Der Gewöhnliche Hornklee (Lotus corniculatus), auch Gemeiner Hornklee genannt und in der Schweiz auch Schotenklee genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Hornklee (Lotus) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae).
Pflanzenbeschreibung mini|links|Illustration mini|Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus) mini|Die behornte Hülsenfrucht gab der Gattung ihren Namen. mini|Frucht des Gewöhnlichen Hornklees mini|Geöffnete Frucht mit Samen mini|Wegen seiner Bedeutung für Wildbienen angelegtes Hornklee-Beet im Alten Botanischen Garten Göttingen
Vegetative Merkmale Die ausdauernde krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen von 5 und 30 Zentimetern. Die aufsteigenden bis aufrechten oder niederliegenden, wenige verzweigten Stängel sind rund oder kantig.
Die Nebenblätter sind schief-eiförmig mit spitzem oberen Ende und fast so groß wie die Laubblätter. Die Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Die Blattspreite ist gefiedert. Die Blättchen sind verkehrt-eiförmig bis keilförmig, sehr kurz gestielt und ganzrandig. Die Blattunterseite ist etwas bläulich-grün. Die unteren zwei Blättchen sind oft schief verkehrt-eiförmig.
Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Mai bis September. Die doldigen Blütenstände enthalten zwei bis sieben Blüten und sind an ihrer Basis mit drei kleinen Hochblättern versehen.
Die zwittrig Blüte ist zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die Kelchzähne sind vor der Anthese zusammengeneigt. Die 15 mm lange gelbe Blütenkrone ist eine typische Schmetterlingsblüte und oft außen rötlich. Das Schiffchen ist nach oben hin rechtwinklig aufgebogen.
Die Hülsenfrucht gab der Art ihren deutschen Namen. Die Hülsen sind etwa 2 bis 3 Zentimeter lang und 2,5 bis 4 Millimeter breit und gerade. Sie sind reif kastanienbraun und ihre Klappen rollen sich nach dem Aufspringen ein.
Der Gewöhnliche Hornklee ist eine recht variable Art und meist tetraploid. Die Chromosomenzahl ist 2n = 24.
Ökologie Der Gewöhnliche Hornklee dient auch als Futterpflanze, Stickstoff-Lieferant und Bienenweide. Mehr als 60 der in Deutschland knapp 600 nachgewiesenen Wildbienenarten sammeln Hornklee-Pollen.Infotafel am Hornklee-Beet im Alten Botanischen Garten Göttingen Sein Nektar enthält durchschnittlich 40 % Zucker, jede einzelne Blüte produziert täglich 0,08 mg Zucker.Helmut Horn, Cord Lüllmann: Das große Honigbuch, Kosmos, Stuttgart 3. Aufl. 2006, ISBN 3-440-10838-4, S. 30. Darüber hinaus ist der Gewöhnliche Hornklee eine wichtige Futterquelle für den Hauhechel-Bläuling.
Der Gewöhnliche Hornklee wurzelt bis einen Meter tief. Er wird über 20 Jahre alt. Er nimmt auch mit sehr mageren Böden vorlieb und ist dank seinem Wurzeltiefgang gegen Trockenheit besonders widerstandsfähig. Bemerkenswert ist auch die außergewöhnlich starke Bestockung der Art. Die Bestockungstriebe entspringen dicht gedrängt am Ende des kurzen dicken Erdstocks und bilden anfangs niederliegende, dann aufsteigende, aber nie sich bewurzelnde Stängel. Es bilden sich also keine Ausläufer.
Ein spezieller Pumpmechanismus dient der Bestäubung der Blüten. Der Pollen wird schon im Knospenzustand entleert. Dabei bilden die keulenförmig angeschwollenen Staubfäden einen Kolben, der den Pollen, falls Schiffchen und Flügel von einem Insekt belastet werden, aus der Blüte herauspressen. Dieser Vorgang kann pro Blüte etwa achtmal wiederholt werden.
Der Gewöhnliche Hornklee ist Wirtspflanze für Uredien und Telien des Rostpilzs Uromyces euphorbiae-corniculati.Peter Zwetko: [ Die Rostpilze Österreichs.] (PDF; 1,8 MB), Supplement und Wirt-Parasit-Verzeichnis zur 2. Auflage des Catalogus Florae Austriae, III. Teil, Heft 1, Uredinales. (PDF; 1,8 MB).
Die Blüten werden oft durch die Gallmücke Contarinia loti deformiert. Die Blüten werden dann zu meist kugeligen roten Blasen entwickelt.
Toxikologie Der Gewöhnliche Hornklee enthält Blausäure abspaltende (cyanogene) Verbindungen. Die gewöhnlich davon vorhandenen Mengen sind für Säugetiere unschädlich, aber bei Schnecken, den Hauptfeinden des frisch austreibenden Hornklees, wirken sie als Fraßgift.
Vorkommen Das Hauptverbreitungsgebiet des Gewöhnlichen Hornklee ist das mittlere und westliche Eurasien und der nördliche Mittelmeerraum. In Europa kommt er in allen Ländern ursprünglich vor außer in Island, wo er eingeführt wurde. In Österreich ist der Gewöhnliche Hornklee sehr häufig in allen Bundesländern.
Häufige Standorte sind Wiesen, Grasplätze, Halbtrockenrasen, Gebüsche, Steinbrüche, Felsen und Wegränder. Der Gewöhnliche Hornklee gedeiht auf warmen, mäßig trockenen bis frischen, nährstoff- und basenreichen, mehr oder weniger humosen, lockeren Lehmböden. Sie kommt in Pflanzengesellschaften der Ordnung Arrhenatheretalia, aber auch der Verbände Mesobromion oder Molinion vor. In den Alpen ist der Gewöhnliche Hornklee bis in Höhenlagen von etwa 2300 Metern anzutreffen. In den Allgäuer Alpen steigt sie am Kemptener Köpfle in Bayern bis zu einer Höhenlage von 2150 Metern auf.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).
Systematik Die Erstveröffentlichung von Lotus corniculatus erfolgte 1753 dur Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, Seite 775.
Je nach Autor gibt es verschiedene Unterarten, die andere aber als eigenständige Arten anerkennen wie beispielsweise Lotus delortii oder Lotus preslii Weitere Unterarten sind: Lotus corniculatus subsp. afghanicus Lotus corniculatus subsp. frondosus Lotus corniculatus subsp. fruticosus
Bilder Blütenstand des Gewöhnlichen Hornklees (Lotus corniculatus):
Literatur Gunter Steinbach (Hrsg.), Bruno P. Kremer et al.: Wildblumen. Erkennen & bestimmen. Mosaik, München 2001, ISBN 3-576-11456-4. Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5. Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Portrait. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
Einzelnachweise Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 598–599. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 138. Gustav Hegi, Helmut Gams: Familie Leguminosae. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, Band IV, Teil 3, S. 1367–1371. Verlag Carl Hanser, München 1964. Datenblatt Lotus corniculatus bei International Legume Database Information Service = ILDIS - LegumeWeb - World Database of Legumes, Version 10.38, 2010.
Weblinks
Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
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