mini|Satellitenbild des Amazonas­beckens, Rauchentwicklung durch die Brände, 20. August 2019 mini|Region des Amazonas-Regenwalds

Die Waldbrände im Amazonas-Regenwald 2019 betreffen die Wälder im Gebiet des Amazonas in Brasilien, Bolivien, Kolumbien, Paraguay und Peru bis zur Grenzregion Argentiniens in Gran Chaco.Amazonas-Regenwald brennt. NASA-Weltall-Bild entsetzt. In: Morgenpost, 23. August 2019Brasilien. Waldbrände zerstören Amazonas-Regenwald am 21. August 2019 auf tagesschau.de, abgerufen am 23. August 2019Amazonasbecken. Schon 72.000 Brände in diesem Jahr am 22. August 2019 auf tagesschau.de, abgerufen am 23. August 2019 Im August 2019 verbrannten allein binnen fünf Tagen 471.000 Hektar Wald, Weiden und Felder.Feuer im Amazonas: schon 471.000 Hektar Land zerstört. In: Kurier, 21. August 2019. Das gesamte Amazonas-Biom umfasst etwa 670 Millionen Hektar. Zwar treten bereits seit Jahren Waldbrände in der Region auf, jedoch begann im Mai 2019 eine Trockenperiode, auf die zahlreiche Waldbrände folgten. Der Anstieg entsprach im Juni 2019 über 88 % im Vergleich zum Vorjahr. Es kann zwischen 40 und 50 Jahren dauern, bis wieder Sekundärwald gewachsen ist. Mindestens 100 Jahre werden benötigt, bis sich der Regenwald komplett regeneriert hat. Der durch die Brände freigesetzte CO2-Ausstoß stieg im Vergleich zu den Vorjahren an, war in den 2000er-Jahren aber zum Teil deutlich höher als 2019 (Vergleichszeitraum jeweils bis 21. August) mit einem Höhepunkt im Jahr 2004.The Amazon in Brazil is on fire - how bad is it?, bbc.com, 21. August 2019.

Im Zentrum internationaler Kritik steht Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro, der nach verschiedentlich geäußerten Ansichten nicht genug zur Eindämmung der Brände getan oder diese sogar indirekt durch seine Politik gefördert habe. mini|Vom Satelliten Aqua erstellte Bilder, die das vom 8. bis 22. August 2019 durch Brände im brasilianischen Amazonas verursachte Kohlenstoffmonoxid darstellen.

Betroffene Regionen mini|Visualisierung der Brände vom 15. bis 22. August 2019 auf Grundlage von Bildmanipulation von MODIS-Satellitenbilddaten mini|Videoaufnahme des Wettersatelliten GOES-16 vom südlichen Rand des Amazonas-Regenwaldes, das am 4. August 2019 in Bolivien und Brasilien brannte

Von Waldbränden in der Amazonas-Region sind Gebiete auf dem Staatsgebiet mehrerer Länder im Norden Südamerikas betroffen. Die geographisch größten von Feuern verwüsteten Regionen sind Gebiete in den nördlichen Bundesstaaten Brasiliens. In dem Land wurden bis August 2019 über 75.000 Brände registriert, was einer Zunahme von 85 Prozent im Vergleich vom Vorjahr entspricht. In den flächenmäßig kleineren bolivianischen Amazonas-Gebieten steigerte sich die Zahl der registrierten Brände bis August 2019 gar um 114 Prozent. Weiterhin wüten Waldbrände in Venezuela (26.500 Brände, gleichbedeutend einer Zunahme von 19 Prozent); Kolumbien (14.200 Brände), Peru (5600) und weiteren kleineren Staaten.

Nach dem staatlichen brasilianischen Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais (INPE, deutsch: Nationales Institut für Weltraumforschung) wurden in ganz Brasilien 75.336 Brände von Januar bis zum 23. August 2019 verzeichnet. Dies entspricht der Höchstzahl an gemessenen Waldbränden, seitdem INPE im Jahr 2013 Satelliten-Daten gesammelt hat. Die INPE gab am 20. August an, dass 39.194 Brände im Amazonas-Regenwald seit Januar stattgefunden haben. Mit Stand 23. August waren etwa 2.500 aktive Feuer im brasilianischen Amazonasgebiet bekannt.

Nicht nur das südliche Amazonasbecken, auch das wechselfeuchte Sumpfgebiet Pantanal ist betroffen.Schon 72.000 Brände in diesem Jahr, tagesschau.de, 22. August 2019.

Bolivien mini|Rote Punkte zwischen der Stadt Santa Cruz (weiß) und der Grenze zu Brasilien auf dem NOAA-NASA-Suomi-Satellitenbild vom 22. August

Ende August ging es um 846 Brandherde, die rund 738.000 Hektar Wald bedrohen, Feuer waren in etwa einem Drittel der Chiquitano-TrockenwälderVerheerende Waldbrände auch in Bolivien, Der Standard, 25. August 2019. der Region ChiquitaniaBolivien setzt "Supertanker" ein , zdf.de, 24. August 2019. (Llanos de Chiquitos) und im Gran Chaco.The Amazon is burning. Europe must not shy away from its responsibility (englisch), WWF, 22. August 2019. Nach Angaben der Landes-Forstverwaltung lag die Gesamtfläche der Brände bei 950.000 Hektar. Zur Feuerlöschung setzt die bolivianische Regierung Löschflugzeuge der Klasse Evergreen 747 Supertanker ein. Der Verteidigungsminister Javier Zavaleta gab bekannt, dass pro Tag vier Löscheinsätze folgen werden, wovon ein Löschflugzeug bis zu 75.000 Liter Wasser enthalten kann. Allein im Departamento Santa Cruz sind 1,4 Millionen Hektar Trockenwald verbrannt.

Ursachen und politische Reaktionen Tania Gutierrez, Leiterin der Brandaufsicht der bolivianischen Waldbehörde (ATB), sah Brandstiftung als Ursache.Feuer im Amazonas: schon 471.000 Hektar Land zerstört. In: Kurier, 21. August 2019 Boliviens Präsident Evo Morales hatte wenige Wochen zuvor per Dekret Rodungen in zwei Provinzen am Amazonas erlaubt, zugunsten von Viehzüchtern, die Fleisch nach China exportieren wollen. Umweltschützer hatten Morales deswegen scharf kritisiert, was wegen der auf Brasilien konzentrierten internationalen Berichterstattung jedoch kaum wahrgenommen worden war.Tobias Käufer: Flammen zerstören Brasiliens grüne Lunge, Stuttgarter Nachrichten, 22. August 2019. Das Nachbarland Chile bot Bolivien seine Hilfe an, was als außergewöhnlich wahrgenommen wurde, da die Länder in einem langjährigen diplomatischen Streit verfeindet sind. Die katholische Kirche Boliviens forderte die Regierung auf, den nationalen Notstand auszurufen.

Anfang Oktober 2019 halfen starke Regenfälle dabei, die Feuer im bolivianischen Amazonas-Gebiet einzudämmen.Regenfälle dämmen Amazonas-Brände ein. In: orf.at. 8. Oktober 2019, abgerufen am 26. Oktober 2019.

Brasilien Verlauf, Verbreitung und Ausmaß Von Januar bis August 2019 brachen insgesamt 75.336 Brände in Brasilien aus.Brasiliens Regenwald brennt. In: Zeit online, 21. August 2019 Besonders betroffen sind die Bundesstaaten Amazonas, Roraima, Rondônia, Mato Grosso und Pará. Am 16. August 2019 wurden von der NASA eine Ausbreitung der Feuer in den brasilianischen Bundesstaaten Amazonas und Rondônia, während die Feuer in Mato Grosso und Pará zurückgingen. Zu diesem Zeitpunkt wurden mindestens 74.155 Feuer in Brasilien identifiziert.

Am 11. August 2019 wurde der Klimanotstand im Bundesstaat Amazonas ausgerufen, der die größte Fläche an bestehenden Regenwald der Welt besitzt. Die Rauchentwicklung verdunkelte Mitte/Ende August sogar die 2700 km entfernte Großstadt São PauloChristoph Gurk: Waldbrand im Amazonas – Feuer frei. In: Süddeutsche Zeitung, 21. August 2019, wo Rußpartikel den Regen schwarz werden ließen. Die Zeitung Folha de S. Paulo berichtete am 24. August, das aktuell pro Minute ca. drei Fußballfelder verbrannt werden.

Die brasilianische Polizei ermittelt mittlerweile gegen Brandstifter. Via WhatsApp haben sich nach der Polizei 70 Personen im Bundesstaat Pará auf der Landstraße BR-163 versammelt, um große Flächen in Brand zu legen. Die Bewohner erlitten teilweise Lungenerkrankungen durch den Rauch und Kinder mussten ins Krankenhaus gebracht werden.

Anzahl der Waldbrände vom 1. Januar bis zum 22. AugustJahr/Bundesstaat2013Änderungzum Vorjahrin %2014Änderungzum Vorjahrin %2015Änderungzum Vorjahrin %2016Änderungzum Vorjahrin %2017Änderungzum Vorjahrin %2018Änderungzum Vorjahrin %2019Acre70010 %7754 %806134 %1890−58 %7917 %851197 %2533Alagoas128−9 %11669 %196−60 %785 %82−25 %6119 %73Amazonas149499 %297721 %361626 %45778 %4948−42 %2870151 %7225Amapá2777 %48−8 %44−13 %38−55 %17111 %36−52 %17Bahia2133−28 %152811 %170345 %2475−38 %1516−22 %117790 %2245Ceará2744 %28522 %34829 %450−56 %19465 %321−4 %306Distrito Federal do Brasil52134 %122−60 %48231 %159−30 %110−64 %3951 %59Espírito Santo179−35 %115119 %25244 %365−76 %871 %88160 %229Goiás133841 %1892−19 %152057 %2393−25 %1792−24 %134622 %1653Maranhão400381 %72477 %7822−16 %6506−31 %4460−11 %395123 %4880Minas Gerais193324 %2414−37 %150990 %2873−31 %1971−20 %156475 %2739Mato Grosso do Sul1322−27 %954109 %19997 %21539 %2367−54 %1071278 %4056Mato Grosso763134 %10.267−15 %869550 %13.078−33 %8662−14 %740891 %14.157Pará3092170 %8349−4 %7967−3 %770924 %9590−65 %3330198 %9952Paraíba7167 %119−34 %78−6 %73−45 %4060 %6420 %77Pernambuco173−5 %16448 %244−63 %9036 %123−22 %9536 %130Piauí1440123 %3223−19 %2599−7 %2416−34 %158185 %2933−25 %2176Paraná1298−23 %99220 %119644 %1724−10 %1540−1 %151112 %1697Rio de Janeiro173101 %348−1 %3430 %346−30 %241−41 %140182 %396Rio Grande do Norte69−17 %5736 %78−28 %5623 %6921 %84−31 %58Rondônia693210 %215146 %3156−2 %3073−12 %2700−29 %1908203 %5787Roraima95084 %1757−14 %1499136 %3541−82 %616221 %1981132 %4608Rio Grande do Sul89033 %1192−25 %894150 %2242−37 %1399−27 %100980 %1817Santa Catarina958−49 %48132 %635112 %1352−23 %1034−15 %87313 %988Sergipe155−56 %68122 %151−53 %70−2 %688 %74−16 %62São Paulo127446 %1872−42 %1078104 %2208−29 %156538 %2172−30 %1516Tocantins409536 %5578−12 %490950 %7375−32 %4995−23 %382954 %5900Summe36.54550 %55.091−3 %53.38529 %69.310−24 %52.558−22 %40.78684 %75.336

Hintergrund 60 % des Amazonas-Regenwalds befinden sich in Brasilien, 20 % hiervon wurden seit den 1970er-Jahren durch Brandrodung zerstört. Dies entspricht der Fläche des US-Bundesstaates Texas. Bereits 2016 wurden 68.484 Waldbrände und im Jahr 2018 40.136 Waldbrände verzeichnet. Brasilien braucht unter anderem große Flächen für Rinder-Farmen, da es zu den führenden Exporteuren gehört und überwiegend nach China und Hongkong liefert. Dies sorgte in Vergangenheit zu Brandrodungen, einige davon auch illegal in Naturschutzgebieten. Ebenfalls ist Brasilien Exportweltmeister für Sojabohnen, welche unter anderem als Tiernahrung eingesetzt werden. 2017 gingen 70 Prozent der Rodungen in Brasilien auf den Agrarsektor zurück.

Maßnahmen Neben den örtlichen Feuerwehren wurden ca. 44.000 Soldaten der brasilianischen Streitkräfte zur Brandbekämpfung abgestellt. Darüber hinaus kommen Löschflugzeuge zum Einsatz, darunter ein Supertanker.

Ursachen und politische Reaktionen Brasiliens Staatspräsident Jair Bolsonaro verwies auf die im Juli/August typische Trockenperiode. Ferner vermutete er Umweltschützer hinter Amazonas-Bränden, die ihn dadurch international in ein schlechtes Licht rücken wollten, weil er sich zuvor für eine Entwaldung ausgesprochen hatte und entsprechende beschränkende Gesetze für Unternehmen lockerte.

Alberto Setzer, Forscher bei der brasilianischen Weltraumbehörde INPE vertritt die Meinung, dass die Brände nicht allein auf die Trockenzeit oder Naturphänomene zurückgeführt werden könnten. Er äußerte die Ansicht, dass 99 % auf menschlichen Aktionen basierten und verglich die Lage mit Buschfeuern in Australien und Kalifornien. Der Präsident bezeichnete derartige Äußerungen als „Fake News“. Nachdem Brasiliens Staatspräsident Jair Bolsonaro dem INPE Irreführung und ausländische Einflussnahme durch Umweltschutzorganisationen vorwarf, stellten sich die brasilianische Akademie der Wissenschaften sowie Forschungs- und Hochschulverbände in einem offenen Brief hinter das INPE und bezeichneten dessen Datenerhebungen als transparent und präzise. Bolsonaro dagegen erklärte, „Mitarbeiter bei INPE, die Brasilien bewusst schaden wollten“, würden entlassen, und enthob den Direktor des INPE, Ricardo Galvão, seines Amtes, da er die Regierung vor der Veröffentlichung der Daten nicht vorgewarnt habe.