mini|Mats Staub Mats Staub (* 1972 in Muri bei Bern, Schweiz) ist ein Schweizer Künstler. Er lebt und arbeitet in Berlin sowie an den Entwicklungsorten seiner Langzeitprojekte.

Leben Mats Staub studierte Theaterwissenschaft, Journalistik und Religionswissenschaft in Bern, Fribourg und Berlin. Er arbeitete als Dramaturg am Theater Neumarkt in Zürich (2002–2004), bevor er 2004 begann, seine eigenen Kunstprojekte im Spannungsfeld zwischen Theater und Ausstellung, Wissenschaft, Journalismus und Literatur zu entwickeln.

Mats Staubs Arbeiten befassen sich mit Erinnerung, Lebenserzählung und biographisch einschneidenden Erfahrungen. Sie laden die Teilnehmer ein, von einem bestimmten Punkt aus, über ihr Leben oder ihre Vergangenheit zu reflektieren und diese Reflexionen und Erinnerung mitzuteilen – mal nur mit einer Zahl (Feiertage), mal im Gespräch mit Mats Staub (Meine Grosseltern, 21 – Erinnerungen ans Erwachsenwerden), mal im Dialog mit einem Gegenüber (Death and Birth In My Life), oder auch schriftlich (Zehn wichtigste Lebensereignisse/Diez moments en mi vida).

Seine Arbeit führt Mats Staub für Gespräche und Aufnahmen in die ganze Welt. Für seine Audio-Installation Meine Grosseltern (2008–2013) führte er in vierzehn Städten mit mehr als dreihundert Menschen Gespräche über das, was sie von ihren Großeltern wissen. In der Video-Installation 21 - Erinnerungen ans Erwachsenwerden porträtiert er Menschen unterschiedlicher Generationen, wie sie sich ihre Erlebnisse aus der Zeit vergegenwärtigen, als sie 21 Jahre alt waren. Seine 2012 begonnene Online-Sammlung Zehn wichtigste Ereignisse meines Lebens ist mit rund 3000 Ereignissen abgeschlossen, auch in Buchform erschienen (Salis Verlag, 2014) und im spanischsprachigen Raum als Diez moments en mi vida (2017–2019) weitergeführt worden.

Staub erweitert seine Langzeitprojekte fortlaufend, indem an jedem Ort, an dem ein Projekt gezeigt wird, weitere Listen, Gespräche oder Porträts gesammelt werden. Jedes Projekt ist demnach ein wachsendes Archiv von Gesprächen und Aufzeichnungen aus unterschiedlichen Ländern, in unterschiedlichen Sprachen, oft mehrere Generationen übergreifend.

Staub arbeitet mit verschiedenen Formaten: neben den Audio- und Videoinstallationen mit Online-Sammlungen (Zehn wichtigste Ereignisse meines Lebens), Buchform, site-specific Audiowalks (Bundesplatz und Metzgergasse) und Ausstellungen im öffentlichen Raum (Diez momentos en mi vida).

Seine Arbeiten sind unter anderem am Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt, in der Kaserne Basel, am Theaterhaus Gessnerallee Zurich, im Museum für Kommunikation Bern, dem Theaterformen Festival in Hannover/Braunschweig, den Wiener Festwochen (2006, 2009, 2015), dem Adelaide Festival (2018), der Bienal de Arte Mediales in Santiago de Chile, dem South African International Documentary Festival Encounters in Kapstadt und dem Edinburgh Festival Fringe (2019) zu sehen gewesen.

Arbeiten 5000 Liebesbriefe, 2004–2006 Meine Grosseltern, 2008–2013 Feiertage, 2010–2012 Metzgergasse, 2011–2013 Bundesplatz, 2012 Die Namen der Liebe, 2012 Zehn wichtigste Ereignisse meines Lebens, 2012–2015 Werdegänge (Winterthur), 2013–2017 Mein anderes Leben, Langzeitprojekt seit 2015 Wann hast du aufgehört ein Kind zu sein, 2016 Diez momentos en mi vida, 2017–2019 Artist (Arbeitstitel), 2018 21 – Erinnerungen ans Erwachsenwerden, Langzeitprojekt seit 2012 Death and Birth in My Life, Langzeitprojekt seit 2019

Publikationen Meine Grosseltern. My Grandparents, Edition Patrick Frey, 2010. Hardcover, 192 Seiten, 115 S/W-Abbildungen, 15,7 × 22 cm, ISBN 978-3-905509-94-6. Zehn wichtigste Ereignisse meines Lebens, Salis Verlag, 2014, Broschur, 396 Seiten, 11,5 × 17 cm. Leben – Erzählen – Zeigen. Gedanken zum Umgang mit dem Biographischen im künstlerischen Werk von Mats Staub. In: Krankenhagen, S. & Vahrson, V. (Hg.): „Geschichte kuratieren. Kultur- und kunstwissenschaftliche An-Ordnungen der Vergangenheit“. Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Wien 2017.

Auszeichnungen 2020 Schweizer Theaterpreis

Weblinks Website von Mats Staub Der Zuhörer – er sammelt Geschichten, die ihm wildfremde Menschen erzählen, in: bz Basel, 6. Juni 2019 Talking heads: the Kosovo war, life in the Hitler youth and the trials of turning 21, in: The Guardian, 12. März 2018 The art of human connection, in: CityMag Adelaide, 15. Februar 2018 Coming of Age, in: Passages Nr. 64, Prohelvetia, 2015 In den Kinderschuhen der Grossjährigkeit, in: Der Standard, 18. Mai 2015 Persönliches preisgeben, in: Neue Zürcher Zeitung, 24. März 2014 Warum wir uns erinnern, wenn wir vergessen, in: SRF, Sternstunde Philosophie, 26. Januar 2014 Die Galerie der hörenden Menschen, in: Publik-Forum, 31. Mai 2013 Ich möchte kein Hitparadendenken, Portrait im Tages-Anzeiger, 13. März 2013 Von den Grosseltern zu dir, in: Der Standard, 26. Mai 2009

Einzelnachweise

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