Titus Gebel (* 19. Juni 1967 in Würzburg) ist ein deutscher Unternehmer, Jurist, politischer Aktivist und Autor. Gebel war Vorstandsvorsitzender der Holding Deutsche Rohstoff AG und Geschäftsführer der Rhein Petroleum GmbH. Titus Gebel vertritt proprietaristische politische Vorstellungen; er fördert weltweit unternehmerisch geführte Privatstädte als vermeintliche Alternative zu demokratisch organisierten Gesellschaften.
Leben Titus Gebel ist nach eigenen Angaben im Heidelberger Raum als Sohn eines Berufsoffiziers und einer Lehrerin aufgewachsen. Bereits als Gymnasiast trat er nach demnach der Jungen Union bei. 1986 ging er als Zeitsoldat zur Bundeswehr. Bei seinem späteren Studium sei er der Liberalen Hochschulgruppe beigetreten, sei sechzehn Jahre FDP-Mitglied gewesen und bekleidete dabei verschiedene parteipolitische Ämter auf kommunaler Ebene.
Gebel promovierte an der Universität Heidelberg und am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht. Anschließend arbeitete er nach eigenen Angaben einige Jahre als Rechtsanwalt und anschließend als Manager bei verschiedenen Unternehmen in der Biotechnologie-, Venture-Capital- und Rohstoffbranche.
Im Jahr 2006 gründete er zusammen mit Thomas Gutschlag die Holdinggesellschaft Deutsche Rohstoff AG, die er bis 2014 als CEO führte.Martin W. Buchenau, Regine Palm: Deutschlands geheimer Rohstoffriese. In: Handelsblatt, 27. August 2019. Die Gesellschaft beteiligte sich zunächst an Explorations- und Entwicklungsprojekten und baute später eine eigene Produktion auf, vor allem in Australien und den USA (Gold, Silber, Wolfram, Molybdän, Erdöl, Erdgas).Daniela Schröder: Aufstieg einer Start-up-Firma: Rohstoff-Zwerg aus Heidelberg. In: Spiegel Online, 7. November 2011. Seit 2010 ist die Deutsche Rohstoff AG an der Börse in Frankfurt gelistetAngaben zur Aktie bei Finanzen100.de und erwirtschaftete unter anderem mit der umstrittenen Ölfördermethode Fracking im Jahr 2018 einen Jahresumsatz von 108 Millionen Euro. Die Rhein Petroleum GmbH wurde 2007 gegründet, um aufgelassene Ölfelder in Süddeutschland wieder in Betrieb zu nehmen, und hat inzwischen die Produktionsphase erreicht.Christian Siedenbiedel: Jetzt wieder Öl aus Hessen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Januar 2018.
Heute ist Titus Gebel als Unternehmer und Fürsprecher für neuartige von ihm sogenannte „Sonderwirtschaftszonen“ tätig, insbesondere in Entwicklungsländern.Titus Gebel: Privatstadt heisst die neue Heimat. In: Neue Zürcher Zeitung, 10. Juni 2017. Er ist Gründer der Free Cities Foundation, Präsident und CEO des Unternehmens TIPOLIS Corporation, Mitglied im Board des Seasteading-Instituts von Peter Thiel und Patri Friedman, sowie Partner von NeWAY Capital.
Politischer Aktivismus
Freie Privatstädte (2018) Titus Gebel lehnt die Demokratie als Staatsform ab und betrachtet privatunternehmerisch geführte Stadtstaaten als tragfähige Alternative. Anhänger vergleichbarer Ideen bezeichnen sich selbst meist als Libertäre oder Anarchokapitalisten. In seinem 2018 erschienenen Buch Freie Privatstädte skizziert Gebel sein Modell einer „privaten Stadt“, in der hoheitliche Aufgaben der Kommune beziehungsweise des Staates durch das betreibende Unternehmen gestellt und bestimmt werden. De facto handelt es sich nach außen um Gated Communities. Ausdrücklich bezeichnet Gebel sein Konzept auch als Mittel zur Bewältigung von Migrationsbewegungen, die er subsumierend als „Migrationskrise“ bezeichnet.
Gebel modifiziert das Charter City Konzept Paul Romers, das bislang nur in Texas und Florida in Einzelfällen eine Umsetzung fand. Dies führt Gebel auf fehlende Bereitschaft von Staaten zurück, Verwaltungsbeamte eines Drittstaates im eigenen Territorium hoheitliche Aufgaben erfüllen zu lassen.Titus Gebel: Freie Privatstädte. Aquila Urbis, Walldorf 2018, S. 186ff. In einer sogenannten Freien Privatstadt bietet stattdessen ein privates Unternehmen den künftigen Bewohnern seine Dienste als „Staatsdienstleister“ an. Primär geht es um Sicherheitsgarantien, wie den Schutz von Leben, Freiheit und Eigentum in dem von der Firma betriebenen, abgegrenzten Gebiet. Hoheitliche Aufgaben wie Sicherheits- und Rettungskräfte, die Gewährleistung eines Rechts- und Ordnungsrahmens werden vom Unternehmen organisiert. Es soll eine vom Unternehmen organisierte „unabhängige Streitschlichtung“ anstelle ordentlicher Gerichte geben. Die Bewohner zahlen nach Gebels Privatstadt-Konzept einen vertraglich fixierten Betrag für diese Leistungen pro Jahr. Das betreibende Unternehmen kann den Vertrag später nicht einseitig ändern. Die sogenannten „Vertragsbürger“ haben einen Rechtsanspruch darauf, dass er eingehalten wird und einen Schadensersatzanspruch bei Schlechterfüllung. Streitigkeiten zwischen ihnen und dem „Staatsdienstleister“ sollen vor unabhängigen Schiedsgerichten verhandelt werden, das jedoch nicht auf dem bürgerlichen Recht basiert, sondern sich am internationalen Handelsrecht orientieren soll. Ignoriert der Betreiber die Schiedssprüche oder missbraucht er seine Macht auf andere Weise, so die Theorie Gebels, würden seine Kunden abwandern und er ginge insolvent.Titus Gebel: Sind Sie ein Untertan?. In: Neue Zürcher Zeitung, 21. Juni 2016.
Das Konzept wird sowohl positiv in der Medienlandschaft besprochen,René Scheu: Unsere Smartphones verbessern wir ständig In: Neue Zürcher Zeitung. 6. November 2018.Malte Fischer und Jan Guldner: Wenn das Leben ohne Staat möglich wird. In: Wirtschaftswoche, 17. Dezember 2017. als auch als neokolonialistischSebastian Mallaby: The Politically Incorrect Guide to Ending Poverty. In: The Atlantic, July/August 2010 Issue., antidemokratisch und „Wiederkehr des Feudalismus“ kritisiert.
Free-Cities Initiative Gebel ist Gründer der Free Cities Foundation, einer außerhalb Deutschlands registrierten Stiftung zur Förderung der Privatstädte weltweit. Gebel organisierte 2019 mit Daniel Gottschald eine Investorenkonferenz für Próspera. Seine Stiftung ist an der Privatstadt Próspera beteiligt. Die Regierung von Honduras lehnt das Projekt ab, der Widerstand in der Bevölkerung wächst und mehr als 180 Gemeinden in Honduras erklärten sich als „frei von Privatstädten“.
Gebel ist an verschiedenen Initiativen für Privatstädte (free private cities; enterprise cities) weltweit aktiv u. a. in Honduras undTitus Gebel: Markt des Zusammenlebens. In: Schweizer Monat, Ausgabe 1060 - Oktober 2018. Sao Tomé. Eine ähnliche Initiative in Döbeln (Sachsen) stieß bei der Kommunalpolitik auf große Bedenken, da sich umfangreiche Beziehungen zur AfD-nahen Atlas-Initiative, zur Reichsbürgerbewegung und zur Partei Freie Sachsen (2021) nachweisen lassen.
Leugnung des menschengemachten Klimawandels Gebel war Mitinitiator des Portals klimafragen.org. Es sammelte Fragen an bundespolitische Parteien und die Bundesregierung, die die menschengemachte globale Erwärmung und den Sinn der Gegenmaßnahmen in Frage stellen. Mitwirkende sind u. a. Vera Lengsfeld und Carlos Gebauer.
Veröffentlichungen Der Treuhandgedanke und die Bewahrung der biologischen Vielfalt. Pro Universitate, Berlin 1998, ISBN 978-3-932490-39-2. Freie Privatstädte. Aquila Urbis, Walldorf 2018, ISBN 978-3-00-059289-8.
Literatur Christoph Seidler: Deutschlands verborgene Rohstoffe: Kupfer, Gold und Seltene Erden Auszug in: Spiegel Online vom 27. August 2012. Carl Hanser Verlag, München 2012. ISBN 978-3-446-43213-0. Thomas Fuster: Leben ohne staatliche Gängelung. In: Neue Zürcher Zeitung. 25. Juni 2017. Malte Fischer und Jan Guldner: Wenn das Leben ohne Staat möglich wird In: Wirtschaftswoche. 17. Dezember 2017. René Scheu: Unsere Smartphones verbessern wir ständig In: Neue Zürcher Zeitung. 6. November 2018. Andreas Kemper: Privatstädte. Labore für einen neuen Manchesterkapitalismus. Unrast Verlag, Münster 2022. ISBN 978-3-89771-175-4.
Weblinks Website der Free Cities Foundation Website von Titus Gebel Alle Kolumnen von Titus Gebel bei The European Kurzbiographie und Rezension zu Titus Gebel bei perlentaucher.de Website zu „klimafragen.org“ von Dr. Titus Gebel, Annette Heinisch, Carlos A. Gebauer und Dr. Peter Heller Interview mit Titus Gebel bei Business Reporter Einzelnachweise
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