Die Formel-1-Weltmeisterschaft 2020 war die 71. Saison der Formel-1-Weltmeisterschaft. Sie sollte ursprünglich am 15. März im australischen Melbourne beginnen und am 29. November in Abu Dhabi enden. Der Saisonstart wurde jedoch am 13. März aufgrund der COVID-19-Pandemie verschoben und fand am 5. Juli im österreichischen Spielberg statt. Die Saison endete am 13. Dezember auf der Yas-Insel vor Abu Dhabi.

Lewis Hamilton wurde mit Mercedes zum siebten Mal Fahrerweltmeister, als einziger Fahrer nach Michael Schumacher. Mercedes gewann zum siebten Mal in Folge die Konstrukteursweltmeisterschaft. Teamkollege Valtteri Bottas wurde zum zweiten Mal in Folge Vizeweltmeister.

Änderungen 2020 Strecken Im ursprünglich vorgesehenen Kalender für 2020 kam es im Vergleich zur Vorsaison zu drei wesentlichen Veränderungen: Hinzu kamen der Große Preis von Vietnam auf dem Hanoi Street Circuit als neues Rennen, sowie der Große Preis der Niederlande auf dem Circuit Park Zandvoort, welcher erstmals seit 1985 wieder ausgetragen werden sollte. Der Große Preis von Deutschland, welcher zuletzt auf dem Hockenheimring ausgetragen wurde, war in der Saison 2020 hingegen nicht mehr vorgesehen.

Aufgrund der COVID-19-Pandemie wurden im Laufe des Jahres zahlreiche Grands Prix verschoben oder abgesagt, wovon auch die beiden hinzugekommenen Rennen betroffen waren. Insgesamt kam es im Vergleich zum ursprünglich vorgesehenen Kalender zu starken Veränderungen, womit erstmals in der Geschichte der Formel-1-Weltmeisterschaft innerhalb einer Saison zwei Rennen auf derselben Rennstrecke vorgesehen waren.

Technisches Reglement Um das Risiko von Reifenschäden bei Kontakt mit einem vorausfahrenden Fahrzeug zu reduzieren, dürfen nun auf den ersten fünf Zentimetern der Frontflügelendplatten keine Metallteile mehr vorhanden sein. Ferner dürfen die Bremsbelüftungen nicht mehr hinzugekauft werden, sondern müssen von den Teams selbst entwickelt werden.

Die Menge an Kraftstoff, die sich außerhalb des Kraftstofftanks befinden darf, wurde von zwei Litern auf 250 Milliliter reduziert.

Sportliches Reglement Aufgrund des erweiterten Rennkalenders dürfen pro Fahrer in der gesamten Saison nun drei statt zwei Exemplare der MGU-K verwendet werden.

Ebenfalls aufgrund des erweiterten Rennkalenders wurden die Testfahrten weiter eingeschränkt: Die beiden Vorsaisontests auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya wurden von je vier auf je drei Tage gekürzt, die Testfahrten während der Saison mit Ausnahme von Reifentests für zukünftige Saisons abgeschafft. Die Testfahrten nach der Saison bleiben bestehen, allerdings muss dabei von jedem teilnehmenden Team an mindestens einem Tag ein Fahrer eingesetzt werden, der zu diesem Zeitpunkt höchstens zwei Rennen in der Formel-1-Weltmeisterschaft bestritten hat. Ferner ist es den Teams während der Testfahrten fortan untersagt, die Sicht auf die Fahrzeuge zu verdecken. Die Sperrstunde, d. h. die Zeit, während der am Rennwochenende nachts an den Fahrzeugen nicht gearbeitet werden darf, wurde von acht auf neun Stunden erweitert.

Im Falle von Verstößen beim Wiegen der Fahrzeuge sowie bei Frühstarts wird den Rennkommissaren mehr Spielraum bei der Sanktionierung eingeräumt. Bislang war es so, dass ein Fahrer das Rennen aus der Boxengasse starten musste, sollte er im freien Training eine Aufforderung zum Wiegen ignoriert haben, für einen Frühstart wurde der betreffende Fahrer bisher entweder mit einer Durchfahrtsstrafe oder einer Zehn-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe belegt.

Fahrer, die an freien Trainingseinheiten teilnehmen, haben Anspruch auf zusätzliche FIA-Superlizenzpunkte. Jeder Fahrer, der während eines freien Trainings mindestens 100 km zurücklegt, erhält einen zusätzlichen Superlizenzpunkt, sofern er keine Strafpunkte hat. Fahrer können maximal zehn Superlizenzpunkte pro Jahr aus freien Trainingseinheiten sammeln.

Reifen Einheitslieferant Pirelli hatte für die Formel-1-Weltmeisterschaft 2020 neue Reifen konstruiert. Die Teams entschieden nach ersten Testfahrten der neuen Reifen Ende 2019 jedoch einstimmig, auf die Neukonstruktionen zu verzichten und erneut die Spezifikation der Vorsaison einzusetzen.

Teams Die Scuderia Toro Rosso nahm ab 2020 unter dem Namen Scuderia AlphaTauri an der Formel-1-Weltmeisterschaft teil. Der neue Name leitet sich ab von der gleichnamigen Bekleidungsmarke des Red-Bull-Konzerns, in dessen Besitz sich das Team weiterhin befindet.

Fahrer Esteban Ocon, 2019 Ersatzfahrer für Mercedes, wechselte zu Renault, wo er Nico Hülkenberg ersetzte. Robert Kubica verließ Williams nach nur einer Saison. Er wurde von Alfa Romeo Racing als Test- und Ersatzfahrer unter Vertrag genommen und startete zudem in der DTM für ART Grand Prix. Kubicas Nachfolger bei Williams wurde der bisherige Test- und Ersatzfahrer Nicholas Latifi, der in der Formel-1-Weltmeisterschaft debütierte.

Im Vorfeld des Großen Preises von Großbritannien wurde Sergio Pérez positiv auf das Virus SARS-CoV-2 getestet. Somit durfte er nicht an diesem und am folgenden Grand Prix teilnehmen. Das Team verpflichtete Hülkenberg als kurzfristigen Ersatz. Im darauffolgenden Großen Preis des 70-jährigen Jubiläums fuhr Hülkenberg ebenfalls. Beim Großen Preis der Eifel ersetzte Hülkenberg kurzfristig den an SARS-CoV-2 positiv getesteten Lance Stroll.

Da sich Romain Grosjean bei einem Unfall während des Großen Preises von Bahrain verletzte, wurde er bei den letzten beiden Rennen in Sachir und Abu Dhabi durch Reservefahrer Pietro Fittipaldi ersetzt. Auch der seit dem Großen Preis der Türkei als Weltmeister feststehende Lewis Hamilton konnte in Sachir nicht teilnehmen, da er kurz zuvor positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde. Hamilton wurde durch den Williams-Stammpiloten George Russell vertreten, Russells Platz bei Williams nahm der dortige Ersatzfahrer Jack Aitken ein.

Teams und Fahrer In der Übersicht werden alle Fahrer aufgeführt, die in der Saison 2020 mit einem Rennstall einen Vertrag als Stamm-, Test- oder Ersatzfahrer hatten. Die Teams sind nach der Konstrukteursweltmeisterschaft des Vorjahres geordnet.

Bild Team Chassis Motor Reifen Nr. Stammfahrer Rennen Test-/Ersatzfahrer 130px|Mercedes-AMG F1 W11 EQ Performance Mercedes-AMG F1 W11 EQ Performance Mercedes-AMG F1 M11 EQ Performance 44 1–15, 17 77 1–17 63 16 130px|Ferrari SF1000 Ferrari SF1000 Ferrari 065 5 1–17 16 1–17 130px|Red Bull Racing RB16 Red Bull Racing RB16 Honda RA620H 23 1–17 33 1–17 130px|McLaren MCL35 McLaren MCL35 Renault E-Tech 20 4 1–17 55 1–17 130px|Renault R.S.20 Renault R.S.20 Renault E-Tech 20 3 1–17 31 1–17 130px|AlphaTauri AT01 AlphaTauri AT01 Honda RA620H 10 1–17 26 1–17 130px|Racing Point RP20 Racing Point RP20 BWT MercedesBWT übernimmt bei Racing Point das Namenssponsoring für die Mercedes-Motoren, die in den Meldelisten deshalb als BWT Mercedes geführt werden. Die Motoren sind trotz des anderen Namens baugleich mit jenen, die beim Mercedes-Werksteam und bei Williams eingesetzt werden. 11 1–3, 6–17 18 1–10, 12–17 27 4, 5, 11 130px|Alfa Romeo Racing C39 Alfa Romeo Racing C39 Ferrari 065 7 1–17 99 1–17 130px|Haas VF-20 Haas VF-20 Ferrari 065 8 1–15 20 1–17 51 16–17 130px|Williams FW43 Williams FW43 Mercedes-AMG F1 M11 EQ Performance 63 1–15, 17 6 1–17 89 16 Anmerkungen

Saisonvorbereitung 19.–21. Februar: Circuit de Barcelona-Catalunya Die erste Testwoche fand vom 19. bis zum 21. Februar auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya in Spanien statt. Die Testfahrten bestanden aus zwei täglichen Einheiten zu je vier Stunden, dazwischen gab es eine Mittagspause von einer Stunde. Aus Kostengründen durfte jedes Team nur ein Fahrzeug einsetzen, am Steuer durften sich jedoch mehrere Fahrer abwechseln.

Alle zehn neuen Wagen gaben bei diesem Test ihr Streckendebüt. Beim Testauftakt am 19. Februar war Lewis Hamilton im Mercedes mit einer Rundenzeit von 1:16,976 Minuten Schnellster vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas, mit dem er sich am Steuer abwechselte. Dritter war Sergio Pérez im Racing Point. Max Verstappen im Red Bull legte mit 168 Runden die größte Distanz zurück, gefolgt von Carlos Sainz jr. im McLaren mit 161 Runden und Charles Leclerc im Ferrari mit 132 Runden. Die beiden Mercedes-Fahrer fuhren gemeinsam 173 Runden, Mercedes war somit das Team mit der größten Distanz. Die geringste Distanz legte Lance Stroll mit lediglich 52 Runden zurück. Das Team mit den wenigsten zurückgelegten Runden war Haas, Kevin Magnussen legte über den gesamten Tag 106 Runden zurück.

Am 20. Februar war Kimi Räikkönen im Alfa Romeo mit einer Rundenzeit von 1:17,091 Minuten Schnellster vor Pérez und Daniel Ricciardo im Renault. Romain Grosjean legte mit 158 Runden die größte Distanz zurück, vor Pierre Gasly im AlphaTauri und Pérez. Mercedes war mit 183 Runden erneut das Team mit der größten Distanz, hier hatten sich wieder beide Stammpiloten abgewechselt.

Am 21. Februar fuhr Bottas in 1:15,732 Minuten die Bestzeit vor Hamilton und Ocon. Mit 152 Runden fuhr Antonio Giovinazzi die größte Distanz, gefolgt von Stroll und Sebastian Vettel. Red Bull und Renault waren mit jeweils 169 Runden die Teams mit der größten Distanz. Haas fuhr mit 52 Runden erneut am wenigsten, Magnussen verunfallte am Nachmittag nach nur vier Runden infolge eines Reifenschadens.

26.–28. Februar: Circuit de Barcelona-Catalunya Die zweite Testwoche fand vom 26. bis zum 28. Februar erneut auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya statt.

Am 26. Februar war Robert Kubica mit einer Rundenzeit von 1:16,942 Minuten Schnellster vor Verstappen und Pérez. Romain Grosjean fuhr mit 107 Runden die größte Distanz vor Bottas und Hamilton. Mercedes war somit das Team mit den meisten gefahrenen Kilometern, beide Fahrer zusammen kamen auf 179 Runden. Gasly fuhr mit 25 Runden die geringste Distanz. Da auch sein Teamkollege nur wenige Runden fuhr, war AlphaTauri das Team mit den wenigsten Runden.

Am 27. Februar fuhr Vettel mit einer Zeit von 1:16,841 Minuten die schnellste Runde des Tages, gefolgt von Gasly und Stroll. Nicholas Latifi legte im Williams mit 158 Runden die längste Strecke zurück, womit Williams die meisten Runden an diesem Tag fuhr. Es folgten Vettel und Gasly. Die geringste Distanz legte Lewis Hamilton mit nur 14 Runden zurück, da er aufgrund eines Problems mit dem Öldruck auf der Strecke stehenblieb. Dadurch war Mercedes das Team mit den wenigsten zurückgelegten Kilometern, Hamilton und Bottas fuhren zusammen 61 Runden.

Testergebnisse Pos. Fahrer Konstrukteur Beste Runde Tag 1 Tag 2 Tag 3 Tag 4 Tag 5 Tag 6 Runden 1 1:15,732 1:17,313 1:19,307 1:15,732 1:18,100 1:17,985 1:16,196 435 2 1:16,269 1:17,516 — 1:17,636 1:17,347 1:17,738 1:16,269 413 3 1:16,276 1:17,873 1:17,749 1:17,574 1:18,214 1:18,395 1:16,276 365 4 1:16,360 1:18,289 1:18,335 — 1:18,244 — 1:16,360 437 5 1:16,410 1:16,976 1:18,387 1:16,516 1:17,562 1:22,425 1:16,410 466 6 1:16,433 1:18,004 1:18,557 1:17,102 1:21,542 1:18,013 1:16,433 372 7 1:16,634 1:17,375 1:17,347 — 1:17,428 — 1:16,634 440 8 1:16,820 1:17,842 — 1:18,274 1:18,221 — 1:16,820 442 9 1:16,841 — 1:18,154 1:18,384 1:18,113 1:16,841 — 401 10 1:16,871 1:18,168 1:18,266 — 1:18,535 — 1:16,871 391 11 1:16,914 1:17,698 — 1:17,427 1:17,456 — 1:16,914 395 12 1:16,942 1:18,386 — — 1:16,942 — — 112 13 1:17,037 — 1:18,496 1:18,380 1:18,640 — 1:17,037 399 14 1:17,066 — 1:18,121 1:17,783 1:17,540 1:17,066 — 369 15 1:17,091 — 1:17,091 — 1:19,515 — 1:17,415 300 16 1:17,118 1:18,282 — 1:17,338 1:17,787 1:17,118 — 339 17 1:17,313 1:18,382 — 1:19,004 1:18,300 1:17,313 — 341 18 1:17,469 1:20,096 — 1:17,469 — 1:19,670 — 321 19 1:17,495 1:18,466 — 1:19,709 — 1:18,225 1:17,495 243 20 1:17,550 — 1:17,912 1:18,154 1:17,550 1:18,393 1:17,803 365 21 1:17,573 — 1:18,474 1:18,454 1:18,826 1:17,573 — 355

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