Die Walzbach ist ein gut 20 Kilometer langer Bach im Norden des baden-württembergischen Landkreises Karlsruhe, der im südwestlichen Kraichgau entsteht, bei Weingarten (Baden) in die Oberrheinische Tiefebene eintritt und dort von rechts in die Pfinzkorrektion mündet. In Weingarten zweigt der Weingartener Entlastungskanal ab, der auf kürzerem Wege der Pfinzkorrektion zufließt.
Namen Im örtlichen Dialekt ist „Bach“ feminin; die heutige Bahnhofsstraße in Weingarten hieß früher An der Bach.
Im Amtlichen Digitalen Wasserwirtschaftlichen Gewässernetz (AWGN) trägt die Walzbach die lokalen Namen Weingartener Bach für den Abschnitt unterhalb von Weingarten und Lachengraben unterhalb der Mündung des Grombachs.
In Karten des 19. Jahrhunderts wird das Gewässer Dreckwalz oder Dreckwalzbach genannt, in älteren Quellen finden sich die Bezeichnungen „Die Bach, die Waltzendreck genannt“ (1617) und „Walz, den Dreck Bach“ (1738). Diese Namen werden meist auf die gelbe bis dunkelbraune Farbe des Wassers bei starkem Regen zurückgeführt, die Folge der hohen Sedimentfracht aus dem Lössgebiet des Kraichgaus ist.
Heute nicht mehr gebräuchliche lokale Namen waren Waldbach im Oberlauf und Heiliger Graben in Büchenau.
Geographie Hungerquelle Die Walzbach entspringt der Hungerquelle (auch Hungerbrunnen), einer episodisch schüttenden, artesischen Quelle. Sie liegt in einem Tal auf in einer Waldlichtung unweit der Grenze zwischen Walzbachtal und Königsbach-Stein und südlich des Landschaftsschutzgebietes Wössinger Waldwiesen, etwa drei Kilometer ostsüdöstlich von Wössingen. Das Tal setzt sich oberhalb der Quelle nach Südsüdost als rund zwei Kilometer langes Trockental fort, durch das die Transalpine Ölleitung (TAL) verläuft. Im Südosten schließt sich die verkarstete Hochfläche der Bauschlotter Platte an. Im Bereich der Hungerquelle liegt der mittlere Karstwasserspiegel etwas über .
Der Name „Hungerquelle“ verweist auf den Volksglauben, eine Schüttung der Karstquelle kündige Missernten und Teuerung an. Nach Angaben von 1817 schüttete die Quelle 1563, 1571, 1636, 1699, 1744 und 1771. Nach einem Bericht des Wössinger Schultheißen von 1816, dem Jahr ohne Sommer, war die Schüttung in diesem Jahr so groß, dass der Betrieb eines Mühlrades möglich gewesen wäre. Als die Hungerquelle 1800 eingetrocknet sei, habe man das Loch zugeworfen und die Quelle verdammt, so der Schultheiß.
In den letzten Jahren schüttete die Hungerquelle 2003, im Februar 2011, im Juni 2013 und im Juni 2021. Dabei tritt das Wasser in Schwallen aus und es steigen ständig Luftblasen auf. Im Mittel schüttet die Quelle alle sieben bis acht Jahre für einige Monate. Die Hungerquelle ist seit 1989 als Flächenhaftes Naturdenkmal ausgewiesen.
Verlauf Kraichgau An der Hungerquelle ungefähr westnordwestliche Richtung einschlagend, erreicht die Walzbach nach rund 2,5 Kilometer Lauf durch das Schifftal den Ortsrand von Wössingen. Dabei passiert sie die Lausquelle, die ebenfalls als Naturdenkmal ausgewiesen ist. Fast im gesamten Lauf bis Wössingen wird die Walzbach von einem Auwaldstreifen begleitet; die Biotopkartierungen weisen den Bach als naturfern und begradigt aus. Oberhalb der Kreisstraße 3565 (Wössingen–Stein) durchquert der Bach eine Waldinsel, in der das Gewässer ebenfalls begradigt ist, sich aber in einer Entwicklung zu naturnahen Strukturen befindet.
Am Ortsrand von Wössingen fließt die Walzbach am rechten Rand der Aue; in der Aue liegt das nicht dauereingestaute Hochwasserrückhaltebecken Brühl mit einem gewöhnlichen Hochwasserrückhalteraum von 6.840 Kubikmetern. Rund 350 Meter unterhalb des Rückhaltebeckens beginnt die etwa einen Kilometer lange Wössinger Verdolung. Innerhalb des verdolten Abschnittes fließt der Walzbach von rechts der Falltorgraben zu, der das Gebiet um die Steinbrüche des Zementwerks im Nordosten Wössingens entwässert.
Am westlichen Ortsrand von Wössingen überquert die Kraichgaubahn (Heilbronn–Karlsruhe) die Walzbach; knapp einen Kilometer weiter folgt die Bundesstraße 293 (Heilbronn–Pfinztal). Auch zwischen Wössingen und Jöhlingen, beides Ortsteile von Walzbachtal, ist das Bachbett begradigt und naturfern, aber überwiegend von einem Auwaldstreifen begleitet.
Am Ortsrand von Jöhlingen durchfließt die Walzbach das nicht dauereingestaute Hochwasserrückhaltebecken Seewiesen mit einem gewöhnlichen Hochwasserrückhalteraum von 46.000 Kubikmetern. Das Rückhaltebecken markiert den Anfang der gut zwei Kilometer langen Jöhlinger Verdolung, innerhalb der der Walzbach drei, in ihren Unterläufen ebenfalls verdolte Gräben zufließen.
Unterhalb von Jöhlingen verengt sich das Tal, durch das die Landesstraße 559 (Jöhlingen – Weingarten (Baden) – Fähre Leimersheim) verläuft. In zwei gegenläufigen Bögen fließt die Walzbach zunächst nach Norden und schlägt dann westliche Richtung ein. In der Biotopkartierung wird der Bachlauf in diesem Abschnitt als überwiegend naturnah mit dem Charakter eines Flachlandbaches und einigen Merkmalen eines Mittelgebirgsbachs beschrieben. Das Gewässer ist teilweise gewunden mit Prall- und Gleithängen und wird meist von einem schmalen Gehölzstreifen gesäumt.
Etwa auf halbem Weg zwischen Jöhlingen und Weingarten liegt das Hochwasserrückhaltebecken Am Alten Schloss mit einem 7,5 Meter hohen Erddamm und einem gewöhnlichen Hochwasserrückhalteraum von rund 175.000 Kubikmetern. Der Namen des Rückhaltebeckens bezieht sich auf die talabwärts gelegene Wasserburg Schmalenstein, deren wenige Reste die Walzbach in zwei Arme aufgespalten umfließt.
Etwas unterhalb der Burgruine erreicht die Walzbach das bebaute Gebiet der Gemeinde Weingarten. Der Bach durchquert das im relativ engen Tal gelegene Oberdorf; die Mühlkanäle dreier stillgelegter Mühlen werden noch durchflossen. In der Ortsmitte überquert die Bundesstraße 3 (Karlsruhe–Heidelberg) die Walzbach auf der Marktbrücke. Rund 100 Meter unterhalb der Brücke beginnt die gut einen Kilometer lange Weingartener Verdolung, die kurz nach dem Bahnhof an der Strecke Heidelberg–Karlsruhe endet.
Oberrheinische Tiefebene An ihrem Eintritt in die Oberrheinische Tiefebene hat die Walzbach einen Schwemmkegel ausgebildet, auf dem das Unterdorf von Weingarten liegt. Am westlichen Ortsrand liegt der Abzweig des Weingartener Entlastungskanals.
Ab dem Abschlag des Entlastungskanals als Weingarter Bach bezeichnet, verläuft das Gewässer nach Norden bis Nordwesten entlang der Kreisstraße 3539 nach Stutensee-Staffort. Dabei passiert der Weingarter Bach den Ortsteil Waldbrücke und die Kläranlage von Weingarten.
Nach der Unterquerung der Bundesautobahn 5 (Karlsruhe–Heidelberg) wendet sich der Weingarter Bach nach Norden bis Nordosten, verlässt den Wald, den er seit Waldbrücke durchflossen hat und erreicht die Feldflur von Staffort. Hier fließt der Bach zwischen kleinen Dämmen in Hochlage, zum Teil liegt der Wasserspiegel über dem Geländeniveau. Die Hochlage dürfte Folge des über Jahrhunderte praktizierten „Bachputzens“ sein, bei der die Sedimente aus dem Bachbett ausgehoben und am Ufer abgelagert wurden. Laut den Biotopkartierungen wird das Gewässer meist von Feldgehölzen und kleineren Röhrichtbeständen begleitet. An Staffort östlich vorbeifließend, unterquert der Bach die Kreisstraße 3679 nach Büchenau und überquert dann auf einem Aquädukt den Neuen Kanal.
Rund 600 Meter westlich von Büchenau mündet von rechts und Südosten der Grombach, der im Kraichgau entsteht und das Gebiet nördlich des Einzugsgebiets der Walzbach entwässert. Ab der Grombachmündung unter dem Namen Lachengraben nach Norden verlaufend, unterquert der Bach die Landesstraße 558 (Friedrichstal–Bruchsal) und folgt dann der Kreisstraße 3528 Richtung Stutensee-Spöck. Ab Spöck verläuft der Lachengraben in rund 100 Meter Abstand parallel zur hier als Pfinzkorrektion bezeichneten Pfinz, in die der Bach ungefähr auf halbem Wege zwischen Spöck und Neuthard von rechts mündet.
Weingartener Entlastungskanal
Der während der Pfinz-Saalbach-Korrektion (1934–1962) gebaute Weingartener Entlastungskanal zweigt am westlichen Ortsrand von Weingarten von der Walzbach ab. Am Abzweig liegt ein heute rund 2500 Quadratmeter großes, ursprünglich als Schlammfang gebautes Absetzbecken. Das Trapezprofil des dem Hochwasserschutz dienenden Kanals ist für einen Abfluss von zehn Kubikmeter pro Sekunde dimensioniert.
Westliche bis südwestliche Richtung einschlagend, verläuft der Entlastungskanal – auf der Südseite von einer hochwüchsigen Baumhecke begleitet – am Nordrand des Landschaftsschutzgebietes Weingartener Wiesental, eines früheren Wiesenwässerungsgebiets. Auf rund 600 Meter durchfließt der Kanal das Waldgebiet Dörnich, in dem mehrere Grabhügel liegen. Zwischen Waldrand und der Bundesautobahn 5 mündet von links der Weidgraben, der ab Karlsruhe der Autobahn folgt und dabei mehrere Gräben aus dem Naturschutzgebiet Weingartener Moor sowie den Pfinznebenarm Gießbach aufnimmt.
Westlich der Autobahn wendet sich der Kanal – entsprechend dem Verlauf des Wiesentals – in einem langgezogenen Bogen nach Norden und unterquert dabei die Landesstraße von Weingarten nach Stutensee-Blankenloch. Bereits ab der Autobahn der Grenze zwischen dem Wiesental links und einem Waldgebiet rechts folgend, tritt der Kanal auf seinen letzten rund 500 Metern vollständig in das Waldgebiet ein. Der Weingartener Entlastungskanal mündet rund 1,5 Kilometer östlich von Blankenloch an der Kreuzlachallee von links in die hier als Pfinzkorrektion bezeichnete Pfinz. Im Regelfall führt die Pfinz oberhalb der Einmündung kein Wasser, da der Abfluss rund 1,3 Kilometer flussaufwärts durch ein Wehr in den Flussarm Heglach geleitet wird.
Zuflüsse Hierarchische Liste der Zuflüsse und class=noviewer|10px Seen des Walzbachs von der Quelle zur Mündung. Einziger Zufluss des Weingartener Entlastungskanals ist der Weidgraben: Zuflüsse des Weidgrabens siehe → Weidgraben (Weingartener Entlastungskanal)#Zuflüsse
Gewässerlänge, Seefläche, Einzugsgebiet und Höhe nach den entsprechenden Layern auf der Onlinekarte der LUBW. Andere Quellen für die Angaben sind vermerkt.
Die Walzbach entspringt der Hungerquelle 3 km ostsüdöstlich von Wössingen (, ), in den Waldwiesen unweit der Grenze zwischen Walzbachtal und Königsbach-Stein. Passiert auf etwa das nicht dauereingestaute Rückhaltebecken Brühl () am oberen Ortsrand von Wössingen. Brühlbach, von links auf etwa , 200 m langer Bach in einem Wiesengelände am Wössinger Ortsrand. Falltorgraben, von rechts auf etwa in Wössingen, verdolter Zufluss zum ebenfalls verdolten Walzbach, 1,9 km und 3,9 km² einschließlich seiner Zuflüsse. Entsteht auf etwa südlich des Wickenbergs an der Bundesstraße 293 . Muldengraben, von rechts auf etwa an der Bundesstraße 293, 0,7 km. Entsteht auf etwa südlich des Streichentals . Wickenberggraben, von links auf etwa nördlich der Bundesstraße 293, 0,5 km. Entsteht auf etwa nordwestlich des Wickenbergs . Bach rechts dem Neuen Graben, von links auf etwa am westlichen Ortsrand von Wössingen, 0,4 km. Entsteht auf etwa nördlich des Durlacher Wegs . Erlachgraben, von links auf etwa bei den Sportplätzen im Rohren, 1,0 km. Entsteht auf etwa im Gewann Erlach . Höllgraben, von rechts auf etwa beim Gewann Gänsgraben, 1,3 km. Entsteht auf etwa im Naturschutzgebiet Zwölf Morgen . Durchfließt auf etwa das nicht dauereingestaute Rückhaltebecken Seewiesen () am Ortsrand von Jöhlingen, Beginn eines verdolten Abschnitts. Attental, von links auf etwa im verdolten Abschnitt innerhalb Jöhlingens, 1,0 km. Entsteht auf etwa im Attental südwestlich von Jöhlingen . Langentalgraben, von rechts auf etwa im verdolten Abschnitt innerhalb Jöhlingens, 1,9 km. Entsteht auf etwa im Inzeloch . Durchfließt auf etwa das nicht dauereingestaute Rückhaltebecken Langental (). Grund, von rechts auf etwa im verdolten Abschnitt innerhalb Jöhlingens, 2,3 km und 2,1 km² einschließlich seines Zuflusses. Entsteht auf etwa östlich des Martinshofes am Hölzernen Brückle .