mini|Blick vom Stadtberg über dem Theater zu den Thermen Die Archäologische Zone Fiesole () umfasst mit einer Größe von rund drei HektarFrancesca Bellini delle Stelle, Anna Mannari, Roberto Sabelli: Le Therme Romane di Fiesole. Commune di Fiesole, Museo Civico, Fiesole 1984, S. 33. zentrale Teile einer antiken etruskischen Stadt, des späteren römischen Faesulum, an dessen Stelle sich heute das italienische Fiesole befindet. Fiesole liegt auf einem das mittlere Arnotal beherrschenden Bergrücken des Apennin nordöstlich der historischen Altstadt von Florenz in der Toskana.Hans Dütschke: Das antike Theater von Fiesole. In: Archäologisches Institut des Deutschen Reiches, Max Fränkel (Hrsg.): Archäologische Zeitung 34, 1877, S. 93–105; hier: S. 93. Zu den Hauptattraktionen der Ausgrabung am nördlichen Rand der Altstadt gehören ein heute wieder genutztes Theater, ein etrusko-römischer Tempel sowie die Thermenanlage der antiken Stadt. Im archäologischen Museum, das über dem in Hanglage liegenden Theater errichtet wurde, können unter anderem die Funde der Ausgrabungen besichtigt werden. Am nördlichen Rand der Grabungen kann außerhalb der Archäologischen Zone ein Abschnitt der außergewöhnlich gut erhaltenen etruskischen Stadtmauer besichtigt werden.

Die antiken Baureste haben verschiedene Künstler inspiriert, so den dänischen Architekturmaler Josef Theodor Hansen (1848–1912), der 1891 eine Ansicht des Theaters schuf, den deutschen Maler Werner Tübke (1929–2004), der 1985 Baustudien und Aquarelle anfertigte oder den Kanadier Tom LaPierre (1930–2010), der 1978 eine freie Umsetzung der Ruinenlandschaft malte.

Geschichte der Ausgrabungen mini|Die Freitreppe zum römischen Tempel mini|Blick über das Theater; Zustand 2016 mini|Frühe Darstellung des Theaters während der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts mini|Die Theaterruine nach den ersten Restaurierungs- und Rekon­struktions­maßnahmen im Januar 1850 mini|Der von Pettirossi als Triumphbo­gen mißdeutete Zugang zur Theater­bühne. Die kannelierten Säulenschäfte vor dem Zugang wurden erst bei den Arbeiten zur Teilrekonstruktion der Cavea im 19. Jahrhundert wieder aufgestellt. mini|Der Plan des Theater um 1875 nach Oskar Delius mini|Das Theater im Jahre 1910 mini|Der rückwärtige Thermenbereich mini|Die Bögen des im 19. Jahr­hundert teilrekonstruierten Frigidariums mini|Das zwischen 1912 und 1914 errichtete Museum

Bereits in der frühmittelalterlichen Gründung der dreischiffigen Basilica di Sant’Alessandro von Fiesole finden sich sekundär verwendete antike Säulentrommeln und Kapitelle. Ausgrabungen in der heute nicht mehr für Gottesdienste genutzten Kirche brachten etruskische, römische und lombardische Funde und Befunde zu Tage.

11. Jahrhundert Bereits 1010 wurde das damals im Machtkampf mit Florenz liegende Fiesole zum ersten Mal überrannt und zerstört. Nur kurze Zeit später erwirkte der damalige Bischof Hildebrandt von Florenz die Erlaubnis von Kaiser Heinrich II. (973/978–1024), für den ab 1013/14 begonnenen Neubau der altersschwachen Kirche San Miniato al Monte, die auf einem Hügel über dem südlichen Ufer des Arno stand, Baumaterial aus dem zerstörten Fiesole zu verwenden. Dabei werden möglicherweise auch schon antike Spolien verbaut worden sein. Zwischen 1025 und 1028 ließ der noch von Kaiser Heinrich II. ernannte Bischof Jakob der Bayer mit dem Bau einer neuen Kathedrale in Fiesole beginnen, die dem Heiligen Romulus gewidmet wurde.Guido Tigler: Toscana romanica, Patrimonio Artistico Italiano, Jaca, ISBN 881660350X, Milano 2006, S. 167. Der deutsche Philologe Hans Dütschke (1848–1928) war sich sicher, dass spätestens zu diesem Zeitpunkt Teile des unmittelbar an das Gotteshaus angrenzenden Theaters, darunter das hochwertig ausgestaltete Bühnenhaus, in Sekundärverwendung abgetragen worden sind.Hans Dütschke: Das antike Theater von Fiesole. In: Archäologisches Institut des Deutschen Reiches, Max Fränkel (Hrsg.): Archäologische Zeitung 34, 1877, S. 93–105; hier: S. 94.

12. Jahrhundert Zumindest die Baureste des Theaters müssen nach dem Ende seiner antiken Nutzung noch bis weit ins Mittelalter sichtbar gewesen sein. So wurde das Gelände der archäologischen Zone von den Einwohnern „Buca delle Fate“ (Feenloch) genannt. In den Ritzen, Spalten und Löchern, welche die Baureste bildeten, wurden die Feen Fiesoles gemutmaßt. Sie standen als Symbole für eine bessere Zeit und hatten sich in die versteckten Gemäuer zurückgezogen, um nicht das Massaker und die Zerstörungen ansehen zu müssen, das die Florentiner nach der zweiten Eroberung Fiesoles im Jahre 1125 anrichteten.

13./14. Jahrhundert Eine erste, kurze Notiz über die Existenz der Thermenanlage von Fiesole datiert aus dem 13. Jahrhundert und wurde von Ricordano Malispini (um 1220 bis um 1290), einem Florentiner Geschichtsschreiber, überliefert. Sie lautet: „… era un bagno chiamato ‚Bagno Regio di Catilina‘ in cui venivano le acque da luni del monte un miglio e mezzo e uscivano da una bocca di leone che parea tutto vivo e naturale.“ (Übersetzung: „… es war ein Bad, das ‚Königliches Bad des Catilina‘ genannt wurde. Das Wasser hierfür kam eineinhalb Meilen von den Berggipfeln herab und sprudelte aus einem Löwenmaul, das vollkommen lebendig und natürlich erschien.“).Ricordano Malispini: Historiae Fiorentine, Kapitel 25 (1270/1290) Faesulum hatte sich 63 v. Chr. am Umsturzversuch des Lucius Sergius Catilina beteiligt. Daran knüpfte die Legende um das Bad an. Im 14. Jahrhundert berichtete der Renaissancedichter Fazio degli Uberti (um 1309 bis um 1367): „… Qui passo a dirti di quel monte come fue ricco di buoni bagni e bei ricetti, di gran condutti e d’uno d’altro …“ (Übersetzung: „An dieser Stelle möchte ich von diesem Berg berichten, der reich an guten Bädern und schönen Wohnstätten war, mit großartigen, verbindenden Wasserleitungen.“).Fazio degli Uberti: Dittamondo (1318/1360) Es ist nicht gesichert, ob diese frühen Hinweise zuverlässig sind, da nicht nachweisbar ist, inwieweit zur damaligen Zeit noch Reste der Therme sichtbar waren, die Autoren also aus eigener Anschauung berichteten oder sich auf mündliche Überlieferungen stützten.Roberto Sabelli: Le terme. In: Luigi Marino, Cinzia Nenci u. a.: L'area archeologica di Fiesole. Rilievi e ricerche per la conservazione. Alinea, Firenze 1995, ISBN 88-8125-017-9, S. 63–66; hier: S. 64.

18./19. Jahrhundert Frühe ausführliche Schriften zu den Ausgrabungen stammen vom Ende des 18. Jahrhunderts, als mit der damaligen Altertumsbegeisterung die ersten archäologischen Funde in Fiesole dokumentiert wurden. Nach dem für 1876 von Dütschke verfassten und 1877 veröffentlichten Aufsatz, war der Theaterbau vom Ende des Mittelalters bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts vollständig mit Schutt und Erde bedeckt. Auf dem abfallenden Gelände waren Bäume gepflanzt worden und ein Weg führte quer über den oberen Teil der Sitzreihen (Cavea) hinweg. Dabei bezog er nur partiell Strukturen des antiken Bauwerks ein. Im Jahr 1792 kam zufällig die rechte nördliche Ecke der Freitreppe zum römischen Tempel ans Licht. Deren Entdeckung wurde jedoch wenig Beachtung geschenkt, so dass die erhaltenen Strukturen in der Folge Zerstörungen erlitten. Doch immerhin kam die Nachricht von dieser Entdeckung dem preußischen Freiherrn Friedmann Heinrich Christian von Schellersheim (1752–1836; in der italienischen Literatur manchmal auch als Friedrich von Scherlestein genannt) zu Gehör, der 1809 mit Ausgrabungen am römischen Theater von Fiesole begannFrancesca Bellini delle Stelle, Anna Mannari, Roberto Sabelli: Le Therme Romane di Fiesole. Commune di Fiesole, Museo Civico, Fiesole 1984, S. 22. und bis 1814 blieb.

Bereits zuvor müssen Grabungen stattgefunden haben, da unter anderen die „Augsburgische Ordinari Postzeitung“ 1805 berichtete, dass man in Fiesole ein „schönes Amphitheater“ entdeckt „und schon größtenteils ausgegraben“ habe. Die bereits damals getätigte Annahme von „wenigstens 30.000 Menschen“,Augsburgische Ordinari Postzeitung von Staats-, gelehrten, historisch- u. ökonomischen Neuigkeiten. 100, 1805, S. 2. die dort Platz gefunden haben, bestätigen moderne Untersuchungen. Es war viel zu häufig eine lukrative, prestigeträchtige und sensationsheischende Gier nach wertvollen Altertümern, die viele frühe Ausgräber antrieb. Daneben kam oft auch eine für die antiken Bauten teils zerstörerische Neugier nach Unentdecktem zum Tragen. Der archäologische Befund als solcher war dann oftmals zweitrangig. In Fiesole änderte sich diese Haltung bei den verantwortlichen Stadtvätern jedoch schon sehr viel früher als an etlichen anderen antiken Stätten. Einige Jahre nach der Abreise von Schellersheim wurde daher beschlossen, die freigelegten Baureste wieder vollständig mit Erde abzudecken, um dem fortwährenden kontinuierlichen Steinraub durch die Bevölkerung Einhalt zu gebieten. So sahen die Anwohner in den freigelegten Mauerreste einen willkommenen Steinbruch. Im Jahre 1815, kurz vor dem Wiederzuschütten des bisher Entdeckten, zeichnete Gaetan Pellucci aus der Florentiner Adelsfamilie der Bini im Auftrag des Architekten Giuseppe Del Rosso (1760–1831) die erste umfassende Karte der archäologischen Ausgrabungen von Fiesole. Zwar ließ Bini einiges an Phantasie in den Plan einfließen, doch gibt er die grundlegenden Konturen der damals bekannten Überreste deutlich wieder.Francesca Bellini delle Stelle, Anna Mannari, Roberto Sabelli: Le Therme Romane di Fiesole. Commune di Fiesole, Museo Civico, Fiesole 1984, S. 22–23. Nachdem das Theater wieder zugeschüttet war, bildete sich sehr schnell erneut ein Weg über die Cavea, den ein Wagen bequem passieren konnte. Lediglich der antike Wasserbehälter, der ungefähr in der Mitte der nordwestlichen Hälfte der Cavea erhalten blieb, ragte in dieser Zeit noch aus der Erde und wurde von den Einwohnern Fiesoles dazu genutzt, die Wäsche zu reinigen.Hans Dütschke: Das antike Theater von Fiesole. In: Archäologisches Institut des Deutschen Reiches, Max Fränkel (Hrsg.): Archäologische Zeitung 34, 1877, S. 93–105; hier: S. 98. Der deutsche Philologe Friedrich Wieseler (1811–1892) beschäftigte sich in seinem 1851 erschienenen Buch „Theatergebäude und Denkmäler des Bühnenwesens bei den Griechen und Römern“ anhand der damals greifbaren italienischen Literatur rein theoretisch mit der zugeschütteten Spielstätte.Friedrich Wieseler: Das Theater zu Fäsulä. In: Theatergebäude und Denkmäler des Bühnenwesens bei den Griechen und Römern. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1851, S. 20–21.

Erst 1870 war das Kapitel der Diözese von Fiesole gezwungen, den Landwirtschaftsbetrieb „Buca delle Fate“ aufzugeben, der in etwa das Gebiet der heutigen archäologischen Zone umfasste, da damals große Teile des kirchlichen Besitzes durch den Staat enteignet wurden. Damit war der Weg für weitere Forschungen frei. Das Gelände wurde im selben Jahr von der Gemeinde Fiesole gekauft. Diese beschloss, sofort weitere Ausgrabungen vorzunehmen. So begannen im September 1873 unter der Leitung des Marchese Carlo Strozzi (1810–1886) im Auftrag der Gemeinde die Arbeiten am Theater, welche bis 1874 andauerten.Luigi Marino, Cinzia Nenci: L'area archeologica di Fiesole. Rilievi e ricerche per la conservazione. Alinea, Firenze 1995, ISBN 88-8125-017-9, S. 20.