Die Reise von Charles Darwin ist eine von der BBC produzierte Fernsehserie, die am 31. Oktober 1978 erstmals ausgestrahlt und in Großbritannien und Deutschland gesendet wurde. Sie schildert das Leben des Naturwissenschaftlers und Forschers Charles Darwin, vor allem aber (Episoden 2–6) dessen Reise um die Welt von 1831 bis 1836. Die von Robert Reid geschriebene Serie hält sich eng an die historischen Fakten und wurde mit großem Aufwand an Originalschauplätzen gedreht. Die 1917 in Valencia gebaute und in Großbritannien registrierte Bark „Marques“ fungierte in der Serie als „Beagle“.
Episodenführer
1. Teil (I Was Considered a Very Ordinary Boy) (1825–1831) Der 16-jährige Charles Darwin wächst mit seinen beiden Schwestern in Mount nahe Shrewsbury bei seinem Vater Robert Darwin auf, der dort eine erfolgreiche Arztpraxis betreibt. Auf Wunsch des Vaters beginnt er an der Universität Edinburgh ein Medizinstudium, erkennt jedoch rasch, dass dies nichts für ihn ist. Als er zum ersten Mal einen chirurgischen Eingriff beobachten soll, ergreift der junge Charles schweißüberströmt die Flucht.
Im Sommer besucht er seinen Onkel Josiah Wedgwood, Sohn des berühmten Töpfereiunternehmers Josiah Wedgewood und hoch angesehener Parlamentsabgeordneter, und dessen Frau und Töchter in Maer Hall in Staffordshire. Im Januar 1828 beginnt er auf Vorschlag seines Vaters ein Theologiestudium am Christ’s College in Cambridge.
Etwa zu dieser Zeit – im Dezember 1828 – übernimmt der um drei Jahre ältere Lieutenant Robert FitzRoy vor Feuerland sein erstes Kommando an Bord des britischen Vermessungsschiffs Beagle, da dessen Kapitän Pringle Stokes Selbstmord begangen hat. Im Zug einer Strafaktion werden drei Indigene der Yámana als Geiseln genommen, und FitzRoy beschließt, diese mit nach England zu nehmen, um aus ihnen „zivilisierte Christen“ zu machen. Den intelligentesten der drei, der den englischen Namen Jemmy Button erhält, unterrichtet er persönlich in der englischen Sprache.
Währenddessen widmet sich Darwin in Cambridge drei Jahre lang mehr der Jagd nach Käfern als seinen Studien und besucht nur einige wenige Pflichtvorlesungen. Bereits im ersten Sommersemester nimmt ihn sein Freund Fox zum Botanischen Garten mit, wo er die Vorlesung von Professor Henslow, einem Geistlichen und Botaniker, hört. Henslow, dem auffällt, dass Darwins Enthusiasmus für die Naturwissenschaft erheblich stärker ist als jener für die Theologie, wendet sich dem jungen Mann zu und die beiden treffen sich ab nun beinahe täglich zu gemeinsamen Spaziergängen.
Im Sommer 1831 wird die HMS Beagle in Devonport überholt, bevor sie unter FitzRoys Kommando zu einer zweiten Reise nach Südamerika aufbrechen soll, um die Vermessungsarbeiten in Patagonien und Feuerland zu beenden, die Küsten von Chile und Peru zu kartographieren und chronologische Messungen rund um die Welt durchzuführen. Prof. Henslow empfiehlt Darwin als bestens geeigneten Naturforscher für diese auf drei Jahre angesetzte Expedition aufgrund seiner Fähigkeiten im Sammeln, Beobachten und Beschreiben. Darwins Vater ist anfangs dagegen, aber Onkel „Jos“ Josiah Wedgwood kann ihn schließlich umstimmen, und er bezahlt die Kosten von etwa 500 Pfund für die Reise seines Sohnes. Der konservative FitzRoy ist anfangs skeptisch ob der mangelnden Erfahrung Darwins, entscheidet sich aber dank Henslows Fürsprache schließlich für ihn.
Mit den drei auf FitzRoys Kosten ausgebildeten Einheimischen, die in Feuerland eine christliche Kolonie gründen sollen und einem Satz hervorragender Chronometer an Bord soll die Reise Ende 1831 losgehen. FitzRoy schenkt Darwin vor der Abreise noch die soeben veröffentlichten Prinzipien der Geologie von Charles Lyell. Am Tag vor der Abreise hat Darwin starke Herzbeschwerden, beschließt jedoch, niemandem davon etwas zu sagen, um seine Mitfahrt nicht zu gefährden.
Am 27. Dezember 1831 lichtet die Beagle mit ihren 70 Mann Besatzung den Anker und sticht in See. Darwin erinnert sich später: „Die Reise der Beagle sollte bei weitem das wichtigste Ereignis in meinem Leben werden und meine gesamte Zukunft beeinflussen.“
2. Teil (My Mind Was a Chaos of Delight) (1831–1832) Darwin leidet schwer an Seekrankheit, und so beschließ der zwar sehr korrekte, aber manchmal auch extrem launische Fitzroy, die Fahrt etwas zu verlangsamen, damit sich Darwin erholen kann. Als Darwin kurz darauf vulkanischen Staub an Deck findet, beschließt er, im Bramsegel-Stag des Fockmastes eine größere Probe davon zu sammeln, um dessen Herkunft zu klären und gewinnt durch diese Kletteraktion den Respekt FitzRoys und der Mannschaft. Unter dem Mikroskop entdeckt er dutzende organischer Lebensformen, die aufgrund der vorherrschenden Winde wahrscheinlich aus Südamerika stammen. Fitzroy stellt den jungen Covington als Assistenten für Darwin ab, und anlässlich seiner ersten Äquatorüberquerung muss der Naturforscher das traditionelle Ritual der „Neptunstaufe“ über sich ergehen lassen.
Am 20. Februar 1832 erreicht die Beagle San Salvador, das bis 1763 die Hauptstadt Brasiliens gewesen war, und wo Darwin, der Expeditionsmaler Augustus Earle und Lieutenant Wickham mitten in den Karnevalstrubel hineingeraten. Gemeinsam mit Covington erkundet Darwin den brasilianischen Regenwald und ist begeistert von der üppigen exotischen Flora und Fauna, die er minutiös beobachtet, wie er es in Cambridge gelernt hat. Im Rückblick sieht er dort den Anfang seiner Laufbahn als Naturwissenschaftler. Er beobachtet Nasenbären bei der Nahrungssuche, und das rätselhafte Fehlen großer Säugetiere in Südamerika beschäftigt ihn viele Monate.
Im März segelt die Beagle entlang der brasilianischen Küste südwärts, und Darwin wendet seine Aufmerksamkeit Meerestieren wie z. B. dem Igelfisch zu. Nach zwei Wochen Küstenvermessung nimmt FitzRoy Kurs auf Rio de Janeiro, wo Darwin zunächst von den gewaltigen geologischen Formationen fasziniert ist. Da Lt. Wickham einen Monat lang Ausbesserungsarbeiten am Schiff durchführen lässt, streift Darwin mit Covington in der Landschaft herum und sammelt zahlreiche Pflanzen und Insekten, beobachtet Blattschneiderameisen, Vogelspinnen und Frösche und fängt viele Schmetterlinge.
Als FitzRoy Abweichungen zwischen seinen und früheren französischen Vermessungen feststellt, beschließt er in Richtung San Salvador zurück zu segeln. Damit Darwin während der Korrekturmessungen seine Forschungen an Land weiterführen kann, stellt er ihn dem schottischen Plantagenbesitzer Patrick Lennon vor, der 100 Meilen landeinwärts ein großes Gut besitzt. Gemeinsam mit Earle und Covington reiten Darwin und Lennon zu dessen Landsitz. Unterwegs beobachtet Darwin die anscheinend hochorganisierten Wanderameisen und ist fasziniert von der Verwandlungsfähigkeit von Raupen. Eine Schlupfwespe, die ihre Eier auf einer gelähmten Spinne ablegt und diese so als Nahrungsquelle für ihren Nachwuchs benützt, veranlasst ihn zu der Feststellung: „Das Ausmaß der Grausamkeit ist ein Faktor, von dem die Natur keine Notiz zu nehmen scheint.“ Sowohl auf der viertägigen Reise als auch nach der Ankunft auf Lennons Gut zeigt sich Darwin wiederholt als Kritiker sowohl des britischen Klassensystems als auch der Sklaverei in Brasilien – sehr zum Ärger Lennons. Als er auf das Schiff zurückkehrt, gerät er über das Thema auch mit Fitzroy in einen heftigen Streit, der aber bald vergessen ist, denn nach einem Landgang erkranken einige der Männer an Fieber. Bis zum 19. Mai 1832 müssen drei davon, darunter der junge Musters, den FitzRoy besonders ins Herz geschlossen hatte, der See übergeben werden.
3. Teil (How Wide Was the Distance Between Savage and Civilised Man) (1832–1834) Am 22. September 1832 erforscht Darwin mit Covington die damals noch völlig unbewohnte argentinische Küste bei Punta Alta, etwa 300 Meilen südlich vom Río de la Plata. Sie beobachten eine Kolonie von Seelöwen und untersuchen die Muschelschicht eines Küstenabfalls, wobei sie in einem Umkreis von nur 200 Metern die Fossilien eines Megatheriums (eines längst ausgestorbenen Riesenfaultiers), eines Toxodons und einer Art Riesengürteltier entdecken. Darwin fragt sich, warum diese riesigen Tiere allesamt ausgestorben sind, um von so viel Kleineren ersetzt zu werden und wie viele Jahrtausende das wohl her sein mag. FitzRoy wendet ein, dass Erzbischof Ussher die Schöpfung auf das Jahr 4004 v. Chr. berechnet hat. Während Darwin eine Klima- bzw. Vegetationsänderung für das Aussterben vermutet, ist der Captain überzeugt, dass die Riesentiere die Sintflut nicht überlebt hätten. Er erinnert Darwin an sein Theologiestudium, aber der zweifelt mittlerweile nicht nur an Usshers Datierung der Schöpfung, sondern auch daran, dass er einen guten Geistlichen abgeben würde.
Im Dezember 1832 gerät die Beagle vor Kap Hoorn in einen schweren Sturm, und Darwin wird erneut von der Seekrankheit geplagt. Erst nach 24 Tagen Kampf gegen die See gibt FitzRoy den Versuch der Umrundung des Kaps auf und sucht die Durchfahrt weiter nördlich im Beagle-Kanal. Nun sollen die drei Feuerländer vom Stamm der Yámana, die FitzRoy nach England mitgenommen hatte, in Begleitung des jungen Reverend Richard Matthews wieder an Land gebracht werden, um eine christliche Mission zu gründen. Während der Maler Earle – der schon die Maoris Neuseelands kennengelernt hat – findet, man sollte die Indigenen vor den Mysterien der göttlichen Erlösung bewahren und ihnen besser praktische Dinge beibringen, welche ihr Leben erleichtern, sieht sich der fromme FitzRoy selbst für dieses Experiment verantwortlich. Zu Weihnachten werden Matthews und die drei Yámana – Jemmy Button, York Minster und Fuegia Basket – an Land gebracht und unter dem Schutz von Marinesoldaten ein Lager errichtet. Die sogleich herbeiströmenden Einheimischen stürzen sich auf die dargebrachten Geschenke. Jemmy Button schämt sich für seine „schmutzigen, wilden“ Landsleute. Als er auf seinen Bruder trifft, spricht er ihn zuerst auf Englisch und dann auf Spanisch an. Darwin bedauert Jemmy, der offenbar seine Muttersprache vergessen hat, und ist erschüttert ob der tiefen Kluft zwischen Wilden und zivilisierten Menschen. Die drei Yámana erinnern ihn an verletzte Tiere, die gezähmt und gesund gepflegt wurden, sich aber an die Gefangenschaft gewöhnt und den in der Wildnis nötigen Überlebensinstinkt verloren haben. Reverend Matthews argumentiert dagegen mit der Seele des Menschen, welche diesen von den Tieren unterscheide, wohingegen die Offiziere Wickham und Sulivan wiederum den Kannibalismus und die Brutalität der Indigenen einwenden. Sulivan wettet darauf sogar einen Sovereign: „Matthews kommt in den Suppentopf noch vor nächsten Dienstag.“
Die Mannschaft bricht wieder auf, um den westlichen Arm des Beagle-Kanals zu vermessen. Darwin ist beeindruckt von der unwirtlichen Landschaft, von Fels, Eis und Schnee sowie den gewaltigen Gletschern, und FitzRoy beschließt daraufhin, den höchsten Berg der Gegend „Mount Darwin“ zu nennen. Vor Einbruch des Winters kehrt das Schiff nach Wulaia zurück, wie FitzRoy es Matthews versprochen hat. Dort finden sie den jungen Reverend völlig erschöpft vor, und er und Jemmy Button berichten, dass die Yámana sie angegriffen und ihnen alles gestohlen hätten. Das Missionsexperiment ist also gescheitert, aber während Matthews froh ist, auf die „Beagle“ zurückkehren zu können, will Jemmy – trotz FitzRoys Angebot mitzukommen – in seiner Heimat bleiben. Der Captain verspricht, im folgenden Sommer wiederzukommen. Da FitzRoy mit den Aufzeichnungen der Küste Argentiniens noch nicht zufrieden ist, kehrt die „Beagle“ noch einmal in den Atlantik zurück. Darwin muss wie alle an Bord damit rechnen, dass es fünf lange Jahre dauern wird, ehe er seine Familie wiedersieht.