mini|hochkant|Hugo Bamberger, 1940er Jahre Hugo Bamberger (geboren am 12. August 1887 in Lichtenfels, Oberfranken, Königreich Bayern; gestorben am 31. Dezember 1949 in New York City) war ein deutsch-amerikanischer Chemiker, Unternehmer und Firmengründer.Bamberger, Hugo. In: Deutsche Nationalbibliothek, auf: d-nb.info
Familie mini|hochkant|Von links: Ludwig, Otto, Hugo und Anton Bamberger, um 1910 mini|hochkant|Hugo Bambergers Eltern Philipp Bamberger und Sarah „Serry“ Bamberger, geborene Ullmann, um 1916 Er war der dritte Sohn des aus dem oberfränkischen Mitwitz stammenden Kaufmanns und Unternehmers Philipp Bamberger (1858–1919)Ramona Popp: Geschichtsträchtiges Haus wird Hort, 29. März 2019, auf: infranken.de [Der Artikel erwähnt die Profiteure und Nachnutzer des Anwesens ab 1939 nicht (Striwa-Mitinhaber Conrad Wagner mit Ehefrau Grete und Sohn Siegfried), enthält trotz zugrunde liegender Zuarbeit des Stadtarchivs Lichtenfels sachliche Ungenauigkeiten und Unschärfen sowie hinsichtlich des Verbleibs der Kunstsammlung Otto Bambergers eine gravierende Falschaussage.]Dr. Herbert Loebl OBE: The Holocaust – 1800 Years in the Making. Exemplified since ca. 1030 by the Experience of the Jewish Community of Bamberg in Franconia. A course of 9 lectures. Department of Religious Studies, University of Newcastle upon Tyne, Winter Term 1989. Selbstverlag, Newcastle upon Tyne 1989, . Darin nicht enthalten: Chapter IV The Bamberger Families of Burgkunstadt and Mitwitz, unvollendet, unveröffentlicht, S. 55. und dessen aus Feuchtwangen stammender Ehefrau Sarah „Serry“ Ullmann (1862–1925).Philipp Bamberger wurde am 11. März 1858 in Mitwitz geboren und ist am 21. September 1919 in Lichtenfels verstorben, wo er auch beigesetzt wurde. Seine Ehefrau Sarah „Serry“ Ullmann wurde am 17. Mai 1862 in Feuchtwangen geboren und ist am 9. Februar 1925 durch Suizid aus dem Leben geschieden. Zitiert nach: Stammbaum der Familie Anton Bamberger, undatiert [ca. 1933]. In: Gerald F. Bamberger: The Story of My Life – A Memoir, Juli 2010. Seine beiden älteren Brüder waren der Kaufmann und Unternehmer Otto Bamberger (1885–1933) sowie der Kaufmann und Unternehmer Anton Bamberger (1886–1950)Anton Bamberger (geboren am 4. April 1886 in Mitwitz, Oberfranken; gestorben am 28. Dezember 1950 in New York City) war der letzte Bürger jüdischer Herkunft, der in Mitwitz geboren wurde, wie sein älterer Bruder Otto in Haus Nr. 23 (heute: Kronacher Straße 10)., sein jüngerer Bruder war der Kaufmann und Unternehmer Ludwig Bamberger (1893–1964).
Hugo Bamberger wuchs in seiner Geburtsstadt Lichtenfels auf, auch in direkter Nachbarschaft mit seinem Cousin Alfred David (1890–1956), dem Sohn seines Onkels Fritz (1862–1942). Etwa in der Zeit kurz vor seiner Geburt war seine Familie aufgrund der Verlagerung ihres Familienunternehmens D. Bamberger dorthin umgezogen. Sein Großvater David Bamberger (1811–1890), der Gründer dieses Unternehmens, zog per 1. Juli 1887 nach Lichtenfels. Seine Familie war jüdischer Abstammung, jedoch säkular orientiert.
Hugo Bamberger heiratete 1923 Margarete „Gretel“ (geboren am 21. Februar 1902 in Nürnberg; gestorben am 7. Februar 1991 in New York City), geborene Schwarzhaupt. Diese war Tochter des Kaufmanns Joseph Schwarzhaupt (geboren am 30. November 1869 in Regensburg; gestorben am 30. Oktober 1940 in Nottinghamshire, England) und dessen Ehefrau Emma Mayer (geboren am 10. Januar 1878 in Frankfurt am Main, Deutsches Reich; gestorben am 5. Dezember 1955 in New York City, USA). Joseph Schwarzhaupt war Mitinhaber einer fränkisch-bayerischen Filialkette,Siegel-Reklamemarken der Firma Emanuel Schwarzhaupt, auf: jmberlin.deModewarenhaus Emanuel Schwarzhaupt in Regensburg, auf: alemannia-judaica.de die beispielsweise in Nürnberg, Regensburg und Straubing renommierte Bekleidungskaufhäuser unter dem Namen von deren Gründer als Modewarenhaus Emanuel Schwarzhaupt betrieb.Vom Watmarkt nach Buenos Aires: 1938 ins Exil, auf: ihk-regensburg.deProf. Dr. Margarete Wagner-Braun: Jüdische Unternehmer – Religiöse Minderheit aber wirtschaftliche Elite im Regensburg des 19. Jahrhunderts. In: Markus A. Denzel, Matthias Asche, Matthias Stickler (Hrsg.): Religiöse und konfessionelle Minderheiten als wirtschaftliche und geistige Eliten. (= Büdinger Forschungen zur Sozialgeschichte 2006 und 2007) Scripta Mercaturae, St. Katharinen 2009, S. 371–409, auf: uni-bamberg.deEmanuel Schwarzhaupt, Damenkonfektion, Regensburg, Posthorngäßchen, Watmarkt 1. Zitiert nach: Siegfried Wittmer: Regensburger Juden – Jüdisches Leben von 1519 bis 1990. (= Regensburger Studien und Quellen zur Kulturgeschichte, Band 6) Universitätsverlag Regensburg, Regensburg 1996, ISBN 3-9304-8010-7, S. 192, 225, 239.Vereinigte Kaufhaus AG Emanuel Schwarzhaupt. Zitiert nach: Klaus Hofmann: Die Verdrängung der Juden aus öffentlichem Dienst und selbständigen Berufen in Regensburg 1933–1939. Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-6314-5547-X, S. 193. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor, Susanne „Suse“ Helene (* 14. Mai 1925 in Hannover, später verheiratete Loebl) und Gabriele „Gabi“ Erika (* 27. Mai 1930 in Hannover, später verheiratete Lewinson), beide geboren in Hannover.Gabriele „Gabi“ Bamberger wurde 1930 in Hannover geboren. Als 8-Jährige begleitete sie ihre Familie 1938 in die Emigration nach Belgien und sah ihren Vater nach dessen Deportation in ein Internierungslager und seine Emigration 1946 in den USA wieder. Dort studierte sie nach ihrem Schulabschluss an der Forest Hills High School, studierte am Queens College der City University of New York, wo sie 1950 graduierte, promovierte 1955 in französischer Literatur an der Yale University zum Ph.D. (Philosophiae Doctor) und lehrte dort bis 1957. Danach heiratete sie Victor B. Levinson (* 1929) und widmete sich ihrer eigenen Familie. Das Paar bekam vier Kinder. Zitiert nach: Claude P. Bamberger: History of a Family – The Bambergers of Mitwitz and Lichtenfels 1770–1992. Selbstverlag, Tenafly, New Jersey, USA, 1993, S. 55; Zitiert nach: Suzanne Loebl: At the Mercy of Strangers. Pacifica Press, Pacifica, CA, USA, ISBN 0-935553-23-1, S. 163.Susanne „Suse“ Helene Bamberger wurde am 14. Mai 1925 in Hannover geboren. Sie folgte ihrem 1937 emigrierten Vater 1938 zusammen mit dem Rest der Familie nach Belgien und studierte dort Chemie. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht wurde ihr Vater 1940 in das südfranzösische Internierungslager Saint-Cyprien (Pyrénées-Orientales) deportiert. Als dieser im April 1941 sein beantragtes Visum für die Vereinigten Staaten erhielt, durfte er das Internierungslager verlassen und emigrierte einen Monat später in die USA. Susanne musste wie ihre Schwester Gabriele und ihre Mutter in den Untergrund gehen, um einer Deportation zu entgehen. Sie arbeitete als Hausmädchen für belgische Familien, die ihr statt einer finanziellen Entlohnung eine (illegale) Unterkunft anboten. 1946 konnte sie mit ihrer Schwester und ihrer Mutter dem Vater in die USA folgen. Der Unternehmer, der an der Chemischen Fabrik Lehrte (CFL) beteiligt war und in Belgien die kleine pharmazeutische Fabrik La Synthèse betrieben hatte, war mittellos in den USA eingetroffen. Dort gelang es ihm innerhalb von drei Jahren, erneut ein chemisch-pharmazeutisches Unternehmen, die Chemo Puro Mfg. Corp., auf Long Island im Bundesstaat New York aufzubauen. Susanne arbeitete in diesem Labor mit. Sie wurde später unter dem Namen Suzanne Loebl Autorin und gab mehrere pharmakologische Werke heraus, darunter eines für Krankenschwestern, das über Jahrzehnte zu einem Standardwerk für diese Berufsgruppe geriet (The Nurse’s Drug Handbook), über Viren und AIDS/HIV, aber auch historische und teils autobiographische Werke über das Leben in der Illegalität während des Holocaust oder über die Familie Rockefeller sowie Kinder- und Jugendbücher. Zitiert nach: Dr. Herbert Loebl OBE: The Holocaust – 1800 Years in the Making. Exemplified since ca. 1030 by the Experience of the Jewish Community of Bamberg in Franconia. A course of 9 lectures. Department of Religious Studies, University of Newcastle upon Tyne, Winter Term 1989. Selbstverlag, Newcastle upon Tyne 1989, . Darin nicht enthalten: Chapter IV The Bamberger Families of Burgkunstadt and Mitwitz, unvollendet, unveröffentlicht, S. 60; Zitiert nach: Claude P. Bamberger: History of a Family – The Bambergers of Mitwitz and Lichtenfels 1770–1992. Selbstverlag, Tenafly, New Jersey, USA, 1993, S. 54, 55; Zitiert nach: worldcat.org.
Schule, Ausbildung und Studium mini|hochkant|Das humanistische Gymnasium Casimirianum in Coburg Hugo Bamberger besuchte in seinem Heimatort Lichtenfels die Bürgerschule und anschließend das humanistische Gymnasium in Coburg. Nach bestandener Reifeprüfung 1906 erlernte er den Beruf eines Apothekers und bestand im Jahr 1909 das pharmazeutische Vorexamen. Zum Sommersemester 1910 immatrikulierte er sich an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg und studierte dort Pharmazie und Chemie. Im Sommersemester 1912 bestand er die pharmazeutische Staatsprüfung, zum Ende des Wintersemesters 1912/13 das chemische Verbandsexamen. Im Sommersemester 1913 immatrikulierte er sich an der Universität Zürich, wo er im Wintersemester 1913/14 mit seiner Inauguraldissertation begann. Im August 1914 wurden sowohl er als auch sein Doktorvater, der Privatdozent Gustav Jantsch,Professor Dr. Gustav Jantsch wurde nach der Okkupation Österreichs durch die deutsche Wehrmacht am 21. April 1938 an der Technischen Hochschule in Graz im Fachbereich Chemie aus politischen Gründen beurlaubt, später inhaftiert und zwangsweise in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. BArch, R 4901/13193, Abschrift des Erlasses 12477 – I/1 des Unterrichtsministers Menghin vom 21. April 1938. Zitiert nach: Hans-Peter Weingand: „[…] in möglichst beschleunigtem Tempo und mit einem Schlag.“ – Die Säuberungen 1938/39 am Beispiel der Grazer Hochschulen. In: Johannes Koll (Hrsg.): „Säuberungen“ an österreichischen Hochschulen 1934–1945: Voraussetzungen, Prozesse, Folgen. Böhlau Verlag, Wien 2017, ISBN 978-3-2052-0336-0, S. 360. zum Kriegsdienst einberufen.
Zum Ende des Sommersemesters 1919 konnte er die Arbeit an seiner Dissertation wieder aufnehmen, nun bei Paul Karrer, der 1937 zusammen mit Walter Norman Haworth den Nobelpreis für Chemie erhielt.Jane A. Miller: Paul Karrer 1889–1971. In: James K. Laylin: Nobel Laureates in Chemistry 1901–1992. Chemical Heritage Foundation, 1993, ISBN 0-8412-2690-3, S. 242–247. Nach dem Ende des Krieges ergaben sich jedoch bei der Beschaffung der notwendigen chemischen Substanzen Probleme, weshalb Hugo Bamberger auf Zirkontetrachlorid ausweichen musste.Lebenslauf. In: Hugo Bamberger: Über Additions-, Substitutions- und Halochromieerscheinungen in der organischen Chemie. Inauguraldissertation, Universität Zürich, 1921. Mit der Promotion zum Thema Über Additions-, Substitutions- und Halochromieerscheinungen in der organischen Chemie schloss er sein Studium als Doctor rerum naturalium (Dr. rer. nat.) ab.Hugo Bamberger: Über Additions-, Substitutions- und Halochromieerscheinungen in der organischen Chemie, auf: hathitrust.org Seine Dissertation wurde im selben Jahr in der Hausdruckerei des Hannoveraner Unternehmens Jakobowitz & Co., G.m.b.H., dessen Mitinhaber sein älterer Bruder Anton war, gedruckt.Hugo Bamberger: Über Additions-, Substitutions- und Halochromieerscheinungen in der organischen Chemie, auf: worldcat.org
Erster Weltkrieg mini|hochkant|Otto Bamberger (links) mit Hugo Bamberger, 1915