Die Evangelisch-Augsburgische Kirche in Dźwierzuty () ist eine Kirche in Dźwierzuty im Powiat Szczycieński der Woiwodschaft Ermland-Masuren in Polen. Das Gebäude geht in seinen Grundmauern auf das 14. Jahrhundert zurück und wurde um 1695 im spätgotischen Stil neu errichtet. Die Kirche ist seit der Reformation ein evangelisches Gotteshaus.
Geographische Lage mini|hochkant|links|Massiver Turm der Kirche mini|hochkant|links|Vorhalle an der Südseite
Dźwierzuty liegt in der südlichen Mitte der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren, 15 Kilometer nördlich der Kreisstadt Szczytno (). Durch das Dorf verläuft die Landesstraße 57, die die Woiwodschaft in Nord-Süd-Richtung durchquert. Die nächste Bahnstation ist Szczytno an der Bahnstrecke Olsztyn–Ełk ().
Die Kirche steht ein wenig erhöht und von Bäumen und dem alten Friedhof umgeben nördlich der ul. Pasymska.
Kirchengebäude Für das Jahr 1391 ist in Mensguth ein nicht näher bekannter Pfarrer Herder bezeugt, so dass bereits in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts hier eine Kirche bestanden haben muss.Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreussen. Neidenburg 1890 auf Mensguth (Kreis Ortelsburg) bei GenWiki. In den Jahren 1691 oder 1693 erlitt sie bei einem Brand sehr schwere Beschädigungen und wurde bis 1696 in der ursprünglichen Gestalt wieder aufgebaut, wobei erhaltene Grundmauern einbezogen wurden.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 130–131, Abb. 615, 616.Dźwierzuty - Mensguth auf ostpreussen.net. Die Substanz des Turms stammt noch aus der Zeit vor dem Kirchenbrand. Bei ihm handelt es sich um einen vierstöckigen Backsteinbau mit geschweiften Giebeln, dessen hölzernes Oberteil später ummauert wurde.
Das Langhaus der Kirche ist ein verputzter Feldsteinbau mit dreiseitigem Chor. Die Ostseite und die kleine Vorhalle im Süden tragen barocke Giebel. Auf der Nordseite befindet sich die Sakristei.
Bei der Kirche handelt es sich um einen Saalbau. Eine flache Holzdecke überzieht den Innenraum, der an drei Seiten über Emporen verfügt.
Den Altar fertigte 1599 der Niederländer Hans van der Heide an. In der Mitte befindet sich eine geschnitzte Kreuzigungsgruppe, wobei die Figuren der Maria und des Johannes jüngeren Datums sind. Auf den Altarflügeln waren biblische Darstellungen gemalt. Im Sockel des Altaraufsatzes sind Bildnisse von Martin Luther und Philipp Melanchthon sowie des Letzten Abendmahls zu sehen.
Die Barock-Kanzel stammt aus dem Jahre 1675. Auf ihr befinden sich gemalte Figuren der vier Evangelisten.
mini|Die verwunschene Lage der Kirche
Zur Ausstattung der Kirche gehört ein achteckiger Taufstein aus dem 19. Jahrhundert.
Der Prospekt der Orgel auf der Westempore entstand in der Mitte des 18. Jahrhunderts, das Orgelwerk mit Pedal und 18 Registern von 1818. Das Geläut bestand aus zwei Glocken, die 1778 und 1794 gegossen wurden.
Die Fenster des Innenraums sind mit Buntglas versehen. Sie wurden 1936 von Gemeindegliedern gestiftet.
In der Kirche befindet sich eine hölzerne Erinnerungstafel 1870/71 sowie eine alte Gedenktafel vermutlich für Kriegsteilnehmer des Napoleonischen Kriegs, außerdem Reste einer Wandbemalung für Gefallene des Ersten Weltkriegs, wobei allerdings nur wenige der ursprünglich etwa 70 Namen zu identifizieren sind.
Zu den Altargeräten gehört ein Abendmahlskelch, der eine besondere Geschichte erlebte. Im Jahre 1897 stiftete ihn das Gemeindeglied Gottliebe Liba. In den Wirren des Zweiten Weltkriegs ging er verloren. Zufällige Internetrecherchen ergaben, dass dieser durch eine Gravur identifizierbare Kelch für 774 Euro bei einem Aktionshaus in Köln versteigert wurde. Mehrere Kirchengemeinden und die Leitung der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) organisierten daraufhin den Rückkauf und die Wiederaufarbeitung des Kelchs. Am 18. August 2019 brachte der Präses der EKiR Manfred Rekowski ihn nach Dźwierzuty und übergab ihn der Gemeinde.Präses Rekowski bringt Abendmahlskelch nach Masuren zurück - NRZ, 16. August 2019.
Alter Friedhof mini|hochkant|links|Grabstelle auf dem alten Friedhof
An der Kirche befindet sich der evangelische Friedhof mit mehreren Grabstellen noch aus der Zeit vor 1945. Dieser Friedhof gilt als einer der am besten erhaltenen evangelischen Friedhöfe in Masuren.
Kirchengemeinde Kirchengeschichte mini|Pfarrhaus, 18. Jahrhundert
Die Kirche in Mensguth bestand bereits in vorreformatorischer Zeit.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 497 Mit der Einführung der Reformation in Ostpreußen nahmen hier lutherische Prediger ihren Dienst an der Kirche auf. Bis zum Juni 1531 hielten sie alle 14 Tage auch in der Filialkirche Wildenheim Gottesdienste. In diesem Jahr dann wurde Wildenheim ein Kirchspielort von Mensguth. Von der Kirche in Wildenheim fehlt jede Spur.
Bis 1945 gehörte Mensguth zum Superintendenturbezirk Passenheim () des Kirchenkreises Ortelsburg (polnisch Szczytno) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Die Pfarrei zählte 1925 insgesamt 3600 Gemeindeglieder, die in einem 20 Orte umfassenden Kirchspiel wohnten.
Nach 1945 blieb die Kirche ein evangelisches Gotteshaus. Sie ist heute wie auch die Kirche in Jedwabno () eine Filialkirche der Pfarrei Pasym in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen. Die Zahl der Gemeindeglieder liegt etwa bei einhundert.
Kirchspielorte (bis 1945) Zum Kirchspiel Mensguth gehörten vor 1945 folgende Dörfer, Ortschaften und Wohnplätze:Ein * kennzeichnet einen Schulort
Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name *Anhaltsberg Łysa Góra Mirau Mirowo Augusthof Augustowo Moritzruhe Budy Charlotten Pfandberg Friedrikenberg Byki *Rummy A1938–1945: Rummau Ost Rumy *Geislingen Gisiel Rummy B1938–1945: Rummau West Rumy Julienfelde Julianowo *Samplatten Sąpłaty Klein Leydt Schönhöfchen *Malschöwen Małszewko Schubertsgut *Mensguth (Dorf), auch:Mensguth (Vorwerk) DźwierzutyDźwierzutki *Sczepanken1938–1945: Stauchwitz Szczepankowo Mietzelchen Mycielin *Wappendorf Łupowo
Pfarrer (bis 1945) hochkant|mini|Jacob Preuß hochkant|mini|Grabstelle Pfarrer Julius E. Kiehl an der Nordseite der Kirche
An der Kirche zu Mensguth amtierten bis 1945 als evangelische Geistliche die Pfarrer:Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 95
Sigismund Dimersky, bis 1625 Bernhard Pileschewius, 1618–1675 Albert Pileschewius, ab 1670 Laurentius Gregorowius, 1678–1729 Johann Gregorowius, 1710–1763 Johann Samuel Gregorowius, 1762–1778 Johann Christoph Sommer, 1778–1797 Andreas Viktor Hensel, 1797–1814 Johann Salomo Getzuhn, ab 1814 Julius E. Kiehl, bis 1859Angehöriger des Corps Masovia Friedrich Wilhelm Brachvogel, ab 1871 Jacob Preuß, 1872–1884 Gustav Adolf Henke, 1885–1896 Georg Paul Brehm, 1896 Chr. O. Alfred Danielowski, 1896–1929, seit 1916 SuperintendentDanielowski war Angehöriger des Corps Baltia Königsberg. Eugen Drwenski, 1930–1945
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1690er Jahren Kategorie:Feldsteinkirche Kategorie:Saalkirche in Polen Kategorie:Kirchengebäude der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren DzwierzutyEvangelischeKirche