Eva Zeglovits (* 4. Juli 1976 in Linz als Eva Thalhammer) ist eine österreichische Politikwissenschafterin, Sozialwissenschaftlerin und Meinungsforscherin. Sie ist Geschäftsführerin des Instituts für empirische Sozialforschung (IFES) und tritt in österreichischen Medien vor allem als Expertin für Wahlen, Umfragen und politische Einstellungen hervor.

Leben Zeglovits studierte von 1994 bis 1999 Statistik an der Universität Wien und absolvierte währenddessen einen Auslandsaufenthalt an der Università degli Studi di Padova. Mit der Diplomarbeit Determinanten und Entwicklung von Kinderlosigkeit. Eine Analyse für Österreich auf Basis des Family and Fertility Survey erlangte sie bei Wolfgang Lutz den akademischen Grad Magistra der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Von 2009 bis 2011 absolvierte sie ein Doktoratsstudium der Politikwissenschaft an der Universität Wien. Mit der Dissertation NichtwählerInnen in Österreich wurde sie zum Dr. phil. promoviert; ihr Doktorvater war Karl Ucakar. Zeglovits ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Von 1998 bis 2000 arbeitete sie am Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung in Wien, danach war sie von 1999 bis 2010 bei SORA tätig, unter anderem als Leiterin des Bereichs Wahlen und Politik. 2010 wechselte sie an die Universität Wien und arbeitete dort bis 2014 als Universitätsassistentin am Fakultätszentrum für Methoden in den Sozialwissenschaften sowie als Projektmitarbeiterin bei der Österreichischen Nationalen Wahlstudie (AUTNES). Seit 2014 gehört sie dem IFES an, wo sie als Geschäftsführerin für wissenschaftliche Methoden sowie Forschung zu Politik, Wahlen, Arbeitswelt und Sozialforschung ausgewiesen ist. Seit September 2019 ist sie auch Miteigentümerin des Instituts. In: ifes.at. 20. September 2019, abgerufen am 5. Oktober 2019. Ab 2000 übernahm sie umfangreiche Lehrtätigkeit in den Bereichen Statistik, Mathematik, Forschungsdesign und empirische Methoden an der Universität Wien, der Wirtschaftsuniversität Wien, der Fachhochschule des BFI Wien und der Donau-Universität Krems.

Wirken Zeglovits arbeitet zu Wahlbeteiligung, Wahlentscheidung, politischer Sozialisation Heranwachsender sowie zu Methoden der empirischen Sozialforschung wie Surveydesign, Instrumentenentwicklung, linearen und nichtlinearen Regressionsmodellen, Faktorenanalysen und Strukturgleichungsmodellen. In ihrer Wahlanalyse befasst sie sich unter anderem mit Nichtwählerinnen und Nichtwählern und beschreibt Wahlenthaltung nicht als stabiles, einheitliches Milieu, sondern als je nach Wahl wechselndes Phänomen. 2016 erklärte sie in einem Interview, dass Angst, Zorn und Hoffnung Wählerinnen und Wähler mobilisieren können, der Zusammenhang zwischen Angst und rechtspopulistischem Wahlverhalten aber nicht monokausal zu verstehen sei. 2018 begleitete sie den parteiinternen Demokratieprozess der Wiener SPÖ als Beobachterin und analysierte nach der Wahl Michael Ludwigs zum Landesparteivorsitzenden dessen Ausgangslage für die Wien-Wahl 2020. Sie kommentiert regelmäßig Politik und Wahlgeschehen in österreichischen Medien. In Ö1 erklärte sie 2024 die Aussagekraft und Grenzen politischer Umfragen, darunter Stichprobengrößen, Unsicherheiten, Fehlerquellen und die mediale Zuspitzung auf Kopf-an-Kopf-Rennen.

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Antisemitismusforschung, bei der sie im Umfeld der vom österreichischen Parlament beauftragten Studien als IFES-Meinungsforscherin und Studienleiterin auftrat. Zum Gedenkjahr 2018 des „Anschlusses“ Österreichs erstellte sie gemeinsam mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Demox Research und im Auftrag des Präsidenten des Nationalrates, Wolfgang Sobotka, die Antisemitismus-Studie 2018. Die Antisemitismusstudie 2018 wies in Österreich manifeste und latente antisemitische Einstellungen aus und betonte unter anderem die Bedeutung von Bildung, Alter und rechtsautoritären Einstellungen für antisemitische Haltungen. Die Studie wurde 2020 und 2022 wiederholt. Beim Antisemitismus-Bericht 2022 verwies Zeglovits als Studienleiterin auch auf die Fähigkeit jüngerer Befragter, Antisemitismus in sozialen Netzwerken, im Bekanntenkreis und in der Schule zu identifizieren. Die 2024 erstellte IFES-Studie im Auftrag des Parlaments wurde 2025 als Hinweis auf stärker ausgeprägten israelbezogenen Antisemitismus unter jungen Menschen berichtet; Zeglovits sah eine Ursache insbesondere im veränderten Medienkonsum Jugendlicher.

Anerkennungen 2020 Gerhart-Bruckmann-Preis der Österreichischen Statistischen Gesellschaft

Publikationen (Auswahl) Mit Christoph Hofinger und Günther Ogris:

Mit Paul Unterhuber und Franz Sommer:

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Politikwissenschaftler Kategorie:Wahlforschung Kategorie:Meinungsforschung Kategorie:Absolvent der Universität Wien Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1976 Kategorie:Frau