miniatur|Porträt von Aoki Konyō. Kamishimo und Schwert zeigen die soziale Stellung an. miniatur|Gebäude der Bibliothek Momijiyama-bunko im Schloss zu Edo miniatur|Aokis Grab im Ryūsen-Tempel (Ryūsen-ji, Tokyo) miniatur|Gedenkstein für die Einführung der Süßkartoffel im Botanischen Garten Koishikawa (Tokyo) Aoki Konyō (jap. ; * 19. Juni 1698Im japanischen Kalender 12. Tag, 5. Monat, 11. Jahr der Devise Genroku in Edo, Japan; † 9. November 1769Im japanischen Kalender der 12. Tag des 10. Monats im 6. Jahr der Devise Meiwa im Dorf Shimomeguro (Provinz Musashi)) war ein Konfuzianer und niederer Vasall der Tokugawa-Regierung, dessen Sprachstudien den Weg zur Entfaltung der einheimischen „Hollandkunde“ (Rangaku) des 18. Jahrhunderts eröffnete.Einen kompakten Überblick bietet Sugimoto Tsutomu im Kokushidajiten, Bd. 1, 1979 (). Er ist auch für die Verbreitung der Süßkartoffel (Satsuma-imo) bekannt.
Bildungsweg Aoki Konyō wurde in Edo (heute Tokyo), im Stadtviertel Nihonbashi, als erster Sohn des Fischhändlers Tsukudaya Han’emon () geboren. Über seine Kindheit und den frühen Bildungsweg ist nichts bekannt. Später studierte er Konfuzianismus in Kyōto bei Itō Tōgai (1670–1738), dem Sohn und Nachfolger des berühmten konfuzianischen Philosophen Itō Jinsai. Zurück in Edo erhielt er durch Fürsprache und Bürgschaften 1733 Zugang zur Hofbibliothek (Momijiyama-bunko ) im Schloss.
Verbreitung der Süßkartoffel In Japan kam es infolge von Missernten immer wieder zu Hungersnöten. So auch in den Jahren 1732/33.Das in der ersten Hälfte des 19. Jhs. kompilierte Geschichtswerk Tokugawa Jikki schreibt von 969.000 Toten, moderne Schätzungen gehen von 12.000 bis 17.000 Toten aus. Auf der Insel Ōmishima in der Seto-Inlandsee jedoch entging man dieser Katastrophe, weil man 1711 eine vergleichsweise wetterunanfällige Erdfrucht aus der südlichen Provinz Satsuma angebaut hatte. Diese war im 16. Jahrhundert aus Amerika über die Philippinen nach China gekommen. Um die Jahrhundertwende verbreitete sie sich in Ryūkyū (heute die japanische Präfektur Okinawa) und von dort in Satsuma, das den südlichen Nachbarn 1609 in ein Abhängigkeitsverhältnis gezwungen hatte.
1635 brachte Aoki seine „Gedanken über den Barbaren-Yams“ (Banshokō) zu Papier, die das Interesse in Regierungskreisen auf sich zogen. Im folgenden Jahr wurde er zum „Beauftragten für die Satsuma-Rübe“ (Satsuma-imo goyōkakari) ernannt. Mit dieser Position als niederer Vasall der Regierung war er aus der Schicht der Kaufleute in die der Samurai aufgestiegen. Nach dem erfolgreichen Anbau im Koishikawa-Kräutergarten der Regierung und zwei Dörfern namens Makuwari und Fudōdō verbreitete sich der Anbau von Süßkartoffeln im Raum Kantō, was sich in späteren Hungerepidemien als überaus hilfreich erwies. Im heutigen Makuhari (Präfektur Chiba), wo einst das Dorf Makuwari lag, errichtete man einen Shintō-Schrein für Aoki. Auf dem Gebiet des ehemaligen Dorfes Fudōdō, sowie im Botanischen Garten Koishikawa, einst der Kräutergarten der Tokugawa, steht ein Gedenkstein.Miyamoto (1962), Hirano (1968), Hata (1997), Aoki (2005, 2012)
Weitere Karriere 1739 wurde Aoki mit dem Erwerb von Büchern und Schriften betraut (Goshomotsu goyōtatsu). In dieser Funktion untersuchte er historisches Schrifttum in der Provinz Kai, der Provinz Shinano und der Provinz Mikawa usw., fertigte Kopien an und fasste diese unter dem Titel „Alte Schriften in einigen Provinzen“ (Shoshū komonjo) zusammen.
1740 erhielten er und der Arzt und Kräuterspezialist Noro Genjō (, 1693–1761) die Anweisung, die niederländische Sprache zu erlernen. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts war die Sprachmittelung zwischen Japan und den Handelsniederlassung der Niederländischen Ostindien-Kompanie in Nagasaki (Dejima) die Domäne einer Gruppe von „Holland-Dolmetschern“ (oranda-tsūji), die, vom lokalen Gouverneur ernannt und überwacht, beim Ausscheiden aus dem Dienst ihr Amt an einen ihrer leiblichen oder adoptierten Söhne vererbten. Unter dem 8. Shōgun Tokugawa Yoshimune der Tokugawa-Dynastie versuchte man, das Wissen der Europäer intensiver zu nutzen und lockerte u. a. die bis dato beschränkten Importe westlicher Fachliteratur.Seit der Ausweisung der Portugiesen und Spanier und dem Verbot des Christentums versuchte man, die Einfuhr christlicher Texte zu unterbinden. Zwar wurden 1641 medizinische, nautische und astronomische Texte von diesem Verbot ausgenommen, doch gelangten solche Werke lange Zeit nur auf Bestellung ins Land, meist in die Hände hochgestellter Persönlichkeiten. Mehr bei Michel (2010). Zwar gab es in Nagasaki Dolmetscherfamilien, die beachtliche Kenntnisse und Materialien vor allem zur westlichen Medizin akkumuliert hatten und diese in kleinen Privatschulen weitergaben. Doch strebte man nunmehr eine intensive und weiträumige Erschließung durch Fachleute an. Zusammen mit Noro zog Aoki für kurze Zeit nach Nagasaki und ließ sich von Dolmetschern unterweisen. Danach widmete er sich dem Selbststudium importierter Bücher und verfasste Einführungen in die niederländische Sprache und Schrift.Siehe hierzu vor allem Sugimoto (1977). Auch Noro wurde ähnlich aktiv und fertigte fragmentarische Übersetzungen aus niederländischen Werken zur Natur- und Kräuterkunde an. Beide kamen über vergleichsweise rudimentäre Sprachkenntnisse und grobe Übersetzungen nicht hinaus, doch handelte es sich um zwei konfuzianische Gelehrte, die sich der fremden Wissenschaft mit Unterstützung des Hofes widmen. Damit wurden sie zum Vorbild für andere Gelehrte und leiteten als Katalysator das Studium westlicher Schriften außerhalb Nagasakis ein.
1744 hatte man ihn zum Feuerwächter der Bibliothek (Momijiyama hi no ban ) ernannt. Drei Jahre später wurde er zum Konsultationsamt (Hyōjōsho ) der mächtigen Reichsräte versetzt. Mit der Ernennung zum Verwalter der Hofbibliothek Momijiyama-bunko erreichte seine Karriere 1767 ihren Höhepunkt. In dieser Funktion (shomotsu-bugyō) war er zusammen mit vier Amtskollegen für den Ausbau und die Überprüfung des Inhalts verantwortlich. Hierüber führten sie ein Diensttagebuch.Insgesamt 209 Bände dieses informationsreichen Go-shomotsukata nikki () werden im National-Archiv (Kokuritsu Kōbunshokan) gehütet.
1769Viele der Grippeepidemien (kaze ) erhielten Namen. Hier handelt es sich um die Inabakaze (, wörtl. Inaba-Grippe) genannte Epidemie im 6. Jahr der Devise Meiwa. starb er während einer Virusgrippen-Epidemie im Alter von 72 Jahren.
Den Altersmemoiren „Beginn der Hollandstudien“ (Rangakukoto hajime) des Hollandkundlers und Arztes Sugita Gempaku zufolge unterwies Aoki in seinen späten Jahren den Arzt Maeno Ryōtaku der Domäne Nakatsu, der ein starkes Interesse an Sprachstudien entwickelt hatte und sich später als Hauptübersetzer der „Anatomischen Tabellen“ des Johann Adam Kulmus historische Verdienste erwarb.
Schriften (Auswahl) Shoshū komonjo, Banshokō, Oranda bunyaku, Sōro zatsudan, 1738 Oranda moji ryakkō, (gedruckt 1917) Keizai sanyō, Kansho no ki, 1745
Literatur Aoki, Nanao: Nenpu – Aoki Konyō-den. Privatdruck Aoki Nanao, 2005 () Aoki, Nanao: Aoki Konyō – denki, jiseki. Privatdruck Aoki Nanao, 2012 () Hata, Yūhei: Imo-bugyō Aoki Konyō. Tōkyō: Kōbunsha, 1997 () S. Noma (Hrsg.): Aoki Kon’yō. In: Japan. An Illustrated Encyclopedia. Kodansha, 1993. ISBN 4-06-205938-X, S. 43. Hirano, Genzaburō: Aoki Konyō-den. Tōkyō: Rinjinsha, 1968 ()
Wolfgang Michel: Medizin, Heilmittel und Pflanzenkunde im euro-japanischen Kulturaustausch des 17. Jahrhunderts. In: Hōrin – Vergleichende Studien zur japanischen Kultur, Nr. 16, 2010, S. 19–34.* Miyamoto, Tsuneichi: Kansho no rekishi. Tōkyō: Miraisha, 1962 ()
Sugimoto, Tsutomu: Aoki Konyō to rango no gakushū. In: Sugimoto T.: Edojidai rangogaku no seiritsu to sono tenkai II. Tōkyō: Waseda Daigaku Shuppanbu, 1977, S. 49–170 () Yoneyama, Kazumasa: Aoki Konyō no komonjo saihō. In: Shinano, 8(10) 1956, S. 640–654 ()
Weblinks Nachweise wichtiger Schriften von und zu Aoki Konyō in der Database of Pre-Modern Japanese Works (National Institute of Japanese Literature) Ōtsuki Fumihiko: Aoki Konyō denki shiryō (Materialien von und zu Aoki Konyō, Waseda University Library)
Einzelnachweise
Kategorie:Konfuzianismus Kategorie:Autor Kategorie:Mediziner (18. Jahrhundert) Kategorie:Japaner Kategorie:Agronom Kategorie:Geboren 1698 Kategorie:Gestorben 1769 Kategorie:Mann