The Squad (Die Truppe) oder Squad bezeichnet eine informelle Gruppe aus Mitgliedern des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten für die Demokratische Partei. Er besteht aus sechs demokratischen Abgeordneten des Repräsentantenhauses. Sie zeigen starke Präsenz in den sozialen Netzwerken und gelten als Teil des progressiv-linken Parteiflügels und als Repräsentantinnen einer jüngeren Generation sowie einer Vielzahl bislang kaum im Kongress vertretener Minderheiten.
Seit der Wahl zum Repräsentantenhaus 2018 treten sie als befreundete Kollegen und Gruppe in Erscheinung und werden als solche wahrgenommen und bewertet. Die Bezeichnung Squad stammte zuerst von Ocasio-Cortez selbst, wird seitdem aber auch von demokratischen und republikanischen Politikern, anderen Persönlichkeiten und den Medien benutzt. Bekanntheit als Gruppe unter diesem Namen erlangten sie auch über Angriffe durch den ehemaligen Präsidenten Donald Trump auf Twitter.
Mitglieder Gründungsmitglieder Im 116. Kongress ab 2019 bestand die Gruppe aus vier jungen Women of color:
Alexandria Ocasio-Cortez (* 13. Oktober 1989, genannt AOC) für den 14. Kongresswahlbezirk von New York Ilhan Omar (* 4. Oktober 1982) für den 5. Kongresswahlbezirk von Minnesota Ayanna Pressley (* 3. Februar 1974) für den 7. Kongresswahlbezirk von Massachusetts Rashida Tlaib (* 24. Juli 1976) für den 13. Kongresswahlbezirk von Michigan
Ab 2021 Im 117. Kongress 2021 wurden zwei weitere Mitglieder aufgenommen, die ebenfalls Person of Color sind, darunter auch ein Mann: Bowman und Bush zählen mittlerweile nicht mehr zur Squad, da sie nicht wiedergewählt wurden.
Jamaal Bowman (* 24. Juli 1976) für den 16. Kongresswahlbezirk von New York Cori Bush (* 21. Juli 1976) für den 1. Kongresswahlbezirk von Missouri
Ab 2023 Im 118. Kongress 2023 wurden drei weitere Mitglieder aufgenommen, darunter auch ein Mann.
Greg Casar (* 4. Mai 1989) für den 35. Kongresswahlbezirk von Texas Summer Lee (* 26. November 1987) für den 12. Kongresswahlbezirk von Pennsylvania Delia Ramirez (* 2. Juni 1983) für den 3. Kongresswahlbezirk von Illinois
Abgeordnete im Kongress Wahlen 2018 Ocasio-Cortez, die puerto-ricanischer Abstammung ist, war politisch zuvor im Präsidentschaftswahlkampf für Bernie Sanders aktiv und gewann 2018 zunächst die parteiinterne Vorwahl gegen Joe Crowley sowie die Hauptwahl gegen den Republikaner Anthony Pappas. Omar, die aus Somalia stammt, wurde 2016 in das Repräsentantenhaus von Minnesota gewählt und wurde damit die erste Abgeordnete in einer State Legislature aus Somalia. 2018 gewann sie die Vorwahl, bei der der bisherige Amtsinhaber Keith Ellison nicht mehr zur Wiederwahl antrat, und die Hauptwahl gegen Jennifer Zielinski. Pressley wurde 2009 in den Bostoner Stadtrat gewählt und war die erste afroamerikanische Frau in diesem Gremium. 2018 gewann sie mit dem Slogan „Change can't wait“ die Vorwahl gegen Mike Capuano, der den Sitz seit zehn Legislaturperioden innehatte. Ihr Sieg wurde mit dem von Ocasio-Cortez verglichen, weil beide als junge Women of Color langjährige Amtsinhaber geschlagen hatten. Nach Pressleys Sieg gratulierte Ocasio-Cortez ihrer „Schwester im Dienste“. Die Hauptwahl gewann Pressley ohne Schwierigkeiten, da kein republikanischer Gegenkandidat antrat. Tlaib, die von palästinensischen Immigranten abstammt, wurde 2008 in das Repräsentantenhaus von Michigan gewählt, als der Amtsinhaber Steve Tobocman, für den sie zuvor gearbeitet hatte, wegen Amtszeitbeschränkungen nicht mehr kandidieren konnte, und war in diesem Amt eine der ersten palästinensischstämmigen Abgeordneten für Michigan. 2018 gewann sie die Vorwahl gegen Brenda Jones und die Hauptwahl ohne wesentlichen Gegenkandidaten.
Ocasio-Cortez ist die bisher jüngste Frau im Kongress. Pressley ist Massachusetts’ erste schwarze Kongressabgeordnete. Omar ist die erste Abgeordnete, die aus Somalia stammt, die aus Afrika in die Vereinigten Staaten eingebürgert ist, und die erste nicht-weiße Abgeordnete aus Minnesota. Tlaib ist die erste palästinensischstämmige Kongressabgeordnete und gemeinsam mit Omar die ersten Muslima im Kongress. Beide leisteten den Amtseid auf den Koran, wobei Tlaib einen Thawb trug und den Hashtag #TweetYourThobe auslöste. Für Omar, die Hidschab trägt, wurde das Verbot religiöser Kopfbedeckungen im Kongress aufgehoben, sodass sie die erste Abgeordnete im Kongress mit einer religiösen Kopfbedeckung ist. Sie betonte zuvor, dass das Tragen des Kopftuchs ihre eigene Entscheidung sei.
2020 Die vier Abgeordneten haben sich für die kommende Wahl zum Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten 2020 am 3. November zur Wiederwahl gestellt. Alle vier sind mit z. T. großen Vorsprung wiedergewählt worden:
Alexandria Ocasio-Cortez setzte sich mit 68,8 Prozent der Stimmen gegen den Republikaner John Cummings durch. Rashida Tlaib gewann mit 77,9 Prozent der Stimmen gegen den Republikaner David Dudenhoefer. Ilhan Omar lag mit 64,5 Prozent der Stimmen vor dem Republikaner Lacy Johnson. Ayanna Pressley bekam 85,3 Prozent der Stimmen; ihr wichtigster Gegenkandidat war der Unabhängige Roy Owens.
Pressley war ohne Gegenkandidaten bei den Vorwahlen der Demokraten; die anderen drei hatten Herausforderer zur Vorwahl der Demokraten. Ocasio-Cortez wurde unter anderem von der Journalistin Michelle Caruso-Cabrera herausgefordert, für Omar war der Anwalt Antone Melton-Meaux der ernstzunehmendste Gegner. Bei Tlaib war Brenda Jones diesmal die einzige Herausforderin. Alle vier erhielten ein Endorsement von Senator Bernie Sanders. Dieser rief die Anhänger seiner Präsidentschaftskampagne zu Spenden an Ocasio-Cortez, Omar und Tlaib auf. Am 1. Juli 2020 bekundeten die vier Abgeordneten ihr gegenseitiges Endorsement und verkündeten den Start ihres gemeinsamen Fundraising-Komitees namens Squad Victory Fund, mit dem Geld gesammelt wird für ihre Wiederwahl-Kampagnen und mit ihnen verbundene PACs, die es dann anderen von ihnen unterstützten progressiven Kandidaten zugutekommen lassen können. Gemäß ihrer Ausrichtungen als Graswurzelbewegungen akzeptieren sie keine Spenden von Lobbyisten, Unternehmen-PACs, Unternehmen für fossile Brennstoffe oder Polizeiorganisationen. Alle vier Abgeordneten gewannen ihre Vorwahlen, daneben auch weitere Progressive, die als neue Mitglieder prognostiziert werden:
Jamaal Bowman für den 16. Kongresswahlbezirk von New York sagte, er werde unmittelbar einen Mitgliedschaftsantrag für den Squad einreichen, sowie dass er bereits Teil des Squad sei: „Ich war Teil des Squads, sogar bevor ich kandidierte, denn der Squad besteht nicht nur aus Kongressabgeordneten. Der Squad ist viel größer – wie Ayanna Pressley uns so redegewandt informierte: Der Squad ist groß und wächst. Daher war ich bereits ein Teil davon. Und ich erwarte, dass ich auch im Kongress weiterhin ein Teil davon sein werde.“ Ein weiteres neues Mitglied des Squad ist Cori Bush, die ebenfalls von Bernie Sanders und Justice Democrats unterstützt wurde, sich im August 2020 in der demokratischen Vorwahl für den 1. Kongresswahlbezirk von Missouri gegen William Lacy Clay durchsetzte und im November den Wahlbezirk gewann. Bowman und Bush wurden bei der Vereidigung des neuen Kongress am 3. Januar 2021 durch ein weiteres Foto als offizielle neue Mitglieder aufgenommen.
Gemeinsame Politik Die vier Abgeordneten werden im linken Flügel ihrer Partei, teilweise der radikalen Linken (far left), und als Teil einer neuen progressiven Bewegung, die ihre Partei weiter nach links zu rücken versucht, eingeordnet. Konservative Medien wie Fox News werfen ihnen vor, durch massiven Druck auf Entscheidungsträger die Demokraten weiter nach links rücken zu wollen. Liberale Medien loben einerseits ihre konsequente Orientierung auf Diversität,‘The Squad’ Is the Future of Politics, Barbara Ransby, New York Times, 8. August 2019 kritisieren andererseits die durch ihr Auftreten verursachte Entfremdung zentristischer Wähler von den Demokraten.Will the overexposed ‘Squad’ take Democrats over the cliff?, Dick Polman, WHYY/PBS/NPR, 18. Juli 2019Bernie Sanders turns to the Squad for far-left boost, to Trump’s delight, Hillary Chabot, Boston Herald, 30. Januar 2020 Ocasio-Cortez und Tlaib sind Mitglieder der Democratic Socialists of America. Alle vier sind Mitglied des Congressional Progressive Caucus und nach der Kongresswahl den Justice Democrats beigetreten, von denen sie zuvor im Wahlkampf unterstützt worden sind.Kandidaten und Mitglieder der Justice Democrats Sie sind sowohl für lauten, aktiven Protest gegen Donald Trump und anderer führender Republikaner wie Mitch McConnell bekannt, als auch dafür, dass sie sich bei unterschiedlicher Meinung sogar gegen die eigene Parteispitze stellen. Sie setzen sich gegen Diskriminierung, für Gleichberechtigung und die Rechte von Minderheiten ein, unter anderem für LGBT- und Frauenrechte.
Über ihre Gemeinsamkeiten sagte Pressley in einem Interview mit Gayle King von CBS: „Was wir sind, sind vier Frauen mit übereinstimmenden Werten und geteilten politischen Prioritäten. […] Was wir sind, sind vier Gesetzgebende, die zufällig immer wieder auf derselben Seite bei denselben Themen landen.“ ProgressivePunch, eine Ratingseite für progressive Politik, vergibt anhand des Wahlverhaltens bezüglich 14 bestimmter Themen an die Abgeordneten jeweils die Wertung „A“ mit Pressley und Tlaib neben anderen auf dem ersten Platz.Progressive Punch – Bewertung der Kongressabgeordneten, abgerufen am 23. Dezember 2019 Zu politischen Anliegen und Zielen, die größtenteils ihnen vier gemeinsam sind und als progressiv verortet werden, gehören die Krankenversicherung für alle, genannt „Medicare for all“, das Erlassen ausstehender Studentenschulden zusammen mit der Abschaffung von Schulgeld, ein höherer Mindestlohn von oder über 15 $, starker Umweltschutz, schärfere Waffengesetze, die Abschaffung privatisierter Gefängnisse und der United States Immigration and Customs Enforcement, Einsatz gegen die Inhaftierung illegal eingewanderter Kinder und amerikanische Kriegseinsätze.
Im Juni 2019 stimmten die vier als die einzigen Demokraten gegen eine Border Funding Bill, einen Gesetzesentwurf zur Finanzierung der United States Customs and Border Protection zur gesundheitlichen Versorgung Inhaftierter. Omar begründete, dieser Entwurf gäbe gerade der Organisation Geld, die die Menschenrechtsverletzungen an der Grenze begehe und anleite.
Sie sind für die Amtsenthebung von Donald Trump. Tlaib veröffentlichte an ihrem ersten Tag im Kongress einen Artikel, der dazu aufrief, und sagte: „We're gonna impeach the motherfucker!“ Pressley rief bereits nach ihrem Vorwahlsieg zu Trumps Amtsenthebung auf und nennt ihn statt Präsident bloß „Besetzer des Weißen Hauses“. Nachdem der Kongress Ende September 2019 im Zuge der Ukraine-Affäre eine Amtsenthebungsuntersuchung eingeleitet hatte, wurde CNN für einen Beitrag kritisiert, der eine andere Gruppe bestehend aus fünf weißen, moderaten, weiblichen Kongressabgeordneten die Führungsrolle im Bemühen um eine Amtsenthebung zugeschrieben hat. Damit sei die wichtige Rolle schwarzer Frauen – der Mitglieder des Squad sowie der Repräsentantin Maxine Waters –, die mit ihren frühen Rufen den Vorstoß nach einer Amtsenthebung anführten, ausradiert worden.
Omar und Tlaib äußerten mehrfach Kritik an der Regierung Israels, unterstützen Boycott, Divestment and Sanctions und kritisieren die Besetzung palästinensischer Gebiete, wofür ihnen Antisemitismus vorgeworfen wird. Gegen Bemühungen im Kongress, BDS zu verbieten, verteidigten sie in einer Erklärung mit dem Abgeordneten John Lewis, „dass alle Amerikaner das Recht haben, im Bestreben um Menschenrechte im In- und Ausland an Boycotts teilzunehmen, gesichert durch den 1. Zusatzartikel.“ Neben Omar und Tlaib stimmte auch Ocasio-Cortez gegen eine Erklärung, die BDS verurteilen sollte; Pressley stimmte dafür.