Das Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung (BIK) ist eine österreichische Forschungseinrichtung der Ludwig Boltzmann Gesellschaft. Es besteht seit 1993. Gründungsdirektor war der Historiker Stefan Karner; er stand dem BIK bis Februar 2018 vor. Anfang März 2018 übernahm Barbara Stelzl-Marx die Leitung des Instituts; sie war seit 2001 Karners Stellvertreterin gewesen. Das BIK sitzt in Graz und hat Zweigstellen in Wien und Raabs an der Thaya.

Das Institut Das BIK ist ein Institut der Ludwig Boltzmann Gesellschaft und untersucht die politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, sozialen, humanitären und kulturellen Folgen von Kriegen und Konflikten. Die Vermittlung von Forschungsergebnissen ist neben der Forschung ein weiterer wichtiger Bestandteil der Arbeit am Institut. Daher organisiert das BIK jährlich zahlreiche wissenschaftliche Veranstaltungen und ist in die Konzeption großer Ausstellungen involviert. Zudem unterstützt das Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung Angehörige bei der Nachforschung zu Kriegsgefangenen, Vermissten und Zwangsarbeitern des Zweiten Weltkriegs.

Anfang 2026 waren 25 Mitarbeiter am Institut beschäftigt.

Forschungsschwerpunkte Bei der Gründung 1993 wurde vor allem der Schwerpunkt in der Forschung zu österreichischen Kriegsgefangenen in der ehemaligen Sowjetunion gesetzt. Seither sind zahlreiche Forschungsschwerpunkte dazugekommen, um die Auswirkungen von Kriegen und Konflikten des 20. Jahrhunderts interdisziplinär zu untersuchen. Die Forschungsarbeit am Institut ist in zwei Programmlinien gegliedert:

Weltkriege: In diesem Bereich werden die historischen Zusammenhänge und Wechselwirkungen des Ersten und Zweiten Weltkriegs analysiert. Ein besonderer Fokus liegt auf den Herrschaftsstrukturen politischer Systeme sowie der Radikalität und den Verbrechen des Zweiten Weltkriegs. Zentrale Projekte befassen sich mit den langfristigen gesellschaftlichen Folgen, wie dem Schicksal österreichischer Kriegsgefangener in der Sowjetunion sowie der Geschichte der Zwangsarbeit. Kalter Krieg: Dieser Schwerpunkt untersucht die Rolle Österreichs als neutraler Staat an der geopolitischen Schnittstelle zwischen den Westmächten und dem Ostblock. Die Forschung beleuchtet die Funktion des Landes als „Brückenbauer“ und internationale Begegnungsstätte, analysiert aber auch die Auswirkungen von Krisen (wie 1956 in Ungarn oder 1968 in der Tschechoslowakei) sowie die Bedeutung Österreichs als Schauplatz internationaler Geheimdienstaktivitäten.

Publikationstätigkeit Das Institut ist Herausgeber dreier Reihen von wissenschaftlichen Publikationen: Die sogenannte Blaue Reihe und die Rote Reihe (Sonderbände), deren Bücher bei unterschiedlichen Verlagen erscheinen (die älteren im Selbstverlag, neuere häufig bei Leykam oder dem Studienverlag), sowie die Böhlau-Reihe (Böhlau Verlag). Diese drei Reihen umfassen aktuell etwa 70 Bücher. Als Resultat der Forschungstätigkeit am Institut wurden darüber hinaus mehrere hundert Fachartikel in verschiedenen Fachzeitschriften, Reihen und Journals sowohl in Österreich als auch im Ausland veröffentlicht.

Blaue Reihe

Rote Reihe

Böhlau-Reihe

Weblinks Website des Instituts

Einzelnachweise

Kategorie:Folgen des Zweiten Weltkriegs Kategorie:Ludwig Boltzmann Gesellschaft Kategorie:Organisation (Graz) Kategorie:Forschungsinstitut in Österreich Kategorie:Forschungseinrichtungsgründung 1993