkarte des Betreibers BR Mobilidade Einzelfahrausweise (Cartão Unitário) für die Nutzung der Stadtbahn können in akkreditierten Geschäften, Kiosken sowie an allen Haltestellen erworben werden. Alle Haltestellen verfügen über Zugangssperren (Drehkreuze), für deren Freigabe der Einzelfahrausweis eingesteckt werden muss. Des Weiteren gibt es persönliche Guthabenkarten unter dem Namen „Cartão BRCard“, auf die mehrere (mindestens aber zwei) Fahrten aufgeladen werden können. Seit Juni 2016 können mit der Guthabenkarte zudem kostenfrei Zugangs- und Anschlussbusse des Betreibers EMTU-SP/BR Mobilidade genutzt werden. Ziel des Betreibers soll es sein, eine Art Verkehrsverbund in der Region einzurichten. Zudem gibt es Sonderfahrkarten für Fahrgäste über 60 Jahre, Fahrgäste mit eingeschränkter Mobilität, sowie Fahrkarten für Schülerinnen und Schüler. Im Jahr 2025 wurden die Fahrpreise inflationsbedingt von 5,15 auf 5,35 Real, umgerechnet rund 0,83 Euro, für eine Einzelfahrt sowie 5,75 Real als Kombiticket mit Busfahrt erhöht.
Betreiber Eigentümer des Stadtbahnnetzes ist der brasilianische Bundesstaat São Paulo. Das Netz wurde vom staatlichen Verkehrsunternehmen Empresa Metropolitana de Transportes Urbanos de São Paulo (EMTU-SP) betrieben, das unter anderem auch für den Betrieb zahlreicher Buslinien, der Metro sowie der Vorortbahnen (CPTM) von São Paulo zuständig war. Der Betrieb als solcher ist an das private Konsortium BR Mobilidade, bestehend aus den Unternehmen Viação Piracicabana S/A und Comporte Participações S.A., über eine öffentlich-private Partnerschaft konzessioniert. EMTU-SP ging im März 2025 in die Liquidation, die Infrastruktur und der Fuhrpark wurden an die Agência Reguladora de Serviços Públicos Delegados de Transporte do Estado de São Paulo (ARTESP) übertragen, die Betriebskonzession von BR Mobilidade ist davon vorerst unberührt.
Geschichte Vorbereitungen In den 2000er Jahren begann die Regierung des Bundesstaates von São Paulo, Pläne für einen besseren Nahverkehr auf der dicht besiedelten Insel São Vicente mit den beiden Gemeinden Santos und São Vicente zu entwickeln. Zwischen 1990 und 1999 bot das bundesstaatliche Unternehmen Ferrovia Paulista SA (kurz „Fepasa“) bereits eine Art Vorortzugverkehr auf einer Eisenbahnstrecke auf der Insel an. Im Zuge der gesamten Privatisierung der staatlichen brasilianischen Eisenbahnunternehmen in den 1990er Jahren wurde der Betrieb jedoch eingestellt. Es bot sich an, die bereits vorhandene Gleistrasse für ein modernes Schienenverkehrsmittel zu nutzen.
Nach Jahren der Planungen begannen 2012 die Vorbereitungen für den Bau des neuen Stadtbahnnetzes – dem ersten modernen Stadtbahnnetz Brasiliens. Das Parlament des Bundesstaates, die Assembleia Legislativa de São Paulo, hatte das Vorhaben beschlossen und die Regierung ermächtigt, eine Finanzierung über Kredite der Bundesregierung Brasiliens in Höhe von 400 Millionen Reais in Anspruch zu nehmen. Der erste Spatenstich der Bauarbeiten erfolgte am 29. Mai 2013 in Anwesenheit des Gouverneurs des Bundesstaates, Geraldo Alckmin, sowie des Vorsitzenden des Parlaments von São Paulo, Samuel Moreira.
Probebetrieb mini|Gouverneur Geraldo Alckmin und Santos Bürgermeister Paulo Alexandre Barbosa bei einer Teileröffnung am 31. Januar 2017 Am 22. Mai 2014 erreichte der erste von Vossloh in Valencia produzierte Zug des Typs Tramlink V4 den Hafen von Santos. Am 6. Juni 2014 eröffnete Gouverneur Geraldo Alckmin die ersten fünf Haltestellen der Stadtbahn (Mascarenhas de Moraes, São Vicente, Antônio Emmerich, Nossa Senhora das Graças, José Monteiro), obwohl der Betrieb noch gar nicht beginnen konnte.
Am 30. August 2014 begannen die ersten Testfahrten ohne Fahrgäste auf einem einen Kilometer langen Stück der bereits fertiggestellten Strecke zwischen den Haltestellen Nossa Senhora das Graças und José Monteiro. Am 18. November 2014 begann der Probebetrieb mit ausgewählten Fahrgästen zwischen den Haltestellen Antônio Emmerich und Mascarenhas de Moraes.
Am 27. April 2015 nahm der Betreiber BR Mobilidade einen zunächst für die Öffentlichkeit freigegebenen, kostenfreien, aber noch zeitlich eingeschränkten Fahrgastbetrieb auf: Zwischen den Haltestellen Mascarenhas de Moraes und João Ribeiro fuhren zwischen 13 und 16 Uhr zwei Fahrzeuge mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von etwa 20 km/h.
Vollständige Eröffnung mini|Übergabe der letzten zwei Triebwagen im Februar 2018 Am 31. Januar 2016 – gut eineinhalb Jahren nach der ersten Fahrt im Testbetriebs – begann der Betreiber BR Mobilidade mit dem kommerziellen Vollbetrieb der Stadtbahn Baixada Santista zu einem Einzelfahrpreis von 3,80 Real. Vorerst fuhren die Züge zunächst nur zwischen 9:00 und 16:00 Uhr, ab dem 10. April erweiterte die BR Mobilidade die Fahrpläne auf 7:00 bis 19:00 Uhr. Ab dem 5. März 2017 fuhr die Stadtbahn ab 5:30 bis 20:00 Uhr und erst seit April 2018 wird der heutige Fahrplan von 5:30 bis 23:30 Uhr gefahren.
Neben der schrittweisen Ausweitung des Fahrplans wurden auch die Strecke der Stadtbahn verlängert, sodass die erste Bauphase seit 2017 komplett abgeschlossen ist. Am 28. Dezember 2016 folgte die Erweiterung um eine Haltestelle von Pinheiro Machado nach Bernardino de Campos und am 31. Januar 2017 die Verlängerungen von Bernadino de Campos nach Porto sowie von Mascarenhas de Moraes nach Barreiros. Am 12. Februar 2017 wurde nachträglich die Haltestelle Conselheiro Nébias eröffnet. Unabhängig von der Strecke, die durchweg einen eigenen separaten Gleiskörper besitzt, verläuft auf den meisten Streckenabschnitten ein Fahrradweg parallel neben den Gleisen. An der Endhaltestelle Barreiros wurde ein Fahrradparkhaus für bis zu 80 Fahrräder errichtet.
Am 15. Juni 2016 eröffnete der Betreiber BR Mobilidade die Betriebsleitzentrale (Centro de Controle Operacional) beim Betriebshof Pátio Porto. Der Betriebshof, in dem alle Wartungsarbeiten an den Wagen ausgeführt werden, verfügt über eine Kapazität von bis zu 33 Fahrzeugen.
Ausbau ins Stadtzentrum von Santos Die erste Strecke der Stadtbahn Baixada Santista dient vor allem als Verbindung zwischen den Gemeinden Santos und São Vicente. Um auch das Stadtzentrum von Santos besser zu erschließen, entstanden bereits beim Bau der ersten Strecke Pläne für eine Erschließung des Zentrums und des benachbarten Stadtteils Valongo.
Die dem deutschen Planfeststellungsverfahren vergleichbare Planung begann im Mai 2018 im Auftrag der Regierung des Bundesstaates von São Paulo und des Betreibers Empresa Metropolitana de Transportes Urbanos de São Paulo. Die neue Strecke führt von der bereits bestehenden Haltestelle Conselheiro Nébias als eingleisige gegen den Uhrzeigersinn befahrene Ringstrecke durch das Zentrum und umfasst 14 Haltestellen. Neben dem Stadtzentrum von Santos werden auch die Universitätsgebäude der Universidade Católica de Santos und der Universidade Federal de São Paulo (Unifesp), die städtische Markthalle, der überregionale Autobusbahnhof Valongo sowie der Krankenhauskomplex Dos Estivadores angeschlossen.