mini|Linke Reihe: Heliconius erato,rechte Reihe: Heliconius melpomene

Der Kleine Kurier (Heliconius erato), zuweilen auch Kleiner Postbote genannt, ist ein Schmetterling (Tagfalter) aus der Gattung Heliconius in der Familie der Edelfalter (Nymphalidae). Carl von Linné benannte die Art in seiner Systema Naturæ nach Erato, einer Muse aus der Griechischen Mythologie.

Beschreibung Falter Die Falter erreichen eine Flügelspannweite von 67 bis 80 Millimetern. Ihre Flügel sind auffallend lang und schmal. Die Grundfarbe ist meist schwarz, über jede Vorderflügeloberseite verläuft ein rotes Band von der Mitte des Vorderrandes bis zum Innenwinkel. Auf den Hinterflügeln erstreckt sich eine breite weiße Linie parallel zum Vorderrand. Die Zeichnung der Vorderseiten scheint auf die Flügelunterseiten hindurch. Die Färbung der Falter ist außergewöhnlich variabel und es treten regionale Unterarten auf, bei denen die Bänder- und Linienzeichnung vermindert ist oder fehlt. Auch gibt es Exemplare mit ausgedehnten braunen oder weißen Farbelementen.

Ähnliche Arten Die meisten Falter des Großen Kuriers (Heliconius melpomene) sind äußerlich vom Kleinen Kurier praktisch nicht zu unterscheiden. Die Imagines beider Arten zeigen eine außerordentlich ähnliche Flügelzeichnung, die sich im Laufe der Evolution immer weiter angeglichen hat. Umfangreiche Vergleiche unter Zuhilfenahme der Methodik der Künstlichen Intelligenz sowie mathematischer Modelle besagen, dass die Ähnlichkeit der Flügelmuster zwischen den beiden Arten sogar stärker ausgeprägt ist, als zwischen den Faltern innerhalb der einzelnen Art. Es handelt sich hierbei um ein Beispiel des von Johann Friedrich Theodor Müller gegründeten Prinzips der Müller′schen Mimikry, die besagt, dass unterschiedliche Arten, die für Fressfeinde giftig sind, ein ähnliches Aussehen mit einer Warnfarbe annehmen (Aposematismus) und von diesen deshalb gemieden werden.

Ei Das Ei des Kleinen Kuriers hat eine gelbe Farbe, ist kegelförmig und mit vielen gezackten Längsrippen versehen. Kurz vor dem Schlüpfen der Raupe nimmt es eine orange Färbung an. Es wird einzeln an der Wirtspflanze abgelegt.

Raupe Die Raupen sind oberseits cremeweiß und unterseits dunkelbraun gefärbt, über die gesamte Körperoberfläche schwarz punktiert und mit langen, schwarzen, leicht verzweigten Dornen versehen. Der Kopf ist strohgelb.

Puppe Die hellbraun gefärbte Puppe zeigt einen hervorstehenden Sattel, am Hinterleib einige Tuberkel und Dornen sowie zwei lange flanschartige Kopfanhänge. Zuweilen gibt sie schwache Geräusche von sich.

Verbreitung und Lebensraum Der Kleine Kurier kommt in Mittel- und Südamerika verbreitet, im Süden von Texas lokal vor. Die Art besiedelt in erster Linie tropische Regenwälder, ist jedoch auch in Kaffeeplantagen sowie in Gärten und Parkanlagen zu finden. Die Höhenverbreitung reicht vom Meeresspiegel bis in Höhenlagen von 1800 Metern.

Lebensweise Die Falter fliegen das ganze Jahr hindurch in fortlaufenden Generationen mit schwerpunktmäßigem Vorkommen im Juli und August sowie im Dezember und Januar. Sie besuchen zur Nektaraufnahme gerne Blüten von Wandelröschen-, Hamelia- oder Palicourea-Arten. Vornehmlich die Weibchen nehmen auch Pollen auf. Die Pollen von Psiguria-, Citrullus- und Gurania-Blüten enthalten Aminosäuren, die nicht aus Nektar gewonnen werden können. Sie tragen in hohem Maße zur Langlebigkeit der Schmetterlinge bei, die teilweise bis zu neun Monate leben. Nachts versammeln sich Falter des Kleinen Kuriers an Übernachtungsplätzen, zuweilen in Gruppen von bis zu zehn Tieren. Die Raupen ernähren sich von verschiedenen Passionsblumenarten (Passiflora). Sie werden, ebenso wie später die Falter durch die aus diesen Pflanzen aufgenommenen Giftstoffe für Fressfeinde ungenießbar.

Die Art ist weit verbreitet und gebietsweise nicht selten. In der Roten Liste gefährdeter Arten gibt es noch keinen Eintrag.

Unterarten In den einzelnen Vorkommensgebieten werden derzeit 29 Unterarten geführt.

Heliconius erato adana , 1967 Heliconius erato amazona , 1897 Heliconius erato amphitrite , 1901 Heliconius erato chestertonii , 1872 Heliconius erato colombina , 1897 Heliconius erato cruentus , 1998 Heliconius erato cyrbia , 1819 Heliconius erato demophoon , 1855 Heliconius erato dignus , 1923 Heliconius erato emma , 1901 Heliconius erato erato , 1764 Heliconius erato estrella , 1862 Heliconius erato etylus , 1871 Heliconius erato favorinus , 1874 Heliconius erato guarica , 1868 Heliconius erato hydara , 1867 Heliconius erato lativitta , 1877 Heliconius erato lichyi & , 1985 Heliconius erato luscombei , 1976 Heliconius erato magnifica , 1900 Heliconius erato microclea , 1907 Heliconius erato notabilis & , 1868 Heliconius erato petiverana , 1847 Heliconius erato phyllis (, 1775) Heliconius erato reductimacula , 1953 Heliconius erato tobagoensis , 1982 Heliconius erato venus , 1882 Heliconius erato venustus , 1871

Einzelnachweise Butterflies and Moths of North America Butterflies of the Amazon and Andes James A. Scott: The butterflies of North America. Stanford University Press, Stanford, Kalifornien 1986, ISBN 0-8047-1205-0, S. 342/343 Flugzeiten

Jennifer F. Hoyal Cuthill, Nicholas Guttenberg, Sophie Ledger, Robyn Crowther, Blanca Huertas: Deep learning on butterfly phenotypes tests evolution’s oldest mathematical model In: Science Advances, Vol. 5, no. 8, 2019, S. 1–11 . Mirian Medina Hay-Roe & James Nation: Spectrum of Cyanide Toxicity and Allocation in Heliconius erato and Passiflora Host Plants In: Journal of Chemical Ecology, Volume 33, Issue 2, 2007, S. 319–329 .

Literatur James A. Scott: The butterflies of North America. Stanford University Press, Stanford, Kalifornien 1986, ISBN 0-8047-1205-0

Weblinks

istockphoto.com – Fotos butterfliesofamerica – Butterflies of America lifesciences – Animals of Trinidad and Tobago

Kategorie:Edelfalter