Die 13. Armee () war im Zweiten Weltkrieg ein Großverband der Roten Armee, der am mittleren Abschnitt der Ostfront eingesetzt wurde. Nach Einsätzen im Raum Minsk und Mogilew bei Kriegsbeginn 1941 wurde die Armee durch deutsche Kräfte nach Jelez zurückgedrängt. Dann beteiligte sich die 13. Armee an der Kursker Schlacht 1943, im Rahmen der Woronesch- und der 1. Ukrainischen Front an der Befreiung der Ukraine (Raum Tschernigow) und 1944 an der Eroberung des Brückenkopfs von Sandomierz. Nach der Teilnahme an der Weichsel-Oder-Operation kämpfte die Armee noch bei der Berliner- und Prager Operation.
Geschichte Vorgänger Formationen (1939/40) Am 17. September 1939 überquerte die Rote Armee im Zuge des deutschen Überfalls auf Polen die sowjetisch-polnische Grenze und rückte in die heutige westliche Ukraine ein. Das Kommando der Heeresgruppe Odessa wurde dafür in 13. Armee umbenannt und vom 17. bis 28. September Teil der Ukrainischen Front. Die Armee beteiligte sich aber nicht mehr an Feindseligkeiten. Im Oktober 1939 wurde der neue Militärbezirk Odessa gegründet und die 13. Armee wurde zunächst Teil des Bezirks. Während des sowjetisch-finnischen Krieges wurde am 25. Dezember 1939 eine neue 13. Armee aufgestellt, als Befehlshaber wurde General W. D. Grendal bestimmt. Die Truppen der 13. Armee verstärkten in der zweiten Phase des Krieges die Angriffe der 7. Armee an der Karelischen Landenge im Raum Vuosalmi.
Armeegliederung am 1. März 1940 19. Schützenkorps mit 51. und 90. Schützendivision 23. Schützenkorps mit 80., 136. und 62. Schützendivision 15. Schützenkorps mit 97., 17., 8. und 50. Schützendivision 3. Schützenkorps mit 150. und 49. Schützendivision selbständige 142. Schützendivision
Per Dekret des Präsidiums des Obersten Sowjets vom 7. April 1940 erhielten 90 Angehörige der 13. Armee den Titel Held der Sowjetunion verliehen. Die 13. Armee wurde nach dem Friedensvertrag mit Finnland wieder aufgelöst.
1941 Die 13. Armee wurde auf Anweisung der Stawka vom 24. April 1941 im Westlichen Sondermilitärbezirk neu aufgestellt. Die Aufstellung der neuen Formation begann am 5. Mai 1941 in Mogilew auf dem Territorium des Besonderen westlichen Militärbezirks. Die Zusammensetzung der 13. Armee vor Beginn des Weltkrieges war folgend bestimmt: 2. Schützenkorps (Korpskommando wechselt von Minsk nach Bielsk; 49. und 113. Schützendivision) 44. Schützenkorps (Korpskommando ab 19. Juni von Dorogobusch nach Minsk verlegt; 64., 108. und 161. Schützendivision) 13. mechanisiertes Korps (in Bildung begriffen und am 22. Juni der 10. Armee zugeteilt)
Am 17. Juni traf das Hauptquartier der 13. Armee in Baranowitschi ein, wo sich die Formationen sammelten. Als das deutsche Unternehmen Barbarossa am 22. Juni startete, erhielt die Armee von der übergeordneten Westfront (Armeegeneral Pawlow) den Befehl, in die Region Molodetschno vorzurücken, wo sich dann folgende Formationen versammelten: 2. Schützenkorps (Generalmajor A. N. Jermakow, mit 100. und 161. Schützen-Division) 44. Schützenkorps (Generalmajor W. A. Juschkewitsch, mit 64. und 108. Schützen-Division) 47. Schützenkorps (Generalmajor S. I. Powetkin, mit 55., 121. und 143. Schützen-Division) Die 13. Armee erhielt den Befehl, die Gegenangriffe der mechanisierten Panzergruppe unter I. W. Boldin im Raum Grodno durch einen Angriff auf Raduń zu unterstützen. Die Truppen stießen östlich von Lida auf Truppen der deutschen Panzergruppe 3 und wurden gestoppt. Am 25. Juni wurde das Hauptquartier der 13. Armee von deutschen Panzern angegriffen, erlitt schwere Verluste und verlor den Kontakt zu den Truppen. Am 27. Juni verlegte das Hauptquartier nach Minsk und übernahm während der Kesselschlacht von Bialystok die Führung im Einkreisungsgebiet: 44. Schützenkorps (General W. A. Juschkewitsch mit 64. und 108. Schützendivision) 2. Schützenkorps (General A. N. Jermakow, übernahm die 100. und 161. Schützendivision) 20. mechanisiertes Korps (General A. G. Nikitin mit 26. und 38. Panzerdivision, 210. motorisierte Division) Die Masse der umzingelten 13. Armee räumte Minsk am 28. Juni und zog nach Osten ab. Das Hauptquartier der Armee vereinigte sich dabei mit der 50. Schützendivision. Diese Formation befand sich am Rückzug von Logoisk auf Pleschenitzi, darunter die von Truppen des General Hoth abgedrängten Kadetten der Wilnaer Infanterieschule, Reste der 5. Panzerdivision sowie das 84. NKWD-Regiment. Am 8. Juli erhielt die Armee Befehl, weiter nach Osten zurückzugehen, am selben Tag wurde der Armeekommandant, Generalleutnant P. M. Filatow tödlich verwundet (er starb am 14. Juli in Moskau) und Generalleutnant F. N. Remesow wurde zum neuen Kommandanten ernannt.
Armeegliederung am 10. Juli 1941 61. Schützenkorps (Generalmajor F. A. Bakunin mit 53., 110. und 172. Schützendivision) 45. Schützenkorps (Generalmajor G. J. Magon mit 148. und 187. Schützendivision) 20. Schützenkorps (Generalmajor S. I. Jeremin mit 137. und 160. Schützendivision) 50. Schützendivision 20. Mechanisiertes Korps (Generalmajor N. D. Wedenejew mit 26. und 38. Panzerdivision und 210. motorisierte Division)
Am 10. Juli begann mit der Kesselschlacht bei Smolensk eine neue Angriffsphase der deutschen Panzergruppe 2, bei der die Hauptstreitkräfte der 13. Armee im Raum zwischen Mogilew (61. Schützenkorps und 20. mechanisiertes Korps) und Kritschew (20. Schützenkorps) nochmalig abgeschnitten wurden. Am 12. Juli wurde das Hauptquartier der 13. Armee erneut angegriffen, eine große Anzahl von Stabsoffizieren wurden dabei getötet, Generalleutnant F. N. Remesow wurde schwer verwundet, Generalleutnant W. F. Gerassimenko wurde zum neuen Befehlshaber ernannt. Am 18. Juli wurden die Reste (28. Schützenkorps mit 6., 55. Schützendivision) der 4. Armee (Oberst Sandalow), die zuvor in die Reserve zurückgezogen worden waren, der 13. Armee taktisch unterstellt. Nach der Schaffung der Zentralfront am 24. Juli wurde ihr die 13. Armee unterstellt. Nachdem Mogilew am 27. Juli ohne Genehmigung der Stawka aufgegeben worden war, wurde Generalleutnant Gerassimenko durch Generalmajor K. D. Golubew ersetzt. Anfang August wurde infolge des deutschen Angriffs auf Roslawl die rechte Flanke der 13. Armee aufgerissen, deutsche Truppen drangen nach Roslawl durch. Die 52. Kavallerie-Division und die 21. Gebirgs-Division unter General O. I. Gorodowikow wurde der 13. Armee unterstellt, um die Situation wiederherzustellen.
Gliederung am 10. August 1941 45. Schützenkorps mit 121., 132., 137., 148. Schützen-Division Gruppe Gorodowikow mit 52. Kavalleriedivision und 21. Gebirgs-Division 25. Mechanisiertes Korps mit 50. Panzer- und 219. mot. Schützen-Division 4. Luftlandekorps Der deutsche Angriff auf Gomel führte zur Spaltung der Zentralfront, die 13. Armee wurde am 14. August der Brjansker Front unterstellt. Am 28. August brach die deutsche Panzergruppe 2 zur Offensive nach Süden auf und gelangte in den Rücken der sowjetischen Südwestfront.
Armeegliederung am 1. September 1941 45. Schützenkorps (6., 155. und 307. Schützendivision) 121., 132. und 143. Schützendivision, 52. Kavalleriedivision 4. Luftlandekorps 50. Panzerdivision, 43. Panzerbataillon
Ein Gegenangriff der Brjansker Front mit der 13. und 21. Armee Mitte September 1941 gegen die Flanke der Panzergruppe 2 in der Roslawl-Nowosybkower Operation (30. August – 12. September 1941) blieb erfolglos. Ende September waren deutsche Verbände im Rahmen der Unternehmen Taifun bereits bis 20 km tief vorgedrungen und hatten die erste Staffel der 3. Armee durchbrochen. Am 1. Oktober durchbrach die Panzergruppe Guderian die zweite Verteidigungsfront der 13. Armee und brach fast 60 km ins Hinterland durch, das deutsche XXIV. motorisierte Korps besetzte bereits Sewsk. Die Frontlücke zwischen der Armee und der Einsatzgruppe von General Jermakow betrug bis zu 30 km. Nachdem die 13. Armee erhebliche Verluste erlitten hatte, verfügte sie am zweiten Tag nicht mehr über ausreichende Abwehrkräfte. Zwar konnte der rechte Flügel, an der von vier Divisionen (155., 6., 132. und 307. Schützendivision) besetzten Front noch halten, war aber vollständig im Kampf. General Gorodnjanski musste die 121. und 55. Schützendivision, die schwere Verluste erlitten hatten, in das Waldgebiet nördlich von Seredina-Buda zurückzuziehen. Er beschloss zudem die noch intakte 307. Schützendivision dorthin zurückzunehmen, um eine Gegenoffensive auf Chutor-Michailowski anzusetzen, was aber schon nicht mehr möglich war. Infolge des deutschen Angriffs wurde die 13. Armee in der Kesselschlacht von Brjansk zusammen mit der 3. Armee vollständig umfasst. Die eingekesselte 13. Armee versuchte noch bis zum 18. Oktober auszubrechen. Die weitergeführte Offensive der Panzergruppe 2 erreichte zwischen 20. und 30. Oktober 1941 den Raum Tula und versuchte Moskau von Süden zu umgehen.
Armeegliederung am 4. Oktober 1941 6., 121., 132., 143., 148., 155., 298. und 307. Schützen-Division 141. Panzerbrigade und 43. Panzerbataillon, 55. Kavalleriedivision Gruppe Jermakow mit 108. Panzerdivision, 141. Panzerbrigade, 4. Kavalleriedivision
Nach der Auflösung der Brjansker Front (10. November) wurden die Reste der 13. Armee neu aufgefüllt und Teil der Südwestfront. Ab 11. November führte die Armee Rückzugskämpfe in Richtung Jefremow und zog sich bis zum 5. Dezember auf die Linie südöstlich von Jefremow – östlich von Jelez – Wolowo zurück. Am 4. Dezember ging Jelez an die 134. Infanterie-Division der deutschen 2. Armee verloren. Schon zwei Tage später eröffnete die 13. Armee auf 60 Kilometer Breite die Gegenoffensive und eroberte Jelez zurück.
Mit Beginn der sowjetischen Gegenangriffe im Raum Moskau beteiligte sich die 13. Armee ab 24. Dezember an der Jelezer Operation (6. bis 16. Dezember 1941), trat der 2. Formation der Brjansker Front bei und führte den Angriff in Richtung Orjol fort. Das zugeteilte 5. Kavalleriekorps unter General Wassili D. Krjutschonkin, die 148. und 132. Schützen-Division konnten bis 25. Dezember auch Liwny befreien. Ende 1941 erreichte die Armee die neue Frontlinie Skorodnoje – Kolpny, wo sie bis Mitte 1942 in Defensive überging.
1942 Ende Dezember 1941 wurde Generalmajor Puchow von Marschall S. K. Timoschenko und Mitglied des Militärrats N. S. Chruschtschow empfangen und anstelle von General A. M. Gorodnjanski zum neuen Kommandeur der 13. Armee der Brjansker Front bestimmt. Der Generalstabschef A. W. Petruschewski blieb der Armee noch bis Dezember 1943 erhalten. General Puchow begab sich am 3. Januar nach Liwny, wo das Hauptquartier der 13. Armee aufgeschlagen wurde. Bis Juni 1942 konzentrierte die deutsche 2. Armee westlich von Liwny ihre Kräfte gegenüber der 13. Armee und den Nachbarn am linken Flügel (40. Armee), es handelte sich um Teile der 45., 88., 95. und 299. Infanterie-Division sowie Panzerformationen.
Nach Beginn der deutschen Don-Offensive, führte die 13. Armee zusammen mit der 38. Armee während der Woronesch-Woroschilowgrader Operation (28. Juni – 24. Juli 1942) erfolglose Ablenkungsangriffe durch, um die vor Woronesch zum Gegenangriff angesetzte 5. Panzerarmee zu unterstützen. Am linken Flügel der Brjansker Front wurde die Woronescher Front gebildet, die den Auftrag hatte, das Ostufer des Don unter allen Umständen zu verteidigen.
1943 Im Frühjahr 1943 nahmen die Truppen der 13. Armee in Zusammenarbeit mit den Truppen der Woronesch-Front an der Woronesch-Kastornoje-Operation (24. Januar – 2. Februar) teil. Am 26. Januar um 8 Uhr morgens leiteten die Mörser- und Artillerieeinheiten den Angriff zwischen den kleinen Flüssen Olym und Kshen ein. Bei Schneesturm und Frost drangen Teile der 13. Armee über den Fluss Tim vor, befreiten am 5. und 7. Februar die Städte Schtschigry und Fatesch und trennten die Eisenbahnlinie zwischen Orel und Kursk ab. Bis Ende Februar erreichte die Armee den Raum Maloarchangelsk, wobei der nördliche Abschnitt des Kursker Frontbogen gebildet wurde.