Margareten ist seit 1850 Teil Wiens und seit 1861 der 5. Wiener Gemeindebezirk. Es liegt innerhalb des Gürtels, der an Stelle des ehemaligen Linienwalls entstand, und ist nach der ehemaligen Vorstadt Margareten benannt.
Der Bezirk wurde 1861 vom 4. Bezirk, Wieden, abgetrennt und als selbstständiger Bezirk eingerichtet. Margareten ist ein typischer innerer Bezirk, ein dichtbesiedeltes Gebiet mit wenigen Grünflächen. Margareten gilt als Arbeiterbezirk und verfügt in Gürtelnähe über zahlreiche Gemeindebauten. Der Bezirk hatte 2025 auf 201 Hektar Fläche rund 55.000 Einwohner und mit 258 Pkw pro 1.000 Personen die wenigsten Autos.
Geografie Lage Margareten wird folgendermaßen begrenzt: Norden: Mariahilf (6. Bezirk), Grenze: Wienfluss Osten: Wieden (4. Bezirk), Grenze: Kettenbrückengasse, Margaretenstraße, Kleine Neugasse, Mittersteig, Ziegelofengasse, Blechturmgasse bis zur Südbahntrasse südlich des Margaretengürtels Süden: Favoriten (10. Bezirk), Grenze: Südbahntrasse südlich des Gürtels Westen: Meidling (12. Bezirk), Grenze: Gaudenzdorfer Gürtel (östlicher Fahrbahnrand)
Margareten liegt südwestlich der Inneren Stadt, des 1. Bezirks, und grenzt nicht unmittelbar daran. Es zählt dennoch zu den inneren Bezirken Wiens, zum erweiterten Stadtzentrum. Der Gebietsstreifen zwischen Hamburgerstraße und Rechter Wienzeile gehört zur Außenzone der Welterbestätte Historisches Zentrum von Wien.
Das Bezirksgebiet gehört zur Katastralgemeinde Margarethen (die sich – wie bei Katastralgemeinden häufiger anzutreffen – die ältere Schreibweise bewahrt hat). Ein Hektar dieser Katastralgemeinde liegt im Gebiet des Nachbarbezirks Mariahilf.
Der tiefste Punkt Margaretens liegt auf etwa im Wiental. In Richtung Süden, Richtung Wienerberg, steigt das Gelände leicht an. Margareten weist keine sprunghaften Höhenunterschiede oder Berge auf, die gesamte Höhendifferenz beträgt ungefähr 30 Meter.
Nutzung Die Baufläche Margaretens beträgt 63,8 % (Wien-weit 33,32 %), wobei rund 82 % auf Wohnbaugebiet entfällt. Mit 31,7 % nehmen Verkehrsflächen den zweitgrößten Anteil der Bezirksfläche ein (Wien-weit 13,75 %). Die Grünflächen nehmen nur 4,54 % der Bezirksfläche ein (Wien-weit 48,26 %), wobei 91,54 % für Parkanlagen genutzt werden. Innenhöfe, einzelne Bäume und Baumgruppen sowie begrünte Anlagen sind der größte Anteil an den Grünflächen, zusätzlich zählen die rund 80 Dachgärten dazu. Nur drei andere Bezirke (Neubau, Mariahilf und Josefstadt) haben noch weniger Grünanteil als Margareten, wobei seit dem Jahr 2000 der Anteil der Grünfläche verdoppelt wurde. Gewässer, Wälder, Kleingärten oder landwirtschaftlich genutzte Flächen sind in Margareten nicht vorhanden.Magistratsabteilung 5 (MA5): Nutzungsarten nach Bezirken, Stand 2012Stadt Wien: Grünflächensituation in Margareten 1999 (PDF; 62 kB), Stand 8. April 2008
+ Flächennutzung in ha 2012 Baufläche Grünfläche Gewässer Verkehrsflächen 128,1 8,5 0 64,6 Wohnbau Betriebsgebiet öffentliche Einrichtungen Landwirtschaft Parks Wälder Wiesen Kleingärten Freizeitflächen 112,8 10,9 4,4 0 8,1 0 0 0 0,4
Flüsse und Quellen Im Siebenbrunnenfeld in Oberreinprechtsdorf entspringen zahlreiche Quellen. 1562 erhielt der kaiserliche Hof schließlich als erster seine eigene Wasserzuleitung durch die Siebenbrunner Hofwasserleitung, die im Auftrag Kaiser Ferdinands I. errichtet wurde. Das Wasser wurde in sieben Brunnen gesammelt und in gusseisernen Rohren zu einem Reservoir unter der Augustinerbastei in Wien geleitet, von wo es wiederum in die Hofburg weitergeleitet wurde. Durch den Margaretenbrunnen am Margaretenplatz erlaubte Kaiser Franz I. ab 1829 den Bürgern, die Hofwasserleitung mitzubenutzen. Heute sind die sieben Quellen durch den Siebenbrunnen am Siebenbrunnenplatz dargestellt.
Geologie Margareten besteht hauptsächlich aus pleistozänem Terrassenschotter, der im Zeitraum zwischen 1,75 Millionen Jahren und 11.500 Jahren (im Zuge der letzten Eiszeiten) vor der heutigen Zeit entstand. Der Bezirk liegt größtenteils auf der Theresianum- und Arsenalterrasse, welche beide in der zweiphasigen Mindel-Kaltzeit entstanden. In Richtung Wienfluss (Norden) finden sich auch jüngere Löss- und Lösslehm-Böden, insbesondere im Bezirksteil Margareten auf der Stadtterrasse, welche in der Riß-Kaltzeit entstand.
In der Nähe des Wien-Flusses existieren rezente Ablagerungen (Grobklastika), die eine geringe Ausdehnung und Mächtigkeit haben. Auf Grund ihres Ursprungs aus der Flyschzone bestehen sie aus lehmigen, plattig ausgebildeten Sandsteinkiesen und haben daher nur geringe Bedeutung für das Grundwasser der Stadt.Die Geologie von Wien: Quartäre Lockersedimente, Stand 8. April 2008
Klima In Margareten gibt es keine offizielle Wetterstation mit langjährigen Messdaten. Durch die Nähe zur Inneren Stadt und die ähnliche Bebauung mit einem hohen Anteil an Gebäuden und Straßen sowie einem geringen Anteil an Grünflächen kann die offizielle ZAMG Wetterstation Innere Stadt für die Klimadaten in Margareten herangezogen werden.
Wie Wien hat das lokale Klima ozeanische Einflüsse aus dem Westen und kontinentale Einflüsse aus dem Osten. Typisch für Margaretens Klima sind geringere Niederschlagsmengen, wenig Schnee, viele trübe, mäßig kalte Tage im Winter, sonnig und heiße Tage im Sommer. Die Winter sind im Vergleich zu den Außenbezirken (außerhalb des Gürtels) milder, im Schnitt bis zu 2 °C. Die mittlere Lufttemperatur in den Jahren 1971 bis 2000 lag bei 11,4 °C. Die mittlere Niederschlagsmenge liegt bei rund 548 Millimeter jährlich. 50,4 Frosttage und 18,6 Eistage stehen 67,6 Sommertagen und 17,9 heißen Tagen gegenüber. Margareten hat 1883,6 Sonnenstunden zu verzeichnen, wobei im Dezember nur 50,6 Sonnenstunden hingegen im Juli 260,4 Sonnenstunden anfallen. Der Wind kommt meist aus West oder Nordwest.ZAMG: Klimadaten von Österreich 1971–2000, Stand 8. April 2008
Bezirksteile (Vorstädte vor 1850) 180px|rechts|Bezirksteile von Margareten Der heutige Bezirk Margareten umfasste in der Zeit vor 1850 mehrere eigenständige, aber jeweils einer Grundherrschaft unterstehende Vorstädte. Die Geschichte der einzelnen Vorstädte bis 1850 ist unter den jeweiligen Stichwörtern zu finden:
der westlichste Teil der Vorstadt Wieden (östlich der ungefähren Linie Hartmanngasse – Strobachgasse – Rüdigergasse)Carl Vasquez-Pinas von Löwenthal: Die kaiserl. königl. Haupt- und Residenzstadt Wien mit ihren Vorstädten und nächsten Umgebungen. Ch. F. Schade, Wien 1830. Siehe dazu moderne Nachzeichnung. Hundsturm (Der zuletzt Neumargareten genannte Bezirksteil der ehemaligen Gemeinde Hundsturm, von der Arndtstraße bis zur Eichenstraße jeweils vier bis sechs Häuserblöcke westlich des Gaudenzdorfer Gürtels, wurde per Landesgesetz Nr. 4 vom 2. Februar 1907 zu Meidling, 12. Bezirk, transferiert) Hungelbrunn (ein Teil davon gehört zur Wieden) Laurenzergrund Margareten Matzleinsdorf Nikolsdorf Reinprechtsdorf
Wappen mini|hochkant|Bezirkswappen Margareten Der Wappenschild des Bezirks ist sechsgeteilt und repräsentiert die sechs ehemaligen Vorstädte. Die sechs Wappen werden folgendermaßen zugeordnet: Margareten (Herzschild): Es zeigt die Heilige Margareta von Antiochia auf Wolken sitzend vor einem goldenen Grund. Unter ihr liegt ein grüner Drache. Das Wappen geht auf die im Ende des 14. Jahrhunderts im Margaretener Schloss gestiftete Kapelle zurück. Nikolsdorf (vom Betrachter aus gesehen links (heraldisch rechts) oben): Er zeigt den Heiligen Nikolaus auf rotem Grund auf einer grünen Wiese. Das Wappen wurde gewählt, da der Ort zu Ehren des Gründers Nikolaus Oláh, ursprünglich Nikolausdorf genannt worden war. Matzleinsdorf (rechts oben): Der rechte, obere Wappenteil zeigt mit Florian ebenfalls einen Heiligen. Dieses Symbol für den Bezirksteil Matzleinsdorf wurde gewählt, da Florian der Patron der örtlichen Pfarrkirche ist. Hundsturm (links unten): Auf blauem Hintergrund ist ein silberner Turm abgebildet, aus dem ein herausspringendes, silbernes Einhorn herausragt. Das sprechende Wappen symbolisiert das 1672 gebaute gleichnamige Schloss. Reinprechtsdorf (rechts unten): Er zeigt einen blauen, goldverzierten Reichsapfel, der aus dem Siegel des Wiener Bürgerspitals entnommen wurde. Dieses war bis zum 18. Jahrhundert der Grundherr des Ortes. Laurenzergrund (unten): Er zeigt das Symbol des Martyriums des heiligen Laurentius, der auf einem Feuerrost zu Tode gefoltert wurde.
Geschichte mini|hochkant=0.7|Hundsturm mit Linienwall in den 1770er Jahren
Margareten wird zum fünften Bezirk mini|Matzleinsdorfer Platz mit Südbahn in Richtung Favoriten
Alle Vorstädte des heutigen Bezirks Margareten wurden neben einer Reihe anderer südlich des Wienflusses am 6. März 1850 als 4. Bezirk, Wieden, eingemeindet. Nach längeren Debatten im neuen Bezirk, bei denen die für die damaligen Zeiten relativ große West-Ost-Ausdehnung der neuen Gebietseinheit und ihre unterschiedliche soziale Struktur ins Spiel gebracht wurden, wurde der Bezirk 1861 geteilt: Der östliche, bürgerliche, an den 1. und 3. Bezirk angrenzende Teil blieb 4. Bezirk (mit 55.000 Bewohnern), der vom Stadtzentrum entferntere Teil, ein Arbeiterbezirk, wurde als neuer 5. Bezirk (32.000 Bewohner) konstituiert (die bisherigen Bezirksnummern 5 bis 8 wurden zu 6 bis 9). Die Rücksichtnahme auf historisch gewachsene soziale, wirtschaftliche und bauliche Unterschiede war für diese Änderung der Bezirkseinteilung des Jahres 1850 ebenso maßgeblich wie das Beispiel der bereits bestehenden separaten Polizeibezirke Wieden und Margareten. Dazu kam noch die Notwendigkeit einer effizienten Verwaltung des großen und sich rasant entwickelnden Areals vor der Favoritner Linie, das dadurch in annähernd gleich große Hälften geteilt wurde.
Somit wurde der vormalige 4. Bezirk in Nord-Süd-Richtung, quer zu seiner Längsausdehnung, geteilt. Die neue Bezirksgrenze wurde folgendermaßen festgelegt: Kettenbrückengasse, Neu-Wiedner Straße (heutige Margaretenstraße), Kleine Neugasse, Mittersteig, Ziegelofengasse, Blechturmgasse, über den Linienwall (heute: Gürtel) von diesem entlang der Südbahn nach Osten zur Laxenburger Straße und diese entlang bis zur heutigen Kreuzung mit der Inzersdorfer Straße (wo die damalige Stadtgrenze verlief, diese entspricht heute noch der Katastralgrenze zwischen den Bezirksteilen Favoriten und Inzersdorf-Stadt). Im Südwesten reichte der Bezirk damit bis zur Spinnerin am Kreuz.
1874 verlor Margareten den gesamten Bezirksteil südlich des Gürtels, mitsamt den beiden Matzleinsdorfer Friedhöfen, dem katholischen (heute Waldmüllerpark) und dem Evangelischen Friedhof, an den neuen 10. Bezirk, Favoriten. 1907 wurde Margareten durch Transferierung des westlich außerhalb des Gürtels gelegenen Teiles der ehemaligen Vorstadt Hundsturm („Neumargareten“ inkl. Hundsturmer Friedhof) an den 12. Bezirk, Meidling, noch einmal etwas verkleinert und blieb so bis heute bestehen.
Die Zeit bis zum Ersten Weltkrieg mini|In der Matzleinsdorfer Linienkapelle wurde den an den Hinrichtungsstätten am Wienerberg hinzurichtenden Personen Gelegenheit zu einem letzten Gebet gegeben.
Der 5. Bezirk wies bei seiner Gründung noch vorwiegend ländlichen Charakter auf, vor allem gegen den Linienwall zu befanden sich zahlreiche Grünanlagen, Gärten, Wiesen, Äcker und Gemüsefelder.