Ghul ist eine dreiteilige indische Horror-Miniserie aus dem Jahr 2018 von Patrick Graham, die auf dem arabischen Mythos des Ghul basiert und von Graham ursprünglich als Film intendiert war. Alle 3 Folgen wurden am 24. August 2018 weltweit am Stück auf Netflix veröffentlicht.
Handlung
Die Serie spielt in einer dystopischen, nahen Zukunft, in der nach religiösen Terroranschlägen die Regierung einen faschistischen Polizeistaat mit der neuen Sicherheitsbehörde „National Protection Squad“ (NPS) etabliert hat. Bürger, die sich regierungskritisch, anti-national verhalten und entsprechende Gedanken und Literatur verbreiten, werden wegen Terrorverdachts zur Umerziehung verhaftet.
Die Muslima Nida Rahim, die eine Ausbildung an der Akademie des NPS in der Abteilung „Erweiterte Verhörmethoden“ macht, zeigt ihren Vater, einen Lehrer, wegen aufrührerischer Literatur an und wird vor Abschluss ihrer Ausbildung in das Verhörzentrum „Meghdoot 31“ befördert, wo am selben Tag ihrer Ankunft auch der Gefangene Ali Saeed, der gefährlichste Terroristenführer und größte Feind des Staates, eingeliefert wird. Nachdem dieser bei mehreren Verhören verschiedene Verhöroffiziere dazu gebracht hat, die Beherrschung zu verlieren, indem er ihre Sünden und Geheimnisse offenlegte, kommt Nida dahinter, dass der Gefangene kein Mensch ist, sondern ein Ghul.
Mythologie des Ghul
Im persisch-arabischen Kulturkreis ist ein Ghul ein gefährlicher Dämon, der seine Gestalt verändern kann und Menschen verschlingt. Diese Eigenschaften hat er auch in der Serie. Hier wird er als durch einen Handel beschworener Rachedämon dargestellt. Wenn der Ghul sich in seiner eigentlichen Gestalt enthüllt, wird er im Körper der letzten übernommenen Person, aber mit blaugrauer Haut, überlangen und spitzen Fingernägeln und Zähnen und vollständig schwarzen Augen gezeigt. Nida, die dann bereits ahnt, dass Ali Saeed kein Mensch ist, aber noch nicht versteht, was er stattdessen ist, erhält in der dritten Folge durch den Mawlawi eine Erklärung über die Mythologie und Eigenschaften des Ghuls, die auch für die Zuschauer die erste Erwähnung und Erklärung des Serientitels ist:
Das Symbol zur Beschwörung des Ghuls besteht aus zwei Viertelkreisen einer oberen Kreishälfte, die an den Ecken durch einen Bogen verbunden werden. Zu dem Ritual gehört außerdem die Wiederholung der Formel: „Vollende die Aufgabe, offenbare ihre Schuld, friss ihr Fleisch,“ welche den Titel der dritten Episode bildet.
Teile der Erklärung des Mawlawi hat Netflix für den dritten Trailer zu Ghul vom 9. August verwendet, der „What is Ghoul?“ betitelt ist und den Serientitel erklären soll. Netflix selbst fügte folgende Beschreibung zum Ghul hinzu:
Entstehungsgeschichte und Produktion
Nach Eigenaussage hatte der 2010 nach Mumbai gezogene britische Filmemacher Patrick Graham, nachdem er viel über moderne Folter, etwa über 9/11 und Camp X-Ray gelesen hatte, einen Albtraum über einen Insassen einer Haftanstalt, der die Wärter und Gefangenen in Angst versetzt, und nach dem Aufwachen diesen in ein Drehbuch entwickelt. Zur Frage über die Art des dunklen Übernatürlichen in seiner Geschichte stieß Graham bei der Lektüre über arabische Folklore auf den Ghul, der aufgrund seiner Eigenschaften perfekt passe. Graham wollte ein Monster einer bislang im Horror ungesehenen Mythologie verwenden, Zombies, Vampire und Werwölfe seien zu abgedroschen.
Das Drehbuch sollte ursprünglich ein Kinofilm werden, hatte aber Probleme mit der Zensurbehörde, möglicherweise wegen der Darstellung der Armee. Nach der Verkündung einer Partnerschaft der Produktionsfirmen Blumhouse Productions, Ivanhoe Pictures und Phantom Films am 3. September 2014 zur Produktion von indischen Horrorfilmen trat Graham an Phantom Films und Ghul wurde die erste Produktion dieser Partnerschaft. Die Dreharbeiten begannen in Indien 2016. Gedreht wurde im Keller des Tulip Star Hotels, laut Hauptdarstellerin Apte über einen Monat lang 14 Stunden am Tag in einem feuchten, dunklen und übelriechenden Ort. Nachdem etwas Material für den Film gedreht worden war, empfand Graham, dass ein längeres Format der Geschichte besser gerecht werden würde, und wandelte sie in eine Miniserie um, nachdem Netflix im Februar 2018 die Rechte an der Produktion erwarb. Dadurch konnten Hintergrundgeschichten für mehr charakterliche Tiefe hinzugefügt werden; ein großer Teil der ersten Episode, die die Beziehung zwischen Nida und ihrem Vater zeigt, besteht aus solchem zusätzlichem Material.
Marketing und Veröffentlichung durch Netflix
Für Netflix ist die Serie die zweite indische Serien-Produktion nach Der Pate von Bombay von Phantom Films, die im Juli 2018 erschien. Bereits dort wirkten Produzent Vikramaditya Motwane und Schauspielerin Radhika Apte mit. Die Werbung zu Ghul in Indien nahm hierauf Bezug, indem alte Plakate für Der Pate von Bombay mit dem Ritualsymbol in Blut zur Beschwörung des Ghuls übermalt wurden. Netflix veröffentlichte ab Juli insgesamt drei Trailer zu Ghul, darunter einen ohne Worte und einen, der den Serientitel erklärt. Die Vorpremiere der Serie fand am 22. August 2018 in Mumbai auf einem zum Horror-Genre passenden schwarzen Teppich statt. Veröffentlicht wurde Ghul auf Netflix weltweit am 24. August.
Episodenliste
Besetzung und Synchronisation
Die deutschsprachige Synchronisation entsteht nach einem Dialogbuch und unter der Dialogregie von Angelika Scharf durch das CSC-Studio in Hamburg.
Rolle Darsteller Synchronsprecher Nida Rahim Radhika Apte Linda Fölster Oberstleutnant Sunil Dacunha Manav Kaul Clemens Gerhard Ali Saeed Mahesh Balraj Tomas Kröger Major Laxmi Das Ratnabali Bhattacharjee Shahnawaz Rahim S. M. Zaheer
Rezeption
In der IMDb erreicht Ghul eine Bewertung von 7,2 bei über 10.000 angegebenen Bewertungen und bei Rotten Tomatoes eine Kritikerwertung von 86 % und eine Zuschauerbewertung von 79 %. Der dort formulierte Kritikerkonsens lautet: „Kurz, schaurig und überraschend ergreifend; Ghuls angereicherte Sorte von Horror ist bekannt, aber wirkungsvoll.“Original: „Short, spooky, and unsurprisingly poignant, Ghoul’s concentrated brand of horror is familiar, but effective.“
In der indischen Rezeption wird besonders die politische Kritik der Serie gelobt. „Ghoul packt gesellschaftlichen Wandel an der Seite von Religion auf eine wirkungsvolle und dramatische Weise an.“ Saraswati Datar der News Minute schreibt:
Der Plot der Serie wird häufig für subversiv befunden. Rohan Naahar der Hindustan Times kritisiert aber, dass der politische Aufbau und Subtext des Anfangs unter dem übernatürlichen Horror aufgegeben und begraben werde.
In Deutschland empfindet Juliane Klein von Citizen Z die Serie als „willkommene Abwechslung“ und urteilt positiv: „Obwohl der Hintergrund zu manchen Gegebenheiten in Richtung Mystery und Aberglauben tendierte, schaffte es der Kontrast zu Terror- und Militär-Thematik dies wunderbar wieder einzufangen. Hier konnte die Story und vor allem die filmische Leistung aufblühen und mit dem Zuschauer eine Gratwanderung durchleben zwischen düsterer Folklore und realem Wahnsinn.“ Deutlich negativer und insgesamt nur durchschnittlich fällt die Wertung auf film-rezensionen.de aus:
Auszeichnung und Nominierungen
Ghul gewann bei den Golden Trailer Awards 2019 für das beste Horror/Thriller-Poster einer Fernseh- oder Streaming-Serie. Bei den Indian Television Academy Awards 2018 waren die beiden Darstellerinnen Radhika Apte als beste Schauspielerin und Ratnabali Bhattacharjee als beste Nebendarstellerin in einer Webserie nominiert.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Fernsehserie der 2010er Jahre Kategorie:Fernsehserie (Indien) Kategorie:Horror-Fernsehserie Kategorie:Miniserie Kategorie:Netflix