Die Neue Gesellschaft für Literatur e. V. Berlin (NGL) wurde 1973 von Ingeborg Drewitz und anderen Autoren gegründet und war Berlins größter Autorenverein. presseportal.de vom 26. Juni 2003

Geschichte Gründungsansätze Auf Anregung des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) und unter Federführung der Mitbegründerin des Verbandes und seinerzeit stellvertretenden Vorsitzenden Ingeborg Drewitz wurde 1973 die Neue Gesellschaft für Literatur (NGL) als eingetragener Verein in West-Berlin gegründet und ab 1990/91 ihr Wirkungskreis auf ganz Berlin ausgedehnt. Nicht zuletzt ökonomische Zwänge hatten zur Gründung der NGL geführt: nachdem der VS Teil einer Gewerkschaft geworden war, fiel die Möglichkeit der direkten Förderung von Aktivitäten und Veranstaltungen mit Lesungen durch die Berliner Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten weg, weil diese Behörde per se keine Fördergelder an eine Gewerkschaft zahlen kann.

Ein neuer Ansatz der NGL bei ihrer Gründung war „sowohl die Zusammensetzung, d. h. außer Autoren auch andere Berufs- und Gesellschaftsgruppen aufzunehmen, als auch der Rahmen, in dem dies geschehen konnte, nämlich die Arbeits- und Projektgruppen.“ Auf der Gründungsversammlung beantwortete Hannes Schwenger, „ein Autor, der neben Ingeborg Drewitz u. a. die Gründung der NGL maßgeblich vorangetrieben hat“, die Frage, inwieweit der neue Verein politisch sein müsse oder sein dürfe, damit, dass „es bei der NGL in erster Linie um das Prinzip der Demokratisierung und um das Finden neuer Interessengruppen gehe.“Hedi Schulitz: Neue Gesellschaft für Literatur – Was sie war und was sie will. In: Olav Münzberg, Bernd Erich Wöhrle (Hrsg.): Literatur vor Ort – eine literarisch-dokumentarische Anthologie über die Neue Gesellschaft für Literatur Berlin. Neue Gesellschaft für Literatur (Hrsg.). Argon Verlag, Berlin 1995, S. 138–146.

Dieser demokratische Anspruch sollte auch „in seiner gesamten inneren Struktur zum Ausdruck“ gebracht werden. So wurden in einem breiten, demokratischen Verfahren die Vorstandsmitglieder gewählt: je drei Vertreter aus den Reihen der NGL und des VS sowie je ein Vertreter aus den Arbeits- bzw. Projektgruppen. Auf diese Weise kam es zu einer mindestens elfköpfigen Vorstandsgruppe, die ihrerseits die Aufgabe hatte, aus ihren drei Gruppen je einen Vertreter zu bestimmen, so dass „sich der ‚eigentliche‘ Vorstand, das sogenannte geschäftsführende Präsidium also, aus drei Personen zusammensetzte“. Dieses Präsidium hatte im Wesentlichen die Aufgabe, den Verein nach außen zu vertreten, sich für die Abrechnung der staatlichen Zuwendungen verantwortlich zu erklären sowie sich darum zu bemühen, die Vorschläge und Initiativen aus der gesamten Vorstandsgruppe voranzutreiben. Wie „von vielen Seiten bestätigt“, blieb jedoch in den ersten Jahren die Entscheidung über das, was umgesetzt werden sollte oder nicht, vorwiegend an Ingeborg Drewitz und Dieter Straub hängen. Dies lag vor allem auch darin begründet, dass der Senat für Kulturelle Angelegenheiten erst 1979 eine feste Halbtagsstelle mit 20 Wochenstunden für ein geschäftsführendes Sekretariat bewilligte, was erst 1985 bzw. 1991 auf 30 bzw. 40 Wochenstunden erhöht wurde; parallel dazu bekam die NGL erst ab 1984 ein nennenswertes Büro zur Verfügung gestellt.

Angebote Die NGL bot Autorinnen und Autoren und anderen kulturellen Institutionen in Berlin und nach der Wende auch in Brandenburg in unterschiedlicher Form Unterstützung an. So veranstaltete sie Lesungen, Diskussionsrunden, Ausstellungen, Kolloquien und Festivals wie die von Horst-Dieter Klock als Projekt gegründeten und von 1990 bis 1999 geleiteten Berliner Märchentage, das Internationale Berliner Comicfestival, die Lesershow (Berliner Festival junger Autoren) und die Werkstatt für junge Autoren.

Darüber hinaus gab sie auch mehrere Anthologien und Almanache mit Beiträgen ihrer Mitglieder und in anderen Zusammenhängen heraus.Siehe Bernd Heimberger: An alle, alle, alle! Rezension zu Arn Aske u. a. (Hrsg.): Die Wüsten Leben. Neue Gesellschaft für Literatur, Berlin 1996. In: Lesezeichen des Luisenstädtischen Bildungsvereins, 1996 Zudem begründete sie mit Hannes Schwenger als Initiator und ehrenamtlichen Verlagsleiter 1979 die Edition Mariannenpresse für ihre eigenen Herausgaben sowie als Projektförderung von Schriftstellern und Künstlern (später auch unter Mitwirkung anderer Träger) zur Verwirklichung von u. a. Büchern, Mappen und Textplakaten nach deren Vorstellungen.Edition Mariannenpresse – Ausstellung aus dem Bestand der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin 13.11.2013 – 06.01.2014 (PDF; 972 kB) Hinweis der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin mit umfangreicher Liste ausgestellter Werke der Edition Mariannenpresse in der Reihenfolge ihres Erscheinens, 4 Seiten Ferner war die NGL in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft kleiner Verlage in der Berliner Verleger- und Buchhändlervereinigung Träger der Berliner Buchausstellung „exlibris“ sowie Mitbegründer des Deutsch-Polnischen Poetendampfers.

Auflösung der NGL Die letzten Meldungen zur NGL finden sich für den 29. Juni 2003 zum 30-jährigen Bestehen des Vereins, seinerzeit zählte er noch „mehr als 400 Mitglieder“, Mitte der 1990er sogar nahezu 700 Mitglieder. Über Wayback Machine ist die Homepage der NGL vom 30. Juli 2004 unter www.ngl-berlin.de letztmals aktualisiert abrufbar., letztmals aktualisierte abrufbare Homepageseiten der NGL, ngl-berlin.de

Laut Dietger Pforte erfolgte 2004 die Auflösung der NGL, da der Verein innerhalb des nach der Wende völlig neu strukturierten literarischen Lebens in Berlin keine Wirkungsmöglichkeiten mehr gesehen hat.Nach einer Mitteilung im Oktober 2019 von Dietger Pforte, ehemaliger Leiter (1977–1996) des Literaturreferats in der Berliner Senats-Kulturverwaltung

Die von der NGL 1990 initiierten Berliner Märchentage wurden ab 2004 von dem ebenfalls in Berlin ansässigen Verein Märchenland e. V. übernommen und weitergeführt. Gründerinnen des Vereins sind die frühere Berliner-Märchentage-NGL-Projektleiterin Silke Fischer und die frühere NGL-Geschäftsführerin Monika Panse, die seither als Direktorin bzw. Geschäftsführerin für den Verein tätig sind.

Die Mitglieder der Prosawerkstatt der NGL beschlossen, nach der Auflösung der NGL ihre Tätigkeit als Literaturwerkstatt fortzusetzen. Sie gründeten hierfür und um die Traditionen der NGL fortzusetzen die Gesellschaft für neue Literatur (GNL). Leiter der Prosawerkstatt der NGL seit 1999 und Gründungsvorsitzender der GNL ist Klaus Berndl.Impressum der Website der GNL, online unter gnlberlin.de

Organisation Präsidien bzw. Vorstände Siehe dem Abschnitt Gründungsansätze schwankte die Anzahl der Personen im Vorstand bzw. im Präsidium über die bis 1995 angezeigten Jahre. Die bis Juni 1980 aufgeführten Delegierten, aus denen wiederum dann das geschäftsführende Präsidium gewählt wurde, werden hier nur einmal exemplarisch für die Jahre 1973 bis 1976 aufgelistet. Ab 1980 werden in der Quelle nur noch drei bis fünf Vorstandsmitglieder mit einem „1. Vorsitzenden“ benannt – zuweilen in hoher Schlagzahl bzw. kurzen Zeitabständen.6. Chroniken 1973–1995 – a:Vorstände, s. S. 240–243 in: Olav Münzberg, Bernd Erich Wöhrle (Hrsg.): Literatur vor Ort – eine literarisch-dokumentarische Anthologie über die Neue Gesellschaft für Literatur Berlin. Neue Gesellschaft für Literatur (Hrsg.). Argon Verlag, Berlin 1995. Nach 1995 konnten bislang lediglich über Wayback Machine die einstige Homepage unter www.ngl-berlin.de für den 30. September 2000 ngl-berlin.de/vorstand bis 30. Juni 2004 ngl-berlin.de/vorstand abgerufen und daraus die weiteren, vermutlich letzten Vorstandsmitglieder entnommen werden.

Erstes Präsidium der Gründungsmitglieder: 27. April bis 29. Oktober 1973: Wolfgang Paul, Heinz Steinberg, Robert Wolfgang Schnell Nach erster ordentlicher Mitgliederversammlung (MV) in den Vorstand gewählte Delegierte siehe Klammerangaben: ab 29. Oktober 1973: MV: Manfred Busche, Horst Eifler, Klaus Peter Herbach VS: Ingeborg Drewitz, Marianne Eichholz, Robert Wolfgang Schnell AGs/Projektgruppen: Dieter Straub (Lyrik), Eberhard Alexander-Burgh (Kinderbuch), Wolfgang Paul (Internationales Buch), Hartmut Frech (Autorenausbildung), Manfred Deger (Kulturpolitik) Hieraus hervorgegangenes geschäftsführendes Präsidium: 19. Dezember 1973 bis 30. November 1976: Manfred Busche, Ingeborg Drewitz, Dieter Straub

Hierauf folgende geschäftsführende Präsidien jeweils ab: 30. November 1976: Ingeborg Drewitz, Elmar Engels, Hans Häußler 19. Dezember 1978: Ingeborg Drewitz, Elmar Engels, Dieter Straub 17. Dezember 1979: Ingeborg Drewitz, Elmar Engels, Gisela Kraft Hierauf folgende Vorstände jeweils ab: 9. Juni 1980: Gisela Kraft (1. Vorsitzende), Tilmann Lehnert, Gerda Szepansky 10. Dezember 1982: Anna Jonas (1. Vorsitzende und Delegierte des VS), Christiane Binder-Gasper, Rolf Dürr 12. Dezember 1983: Ulrich Goerdten (1. Vorsitzender), Nepomuk Ullmann, Paul Schuster (VS) 18. Dezember 1984: Ulrich Goerdten (1. Vorsitzender), Sabine Techel, Olav Münzberg (VS) 24. September 1985: Olav Münzberg (1. Vorsitzender und Delegierter des VS), Sabine Techel, Peter Stephan 1. Dezember 1986: Olav Münzberg (1. Vorsitzender und Delegierter des VS), Claudio Lange, Merve Lowien 23. Februar 1987: Olav Münzberg (1. Vorsitzender und Delegierter des VS), Claudio Lange, Merve Lowien, Josef Peter Budek, Hans Häußler 14. Oktober 1987: Olav Münzberg (1. Vorsitzender und Delegierter des VS), Claudio Lange, Merve Lowien, Erika Stöppler, Rajvinder Singh 1. November 1988: Hans Häußler (Kommissarischer 1. Vorsitzender), Claudio Lange, Merve Lowien, Rajvinder Singh 9. März 1989: Olav Münzberg (1. Vorsitzender und Delegierter des VS), Rajvinder Singh, Ursula Lehmer, Elsbeth de Roos, Wolfgang Fehse 14. Dezember 1989: Olav Münzberg (Kommissarischer 1. Vorsitzender), Ursula Lehmer, Elsbeth de Roos 15. Januar 1990: Ursula Lehmer (1. Vorsitzende), Elsbeth de Roos, Annegret Gollin, Hans Häußler, Olav Münzberg 8. April 1991: Hans Häußler (Kommissarischer Vorsitzender), Olaf G. Klein (Bestätigung der Kooptierung), Maja Wiens 3. Februar 1992: Annegret Gollin (1. Vorsitzende), Hans Häußler, Olav Münzberg, Angelika Skoda, Henryk Bereska 1. Februar 1993: Jüm Hinrich Volkmann (1. Vorsitzender), Ingeborg Görler, Hans Häußler, Detlev Kurzweg, Olav Münzberg 27. September 1993 bis?: Bernd Erich Wöhrle (1. Vorsitzender), Ingeborg Görler, Hans Häußler, Olav Münzberg 21. März 1995 bis?: Dorothee Neserke (Zuwahl)

Nachweislich der einstigen Homepage unter www.ngl-berlin.de vom 30. September 2000 und 30. Juni 2004 vermutlich letzte Vorstandsmitglieder: 1996 bis 1999: Rolf Dürr (Vorstandsvorsitzender) 2000 bis 2004: Henry Kersting (Vorstandsvorsitzender), Kathrin Külow (1. Stellvertreterin), Rolf Dürr (2. Stellvertreter)

Geschäftsstelle Nachfolgend genannte Personen führten die Geschäftsstelle des NGL6. Chroniken 1973–1995 – b:Geschäftsstelle, s. S. 243 in: Olav Münzberg, Bernd Erich Wöhrle (Hrsg.): Literatur vor Ort – eine literarisch-dokumentarische Anthologie über die Neue Gesellschaft für Literatur Berlin. Neue Gesellschaft für Literatur (Hrsg.). Argon Verlag, Berlin 1995. ehrenamtlich ab: 1973: Adalbert Norden 1974: Gabriele Fuchs 1975: Beate Becker 1976: abwechselnd Beate Becker und Gabriele Dörwald 1977: abwechselnd Gabriele Dörwald, Barbara Höpner und Ingrid Höpfner 1978: Ingrid Höpfner

Nachfolgend genannte Personen führten die Geschäftsstelle im Auftrag des NGL hauptamtlich, ab 1998 Übernahme durch Märchenland e. V.: 1979: Mechthild Wilhelmi 1982: Wilhelm Steffens 1983: Bernd Schmidt (1982 und 1983 leitete er auch das Berliner Bücherforum „ex libris“) 1984: Ernest Wichner 1985: Rosemarie Still 1987: Josef Budek 1990: Hedi Schulitz 1992: Anna Tüne 1993: Isolde Arnold ab Sept. 1994 bis?: Barbara Fischer