SAGA Unternehmensgruppe, kurz SAGA, ist der Name, mit der die SAGA Siedlungs-Aktiengesellschaft Hamburg öffentlich auftritt; die Gruppe ist ein kommunales Wohnungsunternehmen. Mit 140.000 Wohnungen und mehr als 1.500 Gewerbeobjekten (Stand jeweils 2025) ist das Unternehmen die größte Wohnungsgesellschaft Hamburgs. und das größte kommunale Wohnungsunternehmen Deutschlands. 2025 lebte zirka jeder siebte Hamburger in einer SAGA-Wohnung.
mini|Hauptverwaltung der SAGA am Osterbekkanal in Barmbek, im Vordergrund Ausstellungsobjekte des Museums der Arbeit, in der Mitte die TRUDE
Geschichte SAGA
+ Sitz der HauptverwaltungGemeinnützige Siedlungs-Aktiengesellschaft Hamburg: 50 Jahre SAGA, Wartenberg, Hamburg 1972, S. 56 f. Ralf Lange: Vom Wiederaufbau zum Bauboom. Die Ära Henry Zwanck. In: Thomas Krebs, Michael Ahrens (Hrsg.): SAGA. 100 Jahre Wohnen in Hamburg, Dölling und Galitz, München/Hamburg 2022, S. 79–125 und S. 297–302, hier S. 99 f. ISBN 978-3-86218-155-1. Ralf Lange: Nach dem Boom. Fusion, Krisen und neue Aufgabenfelder. In: Thomas Krebs, Michael Ahrens (Hrsg.): SAGA. 100 Jahre Wohnen in Hamburg, Dölling und Galitz, München/Hamburg 2022, S. 126–169 und S. 303–306, hier S. 131 f., ISBN 978-3-86218-155-1. Michael Ahrens: Die neue SAGA. Entwicklungen im 21. Jahrhundert. In: Thomas Krebs, Michael Ahrens (Hrsg.): SAGA. 100 Jahre Wohnen in Hamburg, Dölling und Galitz, München/Hamburg 2022, S. 246–287 und S. 313–315, hier S. 253 f.BezugOrt und Erläuterung 1923 Zwei Zimmer über dem Lindenkrug in der Steenkampsiedlung(heute Veit-Stoß-Weg 37, Bahrenfeld) 1927 Zwei Erdgeschoss-Wohnungen in der „Schichttorte“<br/ >(Bahrenfelder Steindamm 49, Bahrenfeld) 1939 Büros im Esplanadebau (Esplanade 6) in der Hamburger Neustadt 1945 Flachtrakt im Friedrich-Ebert-Hof(Brahmsstraße 100, heute Griegstraße, Ottensen) 1948 Esplanade 53–56, Altona-Altstadt 1953 Allee 72 (heute Max-Brauer-Allee, Altona-Altstadt) 1975 Große Bergstraße 154, Altona-Altstadt 2004 Poppenhusenstraße 2, Barmbek-Nord
Wirken in der Weimarer Republik (1922–1933)
Die SAGA wurde am 29. Dezember 1922 als kommunales Unternehmen der Stadt Altona/Elbe mit dem Namen Siedlungs-Aktiengesellschaft Altona gegründet. Die Eintragung ins Handelsregister des Amtsgerichts Altona erfolgte am 25. Januar 1923.Heinrich Thöns, Geschichte der SAGA (1922–1997), S. 15.Ralf Lange: In der Not geboren. Die Saga von ihrer Gründung bis zur Weltwirtschaftskrise. In: Thomas Krebs, Michael Ahrens (Hrsg.): SAGA. 100 Jahre Wohnen in Hamburg, Dölling und Galitz. München, Hamburg 2022, S. 12–45 und S. 289–291, hier S. 22. ISBN 978-3-86218-155-1. Ziel war, die damals herrschende drastische Wohnungsnot in der Stadt zu bekämpfen. Wesentlicher Initiator der Gründung war Max Brauer, damals Zweiter Bürgermeister und Stadtkämmerer Altonas.
Am 1. April 1923 übernahm die SAGA die Fertigstellung der als Gartenstadt konzipierten Steenkampsiedlung in Bahrenfeld.Ralf Lange: In der Not geboren. Die Saga von ihrer Gründung bis zur Weltwirtschaftskrise. In: Thomas Krebs, Michael Ahrens (Hrsg.): SAGA. 100 Jahre Wohnen in Hamburg, Dölling und Galitz. München, Hamburg 2022, S. 12–45 und S. 289–291, hier S. 23. ISBN 978-3-86218-155-1. Dabei übte der Stadtplaner Gustav Oelsner eine leitende Rolle aus.Manfred Sack: 75 Jahre Architekturgeschichte. 1997, S. 99. Sein Form- und Gestaltungswille prägte die SAGA bis 1933.Ralf Lange: In der Not geboren. Die Saga von ihrer Gründung bis zur Weltwirtschaftskrise. In: Thomas Krebs, Michael Ahrens (Hrsg.): SAGA. 100 Jahre Wohnen in Hamburg. Dölling und Galitz, München/Hamburg 2022, ISBN 978-3-86218-155-1, S. 24–37. Die SAGA verwaltete 1923 760 städtische Kleinwohnungen.Zum Steenkamp und zur Verwaltungsaufgabe siehe Heinrich Thöns, Geschichte der SAGA (1922–1997), S. 16. Nach der kriegs- und inflationsbedingten Bauflaute nahm die SAGA ab 1924 eine rege Bautätigkeit auf. Das Unternehmen wuchs zudem, weil die Verwaltung kommunaler Immobilien der mithilfe des Groß-Altona-Gesetzes eingemeindeten Vororte in die Hände der SAGA überging.Heinrich Thöns, Geschichte der SAGA (1922–1997), S. 17. 1927 betreute das Unternehmen 2016 Mieteinheiten, durch Bau und Zukäufe stieg der Bestand eigener Wohnungen bis Ende 1932 auf 3775 an, hinzu kamen ca. 1800 Wohnungen, die sie im Auftrag Dritter, insbesondere der Stadt Altona, verwaltete.Gemeinnützige Siedlungs-Aktiengesellschaft Hamburg: 50 Jahre SAGA, Wartenberg, Hamburg 1972, S. 146.Thomas Krebs, Michael Ahrens (Hrsg.): SAGA. 100 Jahre Wohnen in Hamburg, Dölling und Galitz. München, Hamburg 2022, S. 324–327. ISBN 978-3-86218-155-1. Ihrem Ziel, minderbemittelten Familien und Einzelpersonen zu angemessenem Wohnraum zu verhelfen, wurde die SAGA nicht vollauf gerecht. Der Arbeiteranteil unter den SAGA-Mietern lag unter dem Arbeiteranteil in Altona; überrepräsentiert war hingegen der „neue Mittelstand“: Angestellte, Beamte, Lehrer, Techniker und Ingenieure.Ralf Lange: In der Not geboren. Die Saga von ihrer Gründung bis zur Weltwirtschaftskrise. In: Thomas Krebs, Michael Ahrens (Hrsg.): SAGA. 100 Jahre Wohnen in Hamburg, Dölling und Galitz. München, Hamburg 2022, S. 12–45 und S. 289–291, hier S. 38 f. ISBN 978-3-86218-155-1.
Die Weltwirtschaftskrise erzeugte Probleme auch für die SAGA: Viele Mieter zahlten ihre Mieten nicht;Ralf Lange: In der Not geboren. Die Saga von ihrer Gründung bis zur Weltwirtschaftskrise. In: Thomas Krebs, Michael Ahrens (Hrsg.): SAGA. 100 Jahre Wohnen in Hamburg, Dölling und Galitz. München, Hamburg 2022, S. 12–45 und S. 289–291, hier S. 40. um Kosten zu decken, erhöhte das Unternehmen Mieten dreimal, was zu heftigen Auseinandersetzungen mit Mietern führte; zwei in Insolvenzgefahr geratene Wohnungsbaugenossenschaften wurden von der SAGA übernommen.Heinrich Thöns, Geschichte der SAGA (1922–1997), S. 17 f.
Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten änderte sich die personelle Struktur des Unternehmens merklich. Max Brauer, Oberbürgermeister von Altona und Aufsichtsratsvorsitzender der SAGA, wurde abgesetzt und floh ins Ausland.Dazu Axel Schildt: Max Brauer, Ellert und Richter, Hamburg 2002, S. 43–48, ISBN 3-8319-0093-0. Auch eine Reihe weiterer Mitglieder des Aufsichtsrats, des Vorstands, der Geschäftsführung und der zweiten Führungsreihe musste weichen, zum Teil wurden sie inhaftiert. Als Symbol der „nationalsozialistischen Revolution“ hatte die SA die SAGA-Büros besetzt.Heinrich Thöns, Geschichte der SAGA (1922–1997), S. 19. Michael Ahrens: Ein Zahnrad im neuen System. Die Zeit des Nationalsozialismus. In: Thomas Krebs, Michael Ahrens (Hrsg.): SAGA. 100 Jahre Wohnen in Hamburg, Dölling und Galitz. München, Hamburg 2022, S. 46–77 und S. 292–296, hier S. 49–51. ISBN 978-3-86218-155-1. Die Führung des Unternehmens übernahmen Nationalsozialisten, das Unternehmen wurde gleichgeschaltet.Dazu im Detail Michael Ahrens: Ein Zahnrad im neuen System. Die Zeit des Nationalsozialismus. In: Thomas Krebs, Michael Ahrens (Hrsg.): SAGA. 100 Jahre Wohnen in Hamburg, Dölling und Galitz. München, Hamburg 2022, S. 46–77 und S. 292–296, hier S. 51–55 sowie S. 60–62. ISBN 978-3-86218-155-1.
Trotz des Bedarfs an weiteren Wohnungen wurden zunächst keine neuen errichtet. Stattdessen beteiligte sich das Unternehmen an ideologisch motivierten Gestaltungsmaßnahmen im Bestand: Weil Flachdächer der in den Republikjahren errichteten Gebäude als „undeutsch“ galten, wurden sie durch Satteldächer ersetzt, teilweise verbunden mit Aufstockungen um ein weiteres Geschoss.Heinrich Thöns, Geschichte der SAGA (1922–1997), S. 19. Michael Ahrens: Ein Zahnrad im neuen System. Die Zeit des Nationalsozialismus. In: Thomas Krebs, Michael Ahrens (Hrsg.): SAGA. 100 Jahre Wohnen in Hamburg, Dölling und Galitz. München, Hamburg 2022, S. 46–77 und S. 292–296, hier 52 f. ISBN 978-3-86218-155-1.
Das Groß-Hamburg-Gesetz vom 1. April 1937 veränderte den kommunalen Bezugsrahmen des Unternehmens. Es ging in das Eigentum Hamburgs über und konkurrierte von nun an im neuen Groß-Hamburg mit weiteren städtischen Wohnungsbaugesellschaften. Ab 1938 nahm das Unternehmen wieder umfangreiche Bautätigkeiten auf. 1939 fusionierte es mit der Baugesellschaft Hamburg mbH. Auf diese Weise kam die SAGA an etwas mehr als 1600 Kleinsiedlerstellen. Die Firmierung wurde ebenfalls angepasst; die SAGA hieß nun Gemeinnützige Siedlungs-Aktiengesellschaft Hamburg.Michael Ahrens: Ein Zahnrad im neuen System. Die Zeit des Nationalsozialismus. In: Thomas Krebs, Michael Ahrens (Hrsg.): SAGA. 100 Jahre Wohnen in Hamburg, Dölling und Galitz. München, Hamburg 2022, S. 46–77 und S. 292–296, hier 62–65. ISBN 978-3-86218-155-1.
Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges (1. September 1939) verfügte die SAGA über einen Bestand von 6617 Einheiten.Heinrich Thöns, Geschichte der SAGA (1922–1997), S. 20 f. Im Krieg wurden nur noch wenige Wohnungen errichtet, dafür waren Materialengpässe, Kontingentierungen, Arbeitskräfteknappheit und schließlich ein behördlich verordneter Neubaustopp verantwortlich. Luftangriffe auf Hamburg – wie die „Operation Gomorrha“ – beschädigten und vernichteten bis Kriegsende am 8. Mai 1945 erhebliche Teile des Immobilienbestandes der SAGA: Ende 1944 war etwas mehr als ein Viertel der zirka 5000 SAGA-eigenen Wohnungen unbewohnbar geworden.Michael Ahrens: Ein Zahnrad im neuen System. Die Zeit des Nationalsozialismus. In: Thomas Krebs, Michael Ahrens (Hrsg.): SAGA. 100 Jahre Wohnen in Hamburg, Dölling und Galitz. München, Hamburg 2022, S. 46–77 und S. 292–296, hier S. 68–70 und 73 f. ISBN 978-3-86218-155-1. Durch das Unternehmen errichtete Behelfsunterkünfte und Notwohnungen für Ausgebombte, sogenannte Plattenhäuser (→Plattenhaus Poppenbüttel), boten kaum angemessenen Ersatz. Für diese Plattenhäuser sind von KZ-Häftlingen im KZ Neuengamme vorgefertigte Betonteile benutzt worden. Bei der Errichtung der Notbehelfe innerhalb Hamburgs waren 1500 aus dem KZ Auschwitz-Birkenau verlegte Häftlinge zum Einsatz gekommen: 1500 Juden aus der Tschechoslowakei, Polen und Ungarn. Auch italienische Militärinternierte sind dazu herangezogen worden. Ralf Lange: Exkurs. Norwegerhäuser und Behelfsheime. In: Thomas Krebs, Michael Ahrens (Hrsg.): SAGA. 100 Jahre Wohnen in Hamburg, Dölling und Galitz. München, Hamburg 2022, S. 75 f und S. 296, hier S. 75.
Nachkrieg, Wiederaufbau, Großsiedlungen (1945–1972) mini|Ein Gebäude der Grindelhochhäuser