mini|Stadtgasse, mittlerer Abschnitt gegen Osten mini|hochkant|Ältestes Rathaus Brunecks, Nr. 44 Die Stadtgasse liegt im historischen Zentrum der Südtiroler Stadt Bruneck. Sie war lange Zeit die einzige Straße der Stadt, was ihren Namen erklärt; eine große Anzahl von Gebäuden entlang der Stadtgasse steht unter Denkmalschutz. Sie führt in einem weiten Halbkreis um den Schlossberg herum und wird an beiden Enden von Stadttoren begrenzt.
Geschichte Um 1250 wurde die Gasse zeitgleich mit der Burg angelegt. Sie lehnte sich in ihrem Verlauf an die alte Fernverkehrsstraße von Augsburg nach Venedig an. Inwieweit diese auch auf eine durch das Pustertal verlaufende Römerstraße zurückgeht, ist in der Forschung umstritten. Jedenfalls wurde die Stadtgasse gegen Westen zu relativ breit angelegt, während der östliche Teil aufgrund des nahe an den Schlossberg heranreichenden Flusslaufs der Rienz schmal ist. Im Gegensatz zu anderen Südtiroler Städten besitzt die Stadtgasse keine Lauben.
1336 wurde unter dem Brixener Bischof Albert I. von Enn die Stadtmauer vollendet, die die Stadtgasse durch ihre Tore begrenzte. Es gab ungefähr 90 Häuser an dieser Straße; die einzelnen Stadtviertel verliefen mit Ausnahme von Ragen alle entlang der Stadtgasse: eines an der Schlossbergseite vom Ragentor bis zum ehemaligen Gerichtsgebäude (heute das Meusburgerhaus), das zweite von dort bis zum Ursulinentor, das dritte an der Rienzseite vom Ursulinentor bis zum Florianitor, und das vierte von dort bis zum Ragentor. Diese Stadtteile wurden durch sogenannte Viertelmeister verwaltet, die vom Stadtrat bestellt wurden.
Der gesamte Verkehr durch das Pustertal führte mithin durch Bruneck und durch die Stadtgasse. Waren wurden hier verzollt und am Ballplatz, der sich auf dem Areal des späteren Ursulinenklosters befand, zeitweilig gelagert. 1723 wurden die Gebäude an der Stadtgasse durch einen schweren Stadtbrand stark in Mitleidenschaft gezogen.
Erst Mitte des 19. Jahrhunderts verlagerte sich der Durchzugsverkehr von der Stadtgasse auf den mittlerweile zugeschütteten Graben nördlich der Stadtmauer. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Viehhaltung innerhalb der Altstadt eingedämmt und schließlich ganz verboten. In vielen Häusern der Stadtgasse wurde damals noch Vieh gehalten. 1911 verschwanden die letzten Ställe hier aufgrund eines Verbotes der Sanitätsbehörde und des Tiroler Landesausschusses.
Während der Zeit des Faschismus wurde der deutsche Name Stadtgasse durch die italienische Benennung Via Principe Umberto ersetzt. Heute ist die gesamte Stadtgasse eine Fußgängerzone.
Bauwerke mini|hochkant|Unterrainertor und Haus Nr. 2 Nr. 2: Unterrainertor Die Stadtgasse beginnt im Osten mit dem Unterrainertor, Oberen Tor oder auch Ragentor, durch das man vom Ortsteil Ragen über den Pfeffergraben gelangte. In der Osterzeit wurde hier Ochsenfleisch mit Pfeffer an die Bevölkerung verteilt. Das Tor als Teil der Stadtbefestigung trägt an der Ostseite ein verwittertes Fresko mit der Kreuzigung und einem heiligen Bischof sowie der heute nicht mehr lesbaren Jahreszahl 1388. Auf der Westseite befindet sich ein ebenfalls verwittertes Wandgemälde, das dem Kreis um Michael Pacher zugeschrieben wird. Darüber sieht man den Stadtgründer Bischof Bruno von Hans Weber aus dem Jahr 1922. Die Durchfahrt besteht aus einem Rundbogen.
Am Unterrainertor angebaut erhebt sich das Haus Nr. 2 mit einem eingebauten Geschäftslokal. Auffällig ist ein Erker mit darunterliegendem Wandbild. Die Fenster zeigen gemalte Umrahmungen. Im ersten Stock existiert eine tonnengewölbte Küche.
Einst befand sich hier das sogenannte Schulviertel mit der deutschen oder Vulgärschule, auf der gegenüberliegenden Seite lag die Lateinschule.
Nr. 7: Ehemalige Fragsburg Die ehemalige Fragsburg gehörte dem Tiroler Landesfürsten Sigmund dem Münzreichen, der es 1446 gegen ein Haus in Innsbruck tauschte, das dem Bischof von Brixen gehörte. 1546 gab dieser es dem Richter Peter Paul Hahn zu Hahnberg weiter, weshalb das Gebäude auch Hahnburg genannt wurde. Seit dem 18. Jahrhundert befand sich hier eine Apotheke.
Das viergeschossige Haus zeigt eine barocke Fassadengestaltung, die Granitrahmung an der Eingangstür trägt die Jahreszahl 1769. Im Inneren sind Keller und Erdgeschoss zum Teil gewölbt, im ersten Stock befand sich ein Saal mit Doppeltüren und Stuckdecke aus der Zeit um 1750, der heute abgeteilt ist. Beachtung verdienen noch ein weiteres Zimmer mit Stuckdecke und zwei gewölbte Räume.
Nr. 9 Der im Kern mittelalterliche und an das Rienztor angrenzende Bau weist Fenster mit spätbarocken Elementen auf. Im ersten Obergeschoss befinden sich zwei getäfelte Stuben sowie eine Flachdecke mit Schablonenmalereien aus dem 19. Jahrhundert. Im zweiten Obergeschoss sind eine Stuckdeckeneinfassung sowie Schablonenverzierungen erhalten.
Nr. 10 Das schmale dreistöckige Haus besitzt im ersten Stock ein Wandgemälde der Immaculata. Im Erdgeschoss befindet sich ein langgezogener gewölbter Raum mit Stichkappen; auch der Keller ist gewölbt. Ebenso ist der gemauerte Treppenaufgang bemerkenswert.
links|mini|hochkant|Stadthaus Nr. 11, ganz links Paradeishaus und davor Brunnen Nr. 11 Dieses große Stadthaus ist das letzte im schmalen östlichen Abschnitt der Stadtgasse. Die viergeschossige Fassade ist durch gemalte Fenstereinfassungen geschmückt. Gewölbe finden sich in Keller und Erdgeschoss. Im ersten Stock sind zwei Räume mit Stuckdecken beachtenswert.
Nr. 12 Im Keller des viergeschossigen Stadthauses sind noch spätmittelalterliche Steinquaderpfeiler mit zwei Entlastungsbögen vorhanden, worüber nur mehr in der östlichen Hälfte eine Balkendecke ruht. Der mittlere Hausteil des Erdgeschosses ist gewölbt; im zweiten Stock befindet sich ein Zimmer mit einer Stuckleiste. Im Stiegenhaus ist ein originales Barockfenster erhalten.
Nr. 13: Paradeishaus Das zur Stadtgasse sehr schmale, einachsige Haus weist auf der Rückseite zur Rienz eine größere Breite auf und war dort Teil der Stadtmauer. Man nimmt an, dass bereits vor der Verbauung der Stadt hier ein Haus stand; es handelte sich nämlich um ein exemptes, also ein nicht dem Stadtgericht unterstehendes Haus, sondern war dem Oberamtspfleger, der für die Besitzungen außerhalb der Stadt zuständig war, zugeordnet. Das Haus wurde weiters zur Porth genannt, was bedeutet, dass hier nebenan ein Stadttor bestanden haben muss, durch das die Straße durch das Pustertal in die Stadt hineinführte. Außerhalb des Tores überquerte eine überdachte Stadtbrücke die Rienz. Noch heute ist das Paradeishaus das letzte im breiten Abschnitt der Stadtgasse, was auf diese topographischen Gegebenheiten verweist. Ein neuerer Brunnen steht vor dem Haus an jener Stelle, an der früher der Obere Brunnen lag.
Im Inneren sind in Erdgeschoss und erstem Stock tonnengewölbte Räume zu beachten.
Nr. 15 In diesem Haus befand sich einst der Gasthof Goldener Löwe. Die zinnenbekrönte Fassade ist mit einem modernen Sgraffito, das auf die hier ansässige Bäckerei verweist, versehen. Über der Rechtecktür in Steinrahmung mit Rosetten ist die Jahreszahl 1820 zu sehen. Der Geschäftsraum besitzt ein Tonnengewölbe während der Hausflur ein Gratgewölbe aufweist.
mini|hochkant|Bemalte Fassade auf Nr. 16 Nr. 16 Die Fassade des schmalen, einachsigen Hauses ist großflächig mit Fabelmalerein aus dem 16. Jahrhundert bedeckt. Die Jahreszahl im Giebelfeld ist nur unvollständig mit 177.. zu erkennen. Das Gebäude hat im Erdgeschoss einen Raum mit Dreistrahlgewölbe, im ersten Stock ein Zimmer mit einfacher Täfelung. Der Treppenaufgang ist gemauert.
Nr. 17 Das zweiachsige Haus besitzt einen Zinnenabschluss. Im Inneren sind die Kellerräume gewölbt, im Erdgeschoss befindet sich ein Kreuzgratgewölbe und eine überwölbte Lichthaube. Das Geländer der Treppe ist aus Holz.
Nr. 21 Das Haus wird durch einen Zinnenkranz abgeschlossen; an deren Zinnen befinden sich Nischen mit Blendmaßwerk aus dem 19. Jahrhundert. Die Kellerräume sind gewölbt, im Erdgeschoss gibt es einen Raum mit Tonnengewölbe.
links|mini|hochkant|Bemalte Fassade an Nr. 23 Nr. 23 Die Fassade mit tiefen Fensterleibungen besitzt einen geraden Mauerabschluss. Interessant sind die Reste von Wandgemälden, Adam und Eva darstellend. Über dem Lichtschacht befindet sich eine gewölbte Haube. Beachtenswert ist im ersten Stock ein Zimmer mit Pilastergetäfel und im zweiten Stock eine Stuckdecke aus dem 18. Jahrhundert.
Nr. 25 Die schlichte Fassade des Hauses ist erneuert. Im Erdgeschoss verbirgt sich ein tonnengewölbter Raum, ein kreuzgratgewölbter Lichtschacht mit Haube und im ersten Stock eine Felderdecke mit Vierpassmittelfeld.
Nr. 26 Das Haus besitzt einen steilen Giebel, die Fenster liegen in tiefen Laibungen. Im Inneren gibt es im Erdgeschoss gewölbte Räume und im ersten Stock einen Vorplatz mit Netzgratgewölbe.
mini|hochkant|Haus Nr. 27 Nr. 27 Die Fassade des schmalen Hauses wird durch Zinnen abgeschlossen und durch einen zweigeschossigen, polygonalen Erker gekennzeichnet. Im Inneren ist im ersten Stock eine einfache Felderdecke, deren Mittelfeld eine Immaculata aus dem 18. Jahrhundert zeigt, beachtenswert.
Nr. 27B Das viergeschossige Haus zeigt eine erneuerte Fassade mit tiefen Fensterlaibungen. Interessant ist das Tonnengewölbe im Stiegenhaus.
links|mini|Wohnhaus von Michael Pacher Nr. 29: Michael-Pacher-Haus Im östlichen Teil dieses mehrteiligen Gebäudes lebte und arbeitete im 15. Jahrhundert der bedeutendste Künstler Brunecks, Michael Pacher. 1818 wurde das Haus von der Familie Neuhauser erworben, wodurch seither auch der Name Neuhauserhaus geläufig ist. Bei der letzten Restaurierung konnten an der linken Fassadenfront Renaissancefresken entdeckt werden, die seither ausgespart blieben. Sie zeigen reiche Rankenmalerei mit Fabelwesen und Schriftbändern auf weißem Putz. Der Teil eines schwarz-goldenen Reichsadlers gehört hingegen zu einer älteren Putzschicht.
Im Inneren ist eine Halle mit Netzgratgewölbe sowie ein Geschäftsraum mit Kreuzgratgewölbe zu sehen. Weiters gibt es eine tonnengewölbte Lichthaube, ein barockes schmiedeeisernes Stiegengeländer und eine Küche mit Tonne. Ein Verbindungsgang führt zum Hausteil in der Hintergasse.
Nr. 30, 30A Das Haus mit seinen regelmäßigen Fensterreihen ist vor allem im Inneren interessant. Das Treppenhaus mit Lichthaube führt in den ersten Stock, wo sich die Defreggerstube genannte Trinkstube mit ihrem Pilastergetäfel aus dem Jahr 1894 befindet. Deren einzelne Wandfelder weisen die Wappen ganz Tirols (inklusive Welschtirols) und Trinksprüche auf, auf den Türen befinden sich Brandmalereien mit Wappen und der Ansicht Brunecks. In mehreren Räumen haben sich spätbarocke Stuckdecken erhalten.
Nr. 39 Im Keller des dreigeschossigen Gebäudes gibt es drei langgezogene Räume mit Kreuzgratgewölben. Ein rundbogiger Ausgang führt von hier zur Hintergasse. Weitere kreuzgratgewölbte Räume im Erdgeschoss verdienen ebenso Beachtung wie der Treppenhof mit Lichthaube. In diesem Haus wurde der Schriftsteller und Heimatforscher Paul Tschurtschenthaler geboren.
Nr. 40 Das Haus besitzt eine Fassade mit rundbogigem Geschäftsportal und tiefliegenden Fensterlaibungen und gemalten Umrahmungen. Der Treppenaufgang ist überwölbt, im Lichthof befinden sich Holztreppen. Die Küchen im ersten und zweiten Stock weisen Tonnengewölbe auf; außerdem gibt es noch einen Raum mit barocker Stuckdecke.
mini|hochkant|Zweites Rathaus Brunecks, Nr. 42 Nr. 42: Ehemaliges zweites Rathaus Brunecks Dieses schmale Haus war das zweite Rathaus Brunecks in den Jahren 1546 bis 1799/1802. Seine ehemalige Funktion wird noch heute am gemalten Stadtwappen an der Fassade und an der Rathausglocke in der mittleren Zinne der Hausbekrönung deutlich. Mit ihr wurden die Ratsmitglieder zu den Sitzungen einberufen.